Sieben Weltwunder der Antike: Das Grab des Mausolos II. zu Halikarnassos

Die Sieben Weltwunder der AntikeSieben Weltwunder der Antike:
Das Grab des Mausolos II. zu Halikarnassos

Rund 1.500 Jahre lang stand das Grabesdenkmal des karischen Königs Mausolos.
 
Seine Ruhestätte Halikarnassos ist das heutige Bodrum, eine türkische Stadt am Mittelmeer, etwa 200 km südlich von Izmir. Wie man sich denken kann, und der Name des Königs, für den das Grabmal bestimmt ist, es schon erahnen lässt, entstand aus diesem monumentalen Grab der Begriff des "Mausoleums".

Mit ca. 50 Metern Höhe war dieses Grabmal eines der imposantesten seiner Zeit und wurde von den Menschen bestaunt.
 
Heute zerstört und fast vollständig vom Boden seiner "Heimatstadt" getilgt, prägte diese Grabstätte für rund 1.500 Jahre das Bild der Stadt.
 
Wie es entstand
 
Mausolos war der Sohn eines karischen Fürsten, Hekatomnos aus Mylasa/Milas. Karien war ein antikes Königreich zwischen Ionien und Lykien. Mylasa gehörte ebenso zu Karien wie Halikarnassos.
 
Vor Mausolos war bereits sein Vater als Satrap im Dienste des persischen Königs gewesen. Die Perser waren zu jener Zeit die große politische Kraft der Region. Da es den Persern unmöglich war, das gesamte Reich zentralisiert zu regieren, wurde König Mausolos II. vom persischen Großkönig zum Satrap der Region ernannt. Ein Satrap war nichts anderes als ein Statthalter, der anstatt des Großkönigs vor Ort regierte und die Befehle des Großkönigs umsetzte.
 
Abbildung des MausolosEtwa 367 v. Chr. verlegte Mausolos seine Hauptstadt schließlich in das gerade aufblühende Halikarnassos. Mit dem König in seinen Mauern wurde Halikarnassos nicht nur in seiner Bedeutung stark erhöht, es bekam auch noch einen aktiven Bauherrn. Vitru (s. o.) verfasste auch architekturtheoretische Schriften und erwähnte darin Halikarnassos und Mausolos.
 
Den Schriften zufolge machte dieser aus der Stadt eine "ideal ausgebaute Stadt". Gewaltige Mauern umgaben Halikarnassos; die Einwohner von benachbarten kleineren Orten wurden zu ihrem Schutz hinter den 4,5 km langen Mauern untergebracht. Eine zweischneidige Sache, bedeutete dies doch gleichzeitig, dass sie gezwungenermaßen umgesiedelt wurden.
 
Mausolos war verheiratet mit der edlen Artemisia, die ebenfalls ein Kind des Fürsten Hekatomnos aus Mylasa/Milas war. In der damaligen Zeit war es nicht unüblich, Familienmitglieder zu verheiraten; als Mausolos seine Schwester Artemisia ehelichte, gab es also keine gesellschaftlichen oder juristischen Probleme.
 
Man kann vermuten, dass ihr gemeinsamer Vater Hekatomnos zu diesem Zeitpunkt bereits gestorben war (er starb ca. 377 v. Chr.). Sie heiratete Mausolos II., der wie ein König regieren konnte, im vierten Jahrhundert v. Chr. und zog zu ihm nach Halikarnassos.
 
So könnte das königliche Mausoleum ausgesehen habenSie galten als ein fähiges und gutes Herrscherpaar, das den Ausbau von Halikarnassos zu einer Metropole weiter betrieb. Als Mausolos starb (353 v. Chr.), übernahm Artemisia als Königin die Herrschaft über Krien und die Insel Rhodos. Sie hatte bis zu ihrem Tod 351 v. Chr. die Herrschaft inne. 
 
Ob das Grabmal auf Befehl von Mausolos selbst begonnen wurde (dies scheint durchaus realistisch, da zu jener Zeit jeder Herrscher die Zeit in einem imposanten Grab überdauern wollte), oder ob - wie die Legende es sagt - Artemisia als Beweis ihrer Zuneigung ein Grabmal bauen ließ, das ihrem Mann auch im Tode würdig sei, ist nicht klar festzustellen.

Dafür gibt es eine weitere Version, welche um einiges romantischer und somit schöner ist.

Artemisia II. liebte ihren Mann und Bruder so sehr, dass auch Gedichte und Lieder nicht ausreichten, um es in Worte zu fassen. Durch den Tod Mausolos' litt die arme Artemisia so sehr, dass sie in ihrem Umfeld fast als Geisteskranke betrachtet worden sei.
 
Während der Beisetzung sei es nun so gewesen, dass Mausolos' Leichnam verbrannt worden war. Die angeschlagene Artemisia soll den noch glühenden Leichnam zu Staub zerpresst haben. Diesen Staub habe sie dann in einen Kelch gegeben und mit Wasser und Duftölen angereichert.
 
Es sei - laut Legende - ihr Ziel gewesen, selbst zum Grabmal ihres Gemahls zu werden, und so habe sie die Flüssigkeit getrunken. In ihren Augen wäre dies wohl der größte Beweis ihrer Liebe gewesen.
 
Das Grabmal habe sie dennoch zu Ende gebaut, bzw. in Auftrag gegeben, damit das Volk seinen König niemals vergaß. Ähnlich Taj Mahal in Indien sollte ein Denkmal in nie gekanntem Ausmaß erbaut werden.
 
Artemisia sparte an nichts, doch trotz aller Mühen erlebte die Witwe die Fertigstellung nicht mehr. Nur 2 Jahre nach ihrem Mann schied auch die Königin dahin. Trotz ihres zu frühen Todes wurde das Grabmal fertiggestellt.

So berichtet es zumindest eine romantische Legende. Welche der Versionen nun die Wahrheit ist, kann nicht eindeutig bewiesen werden und wird wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben.
 
 
Was mit ihm geschah

Es ist sehr wenig darüber bekannt, wie das Grabmal genau ausgesehen hat. Viele Jahre trotzte das imposante Gebäude allen Einflüssen, egal, ob menschlicher oder natürlicher Art. Dennoch wurde es schon vor langer Zeit durch Kriege, Erdbeben und schließlich den Bedarf an Baumaterial zerstört. Zunächst wurde ein Erdbeben, das im 12./13. Jahrhundert die gesamte Region erschütterte, auch Mausolos' Grab zum Verhängnis. Das Dach stürzte ein, der Verfall begann.
 
Ionische Säule aus dem Mausoleum, Britisches MuseumIm 15. Jahrhundert begann die weitere Zerstörung: Die Ritter des Kreuzritterordens hatten damit begonnen, in Bodrum das Kastell St. Peter zu errichten, sowie weitere notwendige Gebäude. Hierfür nutzten die Kreuzritter Steine, die vom Grab des Mausolos stammten.
 
(Links: Fotografie einer Ionischen Säule aus dem Mausoleum, Britisches Museum.)
 
Während des Abrisses wurde auch die Grabkammer gefunden. Da diese von den Rittern aber nur wenig bis gar nicht bewacht wurde, hatten Grabräuber ihre Chance. So wurden die Schätze der Artemisia, die diese ihrem Mann mit ins Jenseits gab, geraubt und von Grabräubern über die halbe Welt verstreut.
 
Die Ordensritter wussten sicherlich, dass es sich bei ihrem Tun um die Entweihung eines Grabes handelte, aber ihre Befehle waren eindeutig. Außerdem ging es hier ja nicht um eine christliche Grabstätte, sondern bestenfalls um die eines Ungläubigen.
 
Mit dem Verschwinden des Mausoleums geriet auch der genaue Standort über die Jahre immer mehr in Vergessenheit. Erst Charles T. Newton schaffte es, Teile des Fundaments zu entdecken und auszugraben. Der britische Diplomat und Archäologe fand in den freigelegten Fundamenten auch Skulpturen, welche einst eventuell die Grabkammer von innen geschmückt haben könnten.
 
1857 begann er zu graben. Hierzu hatte er die Gebäude aufgekauft, die an der Stelle des vermuteten Mausoleums standen. Es war nicht viel mehr geblieben als die Außenbegrenzungen einer rechteckigen Form, die in den weichen Fels eingegraben war. 

Später schrieb er in seinen Veröffentlichungen:

Das ganze Geviert war voll von Überbleibseln an Architektur und Skulpturen. Die Menge dieser Fragemente war so riesig, dass es unmöglich gewesen wäre, ihre exakte Position auf dem Gelände zu ermitteln. Ebenso wenig würden solche Informationen in Bezug auf den Marmor in irgendeiner Weise hilfreich sein. Sie waren nämlich alle offensichtlich durch die Plünderer des Grabes hin- und her gerollt worden, um sie aus dem Weg zu schaffen, während sie gleichzeitig Stück für Stück alles aus der Grablege schafften.

 
 
Wie es aussah
 
Einige Eckdaten sind doch bekannt, sei es nun aus antiken Reiseberichten oder aus den Daten von Ausgrabungen. Verschiedentlich gab und gibt es Versuche, das Aussehen zu rekonstruieren. Durch die Überlieferungen und im Sinn einer ausgewogenen Architektur scheint zumindest klar zu sein, dass sich das Dach des Grabes in rund 50 Metern Höhe befunden haben muss. Alles andere sind, wie gesagt, Versuche der Wiederherstellung, auch wenn man heute davon ausgehen kann, eine recht genaue Deutung ermöglicht zu haben (siehe unten).
 
Löwe aus dem Mausoleum von Halikarnassos, British MuseumGehalten wurde es von Säulen, die zum Teil auch mit filigranen Bildern verziert waren. Das Dach selbst war eine Stufenpyramide.
 
Den Abschluss nach oben bildete eine bildhauerische Meisterleistung: Ein Viergespann wurde am höchsten Punkt des Grabes angebracht, mit König und Königin als Lenker des Gefährts.

Die Ausgrabungen von Newton geben allen Anlass zur Annahme, dass das Grabmal innen ausgeschmückt war, wie genau, ist leider nicht vollständig überliefert.
 
Dank der Ausgrabungen und wieder einmal dank der antiken Schriften können immerhin 56 Figuren nachgewiesen werden. Es handelt sich dabei um Porträts des Königspaares, sowie um Löwen (der rechts abgebildete Löwe ist eine der am besten erhaltenen Figuren des Grabes. Er ist ebenfalls im Britisch Museum ausgestellt) und einige Friese. Weder die genaue Position noch die Größe der anderen Verzierungen ist überliefert.
 
Lediglich die Größe des rechteckigen Fundaments konnte bisher durch Ausgrabungen bewiesen werden. 32 m x 38 m soll das Fundament gemessen haben. Um ein passendes Gesamtbild zu haben, wird die Höhe auf etwa 45 m bis 50 m geschätzt.
 
Ebenfalls erhalten ist das "Amazonenfries", das sich im British Museum in London befindet.
 
Amazonenfries aus Halikarnassos
 
Neben dem Kampf der Griechen gegen die Amazonen finden sich die Heldentaten von Theseus, die Geschichte der Zentauren und griechiche Wagenrennen. Es gibt daneben Darstellungen von Kampfszenen der Griechen gegen die Perser. Diese waren für die Forscher besonders interessant.
 
Auf einer der Seiten soll der Kampf der Griechen gegen die Amazonen abgebildet sein  (siehe oben). Skopas von Paros wird in den antiken Schriften hierfür als Architekt angeführt. Die Nordseite soll von Bryaxis erstellt worden sein, der Westen von Leochares von Athen und der Süden von Timotheus.
 
Die Namen der Künstler und Bildhauer, welche am Bau des Mausoleums beteiligt waren, sind ebenso wenig gesichert, wie die exakte Größe oder eventuell noch vorhandene Anbauten. Es wurde allerdings behauptet, dass die seinerzeit berühmtesten Bildhauer verpflichtet wurden, jeweils eine der 4 Seiten zum Bau beizutragen Wahrscheinlich trug dies ebenfalls zur Ernennung als eines Weltwunders der Antike bei.

Freigelegte ÜberresteAber erst in den Jahren 1966 bis 1977 entriss man das Mausoleum wirklich dem Vergessen. Ein dänischer Archäologe namens Kristian Jeppesen konnte genügend Bauteile ausgraben, um eine belegbare und wahrscheinlich sehr genaue Rekonstruktion des Grabes erstellen zu können.
 
Dank Jeppesens Hilfe und durch finanzielle Unterstützung der Dänen konnte in Bodrum ein Museum errichtet werden, in dem seit 1982 die gefundenen Reste und Rekonstruktionen des Bauwerks zu besichtigen sind.

In London kann man die gut erhaltenen Friese und Statuen des Königs Mausolos II. zu Halikarnassos im British Museum bewundern. In Bodrum selbst hingegen gibt es davon nur ein paar Gipsabdrücke. Das freigelegte Fundament selbst ist bis heute noch am Originalstandort, im heutigen Bodrum, zu besichtigen. Sogar die Vertiefung für die dort angelegte Grabkammer ist noch sichtbar. Sie liegt etwa 8 Meter tiefer und ist nicht weiter erhalten. Sie ist nur noch eine Vertiefung.
 
Mausolos' Grabmal schaffte es auf Anhieb auf die Liste der 7 Weltwunder. Mit seinem imposanten Äußeren und den hervorragenden Kunstwerken im Inneren war der Schritt auf die Liste ein Leichtes.
 
Schon seit der Antike entwickelte sich das Wort "Mausoleum" zu einem geflügelten Wort für ein imposantes Ehrengrabmal. Diese Beschreibung ist bis heute erhalten geblieben, und so lebt Mausolos in jedem großen Grabmal weiter, das seinen Namen trägt.
 
 
Text- und Bildquellen:
  1. Peter A. Clayton, Martin Price - The seven wonders of the ancient world, Verlag Routledge, 1988
  2. die-weltwunder-reisen.de
  3. kristian-buesch.de
  4. raetsel-der-menschheit.de
  5. bodrumpages.com
  6. Theodore Alois Buckley - The seven wonders of the world: and their associations, Carlton & Phillips, 1854

 

Gäste sind momentan nicht mehr berechtigt Kommentare zu schreiben, da täglich bis zu 200 Spamkommentare gelöscht werden mussten.

Bitte registriert Euch beim Zauberspiegel. Wir suchen nach einer Lösung.