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Die Katze ohne Ohren als Vorbote der Apokalypse - Derrick und der Mordfall Erde

Derrick und seine FälleDie Katze ohne Ohren als Vorbote der Apokalypse
Derrick und der Mordfall Erde

"Als ich in Kapstadt war, sah ich eine Einheimische, die eine Katze fütterte. Das merkwürdige daran war, das die Katze keine Ohren hatte. Die UV-Strahlung hat sie ihr einfach weggebrannt. Und die Katze wusste nicht, dass sie keine Ohren hatte."

Diesen Dialog sprach der Schauspieler Karlheinz Hackl als Dr. Kostitz ähnlich in der Folge KATZE OHNE OHREN aus der Reihe Derrick.

Ausgestrahlt wurde die Folge am 06.01.1995.

Fragen der Welt
Das Besondere an dieser Folge, der ich nun in Ausnahme einen zusätzlichen Artikel widme, ist vielschichtiger Natur. Zum einen ist diese Folge anhand von Aussagen durch Horst Tappert, der damals auch die Regie inne hatte, gut belegt, zum anderen gibt es einige Appelle des Autoren Herbert Reinecker im Text, die zunächst nicht ungewöhnlich erscheinen. Denn Herr Reinecker liebte es in Metaphern zu sprechen, um seinen Figuren in den Krimis die Beweggründe für einen Mord seelen-tief aufzuerlegen. In diesem Fall geht es um einen Drogendealer, der erschossen wird. Auch das ist an sich nicht allzu ungewöhnlich für einen Derrick. Doch es gibt eine Vor-Handlung, in der eben dieser Dr. Kostitz über die Fragen der Welt sinniert.

Ein Physiker, der durch die Begegnung mit der Katze ohne Ohren eine Erleuchtung bekam. Diese Begegnung nämlich machte ihm klar, dass die Welt aufstehen muss. Er war ich sicher, dass die Erde vor einer Apokalypse steht. Ein Weltuntergang, der in der massiven Verschmutzung der Umwelt seine Gründe hat. Die UV-Strahlung, welche der Katze ihre Ohren nahm, sei ein Beleg dafür. Er spricht sogar von einem Mordfall Erde. Man könne diesen aber verhindern. Dafür müsse die Jugend endlich auf die Straße und aufbegehren. Die Jugend allein habe es seiner Ansicht nach in der Hand. Denn ihr gehört die Zukunft.

Diese Sätze in der Derrick-Folge sind beachtlich, weil Dr. Kostitz eben genau das wollte, was knapp 25 Jahre später im real-Life tatsächlich passiert. Die Jugend protestiert. Fridays for Future. In einem Freitagskrimi.

Unverändert
Soviel scheint sich gar nicht geändert zu haben in den 25 Jahren. Und wie sah Horst Tappert die Geschichte?

Als Krimi hielt er das ganze Drehbuch eigentlich für unverfilmbar. Als Fernsehspiel mit ökologischen Tiefgang hielt er es für machbar. In seiner Biographie Derrick und ich, erinnert sich Tappert an die Dreharbeiten und an den Kollegen Karlheinz Hackl, den er als zartbesaitet beschreibt. Er schildert auch seine Zusammenarbeit mit Svenja Pages, die er für eine der talentiertesten Jungschauspielerinnen hielt. Ihr Zusammenspiel mit Hackl war ihm eine Freude. Zum ersten Mal gelang es Reinecker, laut Tappert, die Zuschauer für ein Problem-Thema zu sensibilisieren. Allerdings um den Preis, das der Krimi am Ende kein richtiger Krimi mehr war.

Etwas irritierend
Mit dem Mord hat diese Vorgeschichte kaum was zu tun, weswegen die Folge etwas irritiert. Bei den Fans der Reihe rangiert sie sowieso auf den hinteren Plätzen, da sie wie viele 90er-Jahre-Folgen der Reihe allzu Philosophie-geschwängert daher kam.

Tappert fand die Folge am Ende gelungen und ließ im Abspann die Schlussmusik von Frank Duval weg. Die letzten Worte von Dr. Kostitz sollten beim Zuschauer nachhallen.

Quelle: Derrick (Folge 243 "Katze ohne Ohren"), Horst Tappert "Derrick und ich, meine zwei Leben" (Heyne-Verlag 1998)
© by Stephan Gewalt (Text)

© by author

Die Folge im Zauberspiegel:
Derrick und seine Fälle: Folge 243: Katze ohne Ohren

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