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Von Tod, Wiedergeburt und der Liebe: Mystic Popup Bar

In (Multi-)Medias Res - Die Multimedia-KolumneVon Tod, Wiedergeburt und der Liebe
Mystic Popup Bar

Wenn aus dem Nichts eine Popup Bar auftaucht muss das nicht immer geheimnisvolle Gründe haben. Schließlich sind Popup Bars in Seoul ein ganz normales Phänomen. Allerdings - man kann es schon an der Formulierung der vorherigen Sätze ahnen - ist eine Popup Bar auch ein Ort, an dem seltsame Dinge geschehen.

Schließlich heißt die Mystic Popup Bar nicht ohne Weiteres so.

Das Ganze ist allerdings einen Tacken komplizierter als man denkt, denn die Vergangenheit und die Gegenwart sind neben dem Jenseits und der Traumwelt unmittelbar miteinander verwoben.

Allerdings: Der Zuschauer muss erstmal die ersten fünzehn Minuten verdauen, denn für eine Komödie - eigentlich eher eine Dramedy - sind diese ersten Minuten ganz schön niederschmetternd. Da begeht ein junges Mädchen, die Tochter einer Schamanin, am Heiligen Baum des Königreiches Selbstmord, weil ihre Mutter ermordet wurde. Zudem verliebte sich der Prinz in sie, was natürlich die Königin nicht gutheißen kann und die Verbindung untersagt. Wol-joo, die Tochter der Schamanin, erfährt nach ihrem Tod, dass sie schuld daran ist, dass der Heilige Baum seine Aufgaben nicht mehr wahrnehmen konnte. Was dazu führte, dass das Königreich überrannt wurde und 100.000 Seelen starben. Wol-joo wird deswegen dazu verdammt, den Groll von 100.000 Personen zu lindern. Ansonsten wird sie entweder nicht wiedergeboren oder in einer der zahlreichen Höllen gesteckt - wir sind in Korea, es gibt traditionellerweise mehr als eine.

Dass die Serie eine Fall-der-Woche-Serie ist, das ist nach der Prämisse schon klar. Allerdings hätten wir neben Wol-joo noch den im Supermarkt arbeitenden Han Kang-bae. Sein Problem: Sobald er jemanden berührt, schüttet man ihm sein Herz aus. Als er zufällig Wol-joo begegnet - und diese von den Obersten des Jenseits unter Druck gesetzt wird ihre Quote zu erfüllen, bevor die Zeit endgültig abläuft - erkennt sie, dass er eine optimale Ergänzung für das Team der Popup-Bar ist. An Wol-joos Seite steht noch der geheimnisvolle Gwi, der von der Polizeibehörde des Jenseits zur Popup-Bar versetzt wurde. Warum, wieso, weswegen - das ist eines der Gemheimnisse, die die Serie nach und nach auflösen wird. Eine Fall-der-Woche-Serie also. Kennen wir ja und wenn irgendwann Han seine Freundin kennenlernt wissen wir auch, weil das in koreanischen Serien dieser Art halt so ist, dass die irgendwann in den Sonnenuntergang gehen werden und dass am Ende alles gut werden wird. Oder?

Was die Serie definitiv schafft: Sie verwebt geschickt die Vorgeschichte der Figuren in der Vergangenheit mit dem Geschehen in der Gegenwart und dem, was in der anderen Welt - Jenseits, Traumwelt - passiert. Das Eine hat Einfluss auf das Andere. Was jetzt nicht nur am Karma liegt, ein Begriff, der öfters in der Serie vorkommt, sondern auch daran, dass das Leben nach dem Tod eben nicht aus der christlichen Perspektive gedacht wird. Reinkarnation oder nicht, das hängt davon ab was die Richter nach der Analyse aller Taten über Einen befinden. Kategorie A, B oder C, fertig. Oder eben ein Ausgelöscht werden. Dass die Bösen in eine der zahlreichen Höllen nach dem Leben kommen, das ist klar.

Alles ist mit allem verwoben und auf jede Aktion gibt es eine Reaktion. Was in der Vergangenheit passiert ist, stellt die Weichen für die Zukunft. Soweit können auch wir zustimmen und wenn am Ende der Serie dieser Gedanke nochmal aufgerollt wird, dass alle unsere Taten und Gedanken Auswirkungen haben, dann ist das durchaus eine gute Moral, die die Serie mitliefert. Wobei: Dass die Serie auch eine moralische Komponente hat und diese manchmal ein wenig aufgedrückt wird - wenn etwa Wol-joo direkt in die Kamera spricht und die Moral der Folge hervorhebt oder wenn sie in der Bar passende Bemerkungen abgibt - das ist für uns Europäer schon etwas ungewöhnlich. Ebenso ist das Komik-Verständnis in Korea ein Anderes als bei uns, natürlich, und wenn Soundeffekte Gesten untermalen, muss man halt sich entweder die Ohren zuhalten oder kurz vorspulen. Ich habe ja auch schon lange keine Verfolgungsjagden a la Benny Hill gesehen, aber diese Serie hat die tatsächlich. Nur ohne das Benny-Hill-Theme, dafür aber mit einer an sich lustig sein sollenden Untermalung. Nun ja.

Wenn man mal auch von kitschigen Szenen mal absehen kann - wobei ich mich frage, wenn das Seoul in der Gegenwart sein soll, wo sind dann eigentlich die ganzen Menschen hin? Man sieht in den entscheidenen Szenen immer nur die Protagonisten allein auf weiter Flur herumstehen - wenn man also den geigenreichen Soundtrack abkann, dann sollte man durchaus den Drehbuchautoren Tribut zollen. Denn Storytelling können die vom Feinsten. Sicher, da ist eine Menge von Soap-Elementen vorhanden und gut gesetzte Cliffhanger können auch Andere. Aber die zahlreichen Twists und die durchaus geschickt eingefädelten Nebenfiguren, die plötzlich auftauchen, die ständige Bezugnahme auf die Vergangenheit und das Weiterentwickeln der Figuren - das sorgt dafür, dass man sich die Serie bis zum Ende anschaut. Es sind ja auch nur 12 Folgen. Zu etwa einer Stunde. Das Wochenende ist gesichert.

Alles in allem: Wenn man die ersten fünzehn Minuten überstanden hat und dann sich in die Ästhetik eingesehen hat - vor allem, wenn man sich an die koreanische Vorstellung von Komik gewöhnt hat - dann fiebert man schnell mit den Figuren mit und durch das Pendeln zwischen Gegenwart, Vergangenheit und der Traumwelt plus der Entwicklung der Figuren und den Twists kommt keine Langeweile auf. Ja, gut, dass Gwi … ich meine, da gibts schon früh Hinweise drauf, aber dass dann anschließend noch - und zudem - also … Hach.

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