Der Limes

Der Limes Der Limes

Die Entstehung des Limes
Nach der Eroberung Südwestdeutschlands unter Kaiser Domitian (81 n. Chr. – 96 n. Chr.) und seinen Nachfolgern Nerva und Traian errichteten die Römer den Limes. Limes bedeutet im lateinischen „Grenzweg“ oder „Schneise“. Der Limes gliedert sich in den obergermanischen und rätischen Limes, er ist nach den zwei Provinzen benannt, die er vom freien Germanien trennt. Die Grenze zwischen obergermanischem und rätischem Limes verläuft zwischen Lorch und Schwäbisch-Gmünd.

Karte des obergermanisch-rätischen Limes Insgesamt ist der Limes rund 550 km lang, er beginnt bei Rheinbrohl bei Koblenz und endet bei Eining südlich von Regensburg. Der Limes geht durch vier Bundesländer: Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Alle 500 – 1000 Meter wurden Wachtürme errichtet, im Abstand von ca. 20 km entstanden Kastelle, in denen etwa 500 – 1000 Soldaten stationiert waren. Die Soldaten in den Kastellen und Wachtürmen waren keine Legionäre, sondern Auxiliare, das sind Hilfstruppensoldaten. Diese Hilfstruppen wurden von den Römern aus besiegten Völkern rekrutiert.

Ein Zeichen für die fortgeschrittene Kultur der Römer ist der 80 km lange schnurgerade Limesabschnitt zwischen Walldürn und Welzheim, der das Können der römischen Landvermesser aufzeigt.

Unter dem Kaiser Antoninus Pius (138 – 161) wurde der Limes nochmals etwa 150 n. Chr. um ca. 30 km vom Neckar aus nach Osten vorverlegt, und es entstand die endgültige Form des Limes.

Die Entwicklungsphasen des Limes

Ausbauphase 1:
Eine Schneise mit Weg und Wachtürmen ist die erste Ausbaustufe des Limes. Es werden schnurgerade Schneisen durch den Wald geschlagen, und Türme in etwa 500 - 1000 Meter Abstand gebaut. Die Türme bestehen aus Holz. Wachposten können sich von Turm zu Turm verständigen, indem sie ein Feuer anzünden, Rauchsignale geben oder ein Horn blasen. Auf diese Weise können die nächstgelegenen Kastelle schnell alarmiert werden, und Verstärkung ist im Ernstfall schnell zur Stelle.

Ausbauphase 2:
Neben dem Weg wird eine durchgehende Palisade gebaut. Einzelne Menschen können damit natürlich nicht aufgehalten werden, aber von Tieren gezogene Wagen oder Reiter. Das verdeutlicht, dass der Limes in erster Linie keine Wehranlage ist, sondern der Überwachung und Kontrolle der Grenze dient. An den Grenzübergängen werden die Besitzer der Wagen dann von den Wachen kontrolliert und auf eingeführte Waren wird Zoll erhoben. Die Einfuhr von Waffen in das römische Reich war aber verboten; die Germanen mussten ihre Waffen an der Grenze abgeben.

Ausbauphase 3:
Die Holztürme werden abgerissen. Ein paar Meter daneben entstehen Steintürme, die (wie schon zuvor die Holztürme) dreigeschossig sind. Mancherorts umläuft eine Holzgalerie die oberste Ebene. Acht Soldaten, ein sogenanntes „contubernium“ aus dem nächstgelegenen Kastell, versehen dort ihren Dienst. In einigen Fällen werden die Türme weiß verputzt und mit Fugen bemalt, die den Turm aussehen lassen, als wären zu seiner Erbauung sehr große Steine verwendet worden. Dadurch sollen die Germanen eingeschüchtert werden. Die Türme sind nicht vom Erdgeschoss aus begehbar, sondern können nur über eine Leiter, die zum ersten Stock führt, betreten werden. Neueste Ausgrabungen zeigen, dass die Türme sich mit Nahrungsmitteln zum Teil selbst versorgten. Es wurden neben einem Wachturm sogar Backöfen ausgegraben, in denen die Soldaten ihr Brot buken.

Der obergermanische Limes in seiner letzten Ausbaustufe (ohne Palisaden)Ausbauphase 4a:
Nachdem Teile des Limes bei germanischen Angriffen beschädigt worden sind, reparieren die Römer die Grenzbefestigung nun wieder und rüsten sie sogar noch auf.

Hinter der Holzpalisade entstehen zusätzlich ein Graben und ein Wall.

Dies gilt für den obergermanischen Limes. Der rätische Limes besteht aus einer Mauer, in die Wachtürme eingefügt sind.

Dieses System, indem Palisade, Graben und Wall gleichzeitig den Limes gebildet haben, ist seit Langem der Stand der Wissenschaft.

Allerdings gibt es eine neue wahrscheinlichere Theorie, die in Ausbauphase 4b vorgestellt wird.

Ausbauphase 4b:
Schnitt durch einen WachturmNeueste Forschungsergebnisse lassen darauf schließen, dass Palisade, Wall und Graben nicht gleichzeitig existiert haben. Stattdessen scheint es, dass die Palisade im Laufe des 2. Jahrhunderts verschwindet und in Obergermanien durch Wall und Graben, in Rätien durch eine Mauer ersetzt wird. Die Bodenverhältnisse in Rätien ließen die Errichtung eines Grabens sehr schwer werden (steiniger und felsiger Boden).

Gründe dafür gibt es mehrere: Fäulnis der Palisaden, wodurch die Pfosten nach und nach umbrechen, sowie Überfälle und Zerstörungen durch Germanen. Weiterhin wurde auch das Holz knapp, denn nach rund 100 Jahren Besetzung haben die Römer einen Großteil des Waldes in ihren Gebieten gerodet. Holz ist nämlich der wichtigste Energielieferant für die Einwohner der Provinz. Auch für Haus- und Schiffbau wird Holz benötigt.

Im Jahr 260 nach Christus unter Kaiser Valerian räumen die Römer schließlich das Limesgebiet und ziehen sich hinter den Rhein und die Donau zurück. Vorstöße der Alemannen (ein Verbund germanischer Stämme) lassen sie den Limes als Grenze endgültig aufgeben. Ein weiterer Grund für die Aufgabe des Limes sind Bürgerkriege, die die Römer gegeneinander führten (Errichtung des gallischen Sonderreiches unter Postumus) sowie Kriege, die die Römer im Osten des Reiches gegen die Perser führen mussten und für die sie Soldaten aus dem Limesgebiet brauchten.

Sonderbriefmarke der Deutschen Post (zeigt die Saalburg)Allgemeines
Seit dem Jahr 2005 ist der obergermanisch-rätische Limes Weltkulturerbe der UNESCO, im Oktober 2007 erschien hierzu eine Sonderbriefmarke der Deutschen Post.

Der obergermanisch-rätische Limes war nicht die einzige Grenzbefestigung, die die Römer an ihren Grenzen bauten.

Es gab in Großbritannien den Hadrianswall, der ganz aus Stein gebaut war, sowie an der Donau den Donaulimes und auch an der Grenze zu den Persern im Osten (heute Syrien) und in Afrika gab es Grenzbefestigungen und Kastelle.

Es gibt Bestrebungen, die gesamten Außengrenzen des römischen Reiches zum Weltkulturerbe der UNESCO zu erklären.
 
Rekonstruierter Limesabschnitt bei Großerlach-GrabBesichtigungen am Limes
Es gibt die Deutsche Limesstraße, die über den ganzen Verlauf des Limes führt und Sehenswürdigkeiten am Limes zeigt. Es wurde sogar unter Kaiser Wilhelm II. ein Kastell wiederaufgebaut: die Saalburg bei Frankfurt/Main. Ihr ursprünglicher Name ist nicht bekannt. Wilhelm II. gründete auch die Reichslimeskommission, die heute Deutsche-Limes-Komission heißt. Weitere interessante Orte in unserer Nähe am Limes sind: Welzheim mit dem wiederaufgebauten Tor des Ostkastells und dem Kleinkastell Rötelsee, Aalen mit dem Limesmuseum und der neu errichteten Reiterkaserne und den Überresten des Kastells und Köngen mit dem wiederaufgebauten Eckturm und dem Römermuseum, sowie Großerlach-Grab im Schwäbischen Wald mit einem aufgebauten Wachturm und rekonstruiertem Palisadenzaun, Wall und Graben. Sogenannte Limes-Cicerones machen für Besucher Führungen am Limes.

Quellen:
  • [1] www.hessen-limes.de
  • [2] www.limesstrasse.de
  • [3] A. Thiel (Herausgeber), „Forschungen zur Funktion des Limes“, Konrad-Theiss-Verlag 2007
  • [4] B. Rabold, E. Schallmayer, A. Thiel, „Der Limes“, Konrad-Theiss-Verlag 2000
  • [5] www.limes-cicerone.de


Kommentare  

#1 Valerius 2011-07-27 14:15
Klasse, endlich wieder etwas zu den Römern!
#2 Pisanelli 2011-07-27 14:44
Schöner Artikel!
Was ich ja immer wieder erstaunlich finde: teilweise ging der Limes kilometerlang schnurgerade durch die Landschaft. Da waren die Römer einzigartig, alles, was im Weg stand, wurde einfach weggeholzt. Hauptsache, die Geometrie stimmte ;) Sie waren sowieso geniale Ingenieure.
#3 Valerius 2011-08-26 00:25
Kommt eigentlich beim Zauberspiegel-Junior irgendwann mal ein neuer Artikel oder sind alle Mitarbeiter und Redakteure der Junior-Abteilung in Urlaub gegangen ????
Seit dem 27. Juli ist kein neuer Artikel erschienen. Also langsam sollte hier schon mal etwas neues erscheinen!!!!
#4 Harantor 2011-08-26 00:41
Es sind Sommerferien. Im Herbst - während des neuen Schuljahrs - wirds besser laufen

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