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In brightest day, in blackest night - Green Lantern auf dem Bildschirm 6

In brightest day, in blackest night

Green Lantern auf dem Bildschirm 6

Green Lantern: Emerald Knights

 

Als der Green-Lantern-Kinofilm 2011 an den Kinokassen scheiterte, geriet auch das übrige Franchise schnell in den Schatten. Dabei entstand mit „Green Lantern: Emerald Knights“ zeitgleich ein Animationsfilm, der bis heute zu den interessantesten Ausflügen in die Mythologie des Corps zählt. Statt auf eine klassische Superheldengeschichte setzt der Film auf mehrere miteinander verbundene Kurzgeschichten, die verschiedene Mitglieder des Green Lantern Corps in den Mittelpunkt rücken. Wer sich auf dieses Konzept einlassen kann, unternimmt eine spannende Reise durch die Geschichte und Mythologie des Corps.

 

Das Jahr 2011 sollte das große Jahr für Green Lantern werden. Im Kino lief ein Live-Action-Film mit Ryan Reynolds an, im Fernsehen startete eine Animationsserie, ein PC-Spiel wurde veröffentlicht und der Animationsfilm „Green Lantern: Emerald Knights“ erschien direkt auf DVD. Der Kinofilm floppte jedoch und brachte das gesamte Franchise ins Wanken. So durchwachsen der Realfilm auch sein mag, lohnt sich dennoch ein Blick in die Animationsfilme und -serien.

Streng genommen ist „Emerald Knights“ kein Film im eigentlichen Sinne. Vielmehr handelt es sich um eine Anthologie, die in der Tradition der Comicreihe „Tales of the Green Lantern Corps“ steht und den Fokus auf die illustren Mitglieder der intergalaktischen Polizeieinheit richtet. Hal Jordan bestreitet die Rahmenhandlung des Films, ohne dabei zu sehr in den Mittelpunkt zu rücken. An seiner Seite befinden sich bekannte Figuren aus den Comics wie Kilowog, Arisia, Sinestro und viele mehr.

Der Film nutzt viele Charaktere, die bereits im Vorgänger „First Flight“ einen Auftritt hatten. Im Original leiht erneut Schauspieler Nathan Fillion Hal Jordan seine Stimme. Dennoch ist „Emerald Knights“ kein Sequel. Die Designs beider Filme unterscheiden sich deutlich voneinander, und auch die Handlungen passen nicht zusammen. „Emerald Knights“ ist ein eigenständiger Film.

Nathan Fillion besitzt einen besonderen Bezug zum Green-Lantern-Universum. Neben seiner Tätigkeit als Sprecher in den Animationsfilmen hat er im neuen DC-Kinouniversum von Regisseur James Gunn die Rolle der Green Lantern Guy Gardner übernommen. Einen ersten Auftritt hatte er bereits in „Superman“ aus dem Jahr 2025, und in der im August startenden Serie „Lanterns“ wird er die Rolle erneut verkörpern.

„Emerald Knights“ ist eine Anthologie mit sechs Kapiteln, die einen Überblick über die Mythologie von Green Lantern bietet. Erzählt werden Geschichten, die ganz in der Tradition des Corps stehen und Opferbereitschaft, Willenskraft, Zusammenhalt und kosmische Verantwortung in den Mittelpunkt rücken. Erfahrene Fans erhalten Erzählungen, die nicht immer mit dem Kanon der Comics übereinstimmen, aber dennoch das Flair des Green Lantern Corps versprühen. Die Institution des Corps steht dabei unweigerlich im Zentrum der Handlung. Die Geschichten spielen auf fremden Welten, auf Oa und im Weltraum. Die Erde ist zu keinem Zeitpunkt zu sehen. Klassische Superheldenelemente, wie man sie aus vergleichbaren Produktionen kennt, fehlen weitgehend. „Emerald Knights“ ist daher eher ein Science-Fiction-Film mit starken Fantasy-Anteilen als eine gewöhnliche Superheldenprügelei, auch wenn zahlreiche Actionszenen enthalten sind.

In der Rahmenhandlung droht Krona den Planeten Oa anzugreifen. Hal Jordan und seine Kameraden bereiten sich auf die Invasion vor. Die frisch ernannte Green Lantern Arisia zweifelt an ihren Fähigkeiten, woraufhin Hal ihr von vergangenen Einsätzen berühmter Ringträger erzählt.

Der Zuschauer unternimmt zusammen mit Arisia einen Streifzug durch die Geschichte des Corps. Zunächst lernen sie die erste Green Lantern Avra kennen, die zeigt, dass der Ring seine Wirkung durch die Vorstellungskraft seines Trägers entfaltet.

In einer weiteren Episode begegnen sie dem Neuling Kilowog, der ein hartes Training durch seinen Ausbilder erfährt, aber auch Loyalität und Ehrlichkeit vermittelt bekommt. Die Vorlage dieser Geschichte stammt aus einer Folge des Specials „Blackest Night: Tales of the Corps.

Laira ist eine Kriegerin mit einer tragischen Familiengeschichte. Ihre Loyalität schwankt zwischen ihrer Herkunft und ihrer Mitgliedschaft im Corps. Werte wie Pflicht und Ehre spielen in diesem Konflikt eine wichtige Rolle. Diese Episode basiert auf der Kurzgeschichte „What Price Honor?“ aus Green Lantern Corps Quarterly Nummer 6.

Der Höhepunkt dieser Anthologie ist vermutlich die Episode, die auf Alan Moores Kurzgeschichte „Mogo Doesn’t Socialize“ aus Green Lantern 188 basiert, in der Mogo seinen ersten Auftritt hat. Der Kopfgeldjäger Bolphunga landet auf einem Planeten, um die Green Lantern Mogo zu suchen. Erst allmählich begreift er, dass Mogo kein Lebewesen im eigentlichen Sinne ist, sondern der Planet selbst. Mogo ist eine der faszinierendsten Mitglieder, die das Corps zu bieten hat und zeigt die große Bandbreite dieses Franchises.

Zu guter Letzt erfahren wir mehr über Abin Sur, den Vorgänger Hal Jordans als Green Lantern des Sektors 2814. Diese Story basiert ebenfalls auf einer Arbeit von Alan Moore. Schon hier werden die großen Veränderungen und Bedrohungen angedeutet, die die Green-Lantern-Serie in den kommenden Jahren prägen werden. Der Schurke Atrocitus sagt voraus, dass Abin Sur bald sterben wird und Sinestro eines Tages ein eigenes Corps gründen wird, das auf Angst basiert. Diese Episode basiert lose auf „Tygers“, einer in „Tales oft he Green Lantern Corps Annual Nr.2“ erschienenen Kurzgeschichte. Solche Geschichten bezeichnet man als Foreshadowing. Dabei werden in der Vergangenheit spielende Geschichten genutzt, um Ereignisse anzudeuten oder vorherzusagen, die für die Leser der aktuellen Comics längst eingetreten sind. Das schafft zusätzliche Verbindungen zwischen älteren und neueren Geschichten und belohnt Leser, die die spätere Entwicklung der Figuren bereits kennen.

Die Rahmenhandlung erreicht ihren Höhepunkt, als Krona Oa erreicht und die Invasion einsetzt. Ausgerechnet Arisia liefert schließlich den entscheidenden Impuls zur Abwehr der Bedrohung. Sie entwickelt den Plan, den Eindringling mit einer gewaltigen Menge Materie zu neutralisieren und wird dafür sogar mit einem Eintrag im Book of Oa geehrt; an der Seite der größten Green Lanterns.

Die Figur des Krona unterscheidet sich dabei deutlich von ihrer Comicvorlage. In den Comics ist er ein Guardian, der die Vergangenheit seiner Spezies erforscht und später zu einem der mächtigsten Feinde des Green Lantern Corps aufsteigen wird. Auch Sinestro weicht hier von seiner bekannten Rolle als Gegenspieler Hal Jordans ab. Er ist noch nicht der skrupellose Schurke, der das Corps mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft. Stattdessen trägt er noch die grüne Uniform und gilt als enger Freund von Abin Sur.

Emerald Knights ist ein sehenswerter Film, vorausgesetzt, man kann sich auf die Erzählweise einer Anthologie einlassen. Wer eine durchgängige, zusammenhängende Handlung erwartet, könnte dagegen etwas enttäuscht werden. Die Animationen sind für das Jahr 2011 gelungen und wissen auch heute noch zu überzeugen. Gleiches gilt für die Sprecherleistungen, sowohl im Original als auch in der deutschen Synchronfassung. Insgesamt ergibt sich daraus ein spannender Animationsfilm, der interessante Einblicke in die Welt der Green Lanterns bietet.

Durch den Misserfolg des Green Lantern-Kinofilms geriet Emerald Knights etwas in Vergessenheit und dürfte vor allem Fans der Comics im Gedächtnis geblieben sein. Interessierte können jedoch bedenkenlos zugreifen und erhalten einen tiefen Einblick in die Mythologie des Green Lantern Corps.

 

 

Green Lantern. Emerald Knights
Erscheinungsjahr: 2011
Filmlänge: 84 Minuten

 

06/2026

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