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Der Kommissar und seine Mörder - Folge 36: Tod eines Ladenbesitzers

1Folge 36
Tod eines Ladenbesitzers

Der Kleinhändler Heinze ist, kurz nachdem er sein Geschäft abgeschlossen hat, ermordet worden. Für Kommissar Keller und seine Mannschaft scheint der Fall klar zu sein: Raubmord scheidet aus, also bleibt persönliche Rache als Tatmotiv. Unter dem Kreis der in Frage kommenden Personen befinden sich alte Freunde, Rentner und Kriegsbeschädigte.

Wer von ihnen lügt? (1)


Viele Zuschauer lobten den Wahrheitsgehalt dieser kuriosen Folge. Da frage ich mich unweigerlich welche Wahrheit gemeint ist. Ich weiß ja nicht wie das 1971 so war in deutschen Altersheimen. Das Altersheim, welches hier gezeigt wird hat allerdings mit der heutigen Wahrheit nichts zu tun. Und ich denke auch mit der Damaligen nicht.

In diesem Altersheim wohnen ausschließlich rüstige Rentner, die keiner Pflege bedürfen - und vor allem nur Männer. All diese Männer sind im Heim dem strengen Diktat des Leiters ausgestezt und haben auch im Dorf nichts zu lachen. Sie werden schikaniert und gedemütigt. Das würde sich, zumindest aus heutiger Sicht, kein Heimbewohner gefallen lassen. Geschweige denn, dass dies unzulässig wäre im Zeitalter von Heimaufsicht, Pflegeversicherung und Medizinischen Dienst.

Auch das menschenwürdige Leitbild eines jeden Pflegeheims, welches so verfasst ist, dass sich jeder gesunder Mensch einfach nur daran halten muss, spräche dagegen. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass kaum ein Heimbewohner heute in der Lage wäre, gegen unzumutbare Zustände aufzubegehren, wie es in diesem "Kommissar" der Fall ist. 95% aller Heimbewohner sind in der Regel kaum noch gehfähig. Hier morden Sie sogar - entwickeln Strategien, sich ihren Häschern zu entledigen.

Also ob nun wahr oder nicht, ich denke in so ein Heim würde man gar nicht einziehen, bzw. sofort wieder ausziehen. So ist denn auch der Kommentar der Alten richtig als sie ins Gefängnis müssen: "Wir sind schon im Gefängnis, wir wechseln nur die Räumlichkeiten."

Curd Bois kannte damals die Krimiserie nicht und sieht selbst kaum fern, wie er in einem Interview sagte. Ihm reizte nur die Gage, sagte der damals 70jährige über seine Rolle beim "Kommissar"

Gedreht 1971, Erstsendung 18.6.1971

mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Helma Seitz, Curd Bois, Werner Kreindl, Fritz Rasp, Margarethe von Trotta, Max Griesser, Lisa Hellwig u.a.
Stab: Regie: Wolfgang Becker - Buch: Herbert Reinecker - Titelmusik: Herbert Jarczyk, Lalo Schifrin: Troubadur, Lalo Schifrin: Marquis De Sade, Lalo Schifrin: Old Laces, Renaissance: Bullit, Johannes Brahms: Sinfonie Nr. 4 - 4.Satz, Flötensolo. Neue Münchner Fernsehproduktion 1971

(1)= 3sat
Foto: 3sat

Kommentare  

#1 Andreas Decker 2014-11-15 12:14
Ach ja, das Altenheim aus der Hölle.

Das mag sehr dramatisiert sein, aber im Kern ist es nicht weit an der Realität der 70er vorbei. Alles, was du hier aufführst, der Kasernenton, die institutionalisierte Demütigung, etc, das war teilweise schon so. Das weiß ich noch aus eigenem Erleben.

Wenn du in Betracht ziehst, dass noch in den 80ern am Monatsanfang vom Heimleiter das Taschengeld für die Sozialhilfeempfänger ausgeteilt wurde - und das hieß ganz offiziell Taschengeld, was niemand anstößig fand, ein Taschengeld für Männer, die zwei Weltkriege überstanden haben -, das die alten Männer dann im extern geführten Kiosk in Tabak und billigen Alkohol investierten.

Aus einem Heim ziehst du nicht mehr aus. Erst recht nicht, wenn du alleinstehend und krank bist. Auch heute nicht.

Der Umgangston mag heute anders sein, die Unterbringung angemessener, dafür sind die Psychopharmaka besser.

So abstrus die Folge auch erscheinen mag, ist schon viel dran.
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#2 G. Walt 2014-11-15 13:37
Bewohner ziehen auch heute noch aus Heimen aus. Zufällig bin ich examinierter Altenpfleger. Allerdings kommt es kaum noch vor, dass sie wieder nach Hause ziehen. Höchstens in ein anderes Heim. Denn in der Barnche gibt es heute leider auch Wettbewerb. Wie es in den 70er Jahren war, weiß ich nicht, aber mit einem Altenheim von heute, hatte dieses in Folge dargestellt absolut nichts zutun.
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#3 joe p. 2014-11-15 19:47
Das ist wirklich so eine Folge, an die man sich öfter mal erinnert.
Klar, echter "Realismus" ist keiner Krimiserie eigen, das gibt das Genre an sich schon nicht her.
Dennoch glaube ich nicht, dass man Reinecker erlaubt hätte, im Hinblick auf so wichtige soziale Belange völlig abstruse Schauermärchen zu erfinden. Meine Ansicht: Da wird schon irgend etwas dran gewesen sein.
Dass das heute anders ist, ist zu hoffen. Aber auch nicht verwunderlich. 40 Jahre sind eine lange Zeit.
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