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Ein Abend bei Gaisbauers (Teil 2)

Teestunde mit Rolf...Moin Rolf, weit geht’s mit dem Interview, das nach dem Chili und beim Buier geführt wurde. Mich würde es mal wieder reizen, das Band zu hören. Aber wie auch immer. Der Tee ist serviert …

Ein Abend bei Gaisbauers (Teil 2)

Wir machen weiter mit den Interview, das wir in der letzten Teestunde begonnen haben - und weil es ein Zeitzeugnis ist, das für den heutigen Leser nicht mehr so einfach zugänglich ist habe ich mich entschlossen, diese gemütliche Plauderei - was es dann schlussendlich wurde - in der mit vorliegenden Fassung zu bringen.


Mehr über die Entstehung etc. findet sich in der letzten Teestunde und muss hier nicht wiederholt werden.

Wir haben unterbrochen, nachdem W.K.Giesa in wenigen Worten erzählt hatte, wie er zum ›Schriftsteller‹ wurde. Wer das detaillierter wissen möchte, der muss in früheren Teestunden graben. Denn wir machen jetzt erst mal weiter ...

Gustav Gaisbauer: Wie entstand das Pseudonym "Mike Shadow"?
W.K.Giesa: "Mike Shadow" stammt von Jürgen Grasmück. Ein Sammelpseudonym der Agentur Grasmück, unter dem auch andere Autoren schrieben.
Ich schrieb auch mit anderen Kollegen unter anderen Verlags-Pseudonymen. Ich benutze auch eigene Pseudonyme. Der wichtigste Name aber ist immer der richtige Name auf dem Honorar-Scheck! Unter welchem Pseudonym meine Romane erscheinen ist im Grunde genommen unwichtig.
Gustav Gaisbauer: Du hast Horror, SF, Fantasy, Trucker-Romane und Western geschrieben. Das sind doch grundverschiedene Genres. Gerade für Trucker-Romane braucht man doch Kenntnisse über Lastwagen und die USA.
W.K.Giesa: Zu den Trucker-Romanen bin ich über mein Interesse an Autos und Auto-Technik gekommen. Ich habe einen ehemaligen Fernfahrer und jetzigen Geschäftsführer einer Spedition als Schwiegervater, bei den ich mir Rat über LKWs einholen kann. Außerdem interessiere ich mich für die USA und demzufolge für das dortige Verkehrs-System und die dortige Kultur. Was ich nicht weiß, muss ich mir anlesen.

Wobei Werners Interesse, den Hintergrund der Trucker-King-Serie zu gestalten so weit ging, dass er zu Trucker-Treffen gefahren ist, wenn sie im Rhein-Main-Gebiet statt fanden und dort dir Möglichkeit hatte, das Innere eines ›Kenworth‹ und andere Ami-Trucks selbst kennen zu lernen. Er konnte dann selbst feststellen, dass im Gegensatz zu deutschen Trucks dort ›drangvolle Enge‹ herrscht und durch die für den Fahrer nicht besonders vorteilhafte Anordnung der Technik auch hier die deutschen bzw. europäischen Modelle wesentlich ›fahrerfreundlicher‹ konstruiert waren. Auch die Schlafkabine hinter dem Fahrerhaus, obwohl die bei den Ami-Trucks größer ist als bei europäischen Modellen, ist nicht so groß, wie sie sich der Trucker-King-Leser vorstellen mag.

Für meine beiden Trucker-King-Romane »Montezuma-Highway« und »Smokey-Sue« hat mir Werner wirklich gutes Material zukommen lassen, das ich mit dem vorher gekauften Buch über Ami-Trucks gut verbinden konnte. Ich gestehe allerdings, dass sich in meinem Text wenig von der Technik befindet und ich mich da auf die Action verlassen habe. Was ich über den ›Kenworth‹ wissen musste, den Rocky fuhr, das konnte ich auch Werners Romanen entnehmen.

Als ich dann einige Jahre später tatsächlich als Tourist die USA bereiste und wir auch ein Stück die alte »Route 66« befuhren - und zwar von dem Ort Seligman bis nach Flagstaff - hatte ich an einem Truck-Stop, wo wir Mittagspause machten, Gelegenheit, mit mit einem echten Trucker zu unterhalten und auch ins Führerhaus seines ›Peterbilt‹ zu klettern - und sogar einen Blick in die Schlafkabine zu werfen.

Der Fahrer, der sich mir als Johnny vorstellte und dem ich natürlich erzählte, dass ich in Germany Trucker-Romane schrieb, die in den USA spielten, erzählte mir, dass er sich einen ›Shotgun‹, d.h. einen Beifahrer, nicht leisten kann. Der Truck, besser gesagt, die Zugmaschine, ist sein Eigentum - und wenn er irgendwo Fracht hinbringt, also einen angehängten Container, dann muss er in einem der freien Frachtbüros sehen, dass er einen neuen Auftrag bekommt. Hier geht es bei den Truckern ›nach der Reihe‹ - es sei denn, es hat einer die Leute vom Frachtbüro mit ›einer Hand voll Dollar‹ geschmiert. Da sehen dann die Kollegen plötzlich erstaunt die Rückleuchten und durch die Blume wird von den Mitarbeitern des Frachtbüros erzählt, dass er eben sehr gut Argumente hatte, das man ihm diese Eilfracht gegeben hat.

So kann es passieren, dass ein Trucker dann eine Woche oder länger auf eine Anschluss-Fracht wartet - und natürlich in dieser Zeit kein Geld verdient. Immer hinten in der Schlafkabine übernachten - das geht auch aufs Gemüt, dann das ist ja kein ›Tanzsaal‹ sondern eine Art ›Röhre‹, in die man sich nicht mal richtig aufsetzen kann. Nur rechts am Ausgang die Kaffee-Maschine, die muss sein. Die wird durch die Batterie mit betrieben.

Man kann sich natürlich ein Zimmer in einem Motel nehmen - aber von den Kosten für das Zimmer abgesehen ist der Truck nur dann sicher, wenn man die Leute, die den Parkplatz überwachen, richtig bezahlt. Da diese ›ehrenswerten Leute‹ einer besonders ›ehrenswerten Organisation‹ angehören, ist die Parkplatzgebühr zwar gepfeffert - Johnny redete von 15 bis 20 Dollar die Nacht - andererseits ist der Truck dann wirklich sicher und wird, wenn er doch gestohlen sein sollte, innerhalb von 24 Stunden zurück beschafft - oder ersetzt, das hat Johnny bei Kollegen auch schon gehört. Da geht es dann bei den ›Parkplatzbetreibern‹ auch um Ehre und Glaubwürdigkeit.

Die amerikanische Cosa Nostra bekämpft auf diese Art die ›Freiberufler‹. Aber Johnny sagte mir, dass er, um die für ihn kaum bezahlbare ›Parkplatz-Gebühr‹ zu sparen, wenn er auf Tour ist und nicht mehr weiter kann, meistens vom Highway runter geht und sich für seinen Truck irgendwo ein verborgenes Plätzchen sucht. Wenn dann einer kommt, hat er ja zwei gute Freunde an Bord.

Der eine Freund ist Max, ein Dackel, der fürchterlich giftig kläffen kann und mich auch erst mal nicht ins Führerhaus lassen wollte. Und der zweite Freund ist ein unterarmlanger Schraubenschlüssel. Leider fuhr unser Bus dann weiter und ich hatte nicht die Zeit, da mehr aus der Praxis der heutigen US-Trucker zu erfahren. Nur eins - es ist ein wahnsinnig harter Job und für die freien Trucker wie der Roman-Held Rocky Robson auch war. Und durch die Bestechlichkeit in den Frachtbüros ist es auch ein Dschungel. Wie mir Johnny glaubhaft versicherte, bleibt nach Abzug für den Diesel und die Wartung des Trucks gerade genug zum Leben für Max und für ihn. Eine Wohnung hat er nicht - wofür auch. Die Straße ist seine Heimat - und ggf. mal ein Zimmer in einem Motel oder Truck-Stop.

Romantik der Landstraße und Fernfahrer-Traum - damit braucht man Johnny und seinen Kollegen nicht mehr zu kommen. Johnny war damals (vor ca. 12 Jahren) so Mitte 30. Ob er heute noch fährt? Adressen konnten wir nicht austauschen - denn er ist ja »Six days on the Road« - und den siebten Tag auch noch ...

Und wenn auch die Fahrten über die Highways meist eine Ochsentour sind, es gibt sie, diese Highway-Kameradschaften und Abenteuer, wie sie im ›Trucker-King‹ geschrieben wurden. Nur eben nicht alle 14 Tage...  

Aber wir machen jetzt mit den Interview weiter ... Werner ist noch dran am Reden...

Ich recherchiere also sehr wohl für meine Romane. Die interessanteste Recherche hatte ich einmal bei einem Professor Zamorra, den ich in der Bretagne angesiedelt hatte. Ich selbst war nie in der Bretagne, interessierte mich aber für die Kultur und die Folklore der Bretonen. Aus diesem eigenen Interesse heraus begann ich diesen Roman mit teilweise übersetzten bretonischen Sprachbrocken, um ihn authentischer wirken zu lassen. Nach der Veröffentlichung sprach mich mein Buchhändler an, ob ich in der Bretagne gewesen sei. Ich antwortete "Nein" und er sagte, er wäre einmal in der Bretagne gewesen und sogar die Speisekarte in dem Lokal würde stimmen.

Als ich den Zamorra schrieb, war ich auch nie in Ägypten gewesen, sondern hatte die Örtlichkeiten den Reiseführern entnommen. Und der Roman und der Film "Der Erwachen der Sphinx" waren Bausteine für den Hintergrund. Aber viele Leser waren damals der absoluten Meinung, ich müsse dort gewesen sein.

Die ›Zeit der Reisen‹ - von Italien und Jugoslawien mal abgesehen - begann für mich erst mit Marokko, nachdem ich nach meiner kaputten Ehe die Finanzen wieder in etwa geregelt hatte. Die zweite Reise ging dann nach Ägypten und da konnte ich dann auch feststellen, welche Fehler ich damals beim Zamorra in die Romane rein gemacht hatte. Aber - bei aller Selbstkritik - viele waren es nicht...

Solche Erlebnisse sagen mir, dass es sich doch lohnt, etwas mehr in die Tiefe zu gehen und sich etwas mehr Arbeit zu machen.Dabei handelt es sich allerdings um eine Ausnahme. In der Regel kann man bei einem so schnellen Genre wie dem Heftroman nicht so intensiv ins Detail gehen. Der Leser geht darüber hinweg, kann es nicht nachprüfen und will es wahrscheinlich auch gar nicht nachprüfen. Er will nur unterhalten werden.
 
Um es mit »Radio Eriwan« zu sagen: »Im Prinzip Ja ...« Und das ist auch die Meinung fast aller Heftroman-Autoren die ich kenne. Wichtig ist in erster Linie die spannende Handlung ... denn sonst könnte der Leser zu einem Sachbuch greifen, wo er wesentlich mehr Wissen findet.

Dazu kommt, das es damals auch einiges gekostet hat, die notwendigen Reiseführer zu kaufen, um einen einigermaßen authentischen Hintergrund zu bekommen. Für die ›Südamerika-Trilogie‹ im Zamorra habe ich mir die Hacken abgelaufen, um einen Reiseführer zu finden, wo ein halbwegs brauchbarer Stadtplan der Innenstadt von Bogota drin war. Von den Kosten ganz zu schweigen.

Heute holt man sich das Hintergrundwissen per Mausklick und Wikipedia - wenn man der Meinung ist, man muss der Roman authentisch untermalen. Und mit Freuden stelle ich fest, dass gerade im Zamorra-Team hier tatsächlich recherchiert wird.

Woher ich das weiß? Es gab mal vor einiger Zeit einen Roman, der in der Stadt Lagos in Nigeria spielte. Nun ist Tijani, der Vater meines Pseudo-Enkelchens Lisa, nicht nur aus Nigeria, sondern auch aus Lagos. Ich habe ihm also die Hintergrundbeschreibungen des Romans zu lesen gegeben und er hat mit bestätigt, dass es in diesen Gegenden, die im Roman genau benannt wurden, tatsächlich so aussah. Und auch die Lebensumstände etc. sollen sehr realistisch sein, sagte Tijani.

Ob der Autor das aus dem Internet weiß oder ob er tatsächlich mal in Lagos gewesen ist, weiß ich nicht. Aber hier fließen Dichtung und Wahrheit wirklich sehr gut zusammen.

Weiter mit Werners Worten...

Warum ich mich so vielen Genres widme? Mit Grusel und Fantasy bin ich eingestiegen. SF schreibe ich als Hobby (wenn man mich lässt).Trucker- King so nebenher aus Interesse und Liebesromane, die vorhin bei der Aufzählung vergessen worden sind, für Geld. Diese allerdings momentan nicht mehr, weil ich keine Zeit mehr dafür habe.
Von dieser Vielfalt profitiere ich auch. Habe ich einen Roman für ein Genre geschrieben, freue ich mich schon auf die Abwechslung, den nächsten Roman für ein ganz andere Genre zu schreiben. Ich kann mich umstellen und fahre mich nicht in einer Thematik fest. Dadurch wird meine Arbeit wesentlich lebendiger.
Gustav Gaisbauer: Liebesromane erscheinen ja überwiegend unter Frauen-Pseudonymen. Pflegst du dann einen "fraulicheren Stil" oder gibt es keinen Unterschied zu deinen Romanen?
W.K.Giesa: Ich versuche, einen solchen Roman aus der Sicht einer Frau zu schreiben und lasse mich dabei von meiner eigenen Frau beraten. Dabei musste ich feststellen, dass die Denkweise von Männern und Frauen sehr unterschiedlich sind. Wenn ich für einen Männerroman einen Schrank beschreibe, dann erzähle ich, dass er viele Bücher und eine Glaswand besitzt. Eine Frau dagegen geht auf die Holzmaserung ein, auf die Form des Schrankes und auf die Gläser, die hinter der Scheibe verstauben. Außerdem brauche ich, wenn ich einen Frauenroman schreibe, keinen besonderen Wert auf Spannungsentfaltung zu legen. Anstelle von Action muss ich Gefühl und Empfindungen mit einbringen.
Es ist allerdings für einen Mann nicht einfach, das rüber zu bringen. Meine Frau sagt mir dann, dass ich es zwar versuche, das Ergebnis aber nicht so ist, wie es sein sollte.
Gustav Gaisbauer: Eine weibliche Leserin würde also den Unterschied bemerken.
W.K.Giesa: Ja, es sei denn, sie liest nur sehr oberflächlich...

Da Werner nach diesem Satz das Interview auf ein neues Thema zog, also meinen Einstieg und ähnliche Sachen, setze ich hier erst mal den Schlusspunkt. Wer mehr zu Werners Liebesromanen erfahren möchte, der muss in seine Web-Seite sehen, die inzwischen wieder restauriert wurde - als davor bewahrt wurde, aus dem Netz zu verschwinden. Hier gibt Werner nicht nur Name und Titel der damals innerhalb der Serie »Jennifer« unter seinem Terra-Press-Pseudonym ›Tanja Rion‹ erschienen sind, sondern erzählt auch noch einige Dinge mehr dazu.

Was es sonst noch zu »Jennifer« und den Liebesromanen zu sagen gäbe, das wird irgendwann mal eine Teestunde. Zumal weil man sie bei mir und auch bei Werner immer zusammen mit den ›Frauen-Grusels‹ wie »Mitternachts-Roman« oder »Melissa« sehen muss. Und das sprengt den Platz eines ›Kommentars‹.

Wenn euch dieses Thema jedoch besonders aus diesem aktuellen Anlass interessiert, dann müsst ihr das schon in Kommentaren sagen, dass ihr das erst mal wissen wollt. Ansonsten mache ich nächste Woche mit den Interview weiter.

Bis dannemann also ... nach der Buchmesse ...

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