Sieben Weltwunder der Antike: Der Tempel der Artemis in Ephesos

Die sieben WeltwunderSieben Weltwunder der Antike:
Der Tempel der Artemis in Ephesos

Ephesos liegt zur heutigen Zeit in der Türkei und ist mit seinen antiken Ruinen ein beliebter Ausflugsort für Touristen geworden. Zu den Zeiten, als die Gebäude der Stadt Ephesos gerade noch neu waren, gehörte das Stück Land den Griechen. In der Antike war der Tempel der Artemis der größte Tempelbau seiner Zeit und gehört nicht nur deshalb zu den sieben antiken Weltwundern.

Ephesos war als eine sehr reiche Stadt bekannt, und die Besucher waren nicht nur durch deren Bauwerke beeindruckt.

 In der Zeit, als die Römer langsam das Land eroberten, wurde Ephesos zur Hauptstadt der römischen Provinz Asia. Nebenbei galt sie als eine der größten Städte der Antike.

Ephesos war eine Hafenstadt am Mittelmeer. Im Laufe der Jahrhunderte haben die tektonischen Erdplatten sich aber so bewegt, dass Ephesos nun mehrere Kilometer im Landesinneren liegt.

Österreichische Archäologen wiesen bei Ausgrabungen um 1895 nach, dass im Laufe der Zeit mehrere Versionen des Artemis-Tempels erbaut wurden, allerdings gab es bereits 800 v. Chr. an dieser Stelle religiöse Zeremonien und einige kleinere Tempelbauten, um den Göttern zu huldigen. Unter dem tyrannischen Herrscher Pythagoras wurde ein Jahrhundert später ein weiterer Tempel errichtet. Artemis wurde in diesem allerdings nie gepriesen; eine Überschwemmung vernichtete noch vor der Fertigstellung den gesamten Bau. Archäologische Funde rund um den heutigen Artemis-Tempel bestätigen, dass die Stadt rund 1000 Jahre lang eine Blütezeit erlebt hat.
 
Dass ausgerechnet die Göttin Artemis ausgewählt wurde, an diesem Ort gepriesen zu werden, liegt an einer Legende, die beschreibt, wie das Bildnis der Göttin in Ephesos vom Himmel gefallen sein soll. Dieses Ereignis begründete den eigentlichen Glauben an die Göttin.

Artemis ist eine Tochter des Göttervaters Zeus; sie gehört zum Kreis der 12 bedeutensten Gottheiten im Altertum und wird auch die 'Göttin der Jagd' genannt. Außerdem wird sie auch noch als die 'Hüterin der Frauen und der Kinder' und die 'Göttin des Mondes' bezeichnet.

Die viel beschäftigte Göttin bekam um 580 v. Chr. einen vierten Tempel errichtet. Als Architekten gelten Chersiphron von Knossos und sein Sohn Metagenes. Der Bau des Tempels dauerte ungewöhnlich lange; rund 120 Jahre soll an dem Projekt gearbeitet worden sein. Der lydische König Kroisos, besser bekannt unter dem Namen Krösus, stiftete einige Säulen für den Tempel, um sich die Göttin Artemis so gewogener zu machen. Inschriften in den Mauern zufolge hat er neben den Säulen auch einen großen Teil der Baukosten getragen.
 
Der Baugrund war denkbar ungünstig gewählt. Das sumpfige Gebiet war schwer zu erschließen, es musste vorab so bearbeitet werden, dass der Grund ein solides Fundament tragen kann.

Zu Zeiten des Tempelbaus war die Technik der Trockenlegung bzw. das Entwässern der Böden noch weitgehend unbekannt. Aus diesem Grund wurden Holzkohlen und Lederabdeckungen genutzt, um den moorigen Untergrund abzudecken und zu sichern. Dieses Verfahren wurde durch Grabungen auf dem Tempelgelände bestätigt. Der Architekt Theodoros von Samos wurde bei den Fundamentarbeiten zu Hilfe gezogen; durch seine Leistungen am Rhoikos-Tempel auf Samos hatte er einen sehr guten Ruf. Aber der moorige Boden hatte auch seine Vorteile: Die damals häufig vorkommenden Erdbeben konnten dem Bau wenig anhaben, denn der weiche Boden dämpfte die Schwingungen und schonte so das Gebäude selbst.

Der vierte Tempel bestand aus 106 Marmorsäulen, die jeweils rund 19 Meter hoch waren. Sie wurden im ionischen Stil in Zweierreihen auf der Baufläche verteilt. Die so entstandene Fläche maß stolze 60 x 103 Meter. Die Säulen trugen ungewöhnlich schwere Querbalken. Einige der 106 Säulen wurden mit Reliefs geschmückt, diese standen dann im Eingangsbereich. Im Inneren des Tempels gab es eine Statue der Göttin Artemis. Sie wurde aus Weinrebholz gefertigt und mit Gold und Silber verkleidet. Die Statue maß rund 2 Meter. Das Tempeldach bestand aus Zedernholz.

Am 21. Juli 356 v. Chr. wurde das Weltwunder ein Raub der Flammen. Ein offensichtlich Wahnsinniger mit Namen Herostratos zündete den Bau an. Sein Bestreben war, berühmt zu werden als der Zerstörer des Weltwunders. Sein Ziel hat er leider wenige Jahre nach der Fertigstellung erreicht.

 Viele Legenden ranken sich um den Brand des Tempels, unter anderem soll das Datum auch gleichzeitig der Geburtstag des künftigen Kriegers Alexander des Großen sein. Da Artemis die Geburt des Alexander in Pella überwachte, konnte sie ihren Tempel in Ephesos nicht beschützen. Alexander befreite Jahre später Legenden zufolge die Stadt Ephesos aus der Herrschaft der Perser - allgemein wird aber angenommen, dass es sich hierbei eher um den Mythos Alexanders handelt, als um eine Tatsache.
 
Der fünfte gefundene Tempel, der bald nach dem Feuer begonnen wurde, wurde durch die heimischen Architekten Demetrios, Paionios und Cheirokrates ausgeführt. Der Tempel der drei sollte ein Abbild des vorherigen sein. Während des Baus kam es aber zu einigen Änderungen. So wurde nicht nur die Baufläche auf 125,67 x 65,05 Meter vergrößert, auch der Sockel des Bauwerks, auf welchem der Tempel ruhen sollte, wurde beträchtlich erweitert.

Der fünfte Tempel hatte 117 Säulen, und jede davon maß 18 Meter. Der Tempel hatte kein Zedernholzdach mehr, sondern ein Dach aus Stein. Plinius' Berichten zufolge haben rund 36 Säulen ein kunstfertiges Relief erhalten. Auch bei diesem Bauwerk dauerte die Bauzeit mit rund 100 Jahren recht lange.
 
Antipatros von Sidon sagte über das Bauwerk:

Aber der Tempel, der sich in Wolken verliert, heilig der Artemis, ließ alles andere verblassen. Ich sprach: "Vom Olymp abgesehen, hat Gott Helios solch Wunderwerk niemals erblickt!"

Der Apostel Paulus besuchte das Heiligtum um das Jahr 55 n. Chr. Der Zulauf zum Jünger Jesu soll so groß gewesen sein, dass die Existenzen, die am Artemiskult hingen, stark bedroht waren. Der Silberschmied und Devotionalien-Hersteller Demetrios soll einen Aufruhr angezettelt haben, um das zu beenden. Auch in der Bibel findet das eine Erwähnung.

In der Apostelgeschichte 19, 34+35 finden sich die folgenden Worte Paulus' über den Tempel:

Als sie aber innewurden, daß er ein Jude war, schrie alles wie aus einem Munde fast zwei Stunden lang: Groß ist die Artemis der Epheser! Als aber der Kanzler das Volk beruhigt hatte, sprach er: Ihr Männer von Ephesus, wo ist ein Mensch, der nicht weiß, daß die Stadt Ephesus eine Hüterin der großen Artemis ist und ihres Bildes, das vom Himmel gefallen ist?

 Im Jahr 268 n. Chr. wurde auch der fünfte Artemis-Tempel zerstört. Diesmal waren es die Goten während eines Kriegszuges. Der regierende römische Kaiser Gallienus hatte den Goten nicht viel entgegenzusetzen. Die Überreste des zerstörten Baus nutzten die Einwohner Ephesos' als Baumaterial. Trotz zerstörtem Heiligtum blieben die Epheser dem Artemiskult noch bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. treu. Von dem fünften Tempel ist nur noch eine einzige wieder errichtete Säule übrig geblieben.

Heute verdanken wir das meiste Wissen über den Artemis-Tempel den Ausgrabungen von John Turtle Wood (1863 - 1869). Gefundene Architektur-Fragmente und Artemisstatuen, die der ursprünglich 2 Meter großen Statue gleichen dürften, sind heute im Saal der Artemis im Ephesos-Museum in Selcuk ausgestellt.

 
Text/Bildquellen
wikipedia.de
die-weltwunder-reisen.de
kristian-buesch.de
raetsel-der-menschheit.de

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