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Comicwelten - Captain America von Ed Brubaker

Comicwelten

Captain America von Ed Brubaker

 

Ed Brubaker schreibt ab 2004 für acht Jahre die Abenteuer des patriotischen Helden. Er richtet die Merkmale des Charakters völlig neu aus und erzählt einen düsteren Agententhriller, ohne die wesentlichen Elemente der Figur zu verändern. Der Run wird ein großer Erfolg und gilt als einer der besten der Comicgeschichte und ist der Beweis, dass ein versierter Autor traditionelle Superheldenstoffe ernst erzählen und erfolgreich in die Gegenwart transferieren kann.

 

Im Dezember 1940 erscheint der erste Band der Serie Captain America Comics beim amerikanischen Verlag Timley Comics, dem Vorläufer des heutigen Marvel Comics. Der Comic erzählt, wie aus dem jungen Steve Rogers mittels eines Serums der Supersoldat Captain America wird. Erschaffen wurde die Figur von Autor Joe Simon und Zeichner Jack Kirby, die beide jüdischen Glaubens waren.

Captain America ist ein politisches Signal gegen das Nazi-Regime, das in Deutschland die Macht ergriffen und bereits erste europäische Länder überfallen hat. Es wird noch ein Jahr dauern, bis die USA in den Krieg eintreten, aber jetzt möchten die beiden ein Zeichen setzen. Auf dem Cover ist Captain America zu sehen, wie er Adolf Hitler einen Faustschlag verpasst. Nach dem Kriegseintritt der USA im Dezember 1941 wird die Figur als Propagandainstrument gebraucht und es werden kostenlos Hefte an die eigenen Soldaten verteilt.

Nach dem zweiten Weltkrieg verliert die Figur an Bedeutung und verschwindet in der Versenkung. Der Captain wird in einen Tiefschlaf versetzt und kehrt erst im Jahre 1964 auf die Bildfläche der Marvel Comics zurück. Seine Abenteuer werden in Deutschland zwar in Taschenbüchern beim Condor Verlag herausgebracht, aber trotzdem fristet der Captain, wie im Rest der Welt, ein Schattendasein. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand, denn die Figur strotzt nur so vor patriotischen Kitsch und steht für eine Fülle an Vorurteilen, die gegenüber Superheldencomics bestehen: Ein blonder, kräftiger Mann erhält ein Superserum und hüllt sich in eine amerikanische Fahne, um Nazis zu verprügeln. Was in den 40er Jahren Anknüpfungspunkte zu einer harten Realität hatte, verkommt in den Nachkriegsjahren zu einer Persiflage seiner selbst. Der Captain gilt als reaktionär und spießig und steht im Widerspruch zu den gesellschaftlichen Realitäten, die sich immer mehr Freiheiten erkämpfen.

Im Jahr 2004 übernimmt Ed Brubaker die Konzeption des Captains. Der Krimiautor ist bekannt für seine harten und realistischen Stoffe, was er bereits bei DC`s Gotham Central und in seiner Eigenkreation Sleepers einem breiteren Publikum unter Beweis stellen konnte. Nun leitet er bei Captain America einen Run ein, der zu den besten der Comicgeschichte gehört. Bereits in der ersten Storyline greift er alle wichtigen Elemente der ersten Ausgabe von 1940 auf und erzählt sie in Form eines rauen Agententhrillers neu. Unterstützt wird er von Zeichner Steve Epting, der die Geschichte in düsteren und realistischen Bildern umsetzen kann.

Ein erster Höhepunkt, und sicherlich der Kern Brubakers Arbeit, ist die zweite Storyline Wintersoldat, in dem Captain Americas verstorbener Sidekick Bucky Barnes von den Toten aufersteht. In eindrucksvollen Rückblenden aus dem zweiten Weltkrieg und dem anschließenden kalten Krieg erfährt der Leser, was mit Bucky wirklich nach dessen vermeintlichen Tod im Jahre 1945 geschah.

In der Gegenwart deuten sich große Veränderungen an. Die Helden sollen gesetzlich gezwungen werden, sich zu registrieren. Es kommt zum Civil War, in dem sich Befürworter und Gegner dieses Registrierungsgesetzes an die Gurgel gehen und in dessen Nachwehen Captain America einem Attentat zum Opfer fällt.

Der Tod eines Helden wird von Verlagen gern genutzt, um für eine Serienfigur mehr Aufmerksamkeit zu generieren. Es wird ein Nachfolger des Helden ernannt und die Leserschaft spaltet sich in zwei streitende Lager. Das eine will ihren alten Helden zurück und droht mit der Kündigung ihres Abonnements, das andere, meistens neue Leser, wollen die Welt an der Seite des neuen Helden erkunden.

Es liegt auf der Hand, dass der originale Held nach einiger Zeit wieder zurückkehrt und auch das generiert weitere Aufmerksamkeit und lässt die Verkaufszahlen in der Regel weiter ansteigen. Ed Brubaker erhält nach dem Tod des Original-Captains Steve Rogers die Aufgabe, die Captain America Serie am Leben zu erhalten. Er führt Bucky als dessen Nachfolger ein und soll damit die Zeit überbrücken, bis Rogers nach zwei Jahren wieder zurückkehrt. Wer glaubt, dass Brubaker nur lahme Lückenfüller erzählt, wird schnell eines Besseren belehrt. Der Autor liefert ein Feuerwerk an Ideen ab und schart einige der besten Zeichner jener Zeit um sich. Steve Epting, Luke Ross, Mike Perkins, Gene Colan und noch einige andere sorgen dafür, dass neben der erzählerischen Wucht die Geschichten in eindrucksvollen Bildern erzählt werden. Selbst als Steve Rogers zurückkehrt, behält Bucky das Kostüm noch für einige Zeit und der originale Captain verdingt sich bei Shield.

Der Brubaker-Run hat einen großen Einfluss auf die Captain-America-Verfilmungen des Marvel Cinematic Universe, die wesentlichen Teile der Comics übernehmen. Der zweite Teil, Return of the first Avenger, ist eine lose Adaption der Wintersoldat-Storyline und der dritte Teil, Civil War, die des namensgleichen Comicevents. Civil War ist zwar von Mark Millar verfasst, beide haben aber nach eigenen Angaben eng bei der Konzeption zusammengearbeitet.

Im Jahr 2012 verlässt Ed Brubaker nach acht Jahren Captain America. Er hat seine Vision der Figur erzählt. Auch wenn seine Geschichten ab 2010 etwas an Intensivität verlieren, schließt der Autor seinen Zyklus mit einem runden und inhaltlich zufriedenstellenden Ende ab.

Captain America liegt komplett in deutscher Sprache vor. Allerdings muss der Leser auf verschiedene Serien und Sammelbände zurückgreifen, denn eine einheitliche Edition ist bisher noch nicht erschienen. Die Geschichten sind ein Grundstein der erfolgreichen Kinofilme und dürften ausreichend Leser und Samler interessieren. Bei Marvel USA hat man bereits reagiert und mehrere Omnibus-Ausgaben veröffentlich. Darin befinden sich allerdings auch die Geschichten anderer Autoren, die in jenen Jahren geschrieben wurden. Omnibusausgaben sind Hardcover, die mitunter einen Umfang von über 1000 Seiten haben. Die Leser englischsprachiger Comics können sich die Bände ohne Bedenken zulegen. Für Leser deutschsprachiger Comics, die nur die Ausgaben Ed Brubakers und die der dafür relevanten Miniserien haben wollen, ist nachfolgend eine Liste angefertigt. In einigen Sammelbänden finden sich nur vereinzelte Episoden, die für Captain America eine Rolle spielen und nur diese sind in der Auflistung berücksichtigt.

 

 

Captain America von Ed Brubaker

(Hinweis: Die Heftnummern zu den Storylines sind die Original US-Ausgaben)

Marvel Comics

 

Marvel Monster Edition 12
CA 01-07: Erinnerungen
CA 08-14: Wintersoldat

 

Marvel Monster Edition 23
CA 15: Rot ist die finstere Farbe
CA 65th Anniversary Special: Eisen und Feuer
CA 16-17: Kollisionskurs
CA 18-21: Angriff auf London

 

Civil War (Autor. Mark Millar. Die offizielle Marvel Comic-Sammlung Band 49)
Band 1-4

Marvel Monster Edition 21 
CA 22-23: Kriegstrommeln Teil 1 und 2

Civil War (Autor. Mark Millar. Die offizielle Marvel Comic-Sammlung Band 49)
Band 5

Marvel Monster Edition 21
CA 24: Kriegstrommeln Teil 3

Civil War (Autor. Mark Millar. Die offizielle Marvel Comic-Sammlung Band 49)
Band 6-7

 

Marvel Must-Have: Der Tod von Captain America
CA 25-30: Der Tod eines Traums

 

Captain America 2 (2008-2012)
CA 31-36: Die Last der Träume

 

Captain America 3 (2008-2012)
CA 37-42: Amerikanischer Wahlkampf

 

Captain America 4 (2008-2012)
CA 43-45: Tempus Fugit
CA 46-48: Alte Freunde und Feinde

 

Captain America 5 (2008-2012)
CA 49: Die verlorene Zeit
CA 50: Geburtstag
CA 50: Wächter der Freiheit
CA 600: Origin
CA 600: Ein Jahr danach
CA 600: In Memoriam
CA 600: Andenken und Sammlerstücke

 

Marvel Exklusiv 86
Captain America Reborn Teil 1-6 (inklusive Prolog und Epilog)

 

Captain America 6 (2008-2012)
CA 601: Rot-weiss-blaues Blut
CA 602-605: Zwei Amerikas

 

Captain America 7 (2008-2012)
CA 606-610: Kein Entkommen

 

100% Marvel 57

Steve Rogers Super Soldier 1-4

 

Captain America 8 (2008-2012)
CA 611-615: Der Prozess
CA 615.1: Ohne Titel

 

Captain America 9 (2008-2012)
CA 616-619: Gulag

 

Fear Itself (Autor Matt Fraction. Die offizielle Marvel Comic-Sammlung 71)
Fear Itself Band 1-3

 

Captain America 1 (2012-2013)
CA 01-05: Amerikanische Träumer

 

Captain America 2 (2012-2013)
CA 06-10: Hilflos

 

Captain America 3 (2012-2013)
CA 11-14: Ein Schock für das System

 

Captain America 4 (2012-2013)
CA 15-18: Neue Weltordnung

CA 19: Ohne Titel

 

01/2026

 

 

 

 

 

 

 

 

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