Sieben Weltwunder der Antike: Der Koloss von Rhodos

Die Sieben Weltwunder der AntikeSieben Weltwunder der Antike:
Der Koloss von Rhodos

Der Koloss von Rhodos war eine über 30 Meter hohe Bronzestatue des Sonnengottes Helios, die sich auf der Insel Rhodos befunden hatte.
 
12 Jahre, so heißt es, sollen die Rhodier an diesem Koloss gearbeitet haben.

292 vor Christus war die Statue fertig gestellt und thronte über Rhodos, der gleichnamigen Hauptstadt der Insel in der südlichen Ägais.
 
Durch ein Erdbeben wurde der Bronzeriese in der Zeit zwischen 227 und 223 vor Christus zerstört. Dies ließ der Statue des Helios knapp 70 Jahre Zeit, zu einem Weltwunder der Antike zu werden.
 
Plinius der Ältere sagte einst über das Standbild:

Dieses Götterbild hatte eine Höhe von 70 Ellen und wurde nach 66 Jahren von einem Erdbeben zerstört; aber auch liegend erregt es Staunen. Wenige umfassen seinen Daumen und die Finger sind größer als die meisten Statuen.


Die Heliosstatue war eine Opfer- und Dankesgabe der Menschen von Rhodos für ihren Sonnengott. Helios soll ihnen gezeigt haben, wie sie die Belagerung der Stadt und darüber hinaus sogar den Krieg beenden könnten.
 
Rhodos kam in ernste Schwierigkeiten, als sie zwischen die Interessen zweier Großreiche gerieten: Alexander Antigonos hatte sich vorgenommen, gegen den ägyptischen König Ptolemaios Soter in den Krieg zu ziehen. Zu diesem Zweck - und weil Rhodos quasi "auf dem Weg" lag, wollte er, dass sich auch die Rhodier an seiner Seite beteiligten. Diese weigerten sich jedoch, da sie zu diesem Zeitpunkt in bestem Einvernehmen mit Ägypten standen, und dies nicht aufs Spiel setzen wollten.
 
Strabon, ein griechischer Gelehrte, beschrieb Rhodos als eine reiche, bedeutende Stadt, mit Straßen, Mauern, Häusern, Häfen so ausgestattet, dass man keine vergleichbare finden konnte. Ihnen war es nicht nur gelungen, sich Wohlstand durch Handel zu erwirtschaften, sie konnten den Piraten widerstehen, waren mit den Römern befreundet (also neben den Ägyptern der zweiten großen Macht des Mittelmeeres) und den Griechen.
 
Einer der wichtigen Grundsätze der Rhodier war es also, sich unabhängig zu behaupten, was ihr jedoch beileibe nicht immer gelang. 
 
Auch bei der Belagerung durch die Truppen des Antigonos sah es zunächst so aus, als würden sie sich nicht halten können.
 
Demetrios I. Poliorketes (sein Beiname "Poliorketes" bedeutet "der Stadtbelagerer") wurde von seinem Vater Alexander Antigonos geschickt, um mit Rhodos kurzen Prozess zu machen.
 
Die Rhodier waren unter Druck, denn Demetrios wurde seinem Namen tatsächlich gerecht. Er versuchte eine Annäherung über See, blockierte den Hafen mit Schiffen und wollte die Stadt so aushungern - was ihm jedoch nicht mit großem Erfolg gelang. Dann änderte er seine Strategie und schuf eine riesige Belagerungsmaschine, mit der er einen Angriff über Land unternahm.  
 
Laut antiken Angaben soll es sich bei der Maschine um eine Helepolis gehandelt haben, einen hohen, konisch gebauten Belagerungsturm, von dem aus die Angriffe direkt auf die Stadtmauern gelenkt werden konnten. Mit Rammböcken und Schussvorrichtungen waren sie perfekt dafür geeignet, die damaligen Stadtmauern zu durchbrechen. Mit einer nicht unerheblichen Wahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass Demetrios tatsächlich erfolgreich gewesen wäre.
 
Hier war es der große, seinen rhodischen Gläubigen treue Helios, der die Stadt rettete. Er habe den Rhodiern nämlich die Anweisung gegeben, einen verdeckten Graben zu schaffen, der zwischen der Stadtmauer und der größten Belagerungsmaschine des Gegners lag.
 
Im Schutz der Nacht gingen die Rhodier zu Werke. Sie hoben den Graben aus, vor den feindlichen Augen verborgen.
 
Als die große Belagerungsmaschine Helepolis, was nichts anderes bedeutet als "Stadtzerstörerin", am nächsten Tag vorrückte, um die Stadt einzunehmen, geriet die Maschine in den Graben, kam aus dem Gleichgewicht und stürzte um. Ihr Gewicht machte es unmöglich, einen Sturz zu verhindern.
Die Helepolis fiel in den Graben und - Ironie des Schicksals oder Gnade des Helios - verschloss mit ihrem neun Stockwerke hohen Turm die bereits geschlagenen Breschen in der Stadtmauer.
 
Helios, so ihr Glaube, war es zu verdanken, dass die Stadt und ihre Menschen vor der Rache Alexanders gerettet wurden. Helios war nicht erst jetzt der Schutzpatron der Menschen in der Stadt. Mehrere Statuen und Tempel bestanden schon zu Ehren des Helios in der Stadt. Sie verehrten ihn und brachten ihm auch Opfer in Form von Lebensmitteln dar.

Demetrios I. Poliorketes aber sah seine Niederlage ein. Er beschloss, dass es nun gut sein müsse. Er gab seine Belagerungsmaschinen und die herangeschafften Gerätschaften auf und verließ Rhodos unverrichteter Dinge.

Geschäftstüchtig, wie die Rhodier waren, machten sie nicht nur große Beute, sondern brachten diese auch auf den Markt. Sie verkauften die ihnen überlassenen Gerätschaften für rund 300 Talente Silber (ca. 7880 kg).

Das eingenommene Geld wurde postwendend zur Errichtung des Standbildes genutzt, mit dem sie zweifelsohne zwei Dinge dokumentieren wollten: Zum einen ihre Dankbarkeit gegenüber Helios, dem Gott, der sie gerettet hatte, zum anderen, dass man es sich am besten zweimal überlegen sollte, wenn man sich mit ihnen anlegen wollte - denn schließlich stand mit Helios ein Titan auf ihrer Seite.

Angeblich soll der Riese aus gegossener Bronze bestanden haben. Dies belegen antike Schriften, und ist auch einer der wenigen Punkte, in denen sich Historiker und Archäologen einig sind. Wenn es um die Art des Aufbaus und um das genaue Aussehen geht, gehen die Meinungen weit auseinander.

Dir, o Helios,weihten der Dorischen Rhodos Bewohner
Diesen Koloss aus Erz ragend zum hohen Olymp;
Als sie den wilden Wogen Enyo`s glücklich entronnen.
Mit der Beute des Feinds schmückten ihr väterlich Land.

Epigramm von Suida, einem Lexikographen griechischer Herkunft aus dem ersten Jahrhundert. Sudia lässt sich als Person nicht nachweisen; der wahre Autor ist unbekannt.
 
Verwirrung, was den Bau der Figur angeht, stiftet eine recht ausführliche Beschreibung des Philon von Byzanz.
 
Philon behauptet, dass der Koloss aus einem Stück gefertigt worden sei, in Schichten gegossen, bei denen die eine direkt auf die vorhergehende gegossen wurde. Nachdem in einer ersten Etappe die erste Ebene, die Füße wahrscheinlich, fertig gestellt waren, habe man, laut Philon, einen gewaltigen Berg aus Erde an die Etage geschüttet, um ihr Halt zu geben und bei der weiteren Verarbeitung zu schützen. Dann ging man an die nächste Schicht. Diese wurde aufgegossen, wieder angeschüttet - und so weiter. Der Helios, so Philon, sei auch von innen mit Eisenstangen und Steinen ausgefüllt gewesen, um ihm von innen her eine größere Stabilität zu geben. Dies könnte zum einen andeuten, dass er teilweise hohl gefertigt wurde (bei einer so riesigen Figur anders auch kaum zu konstruieren), zum anderen, dass man erhebliche Planungs- und Konstruktionskünste anwendete. 
 
Als Bildhauer und Leiter der Bronzegusswerkstatt war Chares von Lindos verpflichtet worden. Er war verantwortlich für die Planung und Herstellung der einzelnen Teile für den Koloss. Chares stammte selbst von Rhodos, war ein Schüler des Lysippos von Sikyon, des bedeutensten Erz- und Bronzegießers seiner Zeit.
Dieser hat Kunstwerke geschaffen, die es bis heute noch gibt, so zum Beispiel die Figur des Hermes, der seine Sandalen anzieht, oder auch Herakles Farnese, die im Nationalmuseum zu Neapel steht.

Aufgrund seiner Ausbildung bei Lysippos war nun Chares der Mann der Stunde, oder besser gesagt der nächsten 12 Jahre. Denn die Zeit, um diesen Koloss zu schaffen, betrug stattliche 12 Jahre.

Der Koloss mass ca. 70 Ellen, was rund 30-35 Metern entspricht. Da die antiken Schriften keine genauen Angaben machen, sondern immer nur schätzen, dass der Riese in etwa so hoch war, wird die genaue Größe wohl immer ein Geheimnis bleiben.
 
Neuere Funde in Rhodos belegen die Vermutung, dass die einzelnen Stücke der Staue ganz in der Nähe der Baustelle gegossen wurden. Die damalige Gusstechnik kann heute nur noch rekonstruiert werden, da man das genaue Vorgehen nicht mehr ermitteln kann, und ist somit nicht hundertprozentig genau.
 
 Wenn Philon mit seiner Beschreibung des Baus recht hatte, wäre so ein gigantischer Berg an Erde entstanden. Philon gab an, dass diese recht ungewöhnliche Methode nur deshalb gewählt wurde, da die einzelnen Teile zum Transport schlicht zu groß gewesen seien.
 
500 Talente Erz (13 Tonnen) und 300 Talente Eisen (8 Tonnen) seien für den Bau verwendet worden.
 
Für diese Mammutaufgabe zu Ehren Helios' wurden so große Mengen an Material benötigt, dass man überall begann, Kupfer anzukaufen und auszubeuten. So begannen die in der damaligen Zeit bekannten Kupfererzquellen zu versiegen.

Der Text des Philon von Byzanz scheint ein Versuch zu sein, die bereits in der Antike verloren gegangene Gussweise zu rekonstruieren. Leider haben die Rhodier darauf verzichtet, die Konstruktionsweise und die Art des Gusses festzuhalten, so gingen die Pläne und das Wissen um den Koloss schon kurz nach der Fertigstellung verloren.

Philon selbst war kein Handwerker, er war bei der Errichtung nicht selbst anwesend gewesen und wusste über viele Details nur vom Hörensagen. So ist es wahrscheinlich, dass er in seinem Text das Richtige mit dem Falschen zu mischen begann. Beispielsweise kann man davon ausgehen, dass man zur Zeit der Errichtung des Kolosses durchauss in der Lage gewesen wäre, sehr wohl Gussstücke zu transportieren, schließlich waren sie erheblich leichter an Gewicht als die Marmorstelen der Tempelbauer.
 
Technisch ist die Erbauung in Etagen möglich, allerdings haben die Archäologen keinen Hinweis auf eine entsprechende Technik finden können. In 80 Jahren Ausgrabung in Rhodos konnten auch keine Beweise für die Erdanhäufung gefunden werden. Eine solche Masse an Erde hätte wohl deutliche Spuren in der Umgebung hinterlassen.

Der Koloss von Rhodos ist heute noch ein gern genommenes Beispiel für Größenwahn und übertriebene Geltungssucht. Daher wurde auch der heute gängige Begriff Koloss von diesem Bronzeriesen abgeleitet. Eine überlieferte Geschichte beweist, dass auch Chares ein Opfer dieser Geltungssucht und des Übertreibens wurde.  
 
Da es keine genauen Angaben über die Größe und den Bau an sich gibt, kann man auch nur über die Position und die Darstellung des Kolosses Vermutungen anstellen. In den meisten Abbildungen wird Helios als stehender, nackter junger Mann mit lockigen Haaren und dem, für Helios typischen, Strahlenkranz am Kopf dargestellt.
 
Als Vorlage für den Kopf der Statue könnten die im 5. Jahrhundert v. Chr. auf Rhodos geprägten Münzen gedient haben. Denn auch die Zahlungsmittel der Rhodier wurden durch den Helioskopf geziert.
 
Im Allgemeinen geht man davon aus, dass es eine in dieser Weise gestaltete Figur gewesen sein muss.

Was den Standort des Sonnengottes angeht, sind sich die Historiker noch immer uneinig. Da es in den antiken Schriften nicht die geringste Andeutung gibt, die den Standort verraten könnte.
 
Dem Schreiber müssen diese Angaben als unsinnig und unnötig erschienen sein; wahrscheinlich konnte er sich nicht vorstellen, dass der Koloss einstürzt, zum anderen war wohl klar, an welcher Stelle der Riese zu stehen hatte. 
 
Aus historischer Sicht lässt sich aber eines eindeutig sagen: Das wohl größte Geschenk an einen Gott, das Rhodier jemals aufgestellt haben, kann nur im oder in unmittelbarer Nähe des wichtigsten Heiligtums der Stadt gestanden haben. Der Stadtstaat hatte ein Helios-Heiligtum, und in jenem soll der Koloss gestanden haben. Solche Weihungen einer Gottheit hatten bei anderen griechischen Stadtstaaten ebenfalls Tradition. Die Annahme, er habe in einem breiten Schritt über den beiden Einfahrbegrenzungen des Hafens gestanden, ist damit fraglich.

Der Standort des Helios-Heiligtums ist aber ebenso unbekannt, wie die Maße des Riesen. Es gibt verschiedene Theorien über den Standort dieses Heiligtums - und somit um den Standort der Bronzestatue -, einige davon sind inzwischen bereits wieder verworfen worden, andere werden weiterhin fleißig auf Beweise hin erforscht.

U. Vedder zufolge soll oberhalb des Stadions, in welchem jährlich zu Ehren von Helios Spiele veranstaltet wurden, das wahre Heiligtum verborgen sein. Seit 1938 ist das Gelände ausgegraben und dient als archäologischer Park. Das Stadion wurde zwar gefunden, allerdings nicht richtig untersucht. Nun ist man dabei, nach Beweisen für den Koloss in den gefundenen Ruinen zu suchen.

Nichts währt für die Ewigkeit. Das musste auch der Koloss lernen, denn ein auf 227 v. Chr. datiertes Erdbeben soll den Bronzeriesen zum Einsturz gebracht haben. Quellen zufolge soll er an den Knien eingeknickt sein. Da die Knie der schwächste Punkt der Konstruktion gewesen sein dürften, scheint diese Quelle der Wahrheit vermutlich recht nahe zu kommen. So schaffte es der bronzene Helios nur 66 Jahre lang, die Rhodier an ihren Sieg über Demetrios zu erinnern.

Damit ist der Koloss von Rhodos das kurzlebigste der Weltwunder.

Nach dem verheerenden Erdbeben bekam Rhodos aus ganz Griechenland finanzielle Hilfe. Auch Ptolemaios III. Euergetes, ägyptischer Pharao um 246 v. Chr., stellte Geldmittel zur Verfügung, um den Koloss wieder aufzurichten. Die Rhodier ließen die Bronzeteile aber liegen und verbreiteten das Gerücht, ein Orakel habe ihnen geraten, den Koloss nicht wieder zu errichten. Den Überlieferungen zufolge soll der Orakeltext gesagt haben:

Was gut liegt, das soll man nicht von der Stelle bewegen!


Für die Menschen damals war das ein eindeutiges Zeichen dafür, von diesem Plan die Finger zu lassen. Noch etwa 890 Jahre lang konnten die Besucher des Helios-Heiligtums angeblich die Trümmer des Kolosses von Rhodos betrachten.

Nach einer byzantinischen Überlieferung sammelten im Jahr 654 schließlich die Araber unter dem Feldherrn Muawiya die Bronzeteile ein und verschifften sie in den Orient. Das konnte nur gelingen, weil der herrschende Araber Kalif Uthman ibn Affan kurzerhand die Insel einnahm. Ein jüdischer Händler aus Edessa soll das Altmetall auf rund 900 Kamelen abtransportiert haben, um es zu verkaufen.

Auch in der Renaissance ist der Koloss ein Begriff gewesen. Das Bild des spreizbeinig stehenden Riesen ist allen in jenen Tagen bekannt gewesen. Die Kreuzritter hatten Rhodos eingenommen und beherrschten das Geschehen. Durch den Humanisten Großmeister J. Fernandez de Heredia kommt es wohl zu diesem Bild.

Aufgrund falscher Deutungen von antiken Schriftquellen wurde dieses Bild bei den christlichen Pilgern gezeichnet. So erzählten die Johanniter den Pilgern während ihrer Reise ins Heilige Land, dass es in Rhodos einst eine kolossale Statue gab, ein Götzenbild vollständig aus Bronze. Mit einem Fuß soll der Riese auf der St. Nikolaus-Mole gestanden haben und mit dem anderen auf der Mühlen-Mohle. So habe der Riese die Hafeneinfahrt überbrückt. Schiffe jeglicher Größe konnten der Legende zufolge unter den gespreizten Beinen hindurchfahren.

Zwischen den beiden Säulen dieser Hafeneinfahrt soll ehemals der Koloss von Rhodos gestanden haben

Wenn man diesen Legenden Glauben schenkt, müsste der Helios einen 750 Meter großen Schritt von einer Mole zur anderen gemacht haben, um so den Hafen zu überragen.

Mit den christlichen Pilgern kam diese Legende dann in den Westen. Um 1554 herum hat der Franzose André Thevet in Lyon zum ersten Mal ein Bild des spreizbeinigen Riesen veröffentlicht.

Zwar sind die Bilder allesamt sehr bekannt, das Berühmteste aber ist der Stich des Marten van Heemskerck.

Dank Van Heemskerck erhielt der Riese noch ein flammendes Gefäß in die Hand, wovon in keiner der antiken Schriften die Rede ist.

Im 18. Jahrhundert werden Stimmen laut, die die Richtigkeit der Legende anzweifeln; so hat der Erlacher Architekt J. B. Fischer gesagt, dass eine 70 Ellen messende Statue keinen so gewaltigen Schritt von 750 Metern machen konnte. Nichtsdestotrotz zeichnete er ebenfalls ein Bild des Riesen, wie er über der Hafeneinfahrt steht.

1752 stellte der Philologe Comte de Cylus fest, dass Legende und antike Überlieferung nicht übereinstimmen. Aber ungeachtet aller Kritiken und Anmerkungen zur Richtigkeit - bis weit in das 19. Jahrhundert hinein hält sich das Bild des Bronzeriesen.

Bei keinem alten Schriftsteller findet sich auch nur die leiseste Andeutung von jenen weit gespaltenen Schenkeln und darunter hinfahrenden Schiffen; ja nicht einmal eine Schilderung des Kolosses oder illustrierende Nachweisung darüber, wie er ausgesehen in den Tagen, da er noch aufrecht stand, ist uns erhalten. Nur über seine großartigen Trümmer wird uns einiges Wenig berichtet.
Alle bildlichen Darstellungen des Kolosses, wie sie hin und wieder aufgetaucht sind, und wohl noch heute auftauchen, sind lediglich Erzeugnisse übergeschäftiger Imagination unkritischen Leichtsinns oder bewusster Erfindung berechnet auf die Curiositätenliebhaberei der Alterthümler, oder die naive Gläubigkeit kindlicher Unschuld. Schon vor bereits mehr als hundert Jahren hat der verdiente Archäolog Graf Caylus den vergeblichen Versuch unternommen, die Sage von dem kolossalen Wasserthor zu Rhodos als Fiction nachzuweisen. Der Graf zieht dabei mit stattlicher Gelehrsamkeit gegen seine eignen erfindungsreichen Landsleute zu Felde, ohne indess die erste Quelle der falschen Tradition aufspüren zu können.
Da sich im Alterthum nirgends eine Spur jenes Mythus auffinden lasse, so meint er, wie es scheint ohne Grund, dass irgend ein älteres Gemälde auf Glas oder eine nach der Einbildung gemachte Zeichnung der Ursprung des Irrthums gewesen sein müsse. Ein gewisser Vigenere sei vielleicht der Erste gewesen, der sich gelüsten liess, ihn schriftlich zu fixieren; ihm seien Bergier und Chevreau gefolgt. Letzterer mit dem Zusätze, der Koloss habe eine Leuchte in der Hand gehalten, ferner Rollin und die meisten französischen Wörterbücher, selbst das Dictionnaire de l`Encyclopedie.
Eine von dem Mythographen Duchoul angeführte, natürlich ebenfalls erfundene griechische Handschrift, welche den Koloss auf dreieckiger Basis stehen lässt, giebt ihm sogar Degen und Lanze in die Hände und hängt ihm einen Spiegel um den Hals. 

So ziemlich jedes Souvenir vom Koloss geht auf das Bild von P. J. Witdoeck zurück. Witdoek schrieb 1830 ein Buch über die Beschreibung des Koloss von Rhodos. Die Antikenverwaltung in Rhodos besitzt ein Exemplar dieses Buches.

 
Text/Bildquellen:
  • Walter Kaiser - Geschichte des Ingenieurs: ein Beruf in sechs Jahrtausenden, Hanser Verlag, 2006
  • Carl Ferdinand Lüders  - Der Koloss von Rhodos, 1865
  • home.arcor.de/angelion/koloss/koloss1.html
  • die-weltwunder-reisen.de
  • kristian-buesch.de
  • raetsel-der-menschheit.de
  • weltwunder-online.de

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