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Kurt Luif alias Neal Davenport ist tot

Kurt LuifKurt Luif alias Neal Davenport ist tot

Die letzten Monate seines Lebens waren für ihn eine Quälerei. Seine Sehfähigkeit war schon seit Jahren nicht die beste. Seine Lunge war durch das Rauchen so stark geschädigt, dass er ab August 2011 häufig, aber nicht ständig, Sauerstoff brauchte, und zusätzlich war seine Fähigkeit zur Nahrungsaufnahme so stark eingeschränkt, dass er z. B. nach einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen bereits gesättigt war. Mehr konnte oder wollte sein Magen nicht aufnehmen. Er bekam zwar Astronautenkost verschrieben, aber die half nicht wirklich.

 

Im August 2011 wollte ich ihn nach langer Zeit mal wieder besuchen, aber als ich anrief, bekam ich folgende Antwort: „Nee, lass es bleiben, mir geht es nicht gut. Behalte mich so in Erinnerung, wie du mich beim letzten Mal gesehen hast.“ Ich fragte: "Warum?", und er erklärte, dass er durch seine Magenprobleme erheblich an Gewicht verloren hätte, was natürlich sehr kräfteraubend war.

Ende Dezember 2011 verstarb sein Freund Jonny Winter und Kurt Luif war total niedergeschlagen. Unsere Gespräche im Januar waren kurz und knapp. Erst im Februar hatte er wieder Lust und Laune zum Telefonieren.

Unser letztes Telefongespräch führten wir am 9. März 2012. Er sagte mir, dass er bald ins Spital müsste, es ginge ihm nicht besonders, und wenn er und ich Pech hätten, wäre es unser letztes Gespräch. Er hatte leider recht.

Als ich ihn Ende März telefonisch nicht erreichte, wartete ich noch einige Tage, dann wandte ich mich am 12. April an Alex Melhardt, der mir mitteilte, dass Kurt seit knapp einer Woche im Spital läge, total entkräftet, und nun würde er ein wenig aufgepäppelt.

Eigentlich sollte Kurt am 17. April wieder nach Hause kommen, aber dem war nicht so. Kurt musste im Spital bleiben, und am Samstag, 21. April 2012, ist Kurt Luif infolge einer Herzschwäche im 70. Lebensjahr in einem Wiener Krankenhaus gestorben.

Wir haben – sorry - wir hatten in den letzten 36 Jahren auf verschiedenste Art Kontakt gehalten. Waren es bis 2001 der persönliche Kontakt – bei meinen Besuchen in Wien - oder das Telefon, so kam dank der Computertechnik ab 2007 E-Mail dazu. Mit dem Telefon begann unser Kontakt 1977 und endete – leider – 2012.

Den ersten Kontakt gab es auf dem SFCD-Con im August 1976 in Wien und es ging weiter  im Juni 1977 damit, dass ein Dämonenkiller-Fan einen Autor nervte, warum seine Lieblingsserie eingestellt wurde. Lest am besten meine Kurt-Luif -Biografie.

In den letzten vier Jahren hatte sich der Kontakt zwischen uns dank der E-Mails noch einmal verstärkt.

Es machte ihm Spaß, im Internet zu surfen, und als ich seine Artikelreihe „Schwert & Magie“ aus der Mythor-Serie (aus den Jahren 1980 -– 1982) für die Zauberspiegel-Internetseite aufbereitete, suchte er für seine zwanzig Artikel Bilder von den Autoren und den Magazinen und fügte neue Hinweise als Nachträge bei.

Ich mochte an Kurt seine Ehrlichkeit. Wenn ihm etwas nicht gefiel, sagte er es direkt. Als ich ihm die Erstversion von meinen Artikelentwurf „Vergleich DK-Roman und Exposé“ zuschickte, kam prompt die Antwort: „Nein, das gefällt mir so nicht. Da kennt sich keiner aus, der kein DK-Fan ist. Erst Ernst Vlcek, dann drunter Kurt Luif. Vor allem der Schluss, das geht so nicht, da muss ja die Gemeinheit der Zamis-Familie zum Ausdruck kommen.“ (E-Mail-Auszug).
Ich änderte darauf das Konzept und seine Antwort war: „… das Hexensabbat-Expo gefällt mir sehr gut. So habe ich es mir vorgestellt! Ich glaube aber nicht, dass du die vielen Textstellen bringen darfst.“ …

Ich durfte, hatte nämlich beim Zaubermond-Verlag nachgefragt …

Als ich 2011 das Interview mit ihm machte, war er sich nicht sicher, ob die Leser der Internetseite des Zauberspiegels der alte Kram überhaupt interessieren würde.

Seine schriftstellerische Karriere endete eigentlich 1997, als er seinen dritten Dick Collins-Roman auf mein ständiges Drängen endlich zu Ende schrieb. Zur gleichen Zeit hatte er die Idee für eine historische Geschichte, die er dem Heyne-Verlag anbot, und die von Jeschke auch gern genommen worden wäre, hätte er sie beendet. Kurt hat 38 Manuskriptseiten geschrieben, dann verließ ihn die Lust. Darüber mehr an anderer Stelle …

Für mich war in der Anfangszeit meiner Bekanntschaft mit Neal Davenport der Kontakt echt interessant, denn er bot mir einen Einblick hinter die Kulissen der Dämonenkiller-Szene, aber noch wichtiger ist mir in Laufe der Jahre der persönliche Kontakt zu Kurt Luif geworden. In den vergangenen 35 Jahren habe ich es genossen, ihn immer wieder zu stören und aus seiner Abgeschiedenheit zu reißen.

Unsere „Beziehung“ war zu Beginn Fan/Autor gewesen. Im Laufe der Jahrzehnte, die ich ihn kannte, wurde daraus so etwas wie der Status „befreundet“. Ich habe nie zum engen Freundeskreis gehört, wie z. B. Jonny Winter oder Alex Melhardt, aber Kurt hatte sich an den nervenden Uwe im Laufe der Jahre doch gewöhnt.

Ich werde die zweiwöchentlichen Gespräche mit ihm vermissen, aber für Kurt Luif ist die Zeit der Qual vorbei. Mach‘s gut, Kurt …

Uwe Schnabel

Kurt Luif und Ehepaar Axel und Tilly Melhardt auf der Rennbahn als Pferdebesitzer. P.S.: Ich weiß, ich habe zu wenig über den Autoren Kurt Luif alias Neal Davenport alias James R. Burcette usw. geschrieben, aber das habe ich schon ausführlich auf der Zauberspiegel-online-Seite getan. Dieser Nachruf hat sich mehr mit dem Menschen Kurt Luif und unserer „Beziehung“ beschäftigt, denn ich werde ihn vermissen …

Als Abschluss ein Foto: Kurt Luif und Ehepaar Axel und Tilly Melhardt auf der Rennbahn als Pferdebesitzer.


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Gedankensplitter über das Schreiben von Kurzgeschichten

 

Kommentare  

#1 Alter Hahn 2012-04-25 03:13
Ich habe Kurt Luif leider nie kennen gelernt. Damals als er beim Magier mit einstieg, um der Serie neue Aspekte zuzuführen, haben wir einige Briefe gewechselt. Doch der Kontakt ist dann eingeschlafen. Und es gibt da nur noch spannende Romane von Neal Davenport, an die ich mich erinnerte, als der Dämonen-Killer in Zweit-Auflage kam.
Wenn ich lese, wie qualvoll die letzte Zeit seines Lebens und auch sein Sterben war, dann fällt mir nur das geflügele DichterWort ein: "Ausgelitten hast du -ausgerungen". Vielleicht ist der Tod zu ihm als Freund gekommen. Und es ist wieder einer mehr der "alten Garde", die gegangen sind. Genau so wie wir alle irgendwann gehen müssen. Und so rufe ich dir nach, was ich damals Kurt Brand in seinen letzten Stunden gesagt habe: "Halt für uns Plätze frei". In diesem Sinne - dass wir uns dann eben in jenen anderen Sphären mal kennen lernen. Wir sehen uns...
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#2 G. Walt 2012-04-26 12:21
Ich traf ihn ein einziges Mal. 1991 in Wien. Eine kurze nette und unvergessliche Begegnung. Er signierte mir den legändären Vampir-Horror-Roman Nr. 47 "Amoklauf"
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#3 Lefti 2012-04-26 21:20
Zitat:
Er signierte mir den legändären Vampir-Horror-Roman Nr. 47 "Amoklauf"
Den legändären, ja? :D :D :D
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