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… der Poeten

Verteidigung… der Poeten

In dieser Kolumne, möchte  Holger Döring im Sinne des Autors und Journalisten Gilbert K. Chesterton eine Rubrik  mit kurzen Texten einrichten für diejenigen literarischen Objekte und Subjekte, die im allgemeinen schlecht wegkommen in der gezielten Beurteilung ihrer Kritiker. Deshalb der Titel in Anlehnung an den Pater-Brown-Erfinder. Auch etwas Ironie schadet nicht. 

Andere Autoren sind  ebenfalls willkommen, sich zu beteiligen.

Cui bono?  Wem nützt es,das fragt die Welt, denn die Realität will das Nützliche, das praktisch Verwertbare.Wem nun nützt die Poesie? Ist sie nicht eigentlich überflüssig? Sind die Poeten nicht eingebildete Krakeeler, die sich für wichtiger halten, als sie sind? Versnobte Möchtegern-Künstler, die außer ein paar gedrechselten Wortklaubereien nichts Anständiges beherrschen?

Nun, von Robert E. Howard stammt der Satz, dass es nichts Schlimmeres gibt, als wenn ein Träumer unter dem Stiefel eines sogenannten Realisten zertreten wird. Howard war ein Künstler, ein von manchen Kritikern und Lesern für begnadet gehaltener Schriftsteller … und ein Poet.

Irgendjemand muss also der kalten Welt der nüchternen Alltagsrealität die Träumereien,Träumereimen und Wünsche gegenüberstellen. Das sind seit Jahrtausenden die Märchenerzähler. Auch die Poeten gehören dazu.Dabei sind sie durchaus nicht notwendig … aber hinreichend!

Keine Kultur und Zivilisation, die etwas auf sich hält, kommt ohne ihre Poeten aus. Von Hafis bis Goethe, von Poes Rabe bis zu Howards Gedichten über Kull von Valusien … die Poesie der Phantastik findet sich überall. Beginnt nicht die eigentliche Kultur der Menschheit erst mit der mythischen Erzählung, die der Poeseia zugrunde liegt? Was wären wir heute ohne das Gilgamesch-Epos oder die Odyssee von Homer. Sophokles  etwa war ein trivialer Vielschreiber in seiner Zeit mit über achtzig verfassten Theaterstüclen, von denen nur wenige auf uns Heutige gekommen sind. Diese wenigen Überlieferungen schätzen wir darum um so mehr.

Die Posie zieht sich seit ewigher durch die Musik und die Literatur.Was wäre die Menschheit ohne die Dichtung? Und nicht nur die für Rohre, wie der reine Realist anmerken würde.Poeten sind Narren und Narren sind notwendig, denn sie zeigen uns selbst im Spiegel. Sie rühren uns an, unsere, innere, wohl versteckte Befindlichkeit, die fein säuberlich wegggepanzert im Alltagsgetriebe der Wirklichkeit, für einen Moment berührt wird. Wir verharren votr der einzelnen Textzeile des Gedichtes, die unser Inneres so berührt.Wer keine Poesie kennt, ist ein Barbar, Wer sie nicht beachtet, ein stumpfsinniger Banause.Man muss nicht jeden Tag in ellenlangen Elogen schwelgen, aber sollte im Laufe seines Lebens den Blick auf eine gute Zeile, einen guten Vers geworfen haben, der innere Wahrheiten frei verkündet  und uns so den Spiegel vorhält.Nein, Poesie verkauft sich nicht, jedenfalls nicht wirklich.

Man wird nicht reich dabei, weder der Verleger noch der Autor. Aber sie wird dennoch immer wieder herausgegeben, gedruckt  … und ab und zu auch gelesen.Gute Poesie verändert sich mit den Zeitläuften, hat aber immer etwas zu sagen, in welcher Form sie auch auftritt, etwas  zu melden, kündet von Gemütszuständen, von Gefühlen,  von Wahrnehmungen,vom Inneren des Menschen. Dinge, an die der kalte Realist der Außenwelt gar nicht gern rührt und die er negiert.Aber Poesie zeigt die Tragik des Menschseins auf … und ebenso die Komik.Tiere lachen nicht und haben keinen Humor. Sie schreiben keine Poesie, das ist alleinige Sache des Menschen, eine göttliche Gabe, wie manche meinten.Selbst Odin,der nordische Gott, ist ein Poet ersten Ranges.Den köstlichen Skaldenmet wusste er sich durch seine List und männliche Schönheit von Gunnlöd zu verschaffen, ist daher auch Dichterkönig und führt den Beinamen Liodasmieder (Liedermacher, Verseschmieder).

Apollon bei den Griechen führt neben seinen Waffen  die Harfe, auch er ist ein Poet.Viele Götter in vielen Mythen der Menschheit sind Dichter von hohem Range. So hat auch der irdische Poet etwas von dem göttlichen Funken in sich, der ihn zu seinen Werken hintreibt. Manche davon entstehen auf der Welle der Melancholie, oder von Trauer getragen, andere sind frohe Frühlingsgedichte und ermuntern zum Aufbruch in die Welt. Auch die Politik und Gesellschaft kommen nicht zu kurz. Aber wie auch immer die Poesie gestaltet wird, so ist sie ein Bezugszeichen des Menschseins und jeder kann ab und zu innehalten im hektischen Getriebe des Alltages und zu sich sagen: „Ach dieser Augenblick, verweile doch, Du bist so schön!“

In diesem Sinne seien die Poeten verteidigt, denn so sie auch nichts Nützliches tun mögen im Sinne der realen Erschaffung von Wirklichkeiten wie etwa profaner Gerätschaften und faul bis  mittags in der Sonne liegen, so tun sie auch nichts Schädliches … denn ein carpe diem kann auf vielerlei Art interpretiert werden.Lest also ab und zu ein Gedicht, das schadet nicht … aber seid auch gewarnt, denn es kann wehtun. Durchaus, denn manche Poesie rührt das Innerste des Menschen an. Und keiner kommt als der heraus, als der er in die Lesung hereingegangen ist.Doch bringt er Neues in und für sich selbst mit, denn die Poesie bringt Manches und wird Manchem etwas bringen.In diesem Sinne seien die Poeten verteidigt.

© 2020 by H. Döring

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