Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Derrick und seine Fälle: Folge 251 - Dein Bruder, der Mörder

Derrick und seine FälleFolge 251
Dein Bruder, der Mörder

In den 70er oder 80er Jahren wäre diese Folge vielleicht noch interessant gewesen. In den 90er Jahren jedoch hatte sich die typische Erzählweise von Krimis bereits grundlegend geändert.

"Dein Bruder, der Mörder" ist allerdings recht schwach. Sie handelt von einem jungen Mann, der ein Straßenmädchen umbringt und die Tat mit Hilfe seiner Mutter und seinem Bruder zu vertuschen versucht. Das größte Manko ist, dass man von Anfang weiß, wer der Mörder ist und wie dieser seine Tat verschleiern will. Hätte man den Fall anders herum aufgezäumt, wäre mehr daraus geworden. Bei Der Kommissar hat so etwas früher zum Beispiel besser funktioniert.

Die Leiche wird gefunden und die Ermittlungen beginnen. Hier wird jemand ermordet und selbst für den Ermittler steht der Täter recht schnell fest. Er muss ihn nur überführen. Dabei helfen ihm eigens die Dialoge.

1Die Serie Der Alte war da immer etwas mehr mit der Zeit gegangen als Derrick, was dort an der Autorenvielfalt lag. Derrick bestritt Reinecker über alle 281 Folgen hinweg als alleiniger Autor. Die üblichen Abnutzungserscheinungen hatte er aber bereits in frühen Jahren. Denn sein Derrick konnte selten die Spannung einer Folge von Der Kommissar erreichen oder übertreffen. Obwohl es viele gute Folgen gab, macht es doch die Masse an Folgen bei Derrick nur zum Bruchteil.

Jubiläumsfall 250 leitete die letzte Phase der Reihe ein, die 1998 zum Abschluss kam. Auch diese Phase ist geprägt von vielen sehr langatmigen Folgen mit Dialogen und psychologischen Geschwafel. Aber es gibt auch bessere Fälle, die spannender und temporeicher sind. In der Endphase, so um Folge 270 herum gab es sogar Highlights mit denen sich Reinecker selbst übertraf. 

Wenigstens die Darsteller geben diesem Fall etwas Glanz. Holger Handke und Peter von Strombeck spielen gut. Eva Kotthaus feiert nach 8 Derrick-Einsätzen ihren Abschied. 1959 spielte sie übrigens neben Audrey Hepburn im US-Film Geschichte einer Nonne. Auch Carin C. Tietze kehrt der Reihe nach 6 Einsätzen den Rücken.

Darsteller: Horst Tappert, Fritz Wepper, Willy Schäfer. Peter von Strombeck, Holger Handtke, Eva Kotthaus, Carin C. Tietze, Kurt Weinzierl und andere
Stab: Musik: Eberhard Schoener Titelmusik: Les Hmphries, Regie: Hans-Jürgen Tögel Produzent: Helmut Ringelmann. Eine Produktion der Telenova Film- und Fernsehproduktion im Auftrag von ZDF, ORF, SRG. Erstsendung: 08.09.1995

(1) ZDF
Bild: ZDF

© by author

Vorheriger Fall: Derrick und seine Fälle: Folge 250 - Eines Mannes Herz
Nächster Fall: Derrick und seine Fälle: Folge 252 - Die Ungerührtheit der Mörder

Kommentare  

#1 Savas Gürcebe 2016-11-13 00:50
Ich mag diese Folge, finde es keine Sekunde
langweilig und die vierjährige Tochter der
Ermordeten tut Einem sehr leid.Man muß sich
da mal in das Kind hineinversetzten die gerade
ihre Mutter verloren hat, sie aber wahrscheinlich
in dem Alter es (glücklicherweise) nicht richtig
registriert.Das Hubert Basler sich bemüht eine
Kindertagesstätte für die Tochter zu finden und
auch für die Kosten aufzukommen bildet da einen
starken Kontrast zu seinem Bruder Randolf was
der Drehbuchautor sehr gut in die
(Mord-)Geschichte eingebaut hat.Der Titel
dieser Folge "Dein Bruder, der Mörder" läßt
natürlich ausschließen das der Mord eine Art
Unfall war was die Mutter erstmal versuchte so
darzustellen wenn auch nicht überzeugend.Der
Zuschauer aber weiß es durch den Titel von
Beginn an ganz genau auch wenn er wie die
Mutter den Mord nicht gesehen hat.
#2 Ralf K. 2018-07-31 19:24
Hier kann ich mich dem Herrn Gürcebe nur sehr herzhaft anschließen. Ich mag diese Folge auch. Hier gab es auch für mich überhaupt keine Langeweile. Im Gegenteil. Das Psychogramm eines Mörders, der allein durch die guten Taten seines moralisch handelnden Bruders geläutert wird, und das nicht etwa durch Dialoge oder gar Vorwürfe, wie man es vielleicht erwarten würde, dem seine Skrupellosigkeit und fehlende Moral indirekt durch den gegensätzlichen Bruder präsentiert wird, ohne dass das Thema Schuld überhaupt angesprochen werden muss, das war wieder einmal eine für mich sehr spannende Handlung von der Art, wie sie nur der Reinecker hin bekommen konnte. Ich denke, dass derjenige, der einen stinknormalen Krimi sehen will, wie es sie zu Tausenden gibt, die starren Regeln folgen, beim Derrick nicht unbedingt so gut aufgehoben ist. Reinecker war deutlich anders als die meisten anderen Krimiautoren. Wer sich mit der Person Reinecker mal näher beschäftigt, der weiß aber auch, warum das so war. Aber ich denke, gerade dass er so war wie er war, das hat den großen Erfolg der Serien, die er gestaltet hat und die seinen unverkennbaren Stempel trugen, am Ende überhaupt erst ausgemacht. Und so ungern ich das sage, weil ich den Klaus Löwitz sehr mag, der Alte ist gegenüber der Derrickserie überhaupt kein Vergleich wert. Den Alten schaut man sich mal an, mitunter sind die Folgen auch schon mal ganz interessant und spannend, aber man vergißt sie auch wieder sehr schnell. Da bleibt nichts hängen. So wie bei den meisten Krimis, die in der Regel nur dazu dienen, für eine gute Stunde mal eine gute Unterhaltung zu bieten aber eben bloß nicht mehr. Reinecker war mehr als das. Er hat es sich damals noch herausnehmen können, aus der Reihe zu tanzen. Das wäre in der heutigen Medienwelt leider undenkbar. Und das führt dazu, dass der Derrick nach wie vor in uns weiter lebt. :)
#3 Günter A. 2021-05-18 23:20
Toller Kommentar, Ralf K. Ich entdecke Derrick und den Lowitz-Alten erst jetzt, mit einigen Jahrzehnten Verspätung, und bin mir nicht sicher, wer mir lieber ist. Aber Ihre Bemerkungen zu Reinecker und der Wirkungskraft seiner Drehbücher sind schon bedenkenswert. Reinecker ist wirklich singulär, er philosophiert und poetisiert oft einfach so vor sich hin, gerade in seiner Spätphase. Das ist mal sehr berührend, mal rollt man genervt mit den Augen. Auf jeden Fall ehrt es die Serie und seinen Schöpfer, dass sie sich so sehr auf die Kraft der Sprache verlässt und mit so wenig äußerem Tamtam daherkommt.

Der Gästezugang für Kommentare wird vorerst wieder geschlossen. Bis zu 500 Spam-Kommentare waren zuviel.

Bitte registriert Euch.

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.