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# 26 Blickfang

As Time Goes By# 26: Blickfang

Das Horrorfandom der achtziger Jahre war in erster Linie Männersache (bzw. die Angelegenheit Halbstarker, wie man Teenager früher nannte). Ich schätze, dass mehr als 90% der Mitglieder männliche Geschlechtsmerkmale trugen (das war in der SF und der Fantasy nicht anders). Auch der SFCD e. V und FOLLOW begannen als Runden mehr oder minder pickliger junger Männer. Im Lauf der Jahre hat sich das dort gewandelt, das Horrorfandom ist aber nicht alt genug geworden, um das Gleiche zu schaffen.

Die Mitgliederstrukturen heutiger Internetforen, die sich mit Horror befassen, haben bis zu 50 % weiblicher Mitglieder. Damit gibt es ein Indiz für die These, dass auch im damaligen Fandom mehr Östrogen Einzug gehalten hätte, wenn man denn es geschafft hätte noch ein paar Jahre länger zu existieren.

Die Mitgliederstruktur stützte soziologische Vermutungen über die Leserschaft des Spannungsheftromans, sprich der männliche Jugendliche mit unterdurchschnittlicher Schulbildung. Zumindest Ersteres kann durch die Massen an Testosteron als mit hoher Wahrscheinlichkeit bewiesen gelten. Die Fans, die Elite der Leserschaft (hüstel), hatten aber in hoher Anzahl eine Realschule und/oder Gymnasium von innen gesehen, wenn man ihnen das auch nicht immer anmerkte. Aber in mancherlei Hinsicht wird schulische Bildung auch überschätzt. Ich habe Akademiker kennengelernt, die dumm wie Bohnenstroh sind. Aber genug davon …

Das Thema ist das Weibliche. Manchen der Horrorfans schienen die Bilderchen in der BRAVO oder Videokassetten von moralisch zweifelhaften Inhalt vertrauter als das Original. Doch in der trauten Männerunde des Horrorfandoms ging das unter. Da ging es ja nicht um Sex und Frauen. Was dabei übersehen wurde, dass das Genre des unheimlich-phantastischen im Grunde eine Parabel auf das ist, was Männer und Frauen, Männer und Männer und Frauen und Frauen in trauter Zwei- oder Mehrsamkeit miteinander tun. Doch davon war in allzu vielen Heftromanen nichts mehr zu spüren (wenn es auch Autoren gab, die diese Traditionen. Da verloren die Kreaturen der Nacht ihre erotisch-sexuelle Dimension und verkamen zu reißenden Bestien, die nur noch ans Morden oder die Weltherrschaft dachten.

Es gab sie vereinzelt im Horrorfandom, die Frauen. Hier und da tauchten sie auf: Mechthilde Weichel, Heike Müller, spätere Giesa (leider Anfang 2005 verstorben), Petra Wrobel, spätere Michael, die leider ebenfalls verstorbene Ingeborg Kissel, die Mahler-Schwestern, Petra Köhpcke, Carmen Darda, geborene Gewis und noch ein paar andere. Doch in gewisser Weise war Tina Diehm die Ikone des Fandoms. Warum? Das ist die Frage, die sich beinahe automatisch aufdrängt.

War sie die große Autorin, ein verkannter Star, die Geschichten schrieb, welche den Leser nicht mehr losließen?   Nein (obwohl ich mich an einige passable Erzählungen zu erinnern glaube). War sie diejenige, die mit ihren Artikeln tiefschürfende Einsichten ins Genre oder zum Heft vermittelte?   Nein. War sie die diejenige, die mit wahnsinnigen Zeichnungen, die den optischen Rahmen sprengten, alle beeindruckte?   Nein. Hatte sie mit Leserbriefen und Artikeln alle so provoziert, daß man sie deswegen haßte? Nein, das war ich. Oder aber war sie so eine brillante Kommunikatorin (schönes neudeutsches Wort), dass sie auf Cons alle in ihren Bann schlug?   Nein.

Was war es dann, daß sie so bekannt werden ließ, daß viele sich noch heute an sie erinnern? Nun, man bedenke meine Ausführungen über das Testosteron und die Alterstruktur. Es waren Halbstarke und Teenager. Auf was reagieren die noch heftiger als ausgewachsene Männer? Autos, Fußball? Nein ...

Auf Titten!   Oder höflicher formuliert: auf weibliche Geschlechtsmerkmale!

Tina Diehm besaß eine durchscheinende Bluse, die sie des öfteren auf Cons trug und so durch die gewährten Einsichten den jungmännlichen Hormonhaushalt verwirrte, was dazu führte, dass es zu unkontrollierten Balzverhalten kam.

Ich gestehe hiermit freimütig, auch den einen oder anderen Blick riskiert zu haben (bin auch nur ein Mann, war damals gerade um die 18 Jahre alt und nicht aus Holz). Ich darf aus der Erinnerung heraus bestätigen: nicht von schlechten Eltern. Durchaus wohlgeformt, was da durch den Stoff der Bluse schimmerte.

Kommentare  

#1 Thomas 2010-07-27 18:10
Der Name "Tina Diehm" sagt mir auf Anhieb gar nichts. An die erwähnte durchsichtige Bluse kann ich mich ebenfalls nicht erinnern. War besagte Dame nur im SF-Fandom aktiv, oder bewegte sie sich auch in den Kreisen des Dan Shocker's Fantastik Club?
#2 Harantor 2010-07-27 18:35
Tina Diehm war - soweit ich weiß - nicht im SF-Famdom und auch keine ?Marlos-Bürgerin?. Sie gehörte zum HC 80 (Osenberg), den Essenern (Thronberens ud Conrad) oder Hovens Horror-Magnet... Auf ?Meerbusch Cons? trug sie besagtes Kleidungsstück.
#3 Thomas 2010-09-13 13:57
Vermutlich habe ich Tina Diehm nie persönlich getroffen, da ich seinerzeit nur auf dem ersten Meerbusch-Con anwesend war. Der Erotomane in mir verlangt aber danach, mehr über die "durchsichtige Bluse" und ihre Trägerin zu erfahren. Vielleicht hast Du ja ein paar leckere Fotos von damals auf Lager, die Du ins Netz stellen kannst? :P
#4 Harantor 2010-09-13 17:16
Ich habe davon keine Fotos, weil ich niocht fotografiere. Aber es gibt bestimmt jede Menge davon...
#5 G. Walt 2010-09-13 20:31
Ob sie heute noch solche Blusen trägt? Eher nicht. Leider habe ich sie wissentlich getroffen. Es ist jedoch erstaunlich was so eine alte Erinenrung alles auslöst...
#6 Thomas 2010-09-14 19:20
@ G. Walt:
Was meinst Du mit dem Satz "Leider habe ich sie wissentlich getroffen"? Und was genau löst so eine alte Erinnerung in Dir aus?
#7 G. Walt 2010-09-15 16:30
ich meinte "wissentlich NIE getroffen", also nicht das ich wüßte.

Mit den Erinnerungen meine ich die Kommentare der anderen User. Nicht meine eigenen.
#8 Toni 2015-06-27 11:50
Auf der Suche nach erfreulichen Sachen ( die letzten Tage im Zauberspiegel waren ganz schön puh..) dann dieser Artikel. Ja Tina war schon ein Hingucker. Daggi auch aber mütterlicher. Tina hatte aber auch schöne Beine (immer noch?)...
Ich hatte übrigens mal beide in meinem Bett - war aber leider nicht in der Mitte, sondern lag auf einer Matratze daneben. Nach dem Dachorgatreffen gab es ja noch eine Fete in einem Abbruchhaus (Fred hat kurz berichtet - die Dachorga- keiner ging hin) Daggi ging es danach nicht so gut - meine Mutter hat sie versorgt und den Eimer gehalten. Schöne Zeit, klasse Artikel Horst...

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