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Tatort - The best cases ever: Rot-rot-tot

tatortRot-rot-tot

Auf dem Killesberg, einem der vornehmsten Wohnviertel in Stuttgart, werden innerhalb weniger Tage zwei junge Frauen ermordet. Sie wurden auf der Straße und in einem kleinen Park erdrosselt, und beide sind rothaarig. Die Polizei sucht nach einem vermutlichen Triebtäter. (1)


tatortDer Mörder ist Konrad Pfandler. Die Beamten lernen ihn kennen, weil er in der Nähe war, als die Morde geschahen und beide Opfer kannte. Der Versicherungsmathematiker ist bereits zum zweiten Mal verheiratet, mit Julia Pfandler, die deutlich jünger ist als er – und rote Haare hat. Sein Sohn leidet unter seiner Autorität. Seine Frau betrügt ihn und gibt sich keine Mühe, dies vor ihm geheim zu halten. Sind es die Demütigungen durch seine Frau, die ihm zum Mörder werden ließen? Und hasst er deswegen rothaarige Frauen?

Kommissar Lutz und sein Assistent Wagner ahnen nicht, das Pfandler der Mörder ist und gehen von einem Triebtäter aus. Ein fataler Irrtum.

Zuschauer-Sieger mit Parallelen
"Rot-rot-tot" wurde am 1. Januar 1978 in der ARD zum ersten Mal gesendet. Es war der 83. Tatort und er lief im achten Jahr der Krimireihe. 26,57 Millionen Menschen sahen damals zu. Der Marktanteil betrug 65 %. Damit war "Rot-rot-tot" von der Zuschauerzahl der erfolgreichste Tatort aller Zeiten. Das gilt bis heute. Curd Jürgens konnte für die Hauptrolle gewonnen werden. Diesen Weltstar seinerzeit zu bekommen war eine Herausforderung. Für den Tatort aber wollte man ihn haben und die Zusage war dann ebenfalls eine neue Aufgabe. Die Aufgabe war es ein passables Drehbuch für diesen Star zu entwerfen. Schon vier Jahre zuvor spielte Jürgens in der Derrick-Folge "Madeira" ebenfalls einen Frauenmörder. Dabei sieht man erstaunliche Parallelen. Denn wie einst in der Derrick-Folge, so wird Jürgens auch in diesem Tatort von einem Hund der Taten überführt. 

In "Madeira" geht Derrick mit dem Hund eines Mordopfers in ein Cafe, wo die Ermordete einst mit einem älteren Herren gesehen wurde. Der Hund erkennt diesen Mann und läuft im Cafe auf ihn zu. Derrick hat damit den Mörder und muss ihn jetzt nur noch die Tat beweisen.

In "Rot-rot-tot" vergräbt der Mörder (Curd Jürgens) eine schwarze Damen-Perücke im Garten, die seine Frau getragen hat. Er hat seine Frau zuvor getötet und Teile der Perücke sind an der Leiche verblieben. Sein eigener Hund bleibt bei der Leiche zurück und ist auch noch dort als die Polizei eintrifft. Kommissar Lutz folgt dem Hund bis in den Garten, wo dieser zu einer Hecke läuft an der die Perücke begraben liegt. Später findet Lutz dort das Corpus delikti und überführt damit den Mörder.

Weitere Parallelen gibt es allerdings nicht wirklich, außer das Jürgens in beiden Fällen als Mörder, dem Zuschauer von Anfang an bekannt ist. In "Madeira" tötet er aus Habgier und in "Rot-rot-tot" nur um das Motiv zum Mord an seiner eigener Frau zu verschleiern und die Beamten damit auf eine falsche Spur zu locken. Dadurch das die Opfer alle rothaarig sind, glauben Lutz und Wagner an einen Triebtäter. Das wollte Herr Pfandler alias Curd Jürgens. Deswegen tötet er seine Frau zum Schluss, die auch rote Haare hat. Er glaubt damit jeden Verdacht von sich abzulenken.

tatortDoch Lutz und Wagner spüren schon lange, dass im Hause Pfandler etwas nicht stimmt. Der Sohn hat kein gutes Verhältnis zu ihm. Dieser Uwe Pfandler wurde damals von Christian Berkel gespielt. Dieser war damals gerade 20 Jahre alt und ist seit 2006 Der Kriminalist im ZDF.

Vergleichsweise ruhiger Fall
Vergleicht man "Rot-rot-tot" mit heutigen Tatort-Folgen, dann fällt die ruhige Erzählweise auf. Dennoch gibt es spannende Momente. Vornehmlich wird diese durch eine aufpeitschende Musik erzeugt, die ich in diesem Tatort nicht für besonders gelungen halte. Auch Dialoge und vor allem die Kamera wurden als Stilmittel für Spannung eingesetzt. Wie es damals üblich war, wurde das schwitzende und angstvolle Gesicht des Mörders in Großaufnahme eingefangen und eingefroren - wenn es nötig war. Dazu bedurfte es großartiger Schauspieler, die sowas auch genial umsetzen konnten.

Die ersten beiden Morde werden gar nicht mal gezeigt. Erst der dritte Mord wird in Ausführung auch dargestellt.

Personalien
Kommissar Lutz (Werner Schumacher) ermittelte 15 Jahre lang am Tatort in unterschiedlichen Städten des westlichen Südens wie Stuttgart oder Heilbronn. Er wechselte die Dienststellen so oft, weil er sich laut Konzept immer wieder mit seinen Vorgesetzten überwarf. Insgesamt brachte er es auf 16 Fälle. Ein ganz guter Schnitt. Da damals nur ein Tatort pro Monat gezeigt wurde, kam man im Jahr auf 11-12 Folgen. Heute sind es über 40 Fälle, die pro Jahr neu über den Sender gehen, aber auch mehr Ermittler.
Unterstützt wurde Schumacher meist von Frank Strecker als Assistent Wagner. Beide Darsteller sind inzwischen verstorben. Schumacher (1921 in Berlin geboren) starb 2004. Frank Strecker (geboren 1941 in Stuttgart) war auch Regisseur. Er erlag im Jahr 2000 einer schweren Krankheit.

Besetzung:
Konrad Pfandler - Curd Jürgens
Julia Pfandler - Renate Schroeter
Uwe Pfandler - Christian Berkel
Kommissar Lutz - Werner Schumacher
Wagner - Frank Strecker
Professor Wilke - Robert Freitag
Evelyn Wilke - Elke Twiesselmann
Frau Grote - Christiane Pauli
Frau Bär - Karin Schlemmer
Herr Brinkmann - Wolfgang Hepp
Eugen Pretorius - Siegmar Schneider
u.a.

Stab:
Buch - Karl Heinz Willschrei
Regie - Theo Mezger
Kamera - Justus Pankau

(1)= Das Erste

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