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Verschwunden in der Geschichte - Karl Stephan - Titelbildzeichner (Teil 2)

Karl Stephan - TitelbuildzeichnerVerschwunden in der Geschichte
Karl Stephan – Titelbildzeichner im
Goldenen Zeitalter des Heftromans

(Teil 2)

Das Goldene Zeitalter der Romanhefte und Leihbücher in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat nur wenige wirkliche „Stars“ hervorgebracht: Erinnert sei an Karl-Herbert Scheer, Walter Ernsting und Kurt Brand bei den deutschen Science Fiction-Autoren. Auch die Titelbildgestalter hatten mit Jonny Bruck oder Rudolf Sieber-Lonati zwei herausragende Vertreter der malenden Zunft.

 

Andere Schöpfer exotischer Bildwelten sind inzwischen in der Geschichte verschwunden: Zu ihnen gehört Karl Stephan (1923-1980), der über Jahre für die Verlage Moewig, Heyne und Pabel arbeitete und mit seinen Covern für verschiedene Heftreihen das Bild der SF am bundesdeutschen Kiosk mitprägte. Dennoch ist er fast vergessen:

Für einen Leihbuch-Verlag zeichnete Karl Stephan in seiner Frühzeit auch schon einmal ein Western-Cover. Diesem Genre war er später aber nicht so sehr zu geneigt.Bis 1961 erscheinen bei Moewig über 200 Hefte der „Fliegergeschichten aus aller Welt“. Viele der Titelbilder hat Karl Stephan gestaltet. Der ehemalige Metallflugzeugbauer, Soldat und Plakatmaler ist Mitte der 50er Jahre gut im Geschäft. In den Wirtschaftswunderjahren wird die junge Bundesrepublik von Zeitschriften- und Buchpublikationen jeder Art überschwemmt, und der Bedarf nach verkaufsfördernden, auch möglichst reißerischen  Umschlagillustrationen ist groß. Das Publikum sucht Unterhaltung und Ablenkung, das Niveau des in Millionenauflagen verbreiteten Lesestoffs ist aber zumeist am unteren Ende der Skala angesiedelt. Der „schöne Schein“ und der „Duft der großen weiten Welt“ triumphieren.

  Ein typischer Titel der Romanheftreihe „PS Geschichten“ aus dem Moewig-Verlag – dem 50er-Jahre-Kino-Schlager „Lohn der Angst“ nachempfunden. Ob es sich um ein Stephan-Bild handelt, ist indes unbekannt. Karl Stephan malt in jener Zeit Titelbilder und Illustrationen für Leihbücher (Dörner Verlag), für Kinder- und Jugendbücher (Verlag Franz Schneider), für Technik-Zeitschriften und Buchreihen wie „Durch die weite Welt“  (Franckh’sche Verlagsbuchhandlung) und immer wieder für Romanhefte, wie etwa die „PS Auto- und Motorradgeschichten aus aller Welt“, deren 34 Hefte ab 1955 ebenfalls bei Moewig in München erscheinen. Fahrzeuge zu Lande, zu Wasser und in der Luft dominieren in jenen Jahren die Motive seiner Titelbilder, das zumeist männliche und junge Lesepublikum ist von den technischen Entwicklungen der Zeit begeistert – so wie Karl Stephan in seiner Jugend wahrscheinlich den Flug der Zeppeline und der Motormaschinen sehnsüchtig verfolgt hat. Seine Kriegserfahrungen kommen ihm bei der Arbeit für  Militaria-Romanheftreihen wie Moewigs „Fliegergeschichten“ oder später auch für den „Landser“ des Rastatter Pabel-Verlags zugute.

Stephan verdient nicht schlecht als Titelbildlieferant. 250 bis 300 Mark zahlen die Verlage für ein Bild, in den 50er Jahren eine Menge Geld. Und Stephan pflegt eine höchst ökonomische Arbeitsweise. Gemalt und gezeichnet wird ausschließlich morgens und am späten Vormittag, der Rest des Tages gehört anderen Angelegenheiten – vor allem der Fliegerei.

Denn sein altes Hobby gibt Stephan nicht auf. Weil die Westdeutschen in den Nachkriegsjahren noch nicht wieder fliegen dürfen, macht Stephan seine Segelflug- und Motorflugscheine kurzerhand im Ausland. Das wirkt sich in späteren Jahren sehr vorteilhaft für ihn aus, denn Stephan absolviert eine Ausbildung zum Fluglehrer für Segelflug, Motorsegler, Motorflug und Kunstflug. Aus dem einstigen Flugzeugbauer-Lehrling wird mithin im Laufe der Zeit ein Flugsportler, der andere als Fluglehrer zum Berufspilotenschein verhilft oder sie zu Hubschrauber-Lenkern ausbildet.

 Die Nähe zur Fliegerei hat Stephan wohl auch Verständnis für die Science Fiction aufbringen lassen. Als der Moewig Verlag 1957 mit der Heftroman-Reihe „Terra“ eine äußerst langlebige Konkurrenz zur „Utopia“-Reihe des Rastatter Pabel-Verlags herausbringt, wird Karl Stephan von Kurt Bernhardt, dem neuen Moewig-Cheflektor und vormaligen Pabel-Mitarbeiter, ins Titelbildzeichner-Team geholt, zu dem auch der spätere Rhodan-Spezialist Jonny Bruck gehört.

Karl Stephan erstes Science Fiction-Cover für „Terra Science Fiction“ Nr. 9 aus dem Jahr 1957. Man beachte die von den Schiffbrüchigen akkurat aufgebauten Mannschaftszelte neben dem RaumschiffswrackMit „Terra“ Band Nr. 9 „Schatzgräber des Weltraums“ von einem Frank Williams legt Stephan 1957 sein erstes Science Fiction Cover vor. Das Hauptmotiv muss dem Flugzeugbauer Stephan aber wohl in der Seele weh getan haben: Es zeigt ein havariertes Raumschiff. Die Rakete ist in drei Teile zerbrochen, ihre silbrig schimmernde Hülle an vielen Stellen aufgerissen. Die Dramatik des Bildes wird allerdings gleich wieder etwas aufgehoben – nämlich durch mehrere auf dem fremden Planeten akkurat aufgebaute Mannschaftszelte neben dem Wrack.

Auch wenn Stephans erstes Raumschiff kaputt ist: Das verwendete Design wird typisch für die Raumschiffe, Orbitalstationen und Landeboote, die Stephan in den kommenden Jahren auf „Terra“-Titelbilder bannt. Der Wahl-Münchener orientiert sich sehr stark an den Vorstellungen und Entwürfen für Weltraumfahrzeuge aus den 30er und 40er Jahren: Wernher von Braun und seine (Mond-)Raketen lassen grüßen. Und immer sind Stephans Raumschiffe ordentlich vernietet und glänzend sauber – ein gelernter Metallflugzeugbauer hält etwas auf seine Arbeit.

Auch für Pabels „Utopia“-Romanreihe fertigte Karl Stephan Titelbilder an – hier für die Nr. 97 aus 1957 mit einem für das rechts stehende Raumschiff nicht ganz passenden „Flughafen-Tower“. Auch seine „Fliegerkombination“ kann Stephan nicht so leicht abstreifen: So wälzt sich auf dem Cover des ersten von ihm illustrierten „Utopia“-Romans Nr. 97, der 1957 bei Pabel erscheint, ein Lava-Strom nicht nur in Richtung eines aluminiumfarbenen Raketenschiffs, sondern zerstört auf dem Weg dahin auch einen Flughafen-Tower, wie er in Deutschland auf jedem etwas größeren Verkehrslandeplatz stehen könnte. Seine Arbeiten für Pabels „Utopia“ zeichnet Karl Stephan übrigens mit dem Pseudonym „H. Albrecht“, das er auch schon mal für Arbeiten außerhalb der Science Fiction verwendet.

Den Flugsport und das Zeichnen weiß Stephan übrigens auch sonst eng zu verquicken: So zieht er Werbebanner durch die Lüfte und liest dabei die Manuskripte der Romane, die er mit einem Cover versehen soll. Weil das aber in einem offenen Doppeldecker geschieht, muss er aufpassen, dass ihm die Manuskriptseiten nicht auf und davon segeln.

In den 60er Jahren bemüht sich Karl Stephan, seine menschlichen Figuren lebendiger zu gestalten. Die Fluggeräte werden auf jeden Fall modernisiert und beispielsweise auf seinerzeit aktuelle Deltaflügler getrimmt. Das Lesen der Romane reicht Stephan, Ideen für seine Cover zu entwickeln. Er lässt, wie er selbst schildert, den Inhalt wie einen Film vor seinem geistigen Auge ablaufen und wählt dann eine passende Szene, die in eine Zeichnung umgesetzt wird: „Wenn genügend Zeit ist und es gewünscht wird, entstehen zunächst einige Bleistiftskizzen, von denen eine vom Auftraggeber ausgewählt wird.“  Ansonsten ist der  Autodidakt selbstbewusst genug, gleich einen druckfertigen Entwurf anzufertigen.

Schon früh greift Stephan für seine Motive auf Vorlagen aus Büchern und Zeitschriften zurück, die in seine Bilder eingearbeitet werden. Seine Raumschiffstechnik ist für den Geschmack der später 50er Jahre noch einwandfrei, obwohl die Raumanzüge seiner Astronauten oft reichlich uninspiriert wirken und Menschen in Stephans Bildern mitunter steif und hölzern daherkommen – ganz im Gegensatz etwa zu den Titelbildhelden eines Jonny Bruck.

Dafür gelingen Stephan wiederum hervorragende Roboter. Seine Maschinenmenschen können es jederzeit mit den Bruckschen Kampfmaschinen aus dem Rhodan-Universum aufnehmen, das Karl Stephan übrigens trotz der Nähe zu Moewig immer verschlossen bleibt.
 

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Kommentare  

#1 Manfred Weinland 2011-02-20 07:56
Ich liebe die alten Terra- und SF-Leihbuch-Titelbilder. Kommt da eventuell mal eine ausführliche Würdigung der Stephan-Bilder als Galerie?
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#2 Advok 2011-02-21 18:05
Eine Galerie würde mir auch gefallen.
Und die Artikelserie über Stephan ist top!
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