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... Thomas R.P. Mielke über mehr als 50 Jahre R.eine P.hantasie

Thomas R. P. Mielke ... Thomas R.P. Mielke ...
... über mehr als 50 Jahre R.eine P.hantasie

Vor mehr als 50 Jahre begann Thomas R.(udolf) P.(eter) Mielke bereits seine Schriftstellerkarriere.

Das Erscheinungsjahr seines Erstlingwerkes wird in verschiedenen Lexikas mit 1960 und 1961 unterschiedlich angegeben - somit haben wir noch eine 50-%-Chance, Thomas R.P. Mielke tatsächlich zur runden Jahreszahl seines Schriftstellerjubiläums gratulieren zu dürfen: Herzlichen Glückwunsch!

Hier im Zauberspiegel hat Uwe Weiher den Autor bereits in seiner Artikelreihe „Männer der Zukunft“ vorgestellt. Ebenfalls sehr interessant: Die Homepage trpm.de , die einen sehr großen Überblick über das Schaffen des Autors, aber auch persönliche und berufliche Einblicke gewährt.

Da hier beim Zauberspiegel mit „Rex Corda“ und „Die Terranauten“ gleich zwei SF-Serien regelmäßig besprochen werden, für die Thomas R.P. Mielke als Autor und/oder Ideengeber tätig war, hat es sich natürlich angeboten, ein Interview mit ihm zu führen.

Aber sein Schaffen ist nicht nur auf diese Serien begrenzt. Er schrieb auch noch für „AD ASTRA“ und einige SF-Einzelromane.

Auch historische Romane hat er schon einige verfasst und er schreibt immer noch weiter.

Hoffen wir das noch viele Romane von ihm folgen mögen!

Zauberspiegel: Ihr erstes (und meines Wissens einziges) SF-Leihbuch erschien 1961; Sie waren gerade einmal 20 Jahre alt: "Unternehmen Dämmerung" (Pseudonym Mike Parnell). War es damals schwer, als Neuling einen Verleger zu finden?
T.R.P. Mielke: Nein, überhaupt nicht. Ich habe die mühsam und mit zwei Fingern getippten Seiten in einen Karton gepackt und einen kleinen Tannenzweig draufgelegt, weil zufällig und wieder einmal Weihnachten vor der Tür stand. Das muss irgendjemand im Zimmermann- oder auch Balowa-Verlag im Sauerland so gefallen haben, dass er den Schmonzes nicht nur gelesen, sondern sogar auf richtig dickem holzhaltigen Leihbuch-Papier gedruckt hat. Danach gab es übrigens noch vier SF-angehauchte „Spionage“-Leihbücher von mir im gleichen Verlag (unter dem Pseudonym Roy Marcus).

Zauberspiegel: War der veröffentlichte Roman gleichzeitig Ihr erstgeschriebener Roman?
T.R.P. Mielke: ja, zuvor ein paar Kurzgeschichten und Artikel als Fingerübungen im Fanzine SOL der SFCD-Gruppe Hannover/Bielefeld (Tom Schlück, Winfried Scholz, Wolfgang Thadewald, Guntram Ohnmacht, Ulf Miehe, Horst Evermann und die Pösses).

Zauberspiegel: Die Phantastikspur von Ihnen lässt sich erst 1966 wieder aufnehmen: Bei der Zauberkreis-SF-Reihe veröffentlichten Sie in der Anfangsphase zwei Romane unter Ihrem Namen (wenn auch nur R. P. Mielke), dann bis auf eine Ausnahme ausschließlich unter Pseudonym. Warum diese Namensvielfalt? Hatten Sie Einfluss auf die Pseudonyme?
T.R.P. Mielke: Das mit den Pseudonymen war uns allen damals ziemlich egal. Wir wollten schreiben und gedruckt werden. Und eigentlich haben wir uns auch ein wenig geschämt, Schmöker-Autoren zu sein. Natürlich gab es auch Serien- und Verlags-Pseudonyme. Da schrieben dann alle (wie ich auch im Krimi-Bereich) eben als „Henry Ghost“, „Cliff Corner“, „Bert Floormann“, „002 Mike Taylor“ und sonst was. 

Zauberspiegel: Auffällig: Die Serienromane bei Rex Corda und Ad Astra erschienen ausnahmslos unter Ihrem bürgerlichen Namen, während die SF-Romane nach eigenen Ideen meist unter Pseudonym erschienen. Konnten Sie sich zu diesem Zeitpunkt mit den Serienromanen mehr identifizieren?
T.R.P. Mielke: Nein, das war (siehe oben) mehr oder weniger Zufall. Ich erinnere mich aber, dass ich mich sehr geärgert habe, als meine ersten und (wenn ich nicht aufgepasst hatte auch später noch) Zauberkreis-Romane mit zerstückeltem Echtnamen erschienen. Das war mir ausgesprochen peinlich.

Zauberspiegel: Gerüchte besagen, dass Sie auch bei Ren Dhark als Autor im Gespräch war. Stimmt das und wenn ja: Warum stiegen Sie bei Ren Dhark nicht mit ein?
T.R.P. Mielke: Ja, das stimmt, aber die Entscheidung lag nicht bei mir, sondern bei meinem damaligen Agenten Wolfgang M. Biehler. Wir als Autoren hatten zu tun und zu schreiben, was er sagte, damit wir unseren wöchentlichen Honorar-Scheck am Lieferanteneingang der Deutsch-Südamerikanischen Bank an der Innen-Alster in Hamburg bekamen. Der Mann  war sehr mächtig – und konnte als Lehrling dort für sich selbst kostenlos mit der ganzen Welt telefonieren (was in der Mitte der 60er Jahre noch ein Geschenk Gottes und die Basis eines lukrativen Geschäftsmodells als „Literatur-Agentur“ war).
 
Rex Corda:
Zauberspiegel: Wie bist du damals zu Rex Corda gekommen?
T.R.P. Mielke: Ebenfalls auf dem Umweg über Biehler. Wenn ich mich recht erinnere, hatte Hans G. Franciskowsky mit Biehler eine Konkurrenz-Serie zu „Ren Dhark“ mit dem Arbeitstitel „Tonder Part“ geplant. Was da genau lief, wissen Francis und Rolf W. Liersch sicherlich besser, denn Liersch war damals sogenannter „fester Freier“ als Autor, Übersetzer und Lektor bei Biehler. Irgendwie hat sich Francis dann abgenabelt und nach einem Deal mit dem Chefredakteur Jäkel bei Bastei Liersch und mich gefragt, ob wir mitspielen wollten. Und dann haben wir unter Francis’ Federführung viele Wochenenden lang in seiner Wohnung oder in meinem Hamburger Garten geplant und ziemlich hart gearbeitet. Übrigens nicht nur an Science fiction, sondern auch an Rahmenhandlung für verschiedene TV-Serien vom Schiffsarzt über die Abenteuer einer Journalistin bis zu drei Damen (Oma, Tochter, Enkelin) in ihrer Kneipe. Derartige Konzepte wurden damals viel besser bezahlt als Heftromane. Das galt übrigens auch für sogenannte Psychotests in Frauenzeitschriften.

Zauberspiegel: Wie ich hörte warst du für den wissenschaftlichen Teil von Rex Corda zuständig. Hast du auch Handlungsideen einfließen lassen in die Serie?
T.R.P. Mielke: Natürlich. Wie oben bereits erwähnt, sind sämtliche Exposés, Personen und Hintergründe für Rex Corda von Francis, Liersch und mir gemeinsam entwickelt worden. Ich war aufgrund meiner Kenntnisse als militärischer Fluglotse für die Technik, Raumschiffe, Waffen, Laser usw. zuständig, Liersch für Skurriles, Allzumenschliches, Kochkünste usw. und Francis für Schreib-Orga, Endfassungen der Exposés und Kaufmännisches. Wir haben auch gemeinsam ausgeknobelt, wer welchen Roman schreibt. Das galt auch für unsere Gastautoren Wegener und Grasmück. Die sollten auf Wunsch des Verlages einfach wegen ihres bereits guten Namens auch mal was schreiben.

Zauberspiegel: Besitzt du noch unveröffentlichtes Material von Corda?
T.R.P. Mielke
: Ja – zur Zeit ausgeliehen an den Mohlberg-Verlag für Fortsetzungen.

Zauberspiegel: Wie wäre die Serie weitergegangen, wenn sie länger bestanden hätte? Wären die Zeitlosen wieder mehr in den Hintergrund gerückt und der galaktische Krieg wieder in den Vordergrund?
T.R.P. Mielke: Das weiß ich heute nicht mehr.

Zauberspiegel: Wie hast du damals von der Einstellung erfahren? Warst du damals enttäuscht?
T.R.P. Mielke: Über Francis. Und klar waren wir traurig. Aber viel mehr hat mich empört, dass mein letzter Roman mit dem von Grasmück verwurstet worden war.

Zauberspiegel: Woran denkst du ist Rex Corda gescheitert?
T.R.P. Mielke: Eindeutig am „Me-too“-Konzept. Als Werbefachmann weiß ich, dass man sich an erfolgreiche Marken anhängen kann, um einen gewissen Marktanteil abzugreifen. Aber das reicht nie, um ebenfalls zu einem „Perry Rhodan“ oder – wie Bastei glaubte/hoffte - „Jerry Cotton im Weltall“ zu werden.

Zauberspiegel: Liest du die Ausgaben des Mohlberg Verlages? Wenn ja, wie ist deine Meinung zur Fortschreibung?
T.R.P. Mielke: Nein, ich lese weder Rex Corda noch die Terranauten-Romane.

Zauberspiegel: Würde es dich wieder in den Fingern jucken einen RC Roman zu schreiben oder ist das für dich alles Vergangenheit?
T.R.P. Mielke
: Ich bin 71 Jahre alt und habe dafür keine Zeit mehr.

Zauberspiegel: Wie kam es zum Nachfolgeprojekt AD ASTRA?
T.R.P. Mielke: Perry Rhodan war da ja schon unsterblich, glaube ich. Deshalb unser Versuch, noch einmal ganz von vorn anzufangen. Ich fand das damals sehr sympathisch. Motor war auch da Franciskowsky.

Zauberspiegel: Wie weit ging eure Planung bei dieser Serie und gibt es noch Aufzeichnungen?
T.R.P. Mielke: Ein Teil liegt bereits bei Mohlberg. Für mehr müsste ich mal in meinen Keller gehen und im Schreibarchiv nachsehen.    

Zauberspiegel: Auch der einzige Roman für Terra Nova erschien 1971 unter Ihrem richtigen Namen: War es ein Ziel von Ihnen, bei Pabel/Moewig als Autor Fuß zu fassen?
T.R.P. Mielke: Es ist wahrscheinlich des Ziel aller Autoren, entweder lebenslang einen festen Verlag zu finden oder bei möglichst vielen Verlagen gelistet zu sein. Ich selbst habe kürzlich mal nachgezählt und bin auf 20 Verlage in Deutschland gekommen, bei denen irgendetwas Belletristisches von mir publiziert worden ist. Der Roman bei Pabel/Moewig war eigentlich nur ein Geschenk von Herrn Bernhard. Er wollte mich damit locken, an einer Konferenz mit Walter Ernsting und Karl Herbert Scheer in München teilzunehmen, bei der es um die neue Serie „Atlan unter Wasser“ ging. Das Treffen war ein Flop, schon weil sich Scheer und Ernsting nachts um drei in der Hotelbar über Grundsatzfragen fast geprügelt hätten. Ich mochte unseren Übervater Clark Darlton, mit dem ich bereits 1957 beim Worldcon in London war. Scheer kannte ich auch von ein paar Cons, aber der war mir zu sehr „Landser“ (was man Perry zumindest in der Anfangszeit auch deutlich anmerkte). 

Zauberspiegel: In einem Interview (www.grosse-literatur.de) haben Sie gemeint: "Ich würde gern wieder schlichte Action-Krimis nach guter alter Art und mit ganz wenigen Personen schreiben. Das habe ich (unter verschiedenen Pseudonymen) eigentlich sehr gern gemacht." Bei Atlan wurde das Wasserplanetenkonzept sehr schnell fallen gelassen, dafür mit einer Spionage- und Krimihandlung (USO-Zyklus) gestartet: Sind Sie bei Atlan also nur zur verkehrten Zeit gefragt worden? Hätte ab hier die Schriftstellerkarriere des T.R.P. Mielke anders verlaufen können? Wäre gar ein Perry-Rhodan-Autor T.R.P. Mielke denkbar gewesen?
T.R.P. Mielke: Ich saß damals als „direttore creativo“ in der Generaldirektion von Ferrero in den grünen Hügeln über Turin und hatte den Kopf (und fast schon täglich auch den Magen) voll mit immer neuen Süßigkeiten. Außerdem fand ich Italien toll. Da blieb kaum Platz für andere Interessen. Aber es stimmt - ich hätte gern Perry Rhodan 2500 geschrieben. Als netten Gag und als Gastautor. Der gute Frick weiß das natürlich auch Laughing

Die Terranauten:
Zauberspiegel: Obwohl Sie bereits früh bei SF-Serien als Co-Autor tätig waren, haben Sie sich mit dem Terranautenkonzept doch etwas Zeit gelassen. Gab es bei Zauberkreis nie Pläne für eine eigene SF-Serie? Haben Sie bereits vor den Terranauten eine Serie kreiert?
T.R.P. Mielke: Nachdem Zauberkreis mir gesagt hatte, ich könne dort jederzeit und auch ohne Agenten schreiben, was ich wolle, hatte ich keine Ambitionen mehr auf irgendeine Serie (von dem tollen Spaß als Henry Ghost mit OCCU - lieber Uwe Anton und Prof. Hademar Bankhofer verzeiht mir - mal ganz abgesehen).

Zauberspiegel
:  "Geistige Väter der Serie waren die Autoren Thomas R. P. Mielke und Rolf W. Liersch. Das erste Konzept für die Serie wurde 1975/76 von den beiden entwickelt, und zwar für einen Hamburger Verleger, bei dem Liersch als Chefredakteur für die ersten deutschen MAD-Ausgaben gearbeitet hatte." So weit die Einführung des Terranauten-Spezial (Risszeichnungsjournal Sonderausgabe, die sich nur mit den Terranauten beschäftigte).
Der Autor Bodo Bauman ließ bereits vorher für den Williams-Verlag, der anscheinend in das Heftromangeschäft einsteigen wollte, mehrere Serienkonzepte (mindestens von Konrad Schaef und Kurt Brand) entwickeln: Wächter der Galaxis bzw. Galaxienwächter. Das Schaef-Konzept wanderte später von Williams-Verlag mit Redakteur Baumann zum Bastei-Verlag, wofür dann fast das komplette Perry-Rhodan-Autorenteam angeworben werden konnte, letztlich aber nicht verwirklicht wurde. Wurde das Terranautenkonzept tatsächlich ursprünglich ebenfalls für Williams entwickelt, und wie kam es dann zum Bastei-Verlag? War es vielleicht eins von mehreren eingereichten Konzepten, das letztlich als 'Sieger' veröffentlicht wurde?

T.R.P. Mielke: Keine Ahnung. Ich habe nie etwas von Bodo Baumann oder Konrad Schaef gehört. Auch Kurt Brand bin ich leider nie begegnet. Mir ist auch neu, dass ein Perry-Rhodan-Team zu Bastei gewechselt haben soll. Wahr ist aber, dass Liersch mal für Williams gearbeitet hat. Es gab von ihm eine Art Grundsatzüberlegung für eine alternative SF-Serie. Das war aber nur der Anstoß für das, was wir beide – in der zweiten Phase auch zusammen mit Michael Görden – tage- und nächtelang völlig neu recherchiert und bis in die Einzelheiten aller tragenden Personen entwickelt haben.

Zauberspiegel: Die Terranauten wurden bewusst von Rolf W. Liersch und Ihnen als „Anti-Perry-Rhodan-Story“ angelegt. Wie kam es zum Sinneswandel der beiden Rex-Corda-Coautoren?
T.R.P. Mielke: Wie gesagt – „Me-too“ funktioniert nicht. Ich habe sehr viel später mehrmals die Aufforderung von Verlagen gehört: „Schreiben Sie uns Die Päpstin – nur ganz anders.“  So sind sie eben, die Verlage. Das gilt heute noch im Mainstream und sogar bei Jugendbüchern. Liersch und ich arbeiteten damals in der gleichen Werbeagentur im 16. Stockwerk des Europa-Centers in Berlin mit Blick über die Ruine der Gedächtniskirche und im Abendrot bis zu den Radartürmen der Amis auf dem Teufelsberg. Wir hatten politische Texte für den Senat zu schreiben, Wirtschaftsförderung, dazu Energie- und Kraftwerksthemen. Dazu hatten wir in der Media-Abteilung der Agentur die sogenannte ROMA – die Leseranalyse Romanhefte - entdeckt. Da stand ganz genau drin, wer was liest und warum. Wenn dann die Sonne unterging, setzten wir uns nebeneinander mit einer Flasche Wodka Moskowskaja (den wir reichlich hatten, weil wir die Marke auch werblich betreuten) an unsere ersten IBM-Kugelkopfmaschinen, blickten über die abendlich und romantisch aufglühende Stadt und schrieben quasi im Duett die ersten vier Terranauten-Romane. Berlin war ja damals auch eine Art sicheres Raumschiff in einem feindlichen Universum. Es war ein Traum und viel weniger Dystopie als Utopie.

Zauberspiegel: Mit Ihrem Ur-Serienkonzept wurden auch gleich die ersten vier Romane mit eingereicht. Das Konzept musste in der Folge in mehreren Punkten grundlegend geändert werden: „Die ersten beiden Bände von Mielke und Liersch zeigten, dass sich die Autoren zu sehr in ihrem Exposé gefangen hatten“, so Michael Görden in der Beilage zu „Die Terranauten Band 50“. Haben Sie auch einen Nr.-1-Band zum überarbeiteten Konzept geschrieben?
T.R.P. Mielke: Nein – muss man auch mal sagen können. Wir wollten eine „grüne“ SF-Serie und keinen – wie schon oben erwähnt – „Jerry Cotton im Weltraum“. Außerdem war die Grundidee der Serie, dass sie im Zenith der Perry-Explosion anfängt: Die Terranauten, also zurück zur Erde! Görden jedoch konnte bereits als freier Mitarbeiter des Verlages durchsetzen, dass alles auf der Erde anfängt. Damit war die Grundidee tot, und ich habe nur noch lose beratend mitgemacht. Ich sah einfach keine Chance mehr für vernünftige Auflagenzahlen und finanziell interessante Ergebnisse, an denen wir vertraglich ja beteiligt werden sollten.

Zauberspiegel: Nach Ihrem Ursprungskonzept hätte die Serie 101 Bände lang laufen sollen: War das bereits früh geplante Ende eine Anspielung auf die Endlosserie Perry Rhodan?
T.R.P. Mielke: Aber ja doch! Das war der Gag, über dem man bei Bastei herzlich geschmunzelt hat: In Band 100 sollte Perry Rhodan in Den Haag vor Gericht gestellt werden. Das hätte zu einer echten Einstweiligen Verfügung und einem gewollten Gerichtsverfahren geführt. So jedenfalls mein Plan. Und in Band 101 sollten dann die Gerichtsprotokolle veröffentlicht werden. Ein Super-Coup für eine Serie! Eine in sich abgeschlossene und durch die Limitierung zunehmend wertvoller werdende Edition (wie in den 30er Jahren Sun Koh mit 150 Bänden, die ich übrigens alle als Reprint besitze und auch gelesen habe).

Zauberspiegel: Ihr mehrmaliger Partner bei Heftserien Rolf W. Liersch (bei Rex Corda, Ad Astra sowie bei der Konzeption der Terranauten) schrieb dann doch noch ein Taschenbuch-Prequel zur Serie sowie einen Zweiteiler (Bände 59 & 60), zudem wollte er (angeblich?) nach Band 100 stärker in die Serie einsteigen. Spielten auch Sie einmal mit dem Gedanken, es doch mit der Görden-Version der Terranauten zu versuchen?
T.R.P. Mielke: Nein, niemals. Für mich waren die Terranauten à la Görden tot. Das konnte zwar interessante Einzelromane und eine hübsche Rahmenhandlung ergeben, aber niemals den kommerziell erforderlichen Erfolg. Dem Vernehmen nach hat Bastei ja mit mehr als Hunderttausend Heften pro Roman angefangen. Das konnte einfach nicht klappen.

Zauberspiegel: In Ihrem Brief an den Bastei-Verlag schreiben Sie: „Außer uns beiden hätten wir die Möglichkeit, andere Autoren heranzuziehen, die bereits SF-Erfahrung haben, Perry Rhodan aber ablehnen.“ Konnten Sie Autorenvorschläge vorbringen und wurden die Vorschläge angenommen?
T.R.P. Mielke: Ja.

Zauberspiegel: Sie umschreiben das Ursprungskonzept der Terranauten mit einer „Zurück zur Erde“-Idee. Der Terranautenautor Rainer Zubeil schrieb ab 1986 die neunteilige Flaming-Bess-Serie, die genau dieses Konzept als Inhalt hatte (wenngleich ohne Gesellschaftskritik). Kennen Sie diese Serie? Wenn ja: wie nah ist sie dran am Terranautenursprung?
T.R.P. Mielke: Sorry, kenne ich nicht. Ich selbst habe ebenfalls einige der Terranauten-Grundideen in meinem Heyne-Taschenbuch „Der Pflanzen Heiland“ weitergeführt, das dann mit dem neuen Titel „Mingo“ nochmals bei Bastei Lübbe erschien. Die grünen Gedanken sind noch immer so aktuell, dass ich in diesem Herbst noch Lesungen aus dem Terranauten-Pflanzen-Fundus habe (z.B. am 15. November in der Biosphäre Potsdam).

Zauberspiegel: Obwohl es einige Zeit dauerte, bis das  Terranautenkonzept umgesetzt wurde, ging die Anzahl der jährlich erschienenen SF-Hefte aus Ihrer Feder zurück. Dafür entdeckten Sie das immer noch recht junge Gruselromangenre, das ja Ihr damaliger Kollege bei Rex Corda und Ad Astra, Jürgen Grasmück, mit Larry Brent bzw. dem Silber-Grusel-Krimi 1968 begründet hat. Wären seine Kultserien Larry Brent und Macabros auch für Sie als (Co-)Autor interessant gewesen?
T.R.P. Mielke: Sorry, das alles kenne ich ebenfalls nicht.

Zauberspiegel: Das Lexikon der Horrorliteratur unterstellt Ihnen, erst 1980 (mit Erscheinen des ersten SF-Taschenbuchs) mit dem Schreiben "ernsthafter" Literatur begonnen zu haben. In einem Kommentar zur SF-Reihe des Zauberkreis-Verlages hier im Zauberspiegel hingegen verteidigen Sie auch Ihre Heftromane, verweisen zu Recht darauf, dass einige von ihnen Jahre später als Taschenbuch und sogar als Hardcover wieder veröffentlicht wurden. Wie wichtig ist und war Ihnen die Publikationsform (Heft/Taschenbuch/Hardcover)?
T.R.P. Mielke: Ich sehe das wie Bronze/Silber/Gold auf dem Publikations-Sieger-Treppchen. Und in der Tat halte ich es für vergnüglich, wenn ein unter Pseudonym in ein paar Tagen geschriebener Heftroman plötzlich als Hardcover mit Schutzumschlag und dann auch noch bei rororo als Taschenbuch erscheint – und wenn sich dann erst der Evangelische Bücherdienst auf seriös getrimmt über etwas äußert, was er sonst nicht einmal mit der Kohlenzange angefasst hätte. Das ist mir mehrfach passiert. Und einige meiner Heftromane halte ich immer noch für besser als manche hochgejubelten Romane heute.

Zauberspiegel: Die Initialen R. P. Ihres Namens werden häufig für "Reine Phantasie" stehend bezeichnet. Gibt es für die beiden Anfangsbuchstaben auch eine Definition, die für Ihre historischen Romane stehen?
T.R.P. Mielke
: Letzteres nicht, aber ich habe einen zweiten und dritten Vornamen mit diesen Anfangsbuchstaben. Ursprünglich war R.P. eine Art Protest gegen die mir dummerhaft vorkommenden Mittelbuchstaben bei amerikanischen Autoren. Und dann hat sich’s als Markenzeichen eben so erhalten (und auch, weil es Hunderte von „Thomas Mielke“ gibt).
Aber selbstverständlich kommt die reine Phantasie auch in meinen historischen Romanen zum Zuge: beim „Gilgamesch“ und bei „Inanna“ kommen (quellengetreu!) Raumschiffe vor, in meiner Romanversion von Ariosts 1505-1533 entstandenen „Orlando furioso – Der rasende Roland“ fliegt ein Ritter mit des Raumschiff des Hesekiel zum Mond, es gibt Magier und Feen, unsichtbar machende Ringe, Seelenzustandsspiegel, Krieger aus Büchern strömend, Helden auf Hippogryphen durch die Luft rasend usw.

Zauberspiegel: Einige Ihrer historischen Romane hatten durchaus noch einen phantastischen Einschlag. Dennoch muss man als Leser feststellen, dass sie sich die letzten Jahre fast ausschließlich mit diesem Genre beschäftigt haben, zumindest aber keine neuen SF-Texte mehr veröffentlichten. Bei Ihrem Kommentar zum Terranauteneinführungsartikel hier im Zauberspiegel haben Sie aber durchaus noch Ihr Interesse am (ursprünglichen?) Terranautenkonzept gezeigt. Wird es wieder neue SF-Texte von Ihnen geben?
T.R.P. Mielke: Es gibt ein großes Romanprojekt, das früher sicherlich als SF gestempelt worden wäre. Doch mit diesem Label kann man heutzutage keinen Blumentopf gewinnen. Deshalb erscheint es im nächsten Jahr in der Kombi-Schublade „spekulativer Polit-Thriller“.

Zauberspiegel
: Herzlichen Dank für die ausführlichen Antworten!
1957 T.R.P. Mielke: beim Worldcon in LondonIch war 1957 ziemlich stolz auf  meinen selbstgenähten Fancy dress und den selbst gebogenen und verchromten, batteriebeleuchteten "Raumhelm" als "Peace Ambassador of the United Sun Systems". Selbst die BBC war so beeindruckt, dass Sie ein halbstündiges Interview mit mir gemacht hat, das auch gesendet wurde.

So weit ich mich erinnere, waren außer mir (per Anhalter nach London hin und zurück) und Walter Ernsting nur noch Jaqueline Osterrath und zwei weitere Deutsche bei diesem ersten WOLDCON in Europa. Damals - vor über 50 Jahren - habe ich mich auch mit Brian Aldiss angefreundet. Mit dem gleichen Dress (und in der UTOPIA-Verkleidung für fünf Mark die Stunde) bin ich übrigens auch in Unterwössen für die Tageschau rumgelaufen, als sie erstmals über einen SF-Con berichtete.
Für meinen jüngeren Bruder Andreas hat Franz Ettl (VURGUZZ) einen alten Kartoffelsack geopfert und mit Lippenstift von seiner Frau Verwundungen auf seine Arme und Beine gemalt. Er war dann die Alternative zu mir - "nach dem Atomkrieg" (Mein Bruder ist noch heute sauer über diese Diffamierung).

Aber immerhin hat mich darauf hin Wolf Detlef Rohr in Augsburg miterleben  lassen, wie er einen SF-Roman diktierte. Das war unheimlich wertvoll für  meinen eigenen Einstieg als Schreiberling. Denn danach wusste ich, wie man das macht (samt ein paar kleinen Tricks). Rohr hat mich dann sogar zu seinem Witzredakteur für die SFCD Clubnachrichten befördert. Auch ein „Karriereschritt!“
Quellen für die Fragen:
  • trpm.de (Homepage von Thomas R.P. Mielke)
  • Hans Joachim Alpers, Werner Fuchs, Ronald M. Hahn: Lexikon der Horrorliteratur; Fantasy Productions
  • Hans Joachim Alpers, Werner Fuchs, Ronald M. Hahn, Wolfgang Jeschke: Lexikon der Science Fiction Literatur; Heyne Verlag (Erstauflage in zwei Bänden, Neuausgabe in einem Band)
  • Michael Nagula: Perry Rhodan - Die Chronik, Band 1: 1961 - 1974; Hannibal-Verlag
  • Autoreninterview
  • Georg Joergens: Die Terranauten Spezial (Risszeichnungs-Journal 119); Risszeichner Club Deutschland (RZCD)
  • Uwe Schnabel: Die Zauberkreis-SF-Reihe
  • Uwe Schnabel: Titellisten: Occu
  • Ursprungskonzept und T.R.P.-Mielke-Brief an den Bastei-Verlag: terranauten.de
  • Verschiedene Leserseiten der Terranauten-Hefte

  • Die Fotos wurden von T.R.P. Mielke zur Verfügung gestellt.

Kommentare  

#1 Mac 2020-09-02 14:35
Leider ist unser Vater, Opa, Freund und großartiger Mensch von uns gegangen.

burgturm.de/trpm-thomas-r-p-mielke/

Alles Gute für euch,
Marcus, sein Sohn.
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#2 Harantor 2020-09-02 20:19
Mein Beled ...
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#3 Advok 2020-09-02 22:35
Mein Beileid.
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#4 AARN MUNRO 2020-09-03 08:09
Meines auch!
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#5 MHR 2020-09-03 12:10
Er war ein toller Autor!
Mein Mitgefühl der Familie ...
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