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Giganten der Vorzeit

Schrott auf DVD und BluRayGiganten der Vorzeit

Was ist ein schlechter Film? Nun, diese Betrachtung ist sehr subjektiv, denn es liegt immer im Empfinden des Zuschauers.

Filme die ich schlecht finde, muss ein anderer nicht zwangsläufig auch so ansehen. Für mich sind zum Beispiel die weitaus meisten der heutigen A-Filme schlecht. Da wird es manch einen Leser geben, der nun die Stirn runzelt und ein Fragezeichen über dem Kopf trägt.

"Hast du im Unterricht nicht aufgepasst? Dinosaurier gibt es nicht mehr."
"Doch, letztens habe ich einen Film gesehen, da haben sie solche Viecher in einem Vergnügungspark herumlaufen lassen. Die waren ganz schön gefährlich."
"Wie alt bist du jetzt? Fünfzehn? Da musst du doch verstanden haben, dass sie dir etwas Falsches erzählt haben."
"Aber ..."
"Pass' auf, mein Junge, ich zeige dir jetzt ein paar Filme, in denen echte Dinosaurier herumlaufen." (hust, hust, röchel)

Cowboys vs DinosaursCowboys vs Dinosaurs (2015)
(Cowboys vs Dinosaurs)
Regie: Ari Novak, mit Rib Hillis, Casey Fitzgerald, Sara Malakul Lane, Vernon Wells, Eric Roberts.
Der Titel ist doch reichlich gelogen. Wer hier einen Film wie THE VALLEY OF GWANGI (1969) erwartet, der muss zwangsläufig enttäuscht werden. Wenn man den Rahmen nicht zu eng sieht, dann kann man aber wohl damit leben.

Irgendeine Firma will Iridium abbauen und sprengt eine Höhle frei, in der seit ewigen Zeiten Dinosaurier vor sich hin vegetieren. Die Viecher fallen über die nahe Ortschaft her und töten jeden der ihnen in den Weg kommt. Unser Held schnappt sich ein Pferd und ein paar Wummen und tritt gegen die Biester an.

Das war es eigentlich schon. All die Nebenhandlungen um eine alte Liebe, einen selbstsüchtigen Geschäftsmann und einen Mann, dem mal wieder nicht geglaubt wird, lassen wir mal weg. Sie sind der Tatsache geschuldet, dass der Film ja schließlich auf Länge kommen muss. Nö, das wäre unfair, denn der Zuschauer braucht ein paar kleine Geschichten denen er folgen kann.

Der Film wartet mit bekannten Gesichtern auf, die sich nie zu schade sind auch mal in die niederen Gefilde hinabzusteigen. Vernon Wells und Eric Roberts sind keine Garanten für niveauvolle Streifen, halten ihre Nasen mal in einen Arthaus-Film, dann wieder in die billigste Horrorgülle. Aber immerhin, sie werten den Film auf. Für mich persönlich kommt noch hinzu, dass mit Sara Malakul Lane eines meiner derzeitigen Lieblingsschnuckelchen eine, wenn auch letztlich überflüssige, Rolle bekleidet.

Obgleich er nur wenige Szenen hat, ist für mich Eric Roberts der heimliche Star. Im Grunde hätte man den heruntergekommenen Suffkopp, der in der Ausnüchterungszelle sitzt, auch weglassen können, es wäre niemandem aufgefallen. Aber immerhin, er sorgt für unterhaltsame Momente. Vernon Wells kommt immer ganz gut als korruptes Arschloch in solchen Filmen, wird nicht sonderlich gefordert und spielt deshalb mit sichtlicher Laune.

Aber kommen wir doch mal zum eigentlichen Film. Bemerkenswert ist dabei, dass man auch mal einen anderen Vertreter der Urzeit zu sehen bekommt als die üblichen Raptoren und Tyrannosaurier, welche seit JURASSIC PARK (1993) salonfähig sind. Ein Triceratops läuft randalierend durch die Stadt, wow. Nährwert für die Handlung hat er allerdings nicht, er stellt lediglich eine originelle Idee dar.

Der Film glänzt nicht gerade durch seine CGI-Tricks. Okay, es gibt verdammt viele Dinoszenen, daran liegt es nicht. Sie sind halt zum Teil wirklich mies einkopiert und mit der Logik hapert es dabei auch. Sterben sie, dann verschwinden sie einfach. Ich meine, wenn ein Raptor im Türdurchlass erscheint und dort erschossen wird, dann sollte man glauben, dass der Schütze beim Verlassen des Raumes über den Kadaver steigen muss. Pustekuchen, mit dem Niederstrecken hat er wohl den Dino pulverisiert wie weiland Buffy einen Vampir.

Also bitte nicht so genau hinschauen. Wem das gelingt, den erwartet ein fetziger kleiner Film, ohne Anspruch und mit viel Blödsinn angereichert. Einen Cowboy, der zu Pferd gegen einen T-Rex antritt und auf einem Triceratops reitet, heroische junge Mädels, die in Shorts mit dicken Wummen eine Horde Dinos abwehren, einen Mann, der mit einer MP Raptoren-Scheibenschießen veranstaltet. Ein Gute-Laune-Film also, was auch von jenen Kommentatoren anerkannt wird, die auf Filmseiten ihre Rezensionen posten.

Anspruch? Hochklassiges filmisches Handwerk? Schauspielerische Höhenflüge? Eine vernünftige Story? Bäh, lasst mich damit zufrieden. Ich habe kein Gehirn und kann trotzdem einen tollen Film sehen.

Poseidon RexPoseidon Rex (2013)
(Poseidon Rex)
Regie:
Mark L. Lester – mit Cameron Daddo, Amy Sloan, Coolio, George Calil, Ivo Cutzarida, Steve Braun, Mircea Monroe.
Mark L. Lester war einmal ein interessanter Filmemacher. In den 80er Jahren drehte er durchaus bedeutungsvolle Filme, die zumindest vielen Fans im Gedächtnis geblieben sind. Titel wie DIE KLASSE VON 1984 oder PHANTOMKOMMANDO sind erhalten. Es ist erstaunlich, was aus manchen Leuten geworden ist. Er dreht heute Filme für Kabelsender, billige kleine Heuler, die in der Masse untergehen.

Was bleibt noch? Er produziert diese Dinger selbst, ob es sich um PTERODACTYL oder eben um POSEIDON REX handelt. Halbherzig gemachte Filme um prähistorische Monster, die per CGI erzeugt und schlecht einkopiert werden. Nichts anderes also als das, was auch die von vielen Leuten verhasste Billigschmiede TheAsylum macht. Vermutlich lässt sich damit gutes Geld verdienen. Da kann man schon mal seine Talente vergeuden oder gar vergessen.

Ein paar Typen auf der Suche nach Gold befreien durch eine Sprengung am Meeresboden einen Dinosaurier, der sofort daran geht möglichst viele Boote zu zerstören und Menschen zu fressen. Drei Leute versuchen dem Monster den Garaus zu machen, was sich jedoch als schwierig herausstellt. Also funken sie das Militär an das ein paar Flugzeuge schickt.

Das war es dann schon. Tiefer in die Handlung einzudringen, die eigentlich nicht vorhanden ist, lohnt sich nicht. Weder Lester noch sein Hauptdarsteller und Co-Produzent Brian Krause haben die Absicht den Zuschauer zu überfordern. Gleichwohl finde ich es bedenklich, beim Betrachter einen IQ knapp oberhalb von Null vorrauszusetzen. Ja, andere Leute machen das auch, aber wenigstens drehen sie dann einen Partyfilm. Das kann man von diesem hier leider nicht behaupten. Er liefert zu wenig.

Ich habe mich während des Films mehrfach gefragt, ob es sich bei dem Regisseur wirklich um jenen Mark L. Lester handelt, von dem ich einst so individuelle Filme gesehen habe. Beinharte Erwachsenenfilme, die spannend unterhalten konnten. Der Poseidon Rex ist ein possierliches Tierchen, ein Tyrannosaurus mit Rückenkamm, der aufgeregt durch die Gegend läuft und keine Rücksicht darauf nimmt, ob er sich im Wasser oder an Land befindet. Zwar liefert die Wissenschaftlerin des Films (eine Dame in knackigen Shorts und mit beachtlicher Oberweite) ein paar Fakten, doch die sind an den Haaren herbei gezogen und entbehren jeder erdgeschichtlichen Grundlage. Na ja, das ist bei einem solchen Film eigentlich auch egal, wo es nur darauf ankommt, den Dino möglichst oft in Aktion zu zeigen. Das versucht er zwar auch, aber dabei wirkt der tierische Protagonist oft so hölzern, dass es schon verwundert, dass die Menschen Angst vor ihm empfinden.

Man kriegt ihn zu sehen, den Dino, aber der Film wirkt wie jener eines Regie-Erstklässlers, der sich bei TheAsylum seine ersten Sporen verdient hat.

PterodactylPterodactyl (2005)
(Pterodactyl)
Regie: Mark L. Lester – mit Cameron Daddo, Amy Sloan, Coolio, George Calil, Ivo Cutzarida, Steve Braun, Mircea Monroe.

Irgendwo in der Türkei grummelt ein Berg. Dadurch werden ein paar Eier frei gesetzt. Ihnen entschlüpfen Pterodactyle, fliegende Räuber der Urzeit. Sie vermehren sich rasend schnell und greifen alles an was lebt. Eine Paläontologe namens Lovecraft (Cameron Daddo) und seine Assistentin namens Heinlein (Amy Sloan) -nein, ein Poe taucht nicht auf- fahren mit vier Studenten zu dem erloschenen Vulkan und hoffen Fossilien zu finden. Gleichzeitig marschiert eine Truppe amerikanischer Söldner durch den Wald um einen Rebellen dingfest zu machen. Da tauchen die Flugsaurier auf und unsere Helden müssen sich gegen sie verteidigen. Happs, Mampf, Bumm, Knatter - nur unser Pärchen mit den Autorennamen überlebt.

Äh, ja, ich glaube das war's, mehr braucht man nicht erzählen. Ist schon traurig, dass ein Mark L. Lester nur noch solchen Schlunzkram dreht. Alle Ambitionen sind verflogen. Nun ja, der Film gehört handwerklich zu den besseren Vertretern seiner Zunft, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass hier ein Regisseur sich selber verleugnet - oder einfach nicht mehr kann.

Die CGI-Viecher sind nicht so toll, weder in der Animation noch in der Optik. Die Darsteller machen eine Menge wett, auch das Tempo des Films. Er ist kein pausenloser Adrenalinstoß, aber er hält sich ständig in Bewegung. Coolio ist cool, hübsches Wortspiel aber durchaus zutreffend. Er spielt seine Rolle effektiv und mit jener Portion Ironie, die hin und wieder zum Schmunzeln reizt. Amy Sloan ist wie immer hübsch anzusehen und Cameron Daddo ist - er ist halt der Held und darf am Ende Amy einen Kuss geben.

Der Film kann, wenn man seinem Gehirn eine Pause gönnen will, recht unterhaltsam sein. Sogar Splatterfreaks kommen dann und wann auf ihre Kosten und einige der Effekte sind überraschend handgemacht. Trotzdem - der Film geht in der Masse (zurecht) unter und bietet keine Alternative zu den CGI-Monsterheulern jener Zeit, auch wenn die Viecher eben fliegen statt laufen. Er ist besser als der spätere POSEIDON REX, doch von einer Handschrift des Mark L. Lester ist hier weit und breit nichts zu sehen. Schade drum.

Jurassic PredatorJurassic Predator (2014)
(Jurassic Predator)
Regie:Amir Valinia, mit Lochlyn Munro, Mark Sheppard, Elena Lyons, Paul Wall, James DuMont.

Mal ein etwas anderer Dinosaurier. Der Plesiosaurus war ein Meeresräuber, mächtig groß. Wie dieser ungesehen in den Sümpfen von Louisiana leben kann ist zwar unklar, aber was soll's. Immerhin mal was Anderes als die üblichen Krokodile. Irgendsoein Typ hat aus den alten Knochen die Geninformationen benutzt um das Vieh der Urzeit wieder zum Leben zu erwecken. Interessiert mich nicht, ob so etwas möglich ist.

Laura (Elena Lyons) ist jedenfalls aus der Großstadt zurückgekehrt um ihren Paps zu besuchen, der abseits der Welt ein Haus mit Grundstück besitzt, seine Schulden aber nicht mehr bezahlen kann. Da erscheint ihr Ex-Mann Charles (Mark Sheppard), ein Wissenschaftler, den man von der Uni gefeuert hat, weil er sich mit unerlaubtem Klonen beschäftigt hat. Er will das Grundstück kaufen. Laura jedoch weigert sich. Sie hat ihren Vater nicht angetroffen, er ist seit einiger Zeit verschwunden. Das gilt auch für einige andere Leute. Da man abgetrennte Körperteile gefunden hat vermutet man Krokodile, die besonders gefräßig sind. Laura fährt mit zwei jungen Leuten in die Sümpfe. Leider bleiben sie mit einem Schaden im Nichts liegen. Sie beobachtet, wie zwei Typen einen Mann in das Wasser werfen, wo dieser von einem Monster gefressen wird. Laura und ihre Begleiter werden gefangen genommen. Kurz darauf erscheint ihr Ex. Jener hat das Ungeheuer gezüchtet. Deshalb kauft er nach und nach alle Grundstücke auf, um dem Tier Lebensraum zu geben. Menschenopfer sind Kollateralschäden. So ist er sogar bereit seine Verflossene zu opfern, natürlich nicht bevor sie ihm das Grundstück überschreibt. Laura kann sich mit einer Begleiterin befreien und flieht in die Sümpfe. Schließlich treffen sie auf Sheriff Richards (Lochlyn Munro). Das Monster stirbt am Ende durch eine Dynamitstange, an der es sich unglücklich verschluckt – bumm!

Hätte auch ein Riesenkrokodil sein können. Man wollte wohl etwas Ungewöhnliches schaffen. Egal mit welchem Monster, es ist ein recht putziger Film entstanden, Er strotzt vor Unlogiken und verursacht ob der Charaktere und deren Handlungsweisen mehr als ein Kopfschütteln. Dennoch, zumindest ich konnte mich an all dem nicht stören. Der Film ist leichtgewichtig und unterhaltsam. Er hält sich weder mit Tiefschürfendem noch Durchdachtem auf. Man muss ihm einfach zugute halten, dass er kaum Leerlauf bietet und deshalb bei der Stange hält. Die Personen, ob gut oder schlecht, sind alle doof und so zaubert sich ein permanentes Lächeln auf die Lippen.

Natürlich kann man all das auch vorbringen um den Film zu zerfetzen, wie es die meisten Leute im Netz tun. Die nicht gerade superbe Animation des CGI-Sauriers tut ein Übriges. Ich finde das Alles immer etwas unfair, denn die meisten Rezensenten sind sich des Levels nicht bewusst, auf dem sich solch ein Film bewegt. Einer wie JURASSIC PREDATOR leidet unter finanziellem Schwund und so kann er ganz zwangsläufig nicht das zeigen was ein A-Film bietet. Wenn er es aber versteht aus der Not eine Tugend zu machen, dann finde ich das völlig ausreichend. Ob man ein solches Ding dann mag oder nicht steht auf einem ganz anderen Blatt.

JURASSIC PREDATOR ist einer dieser kleinen Filme aus dem Programm von Great Movies, den ich ohne Reue konsumieren kann. Ja, er ist nichts Tolles, nichts Bewegendes, nichts Nachhaltiges. Er bietet mir knapp 90 Minuten Unterhaltung. Das Meiste habe ich bereits vergessen während der Nachspann läuft. Bei der Masse an Billigproduktionen die ich mir reinpfeife, muss auch nicht Alles hängen bleiben, denn sonst würde mein Schädel bald platzen. Dass ich mich an ihn als unterhaltsamen kleinen Monsterheuler erinnere soll reichen. Über viele höher budgetierte Filme kann ich das nicht sagen.

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