A multimedia Event for Science Fiction, Fantasy & Horror
A multimedia Event for Science Fiction, Fantasy & Horror
02.-05. Juli 2026 im silent green Kulturquartier, Berlin
In diesem Jahr fand der Eurocon praktisch vor meiner Haustüre statt, nämlich in unserer Hauptstadt Berlin, in Kombination mit der zweiten Ausgabe des Metropolcon, der vor zwei Jahren bereits 500 Besucher angelockt hatte und im ganzen Fandom äußerst positiv aufgenommen wurde. Der Erfolg der Veranstaltung basiert in erster Linie auf der treibenden Kraft der SFCD-Vorsitzenden Claudia Rapp, die mit ihrem 16-köpfigen Team auch diesmal wieder Unglaubliches geleistet hat. Bereits im Vorfeld wurde klar, dass hier Leute am Werk sind, die sich mit Leib und Seele der Fantastik in all ihren Facetten verschrieben haben und unter Aufbietung all ihrer Kräfte ein sehr beeindruckendes Programm aufgestellt und organisiert haben. SF, Fantasy, Horror, Comic, Film, Wissenschaft, Musik, Workshops, Lesungen, Signierstunden, Paneldiskussionen, Dealer’s Room, einfach alles, was das Herz begehrt, in vollgepackten vier Tagen und parallellaufenden Programm-schienen, wie fan es vom Wordcon her gewohnt ist. Noch dazu in einer bestens geeigneten Location wie dem silent green Kulturquartier – mit großen wie kleinen Veranstaltungsräumen, einem gemütlichen Restaurant, einer Bar und Gartencafé, sowie einer ausladenden Grasfläche zum Abhängen. Kurioserweise handelt es sich um ein ehemaliges Krematorium, das bestmöglich geupcycled wurde und mit seinem Namen auch noch einen Bezug zur Science Fiction herstellt. Volle Punktzahl also für Team, Location und Programmgestaltung. Und was genau wurde geboten?

Derzeit beliebt: Becky Chambers
Der Metropolcon war mein dritter Eurocon, nach dem FreuCon XII im Jahr 1992 (Guests of Honour: John Brunner, Iain Banks, Norman Spinrad, Daniel Walther) und dem Helicon 1993 auf der Kanalinsel Jersey (GoH: John Brunner, George R.R. Martin, Karel Thole). Zwar konnte der Eurocon diesmal nicht mit denselben Schwergewichten auf der Gästeliste glänzen, aber es war dennoch äußerst interessante Prominenz aus allen Bereichen der Fantastik vertreten: Aus den USA war Shooting Star Becky Chambers angereist, die 2014 bereits mit ihrem originellen Debütroman DER LANGE WEG ZU EINEM KLEINEN ZORNIGEN PLANETEN (2014) auf sich aufmerksam gemacht hatte und mit ihrer Monk & Robot-Reihe mittlerweile als Vertreterin des etwas obskuren Sub-Genres ‚Cozy SF‘ gilt. Außerdem die derzeit allgegenwärtige Aiki Mira, das kroatische Comic-Künstlerduo Stjepan und Linda Sejic und mit Bernhard Hennen einer der erfolgreichsten deutschen Fantasy-Autoren.
Darüber hinaus wurden die Nominierungen des Deutschen Science Fiction Preis bekanntgegeben, sowie die Preisträger der Kurd Laßwitz Preis 2026. Präsent waren auch das PAN (Phantastik Autor*innen-Netzwerk e.V.), das eine eigene Programmschiene ausrichtete, sowie die Verleger Hardy Kettlitz und Hannes Riffel, die nicht nur Publikationen ihrer Verlage Memoranda und Carcosa anboten, sondern auch als Moderatoren oder Interviewpartner bei Paneldiskussionen aktiv waren.
Erwähnenswert ist die spezielle Architektur des silent green Kulturquartiers. Der Eingang in die unterirdische Betonhalle führt eine lange steinerne Tunnelrampe hinab, die atmosphärisch an Filme wie THX 1138 von George Lucas erinnert. Wie wir im Gespräch mit Birgit „Bifi“ Fischer erfuhren, brachten über diese Rampe einst Leichenwagen die Verstorbenen zu den Verbrennungsöfen. Nice! Heute befinden sich am Ende der Rampe die soeben erwähnten Verkaufsstände, sowie ein Foyer mit Bar, wo sich die vielsprachige Fangemeinde versammeln und austauschen konnte. Gegenüber der Bar warben außerdem die Veranstalter zukünftiger World- und Eurocons um Mitglieder: darunter Lissabon (Eurocon 2027), sowie Montreal (Worldcon 2027) und Brisbane (einziger Bewerber für den Worldcon 2028, nachdem Nürnberg vor kurzem leider wieder aus dem Rennen ausgeschieden ist).


Vergangenheit trifft Zukunft:
die besondere Atmosphäre der Con-Location silent green
Kulturquartier zwischen Grünzeug und Krematorium
Über eine Treppe gelangte fan dann weiter hinunter in einen kleinen, aber feinen Dealers-Room, in dem Kleinverlage aus Deutschland und Europa ihre Publikationen anboten, darunter der Calliope Media-Verlag, der seit diesem Jahr die Herausgeberschaft des vierteljährlich erscheinenden Magazins phantastisch! übernommen hat. Interessant war auch eine Dame, die antiquarische Bücher anbot, deren Umschlagseiten sie behutsam entfernt und durch selbstkreierte Cover und Rückseiten ersetzt hat. Die dabei entstandenen Unikate waren eine Augenweide – nur leider viel zu teuer. Auch wenn der Arbeitsaufwand sicher den Preis rechtfertigt, dürfte es den meisten dennoch schwerfallen 40-60 EUR dafür auf den Tisch zu legen. Manche Bücher kosteten sogar über 100 EUR! Das war etwas schade.
Durch den Dealer’s Room gelangte man in den größten Veranstaltungsraum des Cons, die Betonhalle, wo bis zu 1.000 Personen Platz finden können. In einem Seitenbereich und an den Wänden der Betonhalle gab es auch kleine Ausstellungen zu den Themen Perry Rhodan und SF-Comics in Deutschland oder Bilder von Genre-Künstlern wie Timo Kümmel. Eine Gedenkwand erinnerte an den kürzlich verstorbenen Ian Watson, ein leidenschaftlicher internationaler Con-Besucher und Klaus Scheffler, einen der aktivsten Protagonisten rund um den SF-Club ANDYMON, der zuletzt noch am Lexikon der deutschsprachigen Science Fiction 1933-1945 mitgearbeitet hatte. Der SF-Club ANDYMON war ebenso mit einem Stand anzutreffen, wie die Aktion Bücherrettung, die unter dem Motto „Wir schenken Büchern neues Leben!“ seit Jahren Sammlungen verstorbener Fans aufnimmt und günstig weiterveräußert. Einem stets freundlich lächelnden Roger Murmann kaufte ich diesmal für einen läppischen Euro die Story-Collection „Bizzare Beziehungen“ von José J. Farmer ab. Als ob ich nix zu lesen hätte!
Aber natürlich bricht auf einer Veranstaltung wie dem Metropolcon bei jedem Fan die Sammelsucht durch, egal wie hoch der ‚Stapel ungelesener Bücher‘ auch sein mag. Unglücklicherweise befand sich neben den Leuten von Carcosa/Memoranda auch noch ein Stand des Berliner Otherland, wohl einem der besten Buchläden für Fantastik in ganz Deutschland. Und so wanderten neben der aktuellen (und finalen) EXODUS Doppelausgabe auch noch der „Der fünfte Kopf des Zerberus“ von Gene Wolfe, der Fantastische Almanach „Vor der Revolution“ (mit Beiträgen von Ursula K. Le Guin, Samuel Delaney, Karlheinz Steinmüller und Dietmar Dath), sowie „Mythen, Monster und Manien“, eine Sammlung mit deutschlandbezogenen Kurzgeschichten von Ian Watson, in meinen Metropol Tote-Bag.
Neben dem Programm ist das Beste an einem Con natürlich die Gelegenheit wieder Gleichgesinnte zu treffen. Das ging gleich am Donnerstag los in der Schlange vor dem Eingang zur Betonhalle, als mich ein lautstark grölender Zeitgenosse mit Archipelacon 2-T-Shirt zur Begrüßung umarmte! Ex-SFCBWler Michael Schneiberg aus Köln hatte sich mit dem Vorhaben in Berlin eingefunden, „sich die volle Dosis“ zu geben, vom WarmUp am Mittwoch-Abend im C-Base in Berlin Mitte, bis zur abschließenden Dead Dog Party am Checkpoint Charlie. Aber auch waschechte SFCBWler ließen sich das Event nicht entgehen: Webmaster und MäCon-Impressario MaHo, fanden sich ebenso ein wie Archivar Michael Baumgartner und Reinhold Hermann von der Stuttgarter-Fanfraktion, die leider aufgrund von Problemen mit der Deutschen Bahn etwas verspätet eintrafen. Komisch, wo die Bahn doch immer so pünktlich ist…

Tiefschürfende Gespräche auf dem silent green-Rasen:
Redax oerms, Archivar Michael und Reinhold von der Stuttgarter SFCBW-Fraktion
Eine Begegnung der besonderen bescheuerten Art hatte ausgerechnet ich als BWA-Redakteur am Stand von Carcosa. Dort kam ich mit einem sympathischen Zeitgenossen ins Gespräch, der dem Vernehmen nach eindeutig im Stuttgarter Raum zu verorten war und auf dessen Badge der Name Michael Keller prangte. Während eines netten fannishen Smalltalks, wurden wir von den anstürmenden Fanmassen in die Betonhalle gespült, wo die Eröffnungsrede von Veranstalterin Claudia Rapp stattfinden sollte und dabei leider wieder getrennt. Etwas später dann, als Baumi eintraf, erzählte ich diesem, dass ich einen „netten BaWüler“ kennengelernt, es aber leider versäumt hätte, diesen zu fragen, ob er nicht in den SFCBW eintreten wolle. Worauf Baumi mit einem mitleidigen Lächeln entgegnete: „Na, zum Glück hast Du das nicht gemacht! Der ist nämlich schon längst Mitglied bei uns!“ Aua! Vielleicht sollte ich tatsächlich mal aufmerksamer die Mitgliederliste lesen!
Am Samstag kam dann noch Sabine vorbei, als Vertreterin der SFCBW-Orbitalstation Ost, womit sich die Anzahl der anwesenden SFCBWler*innen auf sechs erhöhte. Sabine war in erster Linie gekommen, weil sie als Mitglied im Gremium des Deutschen SF-Preises einen Bühnenauftritt bei der Preisverleihung am Samstagabend hatte und dabei wurde mir mal wieder bewusst, dass sie mit ihrem unermüdlichen Engagement eine der aktivsten SFCBW-Mitglieder ist – auch über den Club hinaus. Der Zufall führte mich an diesem Tag dann auch zu einem türkischen Imbiss, wo Sabine zusammen mit Robert Corvus das Mittagsessen einnahm und Michael Marrak, Michael Schneiberg und ich uns dazugesellten. Corvus hatte ich zuvor beim Panel „Fantasy Vs. Science Fiction“ als den selbstbewussten Vertreter eines Genres kennengelernt, das nicht unbedingt zu meinen Lieblingen gehört. Das wusste Corvus natürlich nicht und als sich beim Gespräch über den „Lindenwirt“ ein Fragezeichen über meinem Kopf bildete, verschaffte er dieser Wissenslücke Abhilfe, indem er mir ein Bierdeckel mit der Aufschrift „Literatur im Lindenwirt – Die Lesungsreihe von Robert Corvus“ überreichte, mit einem QR-Code der zur gleichnamigen Website führt, auf der Termine verzeichnet sind für Lesungen im kleinen Ort Epe in der Nähe von Osnabrück. In Anbetracht meines bis in die Unendlichkeit reichenden Stapels ungelesener Bücher vielleicht die bessere Methode mich mal mit dem Werk von Robert Corvus zu beschäftigen? Aber zurück zum Con.
Bereits der Donnerstag hielt als erster Con-Tag ein paar Leckerbissen bereit. Sehr interessant eine Diskussionsrunde zwischen Andy Hahnemann von Fischer Tor, Jacqueline Wagner, verantwortlich für das Fantasy-Programm bei Knaur, und Carcosa-Mastermind Hannes Riffel zum Thema „Science Fiction und Fantasy veröffentlichen in Deutschland – was sich in den letzten 10 Jahren verändert hat“. Es stellte sich zwar heraus, dass sich da nicht allzu viel getan hat, außer dass das Schreckgespenst KI allerorts um sich greift, es war aber trotzdem interessant, diejenigen Leute mal reden zu hören, die versuchen dem Genre ein Profil zu geben, in Zeiten, in denen die Fantastik längst vom Mainstream aufgesogen wurde.
Schnell stellte sich übrigens ein generelles Problem heraus, das bereits von den Worldcons her bekannt ist: too much programme – not enough time! Zeitgleich lief nämlich auch ein Vortrag der Meeresbiologin Bettina Wurche, die ich in Hamburg bereits kennenlernen durfte (ein Bericht dazu folgt im nächsten BWA) zum Thema „Mycelium und Mythos – Der Pilz in SF-Plots“ sowie eine Lesung von Nils Westerboer aus seinem preisgekrönten SF-Roman „Lyneham“. Aber man kann nicht alles haben.
Nicht verpassen wollte ich hingegen das Panel über Ukrainische Fantastik in der Kuppelhalle, dem zweiten größeren Veranstaltungsraum des Cons. Den erreichte man, wenn man sich über den Betontunnel zurück zum Eingang begab und von dort über den großen Rasen zu einem Gebäude im klassischen Stil marschierte, das wohl einmal eine Einsegnungshalle mit hohem Kuppeldach gewesen sein muss. Dort gewährte Herausgeberin Alona Silina Einblick in eine Szene, die man so gar nicht auf dem Schirm hat. In diesem Panel bekam man ein Gefühl für ein SF-Fandom im Kriegszustand und stieß auf ein Land, das versucht, sich auch im Literaturbereich von russischer Einflussnahme zu emanzipieren. Im Gespräch mit zwei ukrainischen Autorinnen, von denen eine live aus Lwiw zugeschaltet war, erfuhren die Zuhörer, dass viele ukrainische Autor*innen in der Vergangenheit nur überleben konnten, weil sie ihre Bücher in russischer Sprache und vorwiegend für den russischen Markt geschrieben hatten. Seit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Putins wächst jedoch das Selbstbewusstsein und gerade im Fantasy-Genre beginnen die Kreativen sich verstärkt auf die ukrainische Historie und Mythologie zu berufen, schöpfen daraus Ideen für Geschichten, die theoretisch auch ein internationales Publikum ansprechen könnten. Nur gibt es natürlich so gut wie keine Verleger in Deutschland (oder anderswo), die sich darauf einlassen. Über die Qualität der erwähnten Werke lässt sich leider deswegen kaum etwas sagen. Schwierig war auch das bloße Aufzählen herausragender aktueller ukrainischer Bücher und Autor*innen, die inhaltlich nicht erläutert wurden. Da wäre etwas mehr drin gewesen.
Nicht ganz überzeugend waren auch die ersten Ausschnitte aus ATHOS 2643, der momentan entstehenden Verfilmung von Nils Westerboers gleichnamigen Roman (Deutscher SF-Preis 2023). Dabei machte der anwesende Autor und Produzent Fabian Gasmia einen guten Eindruck, als sie von der Genese des Projekts erzählten. Auch Regisseur David Wnendt, der etwas verspätet mit Flip-Flops (!) hereingelatscht kam, überzeugte durch eine wohltuende Ungezwungenheit. Ein Mann, der sich mit Literaturverfilmungen sehr gut auskennt und bislang im Grunde einen Erfolg nach dem anderen hingelegt hat – von FEUCHTGEBIETE (nach Charlotte Roche), über ER IST WIEDER DA (nach Timur Vermes) bis hin zu SONNE UND BETON (nach Felix Lobrecht). ATHOS 2643 ist sein erster fantastischer Film und der Ursprung des Projekts hörte sich fast etwas absurd an: Wnendt will einen SF-Film drehen, geht ins Otherland, das ein paar hundert Meter von seiner Produktionsfirma entfernt liegt und fragt die Verkäuferin dort, was denn der am besten verkaufte Titel sei. Diese knallt ihm den Roman von Westerboer auf den Tresen und empfiehlt ihn wärmstens. Wnendt liest, ist begeistert und erzählt das Gasmia, der ein SF-Fan ist und „schon immer mal einen SF-Film machen wollte“. Ein Anruf bei Klett Cotta sorgt für Irritation, da dort niemand jemals damit gerechnet hätte, dass jemand ausgerechnet dieses Buch verfilmen will. Aber warum nicht? Die Pointe war, dass die Verkäuferin im Otherland das Buch gar nicht selbst gelesen hat, sondern sich nur besonders gut von Wolfgang Tress, dem Mitinhaber des Otherland hat briefen lassen. Aber egal: auf diese Weise ist ein Projekt entstanden, dass ähnlich wohlige Vibes auslöst, wie Anfang der 1980er, als Roland Emmerich anfing aus Sindelfingen heraus Science Fiction-Filme zu drehen.

Natürlich waren dann alle gespannt auf die ersten Ausschnitte aus dem Film, der zwar bereits abgedreht ist, sich aber noch in der Postproduktion befindet und voraussichtlich erst im Herbst 2027 über die deutschen Leinwände flimmern wird. Die gezeigten Sequenzen wirkten irgendwie interessant, sahen aber auch nicht so aus, als ob da etwas ganz Besonderes entstünde. Erschwerend kam die etwas doofe Idee hinzu, die Sequenzen mit „Like A Prayer“ von Madonna zu unterlegen. Dennoch traue ich David Wnendt zu, das Beste aus dem Roman herauszuholen. Ob das dann über die SF-Nischenszene hinaus funktioniert, muss sich noch erweisen. Laut Produzent Gasmia hat das Projekt 19 Millionen Euro verschlungen, was für deutsche Verhältnisse sehr viel ist. Das mit Gewinn wieder einzuspielen, dürfte nicht ganz einfach sein; deshalb: Respekt für dieses Wagnis!
Kaum war das Film-Panel vorbei (komischerweise gab es kein Q&A), hetzten wir schon wieder zurück in die Tiefen der Betonhalle. Dort dröhnte uns bereits der Sound von Die Leere im Kern deiner Hoffnung entgegen. Unter dem Motto „Nihilism is Fun“ präsentierte das Kölner Duo Doris Mücke (Gesang) und FC Stoffel (Gitarre/Drumcomputer) einen dezidierten Gegenpol zur gerade angesagten Cozy-SF.

Erster Highlight am Donnerstagabend:
Anti-Cozy-Feelings mit Die Leere im Kern Deiner Hoffnung: Drill Baby Drill!
Klar, dass das nur eine kleine Schar Zuhörer anlockte, denn die Schnittmenge zwischen gestandenen SF-Fans und Lieb-habern von Industrial-Metal im Post-Every-thing- Gewand dürfte verschwindend gering sein. Den-noch gab Säng-erin Doris Mücke in der fast 90minütigen Performance alles und FC Stoffel ließ es ganz schön krachen, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Texte, die in englischer Übersetzung auf die Leinwand hinter die Band projiziert wurden, sind apokalyptisch, aufrüttelnd und erinnern an die politisch und gesellschaftskritisch aufgeladenen Songs deutscher Hardcore-Punkbands aus den 1980ern. Not for everybody, aber mir gefiels. FC Stoffel produzierte übrigens bis 2023 den Podcast „Schriftsonar“ (bis 2013 zusammen mit Michael Schneiberg), der auch im Rückblick immer noch sehr hörenswert ist.
Und so ging ich nach dem ersten Tag mit einem sehr positiven Eindruck in die Heia und träumte von Michael Keller in Flip-Flops, der zusammen mit Robert Corvus in einem Wald voller SF-Pilze anklagend auf mich zeigte und mir die Leere im Kern meiner Hoffnung bewusst machte.
Beim nächsten Mal: Die bitteren Tränen der letzten Übersetzer*innen. Happy Fanzine-Making! Und: Flucht aus dem Meer der Langeweile!




Kommentare
Ich meide Berlin seit Jahren, und jetzt erst recht!