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Der Junggeselle und die Jüdin - »Bittere Ernte«

Bittere ErnteDer Junggeselle und die Jüdin
»Bittere Ernte«

Der in Polen geborene Produzent Artur Brauner (1918-2019) nahm im deutschen Nachkriegskino eine Sonderstellung ein. Er produzierte hunderte Unterhaltungsfilme, die ihn bekannt und wohlhabend machten („Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“, „Es muss nicht immer Kaviar sein“). Doch sein Herz schlug für anspruchsvolle Dramen, die sich häufig auch mit den Schrecken des Zweiten Weltkriegs und der Verfolgung der Juden auseinandersetzten.

Bittere ErnteAls polnischer Jude war Brauner 1939 gezwungen, nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten in die Sowjetunion zu emigrieren. Insofern hatte er ein persönliches Interesse daran, „Filme gegen das Vergessen“ zu produzieren. Außerdem erhoffte er sich damit, international anerkannt und eventuell sogar mit renommierten Filmpreisen ausgezeichnet zu werden. So finden sich in seiner Filmografie, insbesondere in den letzten Jahren seiner Produzententätigkeit, etliche anspruchsvolle Dramen über das Dritte Reich. Am Bekanntesten ist hierunter sicherlich der für einen Oscar nominierte Film „Hitlerjunge Salomon“, der 1990 von der bekannten polnischen Regisseurin Agnieszka Holland für Brauner inszeniert wurde. Aber auch „Babij Jar – Das vergessene Verbrechen“ aus dem Jahr 2003 oder „Der letzte Zug“ (2006) von Joseph Vilsmaier und Dana Vávrová fallen in diese Kategorie. Agnieszka Holland hatte zuvor schon zweimal mit Brauner zusammengearbeitet, so schrieb sie 1983 mit am Drehbuch für Andrzej Wajdas „Eine Liebe in Deutschland“, und zwei Jahre danach inszenierte sie den stargespickten Film „Bittere Ernte“ für Brauners CCC-Film.

Bittere ErnteMitten im Zweiten Weltkrieg entdeckt der als Junggeselle auf einem polnischen Hof lebende Leon Wolny (Armin Mueller-Stahl) im Wald die junge Medizinstudentin Rosa Eckart (Elisabeth Trissenaar), die vollkommen ausgehungert und erschöpft ist. Es ist ihr gelungen, aus einem Zug zu fliehen, der sie zusammen mit ihrer jüdischen Familie in ein Konzentrationslager bringen sollte. Leon findet Gefallen an der hübschen jungen Frau und pflegt sie gesund. Dabei hält er sie im Keller seines Hauses versteckt, zumal Knecht Kaspar (Hans Beerhenke), Köchin Anna (Käte Jaenicke) und Magd Zosia (Isa Haller) in seinem Haus aus- und eingehen. Sein Geschäftspartner Cybulkowski (Wojciech Pszoniak) will Leon überreden, sich den Besitz des Juden Rubin (Klaus Abramowsky) unter den Nagel zu reißen, der ohnehin bald enteignet werden wird. Auch der schmierige Maslanko (Kurt Raab) versucht des Öfteren, mit Leon ins Geschäft zu kommen. Während vordergründig Leons Leben weitergeht wie bisher, entwickelt sich zwischen dem in die Jahre gekommenen Junggesellen und seiner versteckt gehaltenen jüdischen Mitbewohnerin eine zaghafte Liebesbeziehung.

Bittere ErnteDas mit einer Oscar-Nominierung als „bester fremdsprachiger Film“ ausgezeichnete Drama von Agnieszka Holland hält lange Zeit in der Schwebe, welcher Art die Beziehung zwischen dem Retter und der Jüdin wirklich ist. Gibt sie sich ihm aus Dankbarkeit oder aus Angst hin, oder empfindet sie tatsächlich auch so etwas wie Liebe oder Zuneigung für ihren Beschützer? Diese widerstreitenden Gefühle werden von den Spitzendarstellern Armin Mueller-Stahl (hierfür ausgezeichnet mit dem Darstellerpreis in Montreal) und Elisabeth Trissenaar (gemeinsam mit Mueller-Stahl nominiert für den Deutschen Filmpreis) äußerst glaubwürdig transportiert und machen den Film auch heute noch sehenswert. Dabei kann man dann auch getrost vernachlässigen, dass die politischen Dimensionen des Stoffes lediglich angerissen werden und er sich überwiegend auf die privaten Verwicklungen konzentriert, was ihn mitunter auch ein wenig beliebig werden lässt. Holland hat die Lebensrealität im ländlichen Polen während des Zweiten Weltkriegs aber überzeugend rekonstruiert, so dass auch Historienfans auf ihre Kosten kommen sollten. Die DVD-Erstveröffentlichung des Films erfolgt in remasterter Qualität, was man dem sehr scharfen Bild (im Vollbildformat 1,33:1) gut ansieht, obwohl mitunter auch noch Laufstreifen vorhanden sind. Auch der deutsche Originalton (in Dolby Digital 2.0) ist nicht zu beanstanden, als Extra hat man im DVD-Rom-Teil das Presseheft zum Film als PDF-Datei mit aufgespielt.

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