Oh, meine Götter, Teil 10: Eine unnötige Schlacht und der Verlust von drei Argonauten

Oh, meine Götter!Teil 10:
Eine unnötige Schlacht und der Verlust von drei Argonauten

Wer trug eigentlich „Eulen nach Athen“?

Wurde Sisyphus je mit seiner Arbeit fertig? Und kam der Götterbote auch immer ausgerechnet dann, wenn der Empfänger gerade leider nicht Zuhause war? Kleine Ausflüge in das Reich der griechischen Mythologie.

Gustav Schwab: Sagen des klassischen AltertumsNachdem die Argonauten die Insel Lemnos hinter sich gelassen haben, verläuft auch die weitere Fahrt nicht ohne Zwischenfälle. Erneut wird die Argo von starken Winden erfasst und an die nördliche Küste der heutigen Türkei getrieben. Dort liegt die Stadt Kyzikos, die nach ihrem gleichnamigen Gründer und König benannt ist. Der junge Kyzikos herrscht über eine Stadt unter widrigen Umständen, denn neben den friedlichen, sechsarmigen Dolionen leben hier sehr streitsüchtige Riesen. Aber da die Dolionen von Poseidon abstammen, schirmt dieser sie vor dem Zorn der Riesen ab.

Kyzikos hat bereits bevor die Argo gesichtet wird in einem Orakelspruch gesagt bekommen, dass ein Schiff voller Helden in seine Stadt kommen wird. Wenn dies geschieht, soll der junge König sie freundlichst empfangen. Und da die Orakel ja meißt wissen, wovon sie sprechen, befolgt Kyzikos den Rat. Iason und seine Gefährten werden eingeladen, an Land zu gehen und ein üppiges Mahl mit dem König zu teilen. Das nehmen die Argonauten gerne an, außer Herakles, der auch diesmal lieber auf dem Schiff bleibt. Ganz praktisch, denn so kann er die Argo in der Abwesenheit der anderen bewachen.

Die Argonauten bleiben noch bis zum nächsten Morgen beim gastfreundlichen König. So verbringt Herakles die Nacht allein auf dem Schiff. Als er morgens aufsteht und einen Blick über die Reling wirft, bekommt er einen ordentlichen Schrecken: die Riesen der Insel sind von der Meerseite her zum Hafen gekommen und gerade dabei, den Weg zurück auf die See mit großen Steinen zu versperren. Herakles greift sich schnell seinen Bogen und trifft einige der Riesen tödlich. Glücklicherweise kommen in dem Moment auch die anderen Argonauten zum Schiff zurück. Gemeinsam setzen sie den Riesen einen Pfeilhagel entgegen, der sich gewaschen hat und schlagen die Ungeheuer vernichtend.

So können die Argonauten also ihre Reise fortsetzen, lichten die Anker und segeln zurück auf das offene Meer. In der darauffolgenden Nacht aber legt sich der Wind und ein Sturm erhebt sich aus der entgegengesetzten Richtung. Die Argo wird zurück an die Küste Kyzikos getrieben, ohne dass die Helden es bemerken. Die Dolionen, aufgeweckt von den Geräuschen des nahenden Schiffes, erkennen ihrerseits die Argonauten ebenfalls nicht, und glauben, angegriffen zu werden. Eine unglückliche und unnötige Schlacht beginnt zwischen den beiden Parteien. Im Verlauf des Kampfes wird König Kyzikos von Iason mit einem Speer getötet (der ihn nicht mal dabei erkennt, wobei man doch meinen sollte, die sechs Arme der Dolionen seien schon recht augenfällig). Die Dolionen werden schließlich von Argonauten in die Flucht geschlagen und verbarrikadieren sich hinter den Mauern ihrer Stadt.

Als die Sonne aufgeht, erkennen die Argonauten ihren Irrtum. Iason, der Kyzikos in seinem Blut liegend auffindet, kann seinen Fehler kaum fassen. Drei Tage lang trauern die Argonauten zusammen mit den Dolionen und bestatten den gastfreundlichen König gemeinsam. Dann legen unsere Helden erneut ab und verlassen Kyzikos endgültig.

Nach einer weiteren stürmischen Fahrt (wofür opfert man überhaupt für Poseidon, wenn es doch ständig stürmt?!) landen die Argonauten in der Stadt Kios, dem heutigen Gemlik im Nordwesten der Türkei. Auch hier werden Iason und die anderen Helden freundlich empfangen, man entzündet ein großes Feuer und sitzt bei Wein und Speisen zusammen. Herakles aber hält nichts von solchen Bequemlichkeiten bei einem richtigen Abenteuer, und verlässt die Runde schnell wieder. Lieber zieht er allein in den Wald, um sich eine große Tanne zu suchen, aus der er sich ein besseres Ruder für die Weiterfahrt schlagen will.

Auch Hylas verlässt die gemütliche Runde wenig später als sein Freund Herakles, um schon mal Wasser aus der Quelle für Herakles zu holen, denn der hat bestimmt Durst, wenn er von seinem Waldspaziergang zurückkommt. An dieser Stelle sei kurz erwähnt, dass Hylas und Herakles eine besondere Beziehung zueinander haben. Im Kampf gegen das Volk von Hylas hat Herakles dessen Vater erschlagen, den Jungen aber verschont. Seit er den Jungen damals mit sich genommen hat, ist Hylas bei Herakles als dessen Freund und Diener geblieben. Daher also die Fürsorge für den rudersuchenden Helden.

Als Hylas sich nun mit seinem Krug über das Quellwasser beugt, fällt er einer Nymphe ins Auge, denn Hylas ist ein hübscher Bursche und eine solche Gelegenheit bekommt man unten im Wasser nicht alle Tage. Blitzschnell packt die Nymphe den jungen Mann und zieht in hinab in die Tiefe.

Herakles hat seine Tanne inzwischen gefunden und ist auf dem Weg zurück zu den versammelten Freunden. Doch schon bevor er dort ankommt, kommt ihm der Argonaut Polyphemos entgegen. Die Helden haben einen Schrei von Hylas gehört und können ihn seitdem nicht mehr finden. Herakles wirft die gefällte Tanne weg und eilt mit Polyphemos los, um Hylas zu suchen.

Zu spät fällt den Argonauten bei der Weiterfahrt auf, dass Herakles und Polyphemos gar nicht an Bord sind und immer noch nach Hylas suchen. Ein Streit bricht unter den Helden los, ob man nun umkehren soll, um die beiden zu holen, oder nicht. Da erscheint plötzlich der Meeresgott Glaukos in den Wellen. Er sagt den Helden, der Streit sei völlig unnötig. Dass Herakles zurückbleibe, sei der Wille Zeus´ und er habe ganz andere Arbeiten zu verrichten als das goldenen Vlies zu holen.

So fahren die Argonauten also ohne Herakles und Polyphemos weiter. Polyphemos bleibt in der Region und gründet eine eigene Stadt. Herakles soll den geliebten Hylas nicht wiederfinden und zieht irgendwann weiter, um dem Ruf des Göttervaters zu folgen.

Mehr dazu in:  »Sagen des klassischen Altertums« (1838-1840) von Gustav Schwab

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2017-11-19 15:31
Was haben die alten Griechen nur genommen, um auf diese Geschichten zu kommen :-)
#2 sarahh 2017-11-22 20:30
Ja, das kann man sich schon zuweilen fragen... Mit Logik braucht man denen da nicht immer zu kommen :D

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