Oh, meine Götter: Teil 1: Wie mit Gaia alles begann und wie Prometheus das Feuer brachte

Oh, meine Götter!Teil 1:
Wie mit Gaia alles begann und wie Prometheus das Feuer brachte

Wer trug eigentlich „Eulen nach Athen“? Wurde Sisyphus je mit seiner Arbeit fertig? Und kam der Götterbote auch immer ausgerechnet dann, wenn der Empfänger gerade leider nicht Zuhause war?

Kleine Ausflüge in das Reich der griechischen Mythologie.

Gustav Schwab: Sagen des klassischen AltertumsBei den Griechen fängt alles mit Gaia, quasi der „Mutter Erde“, und ihrem Erstgeborenen Uranos, einem Gott der Elemente, an. Die beiden sind das erste oberste Götterpaar, das eigentlich für alle Ewigkeiten im Himmel herrschen sollte. Gemeinsam haben sie allerdings auch Kinder. Und Uranos hasst alle seine Kinder, sodass er sie nicht aus Gaia hinauslässt und tief in der Erde, genauer im Tartaros, einem Teil der Unterwelt, einsperrt. Gaia wiederum ist darüber so wütend, dass sie alle weiteren Kinder, die Titanen, heimlich zur Welt bringt. Für einen ihrer Söhne, den Titan Kronos, fertigt sie eine Sichel. Als Uranos das nächste Mal zu Gaia kommt, schlägt ihm Kronos mit dieser Sichel das Geschlecht ab. Seine Männlichkeit fällt ins Meer und Aphrodite entsteht aus dem letzten verlorenen Samen. Uranos, gefallen und nun verständlicherweise seinerseits ziemlich erbost, verflucht Kronos, dass auch dieser von einem seiner eigenen Kinder gestürzt werden möge.

So herrscht nun also Kronos anstelle seines Vaters über den Himmel, gemeinsam mit seiner Frau und Schwester Rhea. Auch Rhea und Kronos bekommen Kinder, aber wegen dem Fluch seines Vaters hat Kronos jetzt große Angst vor ihnen. So frisst er seine Kinder Hestia, Demeter, Hera, Poseidon und Hades einfach direkt nach der Geburt auf. Als der jüngste gemeinsame Sohn Zeus geboren wird, schaltet sich Rhea ein, bringt Zeus mit Hilfe von Gaia heimlich zur Welt und versteckt ihr Kind auf Kreta, um es vor dem gefräßigen Vater zu retten. Kronos gibt sie stattdessen einen in Windeln gewickelten Stein zu essen.

Als Zeus erwachsen ist, will er sich an dem verhassten Vater rächen. Er bringt Kronos mithilfe einer Droge dazu (je nach Überlieferung auch mit einem anderen Trick), all seine Kinder wieder heraus zu würgen. Wieder mit seinen Geschwistern vereint, gelingt es Zeus, Kronos zu stürzen und ihn in den Tartaros zu verbannen. Für den Kampf gegen die Titanen werden die Brüder von den Kyklopen (auch Kinder von Gaia und Uranos, die von Kronos verbannt worden sind und deshalb seinen Fall wollen) mit mächtigen Waffen ausgerüstet: Blitz und Donner für Zeus, ein Dreizack für Poseidon und eine unsichtbar machende Kappe für Hades. Zeus und seine Geschwister kämpfen gegen die Titanen vom Olymp aus, dem höchsten Gebirge Griechenlands, das fortan als Sitz der Götter gilt. So wird Zeus zum obersten Göttervater und teilt sein Gebiet in drei Herrschaftsbereiche: Er selbst nimmt seine Schwester Hera zur Frau und übernimmt mit ihr den Himmel und den Olymp, seine Brüder Poseidon und Hades jeweils das Meer und die Unterwelt. Mit Hera bekommt Zeus vier Kinder, Ares, Hebe, Eileithya und Hephaistos. Dazu kommen unzählige weitere Kinder, die Zeus mit ebenso unzähligen Geliebten zeugt.

So, nun ist erstmal eigentlich alles geregelt. Allerdings möchten die Götter auch die Erdenwelt beherrschen. Die Tiere, die dort schon leben, sind nicht geeignet, um von den Göttern dazu benutzt zu werden. Der schlaue Prometheus nimmt sich dieses Problems an. Prometheus ist ein Sohn von einem von Kernios´ Brüdern, also ein Vetter von Zeus. Aus einem Klumpen Erde formt Prometheus ein Abbild der Götter. Seine Freundin Athene, eine der vielen unehelichen Kinder von Zeus, haucht dem Klumpen Leben ein und schon ist der Mensch geschaffen.

Die Menschen vermehren sich schnell und bevölkern bald die Erde. Allerdings sind die Menschen ziemlich verloren in ihrer Welt, laufen wie blind umher und wissen nichts mit sich anzufangen. Wieder ein Fall für Prometheus: Er lehrt die Menschen von der Bestellung des Landes über die Buchstaben bis hin zur Wahrsagerei alles, was sie wissen müssen. Nun werden aber auch die Götter im Olymp aufmerksam auf das Treiben auf der Erde. Da kann man sicher etwas herausschlagen, denkt sich Zeus, und verlangt von den Menschen kurzerhand Verehrung und Gebühren für den göttlichen Schutz. Um die Rechte und Pflichten der Menschen zu klären, wird eine Gerichtsverhandlung abgehalten, bei der Prometheus als Anwalt seiner Menschen antritt. Aber Prometheus ist so überzeugt von seiner Klugheit, dass er übermütig wird: Er will Zeus austricksen. Er schlachtet ein Opfertier, einen großen Stier, und bildet zwei große Haufen: die Götter sollen sich aussuchen, welchen sie davon als Opfergabe haben wollen. Auf den einen Haufen legt er alle wertvollen Teile des Tieres, auf den anderen, größeren Haufen packt er nur die Knochen, getarnt durch den Talg, den er oben drüber schüttet, in der Hoffnung, dass Zeus den größeren Haufen wählt. Doch Prometheus hat sich verschätzt: Zeus durchschaut seinen Trick. Das verdient in den Augen des Göttervaters natürlich eine Strafe: Er versagt den Menschen das letzte, was ihnen noch zur vollendeten Bequemlichkeit fehlt: Das Feuer.

Gott sei Dank (Haha!) ist Prometheus ja aber ein Fuchs, und hat auch diesmal eine Lösung. Er schnappt sich einen Stängel Riesenfenchel und fliegt damit nah an die Sonne heran, sodass dieser Feuer fängt. Wieder zurück auf der Erde, entzündet er damit rasch die ersten Feuer der Menschen.

Dann kommt es, wie es kommen muss: Zeus schaut aus seiner himmlischen Heimat auf die Erde hinab und sieht die lodernden Feuer. Jetzt hat sich Prometheus auch noch über die Strafe der Menschen hinweggesetzt! Das kann der Donnergott natürlich so nicht stehen lassen, also muss eine neue Strafe her. Zusammen mit Athene, die sich inzwischen nicht mehr so gut mit Prometheus versteht, erschafft Zeus das Scheinbild einer schönen Jungfrau. Hermes und Aphrodite (richtig, noch mehr uneheliche Kinder vom fleißigen Göttervater) geben dem Scheinbild Sprache und Liebreiz mit, und fertig ist Pandora. Pandora heißt übersetzt so viel wie „die Allbeschenkte“, und das nicht umsonst. Zeus gibt ihr eine Büchse mit, in die jeder der Götter auf dem Olymp ein Unheil für die Menschen packt.

Pandora wird zur Erde und zu Prometheus´ Bruder Epimetheus geschickt. Prometheus hat seinen Bruder zwar vor allen Geschenken von Zeus gewarnt, aber hey, Pandora sieht echt gut aus… Da kann Epimetheus nicht wiederstehen. Kaum hat er Pandora bei sich aufgenommen, öffnet Pandora ihre Büchse und alles Übel wird auf die Menschen losgelassen. Vorher war die Erde frei von Krankheiten und die Menschen lebten ohne beschwerliche Arbeiten, aber das ist nun vorbei. Bevor die Hoffnung, die am Boden der Büchse verborgen liegt, auch entweichen kann, macht Pandora den Deckel schnell wieder zu und verschließt die Büchse für immer.

Nachdem die Menschen so ihre Strafe von Zeus bekommen haben, ist Prometheus dran: Er wird von Hephaistos, dem Gott der Schmiedekunst, und seinen beiden Dienern Kratos und Bia (Zwang und Gewalt) an den Kaukasus gekettet. So gefangen prophezeit Prometheus, dass eine neue Eheschließung Zeus Unheil und Verderben bringen wird. Egal wie sehr Zeus ihm droht, weiter führt Prometheus seine Prophezeiung nicht aus.

Mit der Gefangenschaft an dem Berg ist Prometheus noch nicht genug gestraft. Jeden Tag sendet ihm Zeus einen Adler, der von seiner Leber frisst. Sobald der Adler wieder wegfliegt, erneuert sich das Organ: eine nie endende Qual. So ist Prometheus verdammt zu leiden, bis jemand freiwillig an seine Stelle tritt. Und das wird erst soweit sein, wenn ein gewisser Herakles am Kaukasus vorbeikommt, aber das ist eine andere Geschichte…

Mehr dazu in:  »Sagen des klassischen Altertums« (1838-1840) von Gustav Schwab

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