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Zirkus, Bären, Helden und Todesschüsse

Teestunde mit RolfMoin Rolf, wir waren ja mit Bettina und Klaus Bollhöfener im Zirkus. Dort war es zu einem Vorfall gekommen. Zwei Bären waren entflohen und einer von ihnen ist erschossen worden. Wir kennen ja Kämpfe zwischen Karl Mays Helden mit Bären oder tarzan mit Löwen. Gibt es dazu was zu erzählen, du hast ja bestimmt Informationen eingeholt...

Zirkus, Bären, Helden und Todesschüsse

Was soll das, werden sich jetzt die meisten von euch fragen. Eine neue „Tee-Stunde“ und  wir warten alle  auf die Fortsetzung der „Passion“.

Ja, bei diesem Manuskript  steht Jesus immer noch vor Pilatus. Es gab eine Menge anderer Dinge, die getan werden mussten. Zu viele Dinge, die zwangsweise Vorrang hatten. Und die Sache einfach „hinhauen“, um den Termin zu halten - das wollte ich nicht.

 

Wer wissen will, wie die Sache mit der „Passion“ ausgeht, der kann ja einfach in einem der Evangelien nachlesen. Und wenn er des Lesens nicht kundig ist, gibt es da  ja noch den Film von Mel Gibson, der seinerzeit sogar von seiner Heiligkeit im Vatikan abgesegnet wurde.

An der „groben Handlung“ wird ja nichts verändert. Jesus wird gekreuzigt, begraben – und lebt danach wieder. Aber – da gibt es Geheimnisse und Mysterien, die vor den Augen eines klar denkenden Historikers den Schleier des Mystik heben – obwohl ich immer die Texte der kanonischen Evangelien als Grundlage behalte – und dazu einige apokryphe Texte...

Also keine Sorge und etwas Geduld. Die „Passion“ wird weiter geschrieben, wenn ich mit dieser Teestunde fertig bin.

In den ganzen letzten Wochen hatte ich mit „Circus“, einem „von der Polizei erschossenen Bären“ und „Tigern“ zu tun. Und da können schon viele andere Sachen liegen bleiben.

Deswegen mache ich vor der „Passion“ diese Teestunde, um einmal etwas detailliert über den in Kassel erschossenen Bären zu berichten, was ja durch die Nachrichten gegangen ist. Und ich will natürlich auch etwas ausführlicher von der Tiger-Tour am letzten Wochenende mit Chayenne berichten.

Meine inzwischen nicht mehr ganz so kleine Tiger-Freundin, über die ich in der Teestunde schon immer mal was erzählt habe, ist nämlich inzwischen ein Fernsehstar geworden.

Aber – bei all diesem Engagement für den Circus fragen sich sicher doch einige Leute, warum ich mich da so voll ins Geschirr werfen, obwohl das außer „Ruhm und Ehre“ nichts einbringt. Ich könnte doch statt dessen meine Zeit sinnvoller zum Schreiben verwenden. Zumal mir der Martin-Kelter-Verlag ja signalisiert hat, ich könnte für die Mystik-Serien wieder Romane vorlegen.

Ja, so hätte auch meine damalige Lebensgefährtin Rosi gedacht – und deshalb war ja dann auch Schluss mit ihr. Aber da ich unlängst hier in einem Interview schon mal in knappen Worten mein Verhältnis zu der faszinierenden Circus-Welt erklärt habe, hier noch einmal etwas genauer, warum ich „Sägespäne an den Schuhen habe“.

Wenn es nämlich in meiner Kindheit und Jugend  meinen Eltern nicht gelungen wäre, mich auf jede Art im „bürgerlichen Leben“ zu halten, dann hätte ich meinen Kindertraum wahr gemacht und wäre zum Circus gegangen.

Gerd Siemoneit Barum hat mich mal gefragt, warum ich denn nicht wie er damals einfach abgehauen und zum Circus gegangen wäre. Eine Frage mit Berechtigung. Die Antwort ist doppelt – ich wollte meinen Eltern nicht wehtun – und war vielleicht doch etwas zu feige, aus der bürgerlichen Welt auszubrechen. Und als ich dann so mit Dreißig  am liebsten alles hingeworfen hätte – da war der Circus im Hintergrund. Davor kam die Tanz-Musik, in der ich damals gut verdient habe und die Schriftstellerei, mit der ich damals in Fan-Magazinen anfing ohne jemals Hoffnung auf eine Veröffentlichung zu haben.

Aber – jetzt mal von Anfang an....

So mit vier Jahren war ich zum ersten Mal im Circus Krone und war fasziniert – besonders von den Löwen. Danach wollte ich nicht mehr Bauer werden, der mit Pferden ackert und auch sonst sehr viele Tiere auf dem Hof hat. Nein, ich wollte Circus-Direktor werden. Allerdings wollte ich nicht, wie das damals der Direktor üblicherweise gemacht hat, Pferde vorführen – nein,  ich wollte Raubtiere. Erst Löwen – und nachdem ich sie zum ersten Mal gesehen hatte – Tiger.

Ja, und so kam es, dass ich mir in meinem 5ten Lebensjahr zu Weihnachten einen kleinen Steiff-Tiger wünschte, dessen Namen „Tambo“ ich mir selbst ausgedacht hatte. Dieser Tiger kennt alle meine Kinderträume und Wünsche – er sitzt heute noch bei mir auf dem Sofa – und deshalb ist das Bild mit meiner kleinen Tiger-Freundin  Chayenne so bedeutungsschwer. Denn Träume können wahr werden, auch wenn es 55 Jahre dauert...  

Der Wunsch, zum Circus zu gehen und Tiger vorzuführen, begleitete mich die ganze Kindheit hindurch. Erst hatte ich Bilderbücher vom Circus, später habe ich dann das Standart-Werk von Carl Hagenbeck „Von Tieren und Menschen“ gelesen – und die Bücher von Professor Grzimeck über Tier-Psychologie. Die richtigen Sachbücher über Circus kamen erst viel später – die gab es damals auch noch gar nicht. Vielleicht habe ich damals auch nur keine gefunden.

Wenn ein Circus kam, musste ich hin. Das war eine halbe Stunde  zu laufen, aber das musste sein. Nur Geld für die Vorstellung konnten mir meine Eltern nur sehr selten geben. Es reichte damals in den 50ern und Anfang der 60er gerade nur für das Notwendigste. Aber die 50 Pfennige für die Tierschau, die waren schon mal drin.
Und so konnte ich stundenlang vor den Raubtierwagen stehen und mit den darin vor sich in dösenden Tigern oder Löwen reden. Manchmal hatte man auch das Glück und wurde von einem der Arbeiter zur Mithilfe aufgefordert. Eben mal einige Karren  Elefanten-Scheiße zu fahren und Wassereimer schleppen. Und wenn es hoch kam, den Elefanten das Wasser auch hinbringen. Dann war ich ganz nah an den Tieren und konnte träumen, ich stände mit ihnen in der Manege.

Da wir ja in der Nähe einer Reitschule wohnten, in  der ich mich natürlich rumtrieb, wenn nicht gerade unsere „Wikinger-Bande“ mit einer anderen Straße im Krieg lag und „Waffenhilfe“ mit dem Holzschwert gefordert wurde. Da hatte ich dann einiges im Umgang mit Pferden gelernt – und das habe ich einmal, als ein Circus da war, voll ausgespielt.

Jeden Tag war ich da und habe mit die Pferde gestriegelt und geputzt, weil der Circusplatz damals genau gegenüber meiner Schule war. Weil damals meine schulischen Leistungen noch nicht das Niveau meiner Teenagerzeit erreicht hatten, gab es zu Hause nur ein Problem – was ist, wenn der Junge mit dem Circus abhaut. Aber – das war schon damals nicht mehr möglich. Der Direktor hätte mich sehr schnell zurück geschickt. Aber – jeden Tag die Pferde „machen“, das kam mir schon so vor, als sei ich beim Circus. Leider ist es mir damals nicht gelungen, mit dem Dompteur ins Gespräch zu kommen.

Beim Circus gibt es nämlich eine ganz strenge Hierarchie. Der Dompteur kommt gleich nach dem Direktor – der ist ungefähr so was wie der 1. Offizier auf dem Schiff. Ganz klar, dass der einen „Hilfsmatrosen“ gar nicht zur Kenntnis nimmt.  

Ich habe in den letzten Jahren selbst erlebt, dass einfache Circusarbeiter und Tierpfleger an der Tür zum Wohnwagen des Direktors stehen blieben, die Mütze abnahmen und das „Heiligtum“ nicht betreten durften. Und ich – sa? drin, trank mit dem Direktor Kaffee und redete über Tierdressuren...

Ja, jeder wusste, dass ich zum Circus wollte. Und so kam es, dass wir mal in der zweiten Klasse eine der damals wandernden Tierschauen zu Gast hatten. Die hatten auch ein mächtiger Python. Wer denn mal den Mut hätte, die Schlange zu streicheln. Sofort zeigen sämtliche Finger auf mich. „Da, der Rolf Michael. Der will zum Circus“. Ja und dann haben sie mit die Schlange sogar umgehängt – und das war dann auch gar nicht so angenehm. Die Haut fühlt sich wie Seide an – nur war das liebe Tierchen mächtig schwer für mich. Aber natürlich – da konnte ich mal wieder den Helden spielen und genoss noch einige Tage später die Bewunderung der Klasse.

Als ich 15 war, habe ich für unser Schulfest eine ganze Circus-Vorstellung konzipiert – und war natürlich auch mit geborgtem Frack und Zylinder der Direktor. Ich hatte mir auch zu Hause mit kleinen Gummi-Figuren aus Wundertüten einen Circus gebaut – und weil meine schulischen Leistungen mehr als nur zu wünschen übrig lie?en, gab es deswegen immer wieder Krach mit meinen Eltern. Ich hoffte, bald 18 Jahre zu werden – denn dann würde ich zum Circus gehen.  Natürlich, man fängt im Stall an – aber vielleicht kam ich ja doch mal in die Manege.

Allerdings nur mit Tieren – und es war mir auch egal, mit was für Tieren. Hauptsache, weg aus dem Elternhaus mit seinen Zwängen. Natürlich – als Artist war mit meiner Note 5 in Sport nichts drin. Ich habe für Artistik auch nie Ambitionen entwickelt, übrigens war auch der Clown für mich nicht erstrebenswert. Zumal ein guter Clown eben auch ein guter Artist sein sollte.

Die ?ngste meiner Eltern, dass ich mit einem Circus abhauen wurde, wurden irgendwann gegenstandslos. Denn von einem auf den anderen Tag kam der Mini-Circus auf dem Dachboden. Denn ich hatte ein Stück der „Beatles“ gehört, das mich förmlich elektrisierte. Da war sie vorbei – die Kindheit – und die wilde Teenager-Zeit begann. Vergessen waren alle Circus-Träume – ich wollte nur noch Schlagzeuger werden – möglichst so gut wir Ringo Starr.

Ob meine Qualität als Drummer die von Ringo erreicht hat, darüber mag man sich streiten – mehr Geld als ich hat er jedenfalls gemacht. Es ging los mit der alten Liverpool-Beat-Musik, dann kam experimenteller, harter Rock dazu, mit „Black-Skill“ dann Punk, bevor der Punk erfunden wurde und schließlich bin ich in der Tanzmusik gelandet, weil man da Geld verdient und nicht nur für drei oder vier Bier am Abend das T-Shirt voll schwitzt. Also an den Wochenenden den Schneewalzer und so was für das liebe Geld und alle zwei Wochen so zur Entspannung von sechs Mucke-Prinzen in einem Keller Blues- und Rock-Musik für den inneren Seelenfrieden.

Für Circus-Träume war da kaum Zeit, obwohl ich natürlich die Vorstellungen besucht habe, wenn zwei Mal im Jahr in Kassel ein Circus gastierte. Und das blieb auch so, als ich dann von der Musik langsam in die Schriftstellerei hinüber glitt und schließlich die Sache mit der Mucke ganz an den Nagel hängte. Zwar ist ein Teil meiner Seele von mir gegangen, als ich das Schlagzeug verkauft habe, aber Petra bestand darauf, dass ich nicht wieder „rückfällig“ werde. Dass ich heute so für mich selbst und gelegentlich auf unseren Dorffesten am Keyboard stehe, ist eine ganz andere Sache.

Als ich dann nach dem verpfuschten Jahr 1986, über das ich hier wohl nicht weiter zu reden brauche, zum Ordnungsamt kam, hatte ich endlich mit der Überprüfungen von Gaststätten und Schankanlagen eine Tätigkeit, die mich wirklich reizte und in der ich „aufgehen konnte“. Die Notwendigkeit, sich den täglichen beruflichen Frust in Heftromanen von der Seele zu schreiben, bestand nicht mehr. Ich habe mich also mehr um meinen eigentlichen bürgerlichen Beruf gekümmert und hatte auch nicht mehr so das Bedürfnis, mich auf andere Art profilieren zu müssen.

Aber – beim Ordnungsamt wurde auch der Festplatz für die Volksfeste und Circus-Gastspiele vergeben. Der langjährige Sachbearbeiter ging gerade in den Ruhestand und der neue Kollege hatte vom Circus so viel Ahnung wie ein Baby vom Pokern. Und – das Thema  interessierte ihn auch gar nicht.

Bei mir war die Liebe zum Circus zwar in all den Jahren auf Sparflamme gekocht worden, aber nie erloschen. Außerdem hatte ich alles gelesen, was mir an Büchern über Circus, Tierhaltung und vor allem Tierpsychologie in die Finger geriet. Ein gewisses Wissens-Potential war also vorhanden. Und natürlich wusste ich auch, weil ich ja jede Circus-Vorstellung besuchte, welche Programme wirklich gut waren.

Also habe ich den Kollegen einige Jahre beraten und weil die Unternehmen, die ich ihm empfohlen habe, gute Programme zeigten und von der Zahlung der Platzmiete etc. völlig unproblematisch waren,  hat er eben nur die notwendige Verwaltungsarbeit wie Verträge etc. gemacht.

An dann kam der Tag, als ich bei ihm im Büro war und dort der Geschäftsführer eines deutschen Groß-Circus vor dem Schreibtisch saß. Ich weiß nicht mehr warum aber ich habe mich in deren Gespräch eingeschaltet und der Kollege sah mich an wie eine Erscheinung des Weihnachtsmannes, als ich Worte benutzte, die verstanden wurden – nur eben von ihm nicht.

Im Circus gibt es eine besondere Sprache bzw. Worte und Wortgebilde, die man dort benutzt. Einige davon kenne ich – aber längst nicht alle.  Sprachforscher würden das etwas ins „Rotwelsch“ einordnen – was früher (und auch heute noch) von Zigeunern und sonstigem Landfahrervolk gesprochen wurde.

Das Ende der Sache war, dass mich der Kollege fragte, ob ich ihm den Circus nicht abnehmen könnte. Natürlich – er hatte die Tätigkeit weiter auf dem Arbeitsplatz – immerhin war er Amtmann und ich ein kleiner Hauptsekretär. Aber – weil ich mich hier endlich mal wieder austoben und meiner verborgenen Leidenschaft freien Lauf lassen konnte, sagte ich zu. Das der Kollege die Kohle dafür kassiert, zählte für mich nicht. Ich war plötzlich in Wohnwagen zu Gast, mit Circus-Direktoren auf „Du“ und hatte natürlich jetzt auch den lang ersehnten Kontakt zu Tierlehrern.

Mein größter Traum, einmal im Raubtierkäfig zu stehen, erfüllte sich, als ich im Circus „Rene & Patrizia Althoff“ mein gerade erschienenes Buch „Die Chatten-Saga – Wotans wilde Söhne“ vorstellte. Es war zwar ein Pressefotograf da, aber er macht kein Bild.

Warum nicht? Weil ich zwar sehr gern die „Heldenrolle“ übernehme – aber kein Selbstmörder bin.

Ein Raubtier, egal ob Löwe, Tiger, Bär oder sonst was, hat die so genannte „Flucht-Distanz“. Das ist ein gewisser Abstand, den auch der Tierlehrer einhalten muss. Wird die Distanz unterschritten und das Tier hat keine Möglichkeit mehr auszuweichen, dann erfolgt der Angriff.

Ich stand also in der Manege, zeigte mein Buch und sprach zu den Leuten, während Tiger-Kater James mich recht misstrauisch beäugte. Dann brachte ihn Dominik Fischer, damals der jüngste Dompteur  Deutschlands, zum Ablegen und kniete sich neben ihn. Ich kniete auf der anderen Seite. Der Presse-Fotograf gegenüber gab Zeichen, näher zusammen zu rücken. Also, noch etwas näher ran. Und damit – hatte ich für James die Flucht-Distanz unterschritten.

Eine Katze wäre jetzt aufgesprungen und hätte im günstigsten Fall von sich aus die Distanz hergestellt. Im anderen Fall wäre der Magistrats-Kranz fällig gewesen und die Stadt Kassel hätte eine Stelle frei gehabt. Aber es waren ja nicht Laila, Dunja  oder Ronja sondern eben Kater James. Und der hat so etwas die Garfield-Charakteristik. Auf jeden Fall ist er der faulste und bequemste Tiger-Kater, den ich kenne.

Aber dennoch – als James  den Kopf zu mir rumdrehte, den Rachen mit den mächtigen Rei?zähnen aufriss und ein tiefes, kehliges Grollen kam wusste ich sofort, was ich zu tun hatte. Es ist schon ein „geiles Gefühl“ wenn dich ein Tiger im Abstand von zwei Metern  so anknurrt – und du hast kein Gitter dazwischen.

Aber – das war eigentlich noch kein Angriff, sondern mit einem : „Junge, einer von uns ist hier zu viel“ vergleichbar. Wenn man das akzeptiert und reagiert, passiert gar nichts. Wenn man diese „Sprache“ nicht versteht, hat man im Käfig nichts zu suchen.

Jedenfalls habe ich hübsch langsam den Abstand wieder hergestellt und James schob den Kopf wieder nach vorne. Aber da packte der Fotograf schon wieder zusammen. Also ging ich zwar ohne Bild, aber gesund und lebendig aus dem Käfig. Nur gut, das eine Arbeitskollegin in der Vorstellung war – sonst hätte mir das keiner geglaubt.

Ich hätte den Tiger ja den Kopf nach vorne drehen können, sagte mir der Pressefotograf auf Anfrage. Dann hätte er auch ein Foto gemacht. No risk – no fun – war seine „coole“ Bemerkung. Nun, in diesem Fall hätte ich sicher die Titelseite seines Blattes gehabt.

Ja, das war das erste mal und seit dieser Zeit bin ich öfters im Käfig gewesen. Bei der Weihnachts-Gala von „Universal-Renz“ beispielsweise, wo ich Tiger-Kater „Kimba“ vor den Augen des Oberbürgermeisters etc. fütterte und nun auch der hohen Führung klar war, wer den „Circus in Kassel“ machte.  

Das wurde geduldet, weil es nie Probleme gab und wäre auch weiter gelaufen, wenn nicht die Sache mit dem erschossenen Bären wäre, die ungefähr zwei Wochen zurück liegt. Und weil in der Kasseler Lokal-Presse viel Unsinn, auf jeden Fall aber eine Fülle von Halbwahrheiten gesagt und geschrieben wurden, will ich hier mal die Wahrheit erzählen – weil ein Blick in den „Zauberspiegel“ eben die Wahrheit bringt...

Nena, Katja und Petra waren drei Braunbären, die mit der Flasche aufgezogen wurden. Sie gehörten Eddy Laforte, der früher einen eigenen Circus hatte und sie dem Circus Universal-Renz überlassen hat. Leider hat man dort bisher versäumt, sich die notwendigen behördlichen Papiere zu beschaffen, dass die Bären dort gehalten werden können. Das ist so, als wenn du zwar göttlich Auto fahren kannst, aber keinen Führerschein hast.

Wenn Eddy Laforte mit seiner Hunde-Revue bei Renz war, gab es keine Probleme. Er hatte den Schein, der ihm die „Sachkunde“ bescheinigte. Daniel Renz, Direktor des Unternehmens, ist zwar als Kind mit Bären aufgewachsen, weil sein Vater Alois, der in den 70ern diesen Circus neu gründete, eben mit Bären gearbeitet hat. Aber – weil er eben diesen Schein noch nicht hat, fehlt ihm auch die „Sachkunde“. Dass Daniel Renz außer mit Tigern mit jeder anderen Art von Tieren arbeitet und sie betreut, zählt bei einer Behörde nicht. Nur das, was auf dem Papier steht, ist verbindlich.

Die Bären wurden nun nicht extra für das Gastspiel in Kassel ins Quartier nach Friedberg gebracht. Denn anderen Städten sehen die Behörden das vielleicht nicht so eng wie in Kassel. Weil die Bären aber nun mal auf dem Platz waren, der Wagen und das Auslaufgehege groß genug war und es auch sonst keine Beanstandung gab wurde vereinbart, die Bären während der Tierschau in der Pause der Vorstellung in den  Wagen zu treiben und den zu verschließen. Dann war nämlich kein Bär da. Und – so wäre die Sache auch gegangen – wenn nicht aus irgendwelchen ungeklärten Gründen zwei Bären ausgerissen wären.

Die Theorie vom Chef des Kasseler Veterinäramtes lässt vermuten, dass er sich bisher wenig mit großen Raubtieren beschäftigt hat und ihm zum sicher vorhandenen Bücherstudium die  praktische Erfahrung im Umgang mit den Tieren fehlt. Der Käfig ist Leichtmetallbauweise (so wie Baustahl) und seit Jahren in Gebrauch. Wenn die Bären da  hätten drüber klettern können, dann hätten sie es schon früher getan.

Eine Möglichkeit wäre der Riegel, um den mehrfach eine  Kette gelegt und diese mit einen Schloss gesichert wurde. Wenn hier irgend ein Hilfstierpfleger das Schloss nicht angebracht und vielleicht die Kette nur zwei oder drei Mal um das Schloss gelegt haben, dann ist die Möglichkeit, dass Nena und Katja, die beiden Ausreißer, das Tor geöffnet haben. Bären-Mädchen Petra blieb aber im Gehege.

Es sind die gleichen Bären, die der damalige Bundes-Finanzminister Hans Eichel während der schon erwähnten Weihnachts-Gala vorführte. Bärin Katja hat ihm sogar beim „Kompliment“ (die Verbeugung vor dem Publikum) das Gesicht abgeleckt. Klar, Hans Eichel war sehr freigiebig mit den Leckereien.

Kein Tierlehrer wird einen „Privaten“ (das sind alle, die nicht zum Circus gehören) in die Nähe eines Tieres lassen, das nicht sicher ist.  Auch die Tiger, denen ich im Käfig gegenüber stehe, sind  so ausgewählt, dass das Risiko so niedrig wie möglich gehalten wird. Die Tatsache, dass man so einen Hochkaräter wie Hans Eichel auf Tuchfühlung an die Bären gelassen hat zeigt an, dass diese drei Brummel absolut sicher waren.  Dass ich die Nena, Katja und Petra selbst kenne und mit ihnen schon sehr intensiv geschmust habe, muss ich hier wohl nicht extra erwähnen.

Natürlich sind Bären unberechenbar – wie jedes andere Tier auch, dem jemand gegenüber steht, der sich nicht auskennt. Wer die Warnsignale eines Hundes nicht erkennt der muss sich nicht wundern, wenn er gebissen wird. Und dann ist natürlich das Geschrei groß – und der Hund ist schuld.

Wenn du unsachgemäß an ein Pferd gehst, dann wundere dich nicht, wenn du einen Fußtritt bekommst oder einen ordentlichen „Pferdekuss“ - nicht tödlich, aber sehr schmerzhaft. Übrigens – auch Kamele können ganz schön zubeißen....und Lamas können mehr als nur spucken. Aber sie machen das eben nur – wenn der Mensch sie in seinem Unverstand erschreckt oder bedrängt.

Dennoch – passiert irgendwas, dann war nur das Tier schuld – und juristisch gesehen der Halter.

Freigelassene oder ausgerissene Circus-Tiere sind immer ein Risiko, weil sie plötzlich ihre gewohnt Umgebung nicht mehr um sich haben. Um Weihnachten herum haben drei Jugendliche die  sechs Kamele von Circus Lieberum frei gelassen.
Die rannten zwar erst los und es gab ein Verkehr-Chaos, aber nach einer gewissen Strecke blieben sie völlig verunsichert stehen. Christian Lieberum konnte sie problemlos nach Hause führen während die Polizei, die hier mal gut gearbeitet hat, nur den Verkehr absperren musste.

Das gleiche gilt für Pferde oder sonstige Huftiere. Aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen wollen sie in die gewohnte Sicherheit zurück. Jeder Landwirt kann das bestätigen.

Problematisch wird es, wenn Tiger oder Löwen aus dem Käfig kommen. Für sie sind die Gitter, der Wagen und der Zentralkäfig nämlich der Schutz vor der Außenwelt, wo sie sicher sind.  Sind sie aus purer Neugier durch ein Loch geschlüpft und finden dann nicht zurück, werden sie echt gefährlich. Auch wenn es keiner glaubt – ein Tiger oder Löwe ist ohne die Sicherheit seiner Gitter ein einziges Bündel Angst – auch wenn es nicht so aussieht. Und eben diese Angst – macht sie aggressiv, „Angst-Beißen“ - so nennt man das.

Es ist dann einfach gesagt, dass man ruhig bleiben soll, wenn man plötzlich einem Löwen oder Tiger  in Freiheit gegenüber steht. Und dass man sich dann ganz langsam zurück ziehen soll, möglichst in die Sicherheit hinter einer Tür – vielleicht findet man ein offenes Auto.

Aber – wem da die Nerven durchgehen, der ist so gut wie tot.

Wer schreit, erregt Aufmerksamkeit und erschreckt das Tier durch seine Schreie. Wer läuft, reizt den Jagdinstinkt. Und – wenn sie dich haben wollen, dann kriegen sie dich auch. Das gilt übrigens auch für Hunde, vor denen man davon läuft.

Der kleinste Pinscher wird zum Wolfshund, wenn er merkt, dass der Mensch Angst vor ihm hat. Also – auch beim Hund – stehen bleiben – dann dreht er im Allgemeinen ab oder bleibt bellend vor dir stehen, bis er die Lust verliert.

Noch ein Tipp, falls ein großer Hund auf die los stürmt und es keine Möglichkeit gibt, hinter eine Tür zu kommen oder eine für ihn unerreichbare Höhe zu gewinnen.

In die Hocke gehen und, wenn er ca. 4 oder 5 Meter vor dir ist, jäh empor schnellen, die Arme ausbreiten und los brüllen. Das verunsichert den Hund und er dreht ab. Es sei denn er ist „wesensstark“. Aber dann hast du ohnehin keine Chance zu entkommen. Wenn der Hund dich tatsächlich beißen will, bekommt er dich so oder so. Nur im Film flüchten Leute fünf oder zehn Minuten vor Hunden – in Wirklichkeit ist das alles in weniger als einer Minute erledigt.

Aber es waren ja keine Tiger, die ausgerissen in Kassel sind, sondern zwei Bären. Im Circus ist das nicht aufgefallen, weil es am Sonntag ca. eine halbe Stunde vor der 11 Uhr Vorstellung war. Vor einer Vorstellung ist im Circus alles am Rotieren – jeder hat seine Arbeit und es gibt außer den ganz kleinen Kindern niemanden, der da nicht was zu tun hätte.

Nena und Katja (die damals Hans Eichel abgeschleckt hat) waren ungefähr fünf Meter von einem Wohnwagen entfernt und noch auf dem Circus-Gelände. Den Hang hoch ist eine viele befahrene Verkehrsstraße.  Die Autos fuhren vorbei und die Leute wunderten sich. Aber die Bären interessierte das nicht. Da war nämlich wundervolles Gras, wo man graben konnte. Und so waren die beiden Bären eben beschäftigt. Die nächste Wohnblocksiedlung war ca. 1 km und die Straßenbahnhaltestelle 500 Meter entfernt. Ansonsten ist diese reinen Verkehrsstraße ein Zubringer zur Autobahn und hat kaum Passantenverkehr.

Irgendwann rief eine Autofahrerin mit einem Handy die Polizei, die auch kam. Was tatsächlich geschah, war in einem Leserbrief in der online-Ausgabe der Kasseler  Lokalzeitung „HNA“ zu lesen, wo sich ein Augenzeuge zu Wort gemeldet hat. Und seine Aussage hat meine Theorien, die ich vorher hatte, nur bestätigt.

Die Polizistin wollte völlig richtig handeln. Absperren und den Circus verständigen. Aber ihr Kollege schien der Meinung zu sein, die nicht vorhandene Öffentlichkeit schützen zu müssen. Er ging auf die Bären los um. Und vermutlich eben so energisch wie es ein Polizist tut, wenn er eine Gruppe alkoholisierter Jugendlicher gegenüber steht.

Ob er die Bären verscheuchen oder zurücktreiben wollte, ist nicht klar. Jedenfalls wollte er vermutlich genau das, was uns die Polizei in Situationen wie Banküberfällen, Geiselnahmen  etc. immer verbietet – nämlich den „Helden“ spielen.

Ungefähr so, als wenn ich, zufällig in der Bank, einen bewaffneten Überfall erlebe und die Schreckschusspistole  ziehe (die ich allerdings gar nicht besitze). Wenn dann der Bluff gelingt und die Bankräuber „fallen lassen“, ist man wenigstens vor der Presse ein Held – die Polizei sieht das anders – und das mit Recht. Denn wenn einer der Gangster den Stecher durchzieht und mich in die ewigen Jagdgründe schickt, dann war es eben meine eigener „Dummheit“ den „Helden zu spielen“.

Und genau mit dieser Situation muss man das vergleichen, das dieser Polizist getan hat. Er hat sich selbst vielleicht mit der besten Absicht, aber doch grob Fahrlässig in eine Situation gebracht, die für ihn lebensgefährlich werden konnte. Gestellte Verbrecher, die nichts zu verlieren haben oder verängstigte Tiere – beide sind in ihrer Handlung unberechenbar.  

Aber – auf der Polizeischule lernt man sicher nur den ersten Teil dieser Lektion!

Es kam, wie es kommen musste. Außer Daniel Renz und seinem Sohn gleichen Namens, welche die Bären betreuen, hätte sich in dieser Situation niemand die Fluchtdistanz der Tiere unterschreiten dürfen.

Vielleicht wäre die Reaktion der Bären vermeidbar gewesen, wenn man sie  erst mal mit freundlichen Worten von ihrer Grabe-Tätigkeit abgebracht hätte. Aber einen barschen Polizei-Ton – so was können Bären nicht ab, wenn sie selbstvergessen das tun, was sie am liebsten machen – nach Würmern graben...für Bären eine Delikatesse...

Nena machte dem Polizisten also auf Bären-Art klar, dass sie ihre Ruhe wollte – und biss ihn in die Wade. Das heißt – bei einem richtigen Biss wäre die Wade draußen gewesen.  Und bei einem „Angriff“, wie es so schön in der Presse hieß, wäre der Bär auf die Hinterbeine gestiegen und hätte mit den Pranken geschlagen.

Da ich so im Alter von 25 Jahren, als ich noch Möbelkaufmann war und die dazu gehörigen Kräfte hatte, in einem Circus mit einem Bären „gerungen“ habe, weiß ich  was Bärenkräfte sind. Du hast keine Chance, wenn die Pranken zuschlagen oder dich ans „Herz drücken“.

Ich hatte damals Boxhandschuhe an, damit ich dem Bär nicht im Fell reißen konnte – und der Bär hatte auch so eine Art Handschuhe an und zusätzlich den Maulkorb.
Übrigens – wer jetzt „Tierquälerei“ schreit, der sollte mal ansehen, wenn Bären untereinander kämpfen. Die prügeln sich wie die Kesselflicker – da kommt der Mensch mit einem  „Bärenringkampf“ nicht mit. Und ein Fausthieb – der müsste schon von einem Klitschko oder einem dieser Herrn kommen, wenn er einem Bären imponieren sollte.
 
Hätte der Bär nicht den Schutz über die Krallen und den Maulkorb gehabt,  wäre der Kampf nicht über drei Runden gegangen, sondern nach der Ersten entschieden worden. Die Krallen eines Bären sind zwar stumpf – aber die Kraft, die hinter dem Hieb sitzt sorgt dafür, dass vor der ganze Körper aufgerissen wird. Nimmt dich der Petz in die Arme, reißt er dich mit seinen Krallen von hinten auf.

So ist das, wenn ein Bär wirklich angreift. Und dann hat der Mensch absolut keine Chance – auch nicht durch schnelle Flucht. Ein Grizzly nimmt es vom Tempo her für eine gewisse Strecke an Geschwindigkeit mit einem Pferd auf. Und auch unsere europäischen Brummel können eine ganz ordentliche Geschwindigkeit entwickeln. Allerdings – dann müssen sie gereizt werden – sonst sind sie viel zu faul, sich zu bewegen.
 
Unnötig zu sagen, wer damals beim Circus alle drei Runden gewonnen hat – und auch Karl May hat seine Bären nur auf dem Papier besiegt. Warum sollte ich, sein unwürdiger Nachfolger, einen Bären auf die Bretter legen?  So was haben damals Steve Reeves, Mark Forest oder Reg Park geschafft – auf der Kinoleinwand als Herkules oder Maciste...

Ich habe das hier auch nur erzählt, damit nicht irgend einer sagt, dieser Klugscheißer hat keine Ahnung, was ein Bär anrichten kann. Oh doch, das habe ich – genau so wie ich in jenen Zeiten fast  mal drauf gegangen wäre, als ich auf einer Weide mit Jungbullen den „Ursus“ aus „Quo Vadis“ geben wollte. Es war so ziemlich die schlimmste Prügel meines Lebens, die ich vom Schädel und den gottseidank noch recht kleinen Hörnern bezogen habe.  Übrigens – die Abreibung, die mir Bär „Yogi“ damals verpasst hat, war auch nicht schlecht...   

Fakt ist auf jeden Fall, dass nichts passiert wäre, wenn der Polizist abgesichert und über Funk eine Streife zum Circuseingang geschickt hätte. Aber – der „Held“ wurde ja ins Bein gebissen, wie einer, der Karo, dem Hofhund, zu nahe kommt. Ein Schuss in die Luft hätte sicher den Bären sofort erschreckt und verscheucht. Aber – der Bär hing passend an der Wade, die Pistolenmündung konnte auf den Kopf aufgesetzt werden und dann fielen mehrere Schüsse, die ein Bärenleben beendeten.

Das kleine Pistolenkaliber hat natürlich nur Wirkung gezeigt, weil die Mündung unmittelbar am Kopf aufsaß. Hätte der Bär nach dem ersten Schuss losgelassen und wäre geflohen, wäre vielleicht eine echte Katastrophe da gewesen.

Klar, der Polizist wäre für die Presse und natürlich für seine Kollegen immer noch ein Held gewesen, der sich uneigennützig zur Schützung der Allgemeinheit dem Raubtier entgegen gestellt hätte.

Aber – wenn Nena verwundet losgerannt wäre, dann hätte sie nichts aufgehalten. Dann hätte sie alles beiseite gefegt oder überrannt. Autos, Menschen – einfach alles. Und Katja wäre garantiert mitgelaufen. Ein Amok-Lauf zweier Bären – den hätte niemand stoppen können. Großkalibrige Waffen, die geeignet gewesen wären, einen Bären tödlich zu treffen, sind nicht so schnell ranzuschaffen. Ebenso ist kein Betäubungsgewehr so schnell zu beschaffen..

Diesen verwundeten Bären hätte nichts und niemand aufgehalten – in verwundetem Zustand, von nie vorher gesprüten Schmerzen gepeinigt,  hätte auch Daniel Renz den Bären nicht mehr unter Kontrolle gebracht. Und ich vermute, dass der „heldenhafte Polizist“ dem fliehenden Bären dann noch einige Kugeln nachgejagt hätte. Die hätten das Hinterteil getroffen und  den Schmerz noch vergrößert.  Wäre das passiert, dann hätte es ganz sicher Schwerverletzte, vermutlich auch Tote gegeben. Von demolierten Autos und solchen Dingen mal ganz zu schweigen.

Wenn die Polizei wenigstens noch sagen würde,  der Polizist hätte nach bestem Wissen gehandelt. Fehler macht jeder mal – den Umgang mit Großtieren lernt man auf der Polizeischule ja nicht. Aber – hier gibt es keine Einsicht. Und natürlich schreibt die Presse das, was der Polizeisprecher mitteilt – man will mir der staatlichen Ordnungsmacht ja keinen Ärger. Dass das Ordnungsamt ebenfalls offiziell die Handlung der Polizei stützt – ist klar. Und – dort hat man eben den Trumpf in der Hand, dass sie Bären gar nicht hätten dabei sein dürfen. Das lässt sich durch Dokumente beweisen – und damit ist die Behörde schon mal aus dem Schneider.

Was aber nicht bedeutet, dass man bei der Polizei aus dieser Sache klug geworden wäre und nun daran ging, die Streifenpolizisten durch eine kurze Nachschulung auf solche Extrem-Situationen vorzubereiten und dies auch künftig in den Polizeischulen mit zum Lehrstoff zu machen. Denn dann wäre Bär Nena wenigstens nicht umsonst gestorben.

Denn Situationen wie diese können immer wieder eintreten. Und – es muss nicht unbedingt ein Bär sein – oder vielleicht Wölfe, die langsam wieder in unsere Wälder kommen. Oder eben, was sehr schnell Realität werden kann – Wildschweine. Und nur Obelix besiegt ein Wildschwein mit einem Fausthieb, weil er Hunger hat...

In den Zeitungen steht es zu lesen – die Wildschweine drängen in die Städte – auch am Tag. Und ein gereizter Keiler oder eine Bache mit Frischlingen, die sich bedroht fühlt  ist viel gefährlicher  als so ein Bär, der in Ruhe seine Würmer graben will.

Jaaa – auf die Frage, ob ich auch schon mal einem Wildschwein gegenüber gestanden habe. Das auch – bei einer Bundeswehrübung, als ich einen Meldegang machte. Aber – der Keiler war ca. 20 Meter entfernt und weil ich ihn nicht bedrohte, ist er im Unterholz verschwunden. Klar, ich hatte das Gewehr dabei. Aber nur Übungsmunition. Außerdem war ja der „Feind“ in der Gegend, da konnte ich nicht rumballern. Ja, als Panzergrandier erlebt man auch die „belauschte Tierwelt“. Geh zum Bund – da geht’s rund....

Die sonntägliche 11-Uhr-Vorstellung  des Circus Universal-Renz fiel natürlich aus und 700 Besuchern wurde das Geld zurückgegeben. Am Nachmittag um 15 Uhr lief das volle Programm und weil ich da war, hörte ich von der Sache. Im Circus war eine Stimmung, als hätte man einen Menschen erschossen.  Aber ich habe trotzdem alles gehört.

Als ich dann gelesen habe, was die Presse geschrieben hat, ist mir der Kragen geplatzt. Und weil ich unseren Bürgermeister, der mal mein Dezernent war, und auch den Amtsleiter des Ordnungsamtes sehr schätze, habe ich ihnen eine Mail geschickt, in dem ich die Sache so geschildert habe, wie sie tatsächlich gewesen ist – und wie ich sie hier auch erzählt habe.

Der Erfolg war, dass man dort feststellte, dass es besser sei, dass ich für die Stadt Kassel in Sachen Circus nichts mehr machen sollte. Ich stände ja auf der anderen Seite.

Frage – was ist hier die andere Seite, wenn ich nur die Wahrheit geschrieben habe. Und weil nun „die Leinen gekappt sind“ kann ich auch diesen Artikel hier schreiben und brauche jetzt auf niemanden mehr Rücksicht zu nehmen. N o c h  ist dies ein freies Land!!!

Freunde – nicht diese Töne. Lasst uns andere anstimmen und freudigere...

Meine kleine Freundin Chayenne war mal wieder im Fernsehen. Und ich war so als eine Art Road-Manager dabei...

Aber – weil dieser Artikel schon so lang ist, verschiebe ich das auf die nächste Teestunde.

Also – lest das nächste Heft....

 

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#1 blu 2009-05-07 16:03
Ich hatte diese Sache Abends im Fernsehen gesehen und musste gleich an "Euch" denken, zumal ja kurz zuvor hier der Artikel über den Zirkusbesuch erschienen war - und hatte schon damit gerechnet daß Du sicher auch etwas über den armen Bären zu sagen hast.

Eine ganz üble Geschichte finde ich.

Gut, dem Polizisten kann man nur Unwissenheit vorwerfen (und keine böse Absicht), dennoch glaube auch ich daß man mit ein bisschen logischem Verstand hätte eben auch anders reagieren können. Selbst ich, die noch nie einem echten Raubtier (von meinen 3 wilden Fellfüßen mal abgesehen) gegenüber gestanden hat, weiß doch daß ich einem Tier - das zudem noch deutlich größer und stärker ist als ich - nicht zu nahe kommen und einen gewissen "Respektsabstand" einhalten sollte. Hat der Mensch denn nicht nachgedacht? Ich meine, er wusste ja was auf ihn zukommt, ist ja nicht so als wäre er dort angekommen und hätte sich völlig überraschend einer Bärin gegenüber gesehen..

Aber es ist nun leider einmal so, wie es ist - total sinnlos mal wieder (erinnert mich jetzt an den "Problem-Bären" Bruno, der hatte ja auch keine Chance) - und wieder mal lernt niemand draus. Es ist keine Überraschung daß sich die Ämter da jetzt wieder aufspielen, wir sind ja schließlich in Deutschland wo alles akribisch auf Papier festgehalten werden muss, damit man im Notfall schnell den "Schuldigen" greifen kann. Einem Land in dem selbst die weit verbreiteten Haustiere noch immer als "Sache" angesehen werden.

Es ist einfach eine Schande.
#2 Mikail_the_Bard 2009-05-07 19:47
zitiere blu:
Gut, dem Polizisten kann man nur Unwissenheit vorwerfen (und keine böse Absicht), dennoch glaube auch ich daß man mit ein bisschen logischem Verstand hätte eben auch anders reagieren können.


Genau diese Art von Polizisten brauchen wir nicht! Das sind nämlich genau die, die nach dem Motto: "erst schießen und dann fragen" handeln.
Jedem Polizisten wird eingehämmert das man Verstärkung rufen muss in solchen Situationen, anstelle das Leben seines Partners und sein eigenes zu gefährden. Vor allem kommt dann - in dem Fakll- Zwei mit Betäubungsgewehr. Peng, Bären pennen, alle glücklich!
Diesem Polizisten müsste ein Disziplinarverfahren an den Hals gehangen werden wegen Gefährung Öffentlichen Sicherheit. Aber wahrscheinlich bekommt er eine Auszeichnung für Tapferkeit im Dienst...
#3 Dolmial 2009-05-11 23:01
:zzz und Gähn!

Mach lieber weiter mit der spannenderen Passion.

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