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... schlechter Filme

Verteidigung... schlechter Filme

In dieser Kolumne möchte ich im Sinne des Autors und Journalisten Gilbert K. Chesterton eine Kolumne  mit kurzen Texten einrichten für diejenigen literarischen Objekte und Subjekte, die im allgemeinen schlecht wegkommen in der gezielten Beurteilung ihrer Kritiker. Deshalb der Titel in Anlehnung an den Pater-Brown-Erfinder. Auch etwas Ironie schadet nicht. Auch andere Autoren sind willkommen.

Heute die zweite Verteidigung:


Es gibt viele Filme...und ja, es gibt viele schlechte Filme. Doch sind die schlechten Filme nicht alle gleich...viele können als gutes Beispiel dienen, wie man Filme nicht machen sollte, oder wie man sie macht, wenn das Budget zu winzig ist, die Schauspieler zu schlecht, der Plot zu blöde oder einfach die Maskenbildnerei aus dem Mittelalter der Filmzeit. Ganz zu schweigen von der Tricktechnik. Das x-te Remake des y-ten Plots ist oft dann nur noch zum Gähnen...ebenso wie gewollt blöde Parodien ernsthafter Fime oder Serien, die dann gar nicht mehr humorvoll sind...sondern nur mit billigem Klamauk zugeknallt...Schwachsinn erster Güte, der sein Zelluloid nicht wert war...das Lachen bleibt im Halse stecken, weil zu oft strapaziert und provoziert. Lachen kann man auch in echt schlechten Filmen über die billigen Tricks der schlechten Masken oder der Modelle an sichtbaren Schnüren etc.

Doch soll man die schlechten Filme auch nicht unterschätzen, denn sie müssen „kulturimmanent“ betrachtet werden...und nicht mit 100-Millionen$-Filmen verglichen werden, obwohl auch auf dieser Ebene (immer öfter?) schlechte Filme auftreten. Nein, denn man muss sich fragen, was kann der Regisseur, die Akteure, wie groß ist das Budget usw. Man soll nämlich auch den Fan-Enthusiasmus nicht unterschätzen, der vom Zuschauer zum Dasein als Regisseur führt. Viele heute große Filmemacher haben als Fan angefangen oder zuerst Mist gedreht! Nicht jeder wird ein „Master-of Disaster“!

Gerade heute im Video (killed the radio-star) Zeitalter des You-Tube-Kanals, in dem jeder seine selbstgemachten  Super-Kurz-Filmchen posten darf (die hier jetzt allerdings nicht das Thema sind).

Was mit kleinem Budget und viel Phantasie an guten Filmen möglich ist, sieht man in „Fog-Nebel des Grauens“ oder „Dark Star“.

Aber die Rankingliste der schlechten Filme ist subjektiv...und groß...vom allerletzten Zombie-Remake bis zur Verhunzung eines großen literarischen Themas finden wir alles, von Porno, der sich als SF tarnt bis zur platten, blöden Komödie  ist alles dabei. Ist „Plan 9 from Outer-Space“ wirklich der schlechteste SF-Film aller Zeiten? Was sagen die Nicht-PR-Fans zum bekannten alten Perry-Rhodan-Film? Wie beurteilen wir „Flesh“-Gordon?

Die Liste der schlechten Filme ist, wie gesagt, lang und äußerst diskutabel...! Es gibt auch gute Filme mit vielen Filmfehlern: Bildfehler, Logikfehler, Handlungsfehler, Schnittfehler.

Der Western mit der befahrenen Autobahn im Hintergrund, der römische Legionär mit der Armbanduhr am Handgelenk, das Raumschiff, das beim Planetenvorbeiflug keinen Schatten wirft, der Mann der erst links humpelt einen Schnitt später rechts. Diese Beispiele sollen stellvertretend für Filmfehler stehen...welche die Filme dann aber nicht schlecht machen...aber:  Nur wer nichts macht, macht keine Fehler...es gibt auch viele sogenannte B-oder C-Filme mit schmalem Budget, die nur so übersprudeln vor Phantasie, Kreativität und Einfallsreichtum. Dann seufzt man manchmal und überlegt, ob der Film mit 100 Millionen $ besser geworden wäre.

Desweiteren existieren die „halbschlechten“ Filme, deren erste oder zweite Hälfte erstaunlich handlungsgut ist, der übrige Teil hingegen wegwerfenswert. Dann kann man sich immerhin an der Hälfte erfreuen...oder ärgern...Frustabbau ist ja gesunde Therapie, solange man niemand anders dabei schädigt. Also, die schlechten Filme zeigen ja auch den Kontrast zu den Guten wie Licht und Schatten. Ohne schlechte Filme keine guten...wie sollte man sonst vergleichen...dass die Beurteilung, ob ein Film nun schlecht ist, völlig subjektiv im Auge des Betrachters  bzw. Zuschauers oder Filmkritikers liegt, ist dabei selbstverständlich...wir wollen jedenfalls die schlechten Filme nicht missen, denn man kamm zu ihnen lachen, sie bemitleiden oder sich ärgern...sie erzeugen also jedenfalls eine Emotion ...und lassen uns so nicht unbeteiligt...damit haben sie zumindest unsere Aufmerksamkeit erzielt...auch, wenn wir sie nie wieder ansehen wollen.

© 2015

Kommentare  

#1 Mainstream 2015-09-18 00:51
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Gibt es eigentlich ein Bild des römischen Legionäres
mit Armbanduhr?
Bekannt wie ein bunter Hund, aber ich habe noch nie
einen fotografischenr Beweis für genau diesen Filmfehler
gesehen.
Würde mich auch erkenntlich zeigen.
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#2 Alter Hahn 2015-09-18 02:23
Es kommt wohl immer drauf an, wer einen Film sieht - und ihn dann für sich selbst beurteilt. Und auch, wie alt man ist.

In meiner Kindheit om dem 50ern haben wir im Kino in den Kindervorstellungen Sonntags Nachmittags alle möglichen B-Produktionen gesehen - von Fuzzy.Western pber "Prinz Eisenherz" bis zu "Plan 9" und haben uns dran begeistert.. und die Filme nach dem Kino nachgespielt. Meine Eltern wussten immer, was für ein Film lief - da legten sie entweder das Holster mit dem Colt oder mein Holzschwert vor die Türe,.. dann hatten sie nohchein bis zwei Stunde Ruhe vor mir... die man ja auch mal als junges Ehepaar in einer zwei Zimmer Wohnung braucht...
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#3 AARN MUNRO 2015-09-18 12:08
@Mainstream: In meiner Erinnerung war es Ernest Borgnine...aber ich kann mich täuschen...und den Filmnamen weiß ich leider auch nicht mehr. "Ben Hur" oder "Der Untergang des Römischen Reiches" oder...Du kannst ja mal fahnden, in welchem Sandalen-Film Borgnine mitgespielt hat...
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#4 Larandil 2015-09-18 13:18
Angesichts des Größenunterschiedes und der Entfernung wäre jedes Raumfahrzeug unterhalb der Todessternklasse, das beim Vorbeifliegen einen Schatten auf einen Planeten wirft, ein krasser Filmfehler.
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#5 AARN MUNRO 2015-09-18 14:17
@Larandil: Interessanterweise wurde genau das Fehlen des Schattens auf der Planetenoberfläche als Filmfehler interpretiert...und nein, das Schiff hatte nicht Todessternklasse...höchstens Sternenkreuzergröße...
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#6 Mainstream 2015-09-18 15:51
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@AARN MUNRO: Das war es auch nicht. Aber ich habe
einen kurzen Ausschnitt aus BEN HUR gefunden, wo ein
Soldat eine Armbanduhr tragen soll. Für mich kann das aber
genauso gut ein Armreif sein. Wirklich nicht überzeugend.
www.youtube.com/watch?v=Gj8lrcOkvE8
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#7 Kerstin 2015-09-18 20:13
Und dann wäre da noch die Kampfszene zwischen römischen Soldaten und Germanenkriegern, von denen viele Jeans tragen. Hab vergessen, welcher Film das war, aber das war dann bestimmt günstiger als die Statisten stilecht einzukleiden.

Was für mich einen Film, selbst wenn er technisch gut gemacht ist, zu einem grottenschlechten Film macht, ist, wenn der Inhalt unlogisch zusammengeschustert ist, die Hintergründe entweder gar nicht recherchiert wurden oder total verdreht wurden, damit der Star besser zur Geltung kommt.

Oder: Flugzeugabsturz, alle tot, nur der Star hat überlebt. Liegt im Krankenhaus und hat ein winziges Pflästerchen über der Augenbraue, sonst kerngesund und vor allem in seiner Schönheit kein bisschen beeinträchtigt. Ja nee, is klar. Und der Zitronenfalter faltet Zitronen.

Was mich an Filmen, gerade an den modernen, noch nervt: Die weiblichen Stars sehen alle gleich aus. Die kann man kaum noch unterscheiden, geschweige denn, dass da ein Charakter zu erahnen wäre. Die Schönheitschirurgen haben wohl nur eine einzige Schablone zur Verfügung, nach der sie ihre Kundschaft einheitlich zurechtschnippeln.
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#8 Rolf 2015-09-19 17:25
@Kerstin: Wie, der Zitronenfalter faltet keine Zitronen? Nee, im Ernst. Jeans unter den Kostümen kommen auch in mindestens einem "Nacht der reitenden Leichen"-Film vor. Dann gibt es noch ein Auto das in einem "Sissi"-Film zu sehen ist (man muss allerdings schon genau hinsehen. Es ist, fahrend, unter einer Brücke zu sehen). Oder ein Bus in "Der Schatz im Silbersee" (ist in der Szene rechts oben im Bild zu sehen). Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Von der Stummfilmzeit bis zu den Mega-Blockbustern.
Unter anderem zähle ich auch den Peter Jackson-"King Kong" zu einem sehr schlechten Film. Um mal einen zu nennen. In einer Szene werden Menschen von irgendwelchen fliegenden Viechern angegriffen. Einer von denen ballert blindlings mit einer MP in das Getümmel. Komischerweise werden nur die Viecher getroffen. Die Menschen daneben, davor oder darunter bekommen keine Kugel ab! Sechs, setzen Mr. Jackson.
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#9 Kerstin 2015-09-20 13:32
King Kong hat mich auch nie überzeugt, schon vom Plot her nicht. Godzilla auch nicht.

Wir wollen doch Errol Flynn nicht vergessen, der auf dem Piratenschiff mit dem Degen rumfuchtelt und dabei an der Windmaschine vorbeirennt. Ich hab beim ersten Mal die Maschine nicht gesehen, weil ich auf den Kampf geachtet habe. Beim zweiten Mal: Huch, was ist denn das? Ein Riesen-Ventilator auf dem Vorderdeck?

Und das A-Team und seine Stunts. Das Auto verliert in der Verfolgungsjagd fünf Radkappen. Lt. Handlung sitzt ein stabil gebauter Schwarzer am Steuer, doch in den Stuntszenen sieht man da ein sehr bleiches Gesicht über einem eher mickrigen Körper.

Naja, manchmal muss man halt drüber weggucken, was die Herrschaften alles falsch machen. Letzten Endes sollen die Filma ja unterhalten. Natürlich muss man sich auch nicht jeden Mist bieten lassen. Man darf glücklicherweise noch abschalten, wenn es einem zu dumm wird.
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#10 Rolf 2015-09-20 17:20
Recht hast du. Unterschreibe ich sofort.
Dem A-Team, Knightrider, Airwolf und Konsorten konnte ich sowieso noch nie was abgewinnen. Ganz schlimm fand ich "Ein Colt für alle Fälle" mit seinen, aus Filmen geklauten, Actionszenen.
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