Sieben Weltwunder der Antike: Die hängenden Gärten der Semiramis zu Babylon

Die Sieben Weltwunder der AntikeSieben Weltwunder der Antike:
Die Hängenden Gärten der Semiramis

Zu den Zeiten Nebukadnezars II. (604 - 562 v. Chr.) war Babylon sicherlich jede Reise wert. Es galt als das Paradies auf Erden, als der Nabel der Welt. Und Babylon war sicherlich eine der größten Städte ihrer Zeit. Innerhalb Babylons Grenzen gab es vier potenzielle Weltwunder.

Viele Mythen ranken sich um Babylon, welche davon wahr sind, ist nicht genau zu sagen.
Die Hängenden Gärten der Semiramis gehören zweifellos dazu.

Wer ist nun Semiramis? Was hat sie mit Babylon und den Hängenden Gärten zu tun?
Beginnen wir mit der Geschichte um Semiramis, um im zweiten Teil zu den Gärten zu kommen. 


Die "Geschichte" der Semiramis
 
Der Geschichtsschreiber Diodor schrieb einen detaillierten Lebenslauf der Königin nieder.
 
Laut diesem soll Semiramis die Tochter der Göttin Derketo sein, die in der Stadt Askalon verehrt wurde. Derketo, bei den Syrern die höchste weibliche Gottheit, hat in den Darstellungen eine Form, die wir heute als Nixe bezeichnen würden. Ihr Körper bestand im unteren Teil aus einem Fisch.
 
"Ich habe das Bild der Derketo in Phönikien gesehen, befremdlich anzuschauen: zur Hälfte nämlich ist sie Weib, aber von den Hüften an bis zu den Fußspitzen läuft die Gestalt in einen Fischschwanz aus."1
 
Aphrodite, die griechische Göttin der Liebe, hatte - aus einem offenbar unbekannten Grund - einen nicht enden wollenden Groll auf Derketo (zu dem Zeitpunkt noch "ganz normal" ohne Fischschwanz) entwickelt. Um sich zu rächen oder um Derketo in ihre Schranken zu weisen - in jedem Fall sorgte Aphrodite dafür, dass sich Derketo in einen Sterblichen verliebte, einen gut aussehenden jungen Mann, der sich zufällig unter den Opfernden vor dem Derketo-Tempel befand. Derketo, dem jungen Mann verfallen, teilte das Bett mit diesem, wurde schwanger und gebar schließlich Semiramis.
Darstellung der Semiramis
 
Derketo war nach der Geburt von Semiramis über ihr Los so verzweifelt, dass sie den Kindsvater ermordete und selbst ins "Wasser ging". Dies erklärt die Darstellung als Fischmensch.
 
Das Kind, nun elternlos, wurde der Sage nach von Tauben aufgezogen. Daher auch der Name: Semiramis = Täubchen. Als sie zu alt wurde, um von den Tauben allein aufgezogen zu werden, schickte die Sage den Vorgesetzten der königlichen Herden namens Simmas vorbei, der sie als Tochter aufnahm. Semiramis wuchs heran und entwickelte dabei eine überragende Schönheit.
 

(...) Nach der Gründung der Stadt Ninos unternahm König Ninos einen Feldzug nach Baktriana, wo er sich mit Semiramis vermählte. Diese war die ausgezeichnetste aller Frauen, von welchen wir eine Ueberlieferung haben, und so ist es nothwendig, über sie zu berichten, wie sie aus einem niedrigen Geschicke zu einem solchen Ruhme gelangte. (...)2

 
Dies ist eine sehr verkürzte Fassung der folgenden Geschichte, die viel spannender ist, und in ihrem Verlauf nicht unähnlich der von König David und seiner Liaison mit Bathseba: Onnes, ein Verwalter des Königs, kam auf einer Dienstreise in die Gegend, in der Semiramis lebte und sah das junge Mädchen. Auf den ersten Blick verliebte er sich in Semiramis, heiratete sie umgehend und nahm sie mit sich. 

Als König Ninos von Ninive gegen das benachbarte Baktrien in den Krieg zog, war auch Onnes als erster Verwalter mit an der Front. Ninos war mit seinem Heer ausgesprochen erfolgreich. Man siegte (fast) pausenlos, allerdings wollte die Hauptstadt Baktria einfach nicht fallen.
Viel zu tun für Onnes gab es nicht, er war kein Heerführer oder großer Kämpfer. So wurde ihm schnell langweilig und er forderte seine Frau Semiramis dazu auf, zu ihm zu kommen. Diese zögerte nicht lange.

Kaum an der Front angekommen, fiel ihre Schönheit und mehr noch ihre Intelligenz auf, denn sie schaffte es nicht nur, die Taktik des Königs und die der Verteidiger Baktriens zu verstehen, es gelang ihr sogar, einige bewaffnete Männer davon zu überzeugen, nach ihrem Plan eine Einnahme der Burg zu unternehmen. Semiramis wählte eine besonders befestigte Stelle - weil es dort die wenigsten Wachen gab. Tatsächlich gelang das Heldenstück und Baktria fiel. Kein Wunder, dass diese tatkräftige Frau den König über alle Maßen beeindruckte. 

Auch der Herrscher Ninives verfiel der schönen Semiramis und versuchte mit Verlockungen und Geschenken Onnes zu überzeugen, auf seine Frau zu verzichten. Onnes jedoch blieb standhaft. Der König unterbreitete ihm ein letztes Angebot. Sollte Onnes auf seine Frau verzichten, dann würde er sein Augenlicht behalten. Andernfalls würde der König ihm die Augen ausstechen lassen, war dieser doch blind gegenüber den Wünschen seines Königs. Onnes war Semiramis so sehr verfallen, dass er lieber den Freitod wählte, als auf sie zu verzichten.

NDiente solch ein Terrassenbau als Grundlage der Hängenden Gärten?achdem nun der Weg frei war, wurde Semiramis an Ninos Seite zur Königin, und auch nachdem sie einen Prinzen geboren hatte, hielt sie weiterhin die Geschäfte fest in der Hand.
 
Als der König starb, blieb Semiramis im Amt und bestieg sogar den Thron.

Ihre erste offizielle Handlung soll die Gründung einer neuen Stadt am Euphrat gewesen sein: Babylon. Ähnlich der Gründung St. Petersburgs durch den russischen Zar Peter, stampfte sie die Stadt förmlich aus dem Boden: Es waren Sümpfe, die trockengelegt werden mussten, bevor man überhaupt mit dem Bauen beginnen konnte, zuvor wurde eine Mauerumfassung angelegt und Tempel wurden errichtet.
 

(...) Mauer und Thürme waren mit Thieren verziert besonders mit Iagd, worin die Thiere über vier Ellen hoch waren, und wo Semiramis auf einem Roße sitzend einen Pardel erlegt, und nahe dabei ihr Ninos, der einen Löwen mit dem Speer trifft (...)3

 
Sie profilierte sich allerdings nicht nur als Bauherrin und Herrscherin, sondern ging sogar so weit, selbst in den Krieg zu ziehen. Sie befehligte persönlich ihre Truppen im Feld. Hierbei zog sie sich eine Verwundung zu, die sie schließlich dazu zwang, ihren Eroberungszug abzubrechen. Bis dahin hatte sie es geschafft, bis nach Äthiopien zu ziehen, in Indien zu kämpfen und sich mit allen großen Reichen ihrer Zeit zu zerstreiten.
 
Die Geschichte hätte damit enden und Semiramis friedlich in hohem Alter in ihrem Bett sterben können - wenn nicht ihr Sohn aus zweiter Ehe unzufrieden mit der "Gesamtlage" gewesen wäre. Nini wartete ungeduldigst auf Semiramis Tod, und er befürchtete mehr und mehr, niemals mehr selbst zu regieren. Er heckte einen Plan aus, wie er seine Mutter beseitigen könne, um endlich selbst König zu werden. 
 
Doch Semiramis war nicht unvorbereitet. Noch als sie auf ihren Eroberungszügen war, hatte sie ein Orakel aufgesucht, durch das sie mehr über den Rest ihres Lebens erfahren wollte. Man prophezeite ihr, dass ihr Sohn Nini ihr Übles wollen würde und sie den Augen der Menschen entrückt werde. Doch als Lohn für ihre Arbeit und die Zeit ihrer Herrschaft würde sie in vielen Völkern Asiens zu unsterblicher Ehre und Anbetung gelangen. 
 
Tatsächlich geschah es eben so. An dem Abend, als Nini sie ermorden wollte, trat Semiramis auf einen Balkon ihres Palastes, gab die Herrschaft ab und verwandelte sich dann in eine Taube - um nie wieder gesehen zu werden.
 
Es ist eine Geschichte voller Dramatik, Intrigen, Liebe und Macht. Einige Körnchen Wahrheit wird Diodor ohne Zweifel verarbeitet haben, viele Aspekte sind eher unwahrscheinlich. In anderen Quellen wird Semiramis anders beschrieben, alle sprechen jedoch von ihrer großen Schönheit - und einem gehörigen Maß Intelligenz und Durchtriebenheit.
 
Eine altorientalische Königin Semiramis wird anhand von Quellen auf den Zeitraum 810 v. Chr. - 782 v. Chr. geschätzt. Auch wenn sie die Hängenden Gärten der Semiramis genannt werden, sind sich die meisten Archäologen einig, dass es nicht sie gewesen sein kann, die dieses Weltwunder in Auftrag gab.
 
 
Die "Geschichte" der Hängenden Gärten
 
Wer nun aber die Hängenden Gärten errichtet hat, ist weiterhin unklar.

Die Datierung der Reste lassen eher den Schluss zu, dass eine andere - nicht weniger historische Figur - die Stadt Babylon und damit auch die Hängenden Gärten errichtet hat: Nebukadnezar II. Während seiner Regierungszeit (605 v. Chr. - 562 v. Chr.) hatte dieser die Stadt Babylon in prunkvollem Stil ausbauen lassen, und es scheint wahrscheinlich, dass die Gärten mit dazugehört haben.
 
Die Gärten sind heute verfallen und ihre Konstruktion ist unbekannt. Man hat verschiedentlich Versuche unternommen, sie optisch zu rekonstruieren und mehr über mögliche Bauweisen herauszufinden.
 
Man vermutet, dass es sich um Terassengärten gehandelt hat, die auf Gewölbekellern erbaut waren. Die breiten Terassen wurden zusätzlich vermutlich von starken Säulen getragen, die wohl aus Ziegeln bestanden.
 
Um die riesigen Gärten, deren Seitenlänge rund 120 Meter betragen haben soll, zu bewässern, musste man (mindestens) zwei Fragen beantworten: Zum einen, wie man verhindern konnte, dass die großen Wassermassen, die man zum Gießen der Bepflanzungen benötigte, die Bauziegel durchweichten, zum anderen den Antransport des Wassers.
 
Quintus Curtius Rufus, von dem ein antiker Bericht über das Leben von Alexander dem Großen stammte, berichtet über die Gärten. Seine Schriften sind die frühesten, in denen die Hängenden Gärten erwähnt werden.
 

(...) Oben auf der Burg sind die durch die fabelhaften Griechen bis zum Wunder vergrößerten hängenden Gärten angelegt, die mit den Thürmen einerley Höhe haben und mit vielen großen schattigten Bäumen aufs angenehmste besetzt sind. Der aus Quadersteinen bestehende Boden derselben ruhet auf Pfeilern und ist so fest, daß er die hoch aufgeschüttete Erde trägt und kein zum Begießen derselben gebrauchtes Wasser durchsikern läßt.

Die von diesem Gewölbe getragenen Bäume sind so stark, daß ihre Stämme wohl 8 Fuß dick und fünfzig Fuß hoch und dabey so fruchtbar sind, als wenn sie in ihrem natürlichen Boden stünden.
Und obgleich sonst die Zeit nicht bloß die Werke der Kunst, sondern auch die der Natur allmählich zu verzehren pflegt, so dauert doch dieser Bau unter dem beständigen Druck so vieler Wurzeln und der Last eines so großen Lustwaldes unversehrt fort.
Es unterstützen ihn aber zwanzig dicke Mauern, deren jede elf Fuß weit von der andern abstehet und durch diese stufenweise erhöhten Terraßen verursacht er aus der Ferne den Anblick einer mit Wäldern bedeckten Anhöhe. (...)4

 
Auf den eNebukadnezar II.igentlichen Kellern musste eine Isolationsschicht aufgebracht werden, vermutlich wurden Blei, Asphalt und Kacheln hierfür genutzt. Darüber musste eine unglaubliche Menge (Mutter-) Erde aufgebracht worden sein, denn es sollen nicht nur Blumen, sondern auch blühende Bäume in den Gärten gestanden haben.

Warum die Hängenden Gärten der Semiramis nun ein Weltwunder waren? Allein die Größe war für diese Zeit schon spektakulär, aber im Vergleich zu den Stadtmauern, zu denen wir später noch kommen, nicht so imposant, um für ein Weltwunder zu genügen.

Vielleicht war es ein ausgeklügeltes Wasserversorgungssystem, das den Gärten einen Platz in der Liste sicherte, allerdings haben Ausgrabungen in Babylon bisher keinen Beweis dafür gefunden.

Als Alexander der Große mit seinem Heer in Babylon einzog, dürften noch genügend Reste der Gärten zu sehen gewesen sein, um die Griechen zu beeindrucken.

Bei aller Faszination: Bis zum heutigen Tage existieren keinerlei echte Beweise dafür, dass es die Hängenden Gärten jemals wirklich gab. Zwar wurden im Jahr 1898 rund 90 Kilometer südlich von Bagdad am Ostufer des Euphrat Kellergewölbe entdeckt, die einem Terassenbau als Stütze dienten, dies ist jedoch kein greifbarer Hinweis auf eine vorangegangene Existenz der Hängenden Gärten der Semiramis. Der Archäologe Robert Koldewey, der diese Bauten entdeckte, konnte keine echten Beweise finden. 
 
Für die Herrscher des Orients war es keine Seltenheit, Gärten zu errichten. Nebukadnezar, so will es eine mögliche Erklärung für den Bau der Gärten, die weniger von Sagen umwoben ist, soll die Gärten seiner Gattin Amyitis gewidmet haben. Der Legende nach stammte Amyitis aus dem Land Medien, einem Land, das im Norden von Babylonien lag, dem Gebiet des heutigen Iran. Sie war die Tochter des Herrschers der Meder, und war entsprechend eine "gute Partie". Eine Ehe mit ihr diente dem Frieden mit einem starken Nachbarn.
Amyitis Heimatland Medien war bergig und grün, diese Umgebung fehlte ihr, angeblich soll sie unter Heimweh gelitten haben. Für eine arrangierte Ehe muss die Beziehung sehr stark gewesen sein, denn der König ließ nichts unversucht, um seine Frau glücklich zu machen. Er beschloss, für sie einen Berg anzulegen, der mit exotischen Gärten geziert sein soll. Eine Herausforderung inmitten der heißen Wüste. So weit die Überlieferung.
 
Wie nun die wahre Geschichte der Hängenden Gärten Babylons lautet, wer sie erbaute, für wen sie gedacht waren und ob es den Babyloniern gelang, dieses Wunder wirklich zu vollbringen, wird wohl ewig ein Geheimnis der Geschichte bleiben - und immer wieder für allerhand Spekulationen Raum bieten.
 
Zitate:
1 Lukian von Samosata, De Dea Syria 
2 Diodorus, zitiert nach "Die Mythologie der asiatischen Völker: Der Aegypter, Griechen, Römer, Germanen und Slaven" von Konrad Schwenck, 1846
3 Konrad Schwenck - Die Mythologie der asiatischen Völker: Der Aegypter, Griechen, Römer, Germanen und Slaven, 1846 
4 Quintus Curtius Rufus, Johann Philipp Ostertag - Von dem Leben und den Thaten Alexanders des Großen: mit erläuternden Anmerkungen, 1785
 
 
Text/Bildquellen:
  • wikipedia.de
  • die-weltwunder-reisen.de
  • kristian-buesch.de
  • raetsel-der-menschheit.de

Kommentare  

#1 Marie 2015-05-29 12:57
ich muss...
ich muss ein referat halten. bitte können sie mir helfen??!!??
danke ;-)
#2 elen 2015-05-29 13:01
ig ä gomme von ä dorte Zitat:
sorry wegen splche
. ig ä ganne elfen. würdä mig freuen, sie ä gennen zu lernän. ig ä abe die familie die das ä gründede, eher geagt meine groß ä vater! :-) ! sorry wegen splche!
glüße elena ;-)

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