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… Clifton Steel Bristol über Kanonendonner im Mittelmeer

Clifton Steel Bristol… Clifton Steel Bristol ...
...über Kanonendonner im Mittelmeer

Kapitän Hornblower auf allen Meeren! Die Fortsetzung der Saga um den berühmten Seehelden von Cecil Scott Forester hat begonnen. Der englisch-deutsche Autor Clifton Steel Bristol legt hier einen neuen Hornblower-Roman als e-book vor. Ein spannendes Werk um ein gefährliches Abenteuer im Mittelmeer und der Biskaya. Großbritannien wird nach wie vor von Bonaparte bedroht, der sich eine neue Idee ausgedacht hat, um das Land zu besiegen.

Dabei soll ihm vor allen Dingen helfen: Schwarzer Rauch!

Schwarzer RauchZauberspiegel
: Wie bist Du dazu gekommen, einen Hornblower-Roman zu schreiben?

Clifton Steel Bristol (lacht): Dazu muss ich etwas ausholen. Wie Du an meinem Namen erkennen kannst, bin ich Engländer, allerdings in Deutschland aufgewachsen. So wie viele Leser in Deutschland etwa mit Karl May oder wie Du mit Perry Rhodan aufgewachsen sind, bin ich mit Hornblower aufgwachsen. Von daher kenne ich die Serie ganz gut. Übrigens ist auch die deutsche Ausgabe ganz ordentlich. Es gab eine Zusammenfassung aller Romane als Jugendausgabe in Blauem Leinen mit Golddruck auf dem Titel,, dazu ein Making-Of mit Kartendarstellungen, ebenfalls in demselben Marineblau. Dazu kommen etwa die  schönen, ebenfalls blauen Hardcover-Ausgaben von Weltbild etc. Außerdem erschien die Reihe u.a. noch bei Fischer als Paperback-Taschenbuch, zu einem damals recht erschwinglichen Preis.
Von daher bin ich sowohl mit der englischen als auch deutschen Ausgabe schon seit der Kindheit herumgelaufen. Ich kenne mich also ganz gut aus in diesem Universum.

Zauberspiegel: Warum gerade ein Hornblower-Roman?
Clifton Steel Bristol: Hornblower ist eine überzeugende Figur. Er ist ein Charakter mit Ecken und Kanten, mit Schwächen, die er immer wieder zu überwinden versucht und mit Selbstzweifeln. Der Erfinder von Hornblower, C.S. Forester, hat ihn sehr gut als Charakter aufgebaut. Außerdem ist Hornblower als echter Seemann dargestellt.Ich habe auch andere Seefahrerromane gelesen, aber entweder sind die Autoren Landratten oder ihre sogenannten Helden sind welche bzw. nur geschönte Abziehbilder. Oft fehlen die wirklichen, genauen Konturen der Persönlichkeit, etwa in der Bolitho-Reihe. Diese kann ich überhaupt nicht leiden, da sie mich inhaltlich nicht überzeugen, obwohl sie vom Menschlichen her gut dargestellt sind. Aber die helden dort sind Landratten, die nur eben ‚mal zur See fahren. Sie haben das Salzwasser nicht im Blut, so wie Hornblower. Er ist mehr auf See als an Land. Außerdem muss er sich aus kleinsten Verhältnissen  ohne Hilfe oder Beziehungen emporkämpfen. Das kommt sehr verständlich herüber. Er ist wirklich ein Self-Made-Man.
Forester kannte selbst die Schmerzen der Menschen. Darum ist diese Figur so überzeugend. Er hat Stärken und Schwächen.

Zauberspiegel: Ist Clifton Steel Bristol Dein wirklicher Name?
Clifton Steel Bristol (grinst): Ja, Du wirst lachen. Ich selbst komme zwar aus der Nähe von London, bin allerdings schon im Alter von fünf Jahren mit meinen Eltern nach Deutschland gekommen. Wir haben aber sogar Verwandte in Bristol und es gibt dort sogar eine „Clifton Bridge“, das ist eine alte Eisenbahnbrücke, die sicher aus Stahl ist, mit meinem Namen aber nichts zu tun hat. Meine Eltern waren Fans von Emma Peel und John Steed aus der Reihe Schirm, Charme und Melone“, wie sie hier in Deutschland hieß. Als Zwischenname war also Steed angeplant, aber der Beamte des Standesamtes hatte das falsch verstanden … und deshalb „Steel“ eingetragen. Nun, das geht ja auch.Ich konnte damit leben, wo es ohnehin nur mein Zweitname war.

Zauberspiegel: Was hat Dich daran gereizt, diesen Seefahrer-Roman zu schreiben? Hast Du selbst seemännische Erfahrungen?
Clifton Steel Bristol: Nun, ich bin  noch mit keinem Seelenverkäufer auf den Weltmeeren mitgefahren, aber ich habe einen Hochseesegelschein für Yachten, habe zweimal eine Tour in den Atlantik geführt und einmal eine Segelyacht von Neufundland nach England herübergebracht. Insofern liegen da schon einige Erfahrungen vor.

Zauberspiegel: Wie kamst Du zu Deinem Thema des Romans?
Clifton Steel Bristol: In der Schule hatte ich erfahren, dass Robert Fulton, der Erfinder des dampfgetrieben Schiffes, wirklich seine Erfindung damals Napoleon angeboten hatte, der  in der Hornblower-Reihe immer mit „Boney“ abgekürzt wird. In der  deutschen Schule hingegen hatten wir immer „Nappi“ gesagt. Dieses Thema reizte mich daher, es auszugestalten, insbesondere, wo auch Hornblower später als Koneradmiral mit Dampfschleppern in New Orleans konfrontiert wird. Ich dachte, es wäre reizvoll, den Kontrast des ausgehenden Segelzeitalters mit seinen letzten, formvollendeten Teeklippern und den Beginn der heraufziehenden Dampfschiff-Ära als Konflikt darzustellen. Dieses Thema zieht sich sehr stark durch den Roman. Deshalb ist die Lionheart, Hornblowers Schiff, diesmal ein Glattdecks-Schoner, der bereits den späteren, schnellen Tee-Clippern der Ostindien-Company nachempfunden ist. Außerdem wollte ich, unabhängig von diesem Thema, noch einmal Kapitän Bush in die Handlung einfließen lassen, der ja kurz darauf aus der Erzählung genommen wurde, als Hornblower nach der Meuterei um die Flame in Frankreich an der Küste eingreift. Deshalb dachte ich, es wäre gut, einen Zeitraum zu wählen, der dort in der Nähe liegt. Zwar erwähnt auch C.S. Forester, dass Hornblower nach seinem Russlan-Abenteuer in der Ostsee erkrankt und danach gleich die Porta Coeli erhält, um das Meutereiproblem um die Flame zu lösen, doch ich glaubte, ich könnte diesen Zeitraum noch etwas erweitern, und mein Abenteuer darin unterbringen.Ich glaube, bescheiden sagen zu können, das ist mir ganz gut gelungen.

Zauberspiegel: Wurdest Du durch andere Medien dabei beeinflusst?
Clifton Steel Bristol: Natürlich kenne ich den alten Hornblower-Film mit Gegory Peck, zu dem C.S. Forester übrigens das Drehbuch selbst schrieb, indem er zwei seiner Romane  dafür zusammenfasste. Von der Fernsehserie habe ich mich aber bewusst ferngehalten, weil ich nicht durch unnötige Bilder in falsche Richtungen beeinflusst werden wollte. Diejenigen Bilder, die beim Lesen im Kopf entstehen, sind hierbei nämlich noch immer die besten. Aber natürlich habe ich auch Filme wie „Master und Commander“ gesehen oder gelesen. Rasante Handlung, aber ansonsten sage ich jetzt ‚Mal besser nothing dazu.

Zauberspiegel: Findest Du etwas kritisch an den Hornblower-Geschichten?
Clifton Steel Bristol: Eigentlich nicht. Er ist ganz ein Kind seiner Zeit, kämpft für König (oder regent) und Vaterland, also für die Interessen Englands. Natürlich verteidigt er hier eine (wenn auch aufgeklärte) Monarchie gegen eine Republik. Aber das Frankreich Napoleons hatte ja trotz der Existenz  des Code Napoleon bereits längst seine Ideale als freiheitliche Demokaratie verloren, als die es ja 1789 einst anfangen wollte. Insofern waren Hornblowers Ansätze schon besser, wahrscheinlich lebte man soziologisch gesehen in England freier als zur gleichen Zeit in Frankreich, vom Ökonomischen `mal abgesehen.Es handelt sich eben um bunte, pralle See-und Kampf-Abenteuer, die man nicht politisch zerpflücken sollte. Wer sich für solche Themen interessiert, der möchte keine politische Diskussion, ob nun England oder Frankreich der bessere Staat waren.Immerhin gab es ja eine Geheimpolizei von Boney, die missliebige Opponenten herausfinden sollte.Als , kultureller Engländer muss ich allerdings kritisch anmerken, dass der Lokalpatriotismus im Hornblower immer recht hoch ist. Zwar werden auch die Franzosen oder Spanier immer als Gegner geachtet und betrachtet, aber wirklich gleichwertig sind sie dort nicht, was ihre Kampffähigkeit betrifft. Hier ist Hornblower natürlich ein bisschen zu sehr hurrapatriotisch. In anderen Seefahrer-Romanen, etwa im Bolitho, sind die Franzosen als gleichwertige Flotte aufgestellt. Bei Hornblower können sie (was historisch gesehen auch stimmt), zwar die bessern Schiffe bauen, sind aber von der Kampffähigkeit und der Seemannschaft her deutlich unterlegen. Ein bisschen habe ich auch versucht, das herüberzubringen. C.S. Forester jedenfalls thematisiert das sehr stark.

Zauberspiegel: Hast Du sonst noch irgend eine Mühe für den Roman auf dich genommen?
Clifton Steel Bristol: Nun, ich kenne die Gegenden um die französische und die spanische  Küste im Mittelmeer heute recht genau, da ich dort öfter gesegelt bin. Insofern habe ich mir ausgemalt, wie die Landschaft dort vor zweihundert Jahren hätte aussehen können, ohne all den Touristenrummel von heute. Vor zwei Jahren, als das Projekt langsam reifte, hatte ich diese Gegend um die Camargue noch abgesegelt. Insofern sind also auch einige eigene „Reiseerlebnisse“ eingeflossen, zumindest in der Beschreibung der Küstengegend oder des Uferverlaufes. Leider konnte ich keine Karten in der e-book-Ausgabe unterbringen. Das ist schade. Aber, falls das Buch einmal gedruckt wird, werde ich es überarbeiten und zwei oder drei Landkarten hinzufügen. Das ist so ähnlich wie in guten Fantasy-Romanen. Karten sind das Salz in der Suppe. Der Leser will das haben, zum Nachschlagen während der Handlung: „Wo sind wir denn grade? Aha, hier also ...“ Eine  gut gezeichnete Karte stärkt immer die geschriebene Handlung.Das Schreiben selbst hat jedenfalls sehr viel Spaß gemacht.

Zauberspiegel: Denkst Du daran, die Reihe fortzusetzen?
Clifton Steel Bristol: Nein, das war ein einmaliges Abenteuer, das langsam in mir reifte und dann endlich heraus musste. Ich schreibe demnächst einen Kriminalroman.Außerdem ist es bei Hornblower wirklich schwer, noch Zeitläufte zu finden, die nicht bereits mit Handlung besetzt sind. Sein Leben ist wirklich gut dokumentiert. Nur zwischen der Kommodorezeit und dem Ende des Krieges gegen Boney, als Hornblower bereits Konteradmiral einer britischen  Flotte im Frieden ist, lässt sich noch Einiges an Handlung unterbringen. Aber gerade diese Freidensepoche reizt mich weniger.Ich denke, das Abenteuer Hornblower ist nun für mich beendet, erst einmal. Aber man soll nie nie sagen (grinst).

Zauberspiegel: Danke für das Interview.
Clifton Steel Bristol: Ich habe zu danken. Ich freue mich, wenn viele Leute das e-book lesen. Habt Spaß damit.Nehmt es nicht zu ernst.

H. Döring



Die Fragen für den Zauberspiegel stellte H. Döring.

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