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Deutsche Fernsehkrimis im Wandel der Zeit: Teil 7 - "Derrick" und "Der Alte", der klassische Freitagskrimi

Fernsehkrimis im Wandel der ZeitTeil 7
"Derrick" und "Der Alte"
Der klassische Freitagskrimi

Helmut Ringelmann lebte von Krimiserien. Und sein "Kommissar" war dermaßen erfolgreich, dass er nur 5 Jahre später eine weitere Serie ins Rennen warf. "Derrick". Diesmal gab es erhebliche Neuerungen und Unterschiede. Vor allem wurde in Farbe produziert, was man aus aus traditionsbewussten Gründen beim Kommissar bisher unterließ.


Und "Derrick" lief am Sonntagabend um 20.15 Uhr. Damit entstand zum ersten Mal eine direkte Konkurrenz zum TATORT, der seit 1971 in der ARD lief. Auch dafür gab es Gründe.

Das Werbefernsehen nahm in den 70er Jahren einen immer größeren Raum im Fernsehen ein. ARD und ZDF beschränkten sich jedoch bald auf unterschiedliche Werbezeiten und in Sachen Werbedauer. Werbung bedeutete jedoch auch Einnahmen. Und so gewann die Einschaltqoute immer mehr an Bedeutung. Am Sonntag abend lief zwar noch keine Werbung im deutschen TV, aber man wollte Zuschauer an die Sender binden und schuf deswegen Helden, die für alle Zuschauer vertraut werden könnten, damit sie immer wieder einschalteten.

Am Sonntag abend testete man im ZDF zunächst die Krimiserie "Der kleine Doktor" auf diesem Sendeplatz. Die lief ungeheuer erfolgreich. Auch gegen den TATORT, der allerdings damals nur alle paar Wochen gesendet wurde. Somit konnte man das Wagnis eingehen und Derrick, dargestellt von Horst Tappert,  1974 ins Rennen schicken. Um den Zuschauer wie gesagt etwas Vertrautes zu bieten, kommandierte man Fritz Wepper als Harry Klein beim Kommissar ab und integrierte diese Figur beim Derrick. Da beide Serien in München spielten und denselben Produzenten hatten, war das kein Problem. Das erste Crossover im TV-Krimigeschehen war entstanden. Elmar Wepper, der Bruder vom Fritz übernahm seinen Part beim Kommissar und war auch in der Serie sein Bruder. Auch hier ging man auf Nummer sicher und wollte nicht jemanden ganz und gar Unbekanntes in die Serie holen. Mit Weppers Bruder Elmar hatte man wenigstens etwas Vertrautheit geschaffen bzw. beibehalten.

Mit Derrick wurde aber noch etwas anders. Der Typus des Ermittlers. Er war zupackender, härter und hatte andere Ermittlunsmethoden als Keller. Damit wollte man absichtlich auch einen Kontrast schaffen. Das Konzept ging nicht so gut voran. Es wurde bald wieder geändert und nochmals geändert als der Kommissar dann 1976 ausgelaufen war. Zu diesem Zeitpunkt legte man Derrick auch auf den Freitag abend Sendeplatz. Nun war Farbe auch am Freitag abend möglich. Selbst die ZDF-Sendung "Aktenzeichen xy...ungelöst" wurde bereits auf Farbe umgestellt. Und mit "Der Alte" schickte Ringelmann 1977 einen weiteren Ermittler ins Rennen, der zumindest durch seine Art etwas skurill war und auch oftmals nicht ganz übliche Methoden anwandte um ans Ziel zu kommen. Außerdem schrieben hier auch andere Autoren und nicht Reinecker, der für die Drehbücher vom Kommissar und Derrick zuständig war. Volker Vogeler zum Beispiel kreierte einen ganz eigenen Stil, der seinen ALTEN wie einen Krimihelden erschienen ließ, der es nur mit schießwütigen Rowdys zutun hatte. Einge Folgen erinnerten an Wildwest-Krimis.

Auf 100 Folgen brachte es Köster alias DER ALTE alias Siegfried Lowitz. Dann kam Ablösung durch Rolf Schimpf, noch später dann durch Walter Kreye. Mit Jan-Gregor Kremp ist der mittlerweile vierte ALTE im Dienst und die Reihe die älteste noch laufende ihrer Art.

Heute wird der Freitagskrimi blockweise ausgestrahlt. Es laufen immer 4-6 Folgen von abwechselnd DER ALTE, Die Chefin, Der Kriminalist, Stolberg und Der Staatsanwalt. Lange Zeit liefen nur einzelne Folgen von DER ALTE, Derrick und Ein Fall für Zwei, die sich wöchntlich abwechselten. Die Umstellung vor ein paar Jahren rief die Fan-Initiative "Rettet die Freitagskrimis" auf den Plan. Man wehrte sich dort auch gegen die Unsitte die Abspanne abgeschafft zu haben. Ohne Erfolg. Auf der Seite der Initative stand vor einiger Zeit folgendes:

Vor einigen Jahren begann das ZDF die unterschiedlichen Reihen, die als "Freitagskrimis" zu Beginn des Wochenendes um 20:15 Uhr und 21:15 Uhr gesendet werden, nicht mehr in wöchentlichem Wechsel (an einem Freitag "Ein Fall für Zwei", eine Woche später "Siska" und wieder eine Woche später "Der Alte") auszustrahlen, sondern sie in "Blöcken" über den Sender zu jagen. Seither gibt es in sechs Wochen sechs Folgen eines (!) Krimis - und wer weiß, dass die Herstellungszeit von sechs Folgen einer Reihe etwa sechs Monate lang dauert, der kann sich auch vorstellen, dass dann mit der Ausstrahlung dieser Reihe erstmal ein halbes Jahr lang Pause ist/sein muss.
Folge: Die Einschaltquoten, auf die das ZDF sonst gesteigerten Wert legt, begannen zu sinken.
Wenig später setzte man sich in Mainz in den Kopf, dass das "heute journal" auch freitags um 21:45 Uhr beginnen müsse. Kurzerhand wurden die mit 55 Minuten produzierten Freitagskrimis um zehn Minuten gekürzt. Ergebnis: Unsaubere Schnitte, die völlige Unmöglichkeit "mitzuermitteln", wer denn nun der Täter war, und viele verärgerte Zuschauer.
Folge: Die Einschaltquoten der Freitagskrimis sanken weiter - trotzdem gab das ZDF die Herstellung neuer Formate für diesen Sendeplatz in Auftrag. "Der Kriminalist" und "Stolberg" sollten die Freitagskrimis aus dem Quotentief führen. Leider blieben beide Formate weit unter den Quoten von "Der Alte" oder "Siska" - trotzdem beschloss man beim ZDF, dass "Siska" nicht weitergeführt werden soll. Der Derrick-Nachfolger wurde kurzerhand abgesetzt.
Viele einzelne Punkte, die dazu führen, dass die Fans der ZDF-Freitagskrimis sich berechtigte Sorgen um die Zukunft ihrer Lieblingsserien machen. Deshalb gibt es diese Website. Sie soll denen, die auch in Zukunft noch ein Interesse an anspruchsvollen und intelligenten Krimis haben, ein Forum bieten. (1)

Inzwischen laufen die Folgen wieder 6o Minuten lang und im Anschluss gibt es sogar einen 45 Minuten-Krimi wie etwa "SOKO Leipzig". Freitag ist weiterhin Krimizeit im ZDF - und zwar stärker als je zuvor.

Derrick und Der Alte waren die Pioniere in Sachen Freitagskrimi und zusammen mit dem Kommissar waren sie auch Pioniere für langlebige Ermittler. Derrick ging nach 24 Jahren in Rente. Mit ihm ein Stück Fernsehgeschichte, die allerdings auch zwiespältig gesehen werden kann. Denn der Held hatte nicht nur Anhänger sondern auch Kritiker.

Derrick war vom Handwerk und der Machart her immer etwas gewöhnungsbedürftig, wenn nicht sogar teilweise auch schlecht. Deswegen war das nie so mein Ding. (2)

(1) = Rettet die Freitagskrimis
(2)= Udo Wachtveitl (Tatort-Kommissar)

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