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Befreiung eines Kriegsverbrechers - »Wildgänse 2 – Sie fliegen wieder«

Wildgänse 2 – Sie fliegen wiederBefreiung eines Kriegsverbrechers
»Wildgänse 2 – Sie fliegen wieder«

„Die Wildgänse kommen“ von Andrew V. McLaglen zählte im Jahr 1978 zu den Filmen mit dem weltweit größten Einspielergebnis. Nach einem Roman von Daniel Carney hatte Euan Lloyd hier einen Film über eine Söldnertruppe produziert, die in einem afrikanischen Staat einen gefangen gehaltenen Präsidenten befreien soll. Nach dem Kassenerfolg suchte Lloyd fieberhaft nach dem Stoff für eine Fortsetzung, den er schließlich in Carneys 1982 erschienenem Roman „The Square Circle“ fand.

Wildgänse 2 – Sie fliegen wiederNatürlich wollte Euan Lloyd in dem „Wildgänse 2 – Sie fliegen wieder“ betitelten Film abermals mit Kassenmagnet Richard Burton in der Hauptrolle auf Zuschauerfang gehen. Dieser hatte bereits für die Fortsetzung unterschrieben, starb aber unmittelbar vor Drehbeginn im August 1984 im Alter von 58 Jahren an einer Hirnblutung. Nichtsdestotrotz gelang es Lloyd, für Ersatz zu sorgen und den Film fast wie geplant zu realisieren. Zwar sollte es für den renommierten Produzenten („Dschingis Khan“, „Die Seewölfe kommen“) der letzte große Kinofilm bleiben, das Söldnerfilmgenre erwies sich aber daraufhin noch ein paar Jahre lang als recht lukrativ, vor allen Dingen für den Schweizer Erwin C. Dietrich, der bereits an „Die Wildgänse kommen“ mitgearbeitet hatte. Er schuf in Folge Filme wie „Geheimcode Wildgänse“, „Kommando Leopard“, „Die Rückkehr der Wildgänse“ oder „Der Commander“, in denen zumeist Lewis Collins („Die Profis“) die Hauptrolle bekleidete. An seiner Seite agierten in diesen vergleichsweise billig gemachten Rip-Offs abgehalfterte Hollywoodstars wie Ernest Borgnine, Lee van Cleef oder Donald Pleasence an der Seite von markigen deutschen Mimen, die man in erster Linie als Synchronsprecher kennt (Thomas Danneberg, Randolf Kronberg, Frank Glaubrecht).

Wildgänse 2 – Sie fliegen wiederMichael Lukas (John Terry) und seine Schwester Kathy (Barbara Carrera) arbeiten für den amerikanischen Medienkonzern von Robert McCann (Robert Webber), der sich einen wahren Coup auf der Jagd nach Einschaltquoten hat einfallen lassen. Sie wollen den im Westberliner Gefängnis Spandau einsitzenden Rudolf Heß (Sir Laurence Olivier), der während des Zweiten Weltkriegs Hitlers rechte Hand war, aus der Hochsicherheitsverwahrung befreien und vor ihren Kameras zu einem Exklusivinterview bewegen. Dass Heß bereits fast 90 Jahre alt ist, macht das riskante Unterfangen nicht gerade einfacher. Als Leiter der Aktion hat sich McCann für Colonel Alex Faulkner (Edward Fox) entschieden, der sich aber zunächst weigert, weil er diese für wenig erfolgsversprechend hält. Stattdessen stellt er den Kontakt zu John Haddad (Scott Glenn) her, der sich die Situation vor Ort zumindest einmal ansehen will. Dort wird schon bald Heinrich Stroebling (Robert Freytag) auf Haddad aufmerksam, ein in Diensten der Sowjets stehender Deutscher, der den Söldner dazu erpresst, ihm Heß nach der gelungenen Befreiung auszuliefern. Haddad entschließt sich dazu, den Befreiungsversuch zu wagen, und schart eine Truppe hochqualifizierter Männer um sich, die ihm dabei behilflich sein sollen. Auch Faulkner lässt sich nun dazu breitschlagen, das Unmögliche zu versuchen.

Wildgänse 2 – Sie fliegen wiederDas Original war bereits ein menschenverachtender und ultrabrutaler Film, insofern dürfte das Zielpublikum dieser Fortsetzung recht klar umrissen sein. Peter Hunt („James Bond 007 – Im Geheimdienst Ihrer Majestät“) hat sich hier auf eine gänzlich andere Geschichte gestützt, so dass der zweite Teil kein simpler Abklatsch des Originals ist. Durch die Einbeziehung tatsächlicher historischer Figuren erhält der Film zusätzliche interessante Aspekte. Darüber hinaus ist er weitgehend effektvoll und spannend inszeniert, weiß seine Locations und die kaltschnäuzige Brutalität der Protagonisten im Rahmen des Genres wirkungsvoll einzusetzen. Ein Besetzungsclou ist freilich der Kurzauftritt Laurence Oliviers als Rudolf Heß, der dem Film eines seiner Highlights beschert. In der deutschen Kino- und den meisten Fernsehfassungen war ein Großteil seiner Szene geschnitten. In der DVD-Wiederveröffentlichung als „Remastered Edition“ bei Pidax sind sie nun enthalten und im Original belassen sowie mit deutschen Untertiteln versehen. Im Vergleich zur DVD-Erstveröffentlichung bei Ascot Elite aus dem Jahr 2010 sind nun auch einige zusätzliche Szenen mit detaillierterer Gewaltdarstellung enthalten, weswegen dies die hierzulande erste ungekürzte Fassung darstellt. Das Bild (im Widescreen-Format 1,85:1) ist weitgehend in Ordnung, wenngleich das Filmkorn häufig sichtbar ist, der Ton (Deutsch und Englisch in Dolby Digital 2.0 Stereo, optional mit deutschen Untertiteln) ist nicht weiter zu beanstanden. Die Extras entsprechen denen der Erstauflage und umfassen den englischen Kinotrailer sowie ein Kurzinterview mit dem Produzenten Euan Lloyd und der Nebendarstellerin Ingrid Pitt, das im Jahr 2010 aufgenommen wurde (10 Minuten).

 

Kommentare  

#1 Mainstream 2021-03-27 15:11
Zitat:
ein menschenverachtender und ultrabrutaler Film
Naja, find ich jetzt für einen meiner Lieblingsfilme etwas übertrieben. Ein großer Teil seiner Faszination ging ja davon aus, dass er die unterschiedlichen Motivationen der einzelnen Charaktere sehr gut darstellte. Dabei kam ja die Auseinandersetzung mit den Konsequenzen des Söldnertums nicht zu kurz.

Aber vielleicht sehr ich das auch nur etwas verklärt.
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#2 Friedhelm 2021-03-27 16:20
Lloyd hatte auch bei Roger Moore angefragt, aber Moore wollte nicht - angeblich, weil Richard Burton nicht dabei war. (weil verstorben.)

Dass Wildgänse II völlig anders gestrickt ist als sein Vorgänger, der ja eher als "überzeichnetes Männer-Epos" produziert wurde, kommt dem Film durchaus zugute. Allerdings ging die Story zunächst wohl doch in Richtung des ersten 1. Teils. Angeblich wurde umdisponiert, weil Richard Burton vorzeitig verstarb - und man Edward Fox, als Bruder Alex, nicht unbedingt in der Rolle des knallharten Söldners sah. Das soll zum einen der Grund dafür gewesen sein, dass Fox im Plot eher im Hintergrund agierte. Es ist aber auch davon auszugehen, dass einfach nicht genug Geld bewilligt wurde, um Lloyds ursprüngliches Konzept umsetzen zu können.

Abgesehen davon gefällt mir dieser Streifen tatsächlich besser als Teil 1. Und Laurence Oliviers Auftritt als Rudolf Hess fand zumindest ich doch recht krass. Als "aufgeschminkter Hess" hatte er schon beachtliche Ähnlichkeit..
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#3 Laurin 2021-03-27 19:00
Nun ja, den Originalfilm als "ultrabrutal" oder gar "menschenverachtend" zu bezeichnen, finde ich auch etwas stark übertrieben. Ist zwar schon so einige Jährchen her, wo ich die Filme gsehen hatte und sie mögen auch ihre zugegeben Spitzen gehabt haben. Aber ansonsten waren sie auch einfach nur Actionfilme, wo am Ende dann meistens sogar die Ableger mehr zählten, weil da Lewis Collins mitspielte (der ja damals eben neben Martin Shaw recht bekannt und beliebt geworden ist durch die britische Serie DIE PROFIS).
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#4 Friedhelm 2021-03-29 23:24
Zitat:
ber ansonsten waren sie auch einfach nur Actionfilme, wo am Ende dann meistens sogar die Ableger mehr zählten, weil da Lewis Collins mitspielte (der ja damals eben neben Martin Shaw recht bekannt und beliebt geworden ist durch die britische Serie DIE PROFIS).
Allerdings hatte Collins nach den "Profis" wohl keinen wirklichen Marktwert mehr - zudem galt er als schwierig und unberechenbar. Das mag der Grund dafür gewesen sein, das er nach seinem Auftritt in Euan Lloyds "Das Kommando/Who dare wins" zunächst nur noch Rollen in den italienischen Ripp-Offs bekam. Obwohl er ja im "Kommando", als Peter Skellen, eine recht gute Figur machte. Es kann auch durchaus sein, dass diese Produktionen von dem profitieren konnte, was er noch an Bekanntheitsgrad mitbrachte. Immerhin war "seine Serie" zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz aus dem Gedächtnis der Zuschauer verschwunden.

Was Lewis Collins betrifft, so hätte man (oder ich) ihm eine richtige Kino-Filmkarriere schon gewünscht. Als James Bond wäre er sicherlich auch durchgekommen - zumal man ihm eine gewisse Ähnlichkeit mit Sean Connery bescheinigen konnte.
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#5 Laurin 2021-03-30 13:27
Zitat @Friedhelm:
"Allerdings hatte Collins nach den "Profis" wohl keinen wirklichen Marktwert mehr "

Das mag schon sein. Allerdings weiß ich noch sehr genau, als 1982 der Film DAS KOMMANDO in die Kinos kam, wollte den jeder sehen weil eben Collins mitspielte. Und die Serie DIE PROFIS wurde ja erst1983 eingestellt. Spätestens nach dem Film GEHEIMCODE: WILDGÄNSE von 1984 begann dann der kurzweilige Hype um Lewis Collins merklich wieder abzuflachen. Bei dem Film KOMMANDO LEOPARD (1985) hieß es dann nur noch: "... ach ja, da spielt er ja auch wieder mit." :-*

Kleiner Nachtrag:
Zwischen Collins und Klaus Kinski mit dem er ja zweimal vor der Kamera stand, muss es wohl damals ziemlich heftig gedonnert haben. Deshalb soll (laut meinen Informationen, gesehen hatte ich diesen Film schon nicht mehr) auch in KOMMANDO LEOPARD wohl keine gemeinsame Szene mit den zweien gedreht worden sein.
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#6 Friedhelm 2021-03-30 16:08
Zitat: "Zwischen Collins und Klaus Kinski mit dem er ja zweimal vor der Kamera stand, muss es wohl damals ziemlich heftig gedonnert haben."

Sehr gut vorstellbar - Kinski, der nun wirklich als"hyper-egozentrisch" galt - und für seine Ausraster bekannt war, ist ja so ziemlich mit jedem, der mit ihm gedreht hat, aneinander geraten."

Es gibt Kollegen, die in diversen Interviews wirklich haarsträubende Geschichten über ihn erzählt haben. Wieder andere erlebten ihn als hilfsbereit und freundlich.

Der verstorbene Horst Frank hat einmal berichtet, dass er dem Kinski mal richtig die Meinung gegeigt- und ihm Schläge angedroht hat.

Na, und wenn man sich dann Collins vorstellt, der angeblich auch gern mal "Over the Top" drauf war - da hat es zwischen ihm und Kinski ganz sicher richtig "Funken geschlagen.."
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#7 Mainstream 2021-03-30 22:26
Zitat:
der ja eher als "überzeichnetes Männer-Epos"
Da würde mich jetzt mal interessieren, wo diese Aussage herkommt. Das meine ich jetzt ehrlich nicht persönlich angreifend, oder abwertend, oder sonst irgendwie negativ.

Weil ich meine Faszination für den Film daraus ableite, dass er eher ein 'Abgesang auf die Männer-Epen' sein sollte. Das Thema Alter wird ja nicht gerade unterschwellig behandelt, und die Reflexion über die eigene Bedeutung im Leben, ist permanent.

Aus dem Grund habe ich Teil Zwei seinerzeit abgelehnt, weil ich die kalte Geldmaschinerie nicht unterstützen wollte. Aber nach dem oben Aufgeführten, ist er nach über dreißig Jahren am Wochenende eben mal fällig.
Und wehe...
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