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DIE FLUCHT VOR DEM AUFLAUF – 6. ROMAN UM DIE KLEINE NUDEL IM 2. NUDELSUPPEN-ZYKLUS ...

Das Romanheft, das Universum ... und die Dinge dazwischen - Die Multimedia-KolumneDIE FLUCHT VOR DEM AUFLAUF
6. Roman um die kleine Nudel im 2. NUDELSUPPEN-ZYKLUS –
EIN ROMAN AUS DER WELT DER EIERPRODUKTE...
...oder: Das Drama des Gelegenheitslesers, Fantasy zu finden

Ich bin ein Gelegenheitsleser. Wenn ich neuen Lesestoff haben will, dann gehe ich in die Buchhandlung meines Vertrauens und sehe mir die Auslagen an. Das Artwork des Umschlags und ein interessanter Titel ziehen ein Buch in die engere Wahl – und dann natürlich der Klappentext, der letztlich für die Kaufentscheidung sorgt.

Dabei spielt das Genre für mich keine Rolle. Es kann sich um einen Krimi handeln, ein Drama, Science Fiction oder eben auch Fantasy. Doch – oh weh – ich lese sehr selten Fantasy. Und das hat auch seinen Grund.

Ich bin (wie wohl die meisten Menschen) literarisch nicht bewandert, habe keinen Einblick in Verlagswelten und interessiere mich nicht für Auflagenzahlen. Ich will einfach nur lesen. Und da gibt es – gerade in der Fantasy und recht stark auch in der SF-Literatur – arge Probleme. Es gibt einfach keine Einzelromane mehr. Alles wird nur noch episch ausgebreitet oder endlos fortgesetzt. Da ich mich, wie sicherlich viele andere wohl auch, nicht an einen Autor oder einen Stoff binden will, habe ich oft ernsthafte Schwierigkeiten, geeigneten Lesestoff zu finden.

Da stehe ich also im Buchladen. Es gibt ja durchaus eine beachtliche Menge hier. Allein die Neuerscheinungen füllen mehrere Tische. Da werde ich doch bestimmt etwas finden. Wäre doch gelacht. Hinein ins Vergnügen – Schauen, Stöbern, Blättern.

Hmm... wie wäre es mit Fantasy. Da hast du ja lange nichts mehr gehabt. Also hinüber zu dem entsprechend beschilderten Tisch mit den neuen Sachen. Nun ja, die Hälfte davon wird schon mal von irgendwelchen Romanen aus dem Universum des Herrn der Ringe eingenommen. Puh, das Original und dann die Filmtrilogie haben mir eigentlich gereicht. Ich will mein Universum weiter als nur in eine Richtung treiben. Na, da gibt es ja noch andere Bücher. Nach und nach hebe ich einige Bände an und schaue auf die Cover.

Der 3. Roman des Bla-Bla-Zyklus, 27. Roman des einsamen Totschlägers, 8. Roman aus dem 2. Zyklus des Gähn-Universums, Crossover des Titelhelden aus dem 6. Roman des Ächz-Zyklus mit dem Bösewicht aus dem 19. Roman der Schnarch-Welten. Na toll. Da! Endlich ein einzelnes Werk. Nun ja, das Ding hat 27498 Seiten. Entweder ist es ein Sammelband – oder ein so episches Werk, dass man spätestens nach 8000 Seiten die Lust verliert. Wann begreifen die Autoren endlich, dass mindestens zwei Drittel von ihnen das Talent und auch den Geist eines J.R.R. Tolkien nicht besitzen? Warum sagt ihnen das nicht endlich einmal jemand?

Dann liegt da doch noch ein unscheinbares Buch von etwa 400 Seiten. Aber schon kommen mir Zweifel. Das mag sicherlich ein einzelner Roman sein. Aber der Autor hat bestimmt seine Welt und seine Figuren so angelegt, dass er bei Erfolg mühelos anknüpfen kann. Die Handlung hat bestimmt so viele Hintertürchen, das sich da ohne Probleme anschließen lässt. Die anderen Zyklen auf dem Büchertisch sind Verweis genug. Soll ich das Ding also kaufen, um am Ende des Werkes doch mit leeren Händen dazustehen?

Natürlich lassen sich viele Romane auch aus Zyklen einzeln lesen, aber das sind beileibe nicht alle. Ich habe keine Lust herauszufinden, welche ohne Vorkenntnisse lesbar sind. Ich könnte vorher Rezensionen lesen, selbstverständlich (Zauberspiegel-online z.B. bietet mir ja die Möglichkeit dazu). Hin und wieder lasse ich mich auch davon leiten. Aber jetzt, da ich hier in der Buchhandlung stehe, habe ich diese Möglichkeit nicht.

Also gebe ich frustriert auf und gehe zu den SF-Romanen hinüber. Schon auf halber Strecke leuchten mich die ganzen Star Trek und Star Wars Überschriften an – ächz. Und wenn ich dann den Tisch erreiche, dann sehe ich auch hier nur irgendwelche Folgebände von irgendwelchen tollen Büchern. Meine Augen richten sich zur Decke. Nein, hier will ich dann schon gar nicht mehr stöbern.

In die Kinder- und Jugendbuchecke brauche ich nun gar nicht erst zu gehen. Zumindest bei der Phantastik hat auch hier die Zyklenseuche zugeschlagen. Zudem gibt es dort zurzeit eh' nur Drachenromane. Wenn ich auch nur noch ein einziges Drachenbuch lesen muss, dann laufe ich Amok.

Bleibt also nur der Gang zu den allgemeinen Tischen, denn die Horrorecke lasse ich aus, weil meine Erfahrungen mit Horrorbüchern in den letzten 20 Jahren fast durchweg negativer (meist langweiliger) Natur waren. Also durchforste ich erst einmal die Krimis. Irgendwie verliert man auch da langsam die Lust. Jeder Autor, und sei er noch so unbedeutend, hat sich inzwischen seinen eigenen Ermittler geschaffen. Nun, immerhin weiss ich, dass die Bücher in sich abgeschlossene Fälle beinhalten und die charakterliche Entwicklung des Protagonisten zwischen den Büchern meist rudimentär ist. Aber dennoch: Ich will auch hier meist nicht. Zugegeben, die Wallander-Romane habe ich gern gelesen. Aber auch hier gilt – nicht jeder Autor ist ein Henning Mankell.

Wohltuend heben sich da dann die Dramen und die Historischen Romane ab. Hier sind die Bücher mit Seriencharakter deutlich in der Minderheit. Letztlich bleibt mir keine andere Wahl, oder? Vielleicht sollte ich am kommenden Sonntag mal wieder über den Flohmarkt gehen und mir etwas Älteres kaufen. Früher grassierte dieser Zyklenwahn noch nicht so stark.

Was ich mit all dem sagen will, dürfte klar sein. Wie schon erwähnt, ich habe keine Ahnung von Verkaufszahlen oder Redaktionsbüros in Verlagshäusern. Dieser Serienwahn kommt sicherlich nicht von ungefähr. Vermutlich gibt es für die von den jeweiligen Autoren geschaffenen Universen eine große Anhängerschaft, die einen Absatz garantiert. Aber ist das nicht trotzdem ein wenig kurzsichtig? Ich bin ganz bestimmt nicht der Einzige, der ein Buch liegen lässt, weil er keine Lust hat, sich in eine Welt einzudenken, die Vorkenntnisse erfordert.

Ach ja, könnte so mancher sagen, warum hast du denn Heftserien gelesen? Nun, hier ist die Antwort einfach. Die Heftromane waren kurz, schnell goutierbar – und im Regelfall waren die Welten, in denen sich die Helden bewegten, eher einfach gestrickt, sodass ich dem jederzeit folgen konnte. Es ist schon ein Unterschied, ob ich 60 Seiten Heft oder 600 Seiten Buch lese.

Ich würde gern mehr Fantasy und SF lesen, aber es geht leider nicht...

Kommentare  

#1 Wolfgang Trubshaw 2008-05-02 03:40
:-)
Windhaven ist schön. Abgeschlossen. Lesenswert.
Zwar vor über zwanzig Jahren schon mal bei Möwig erschienen, aber vielleicht hast du es ja damals verpasst.
Anfang 2005 gabs eine Neuauflage im Taschenbuch bei blanvalet:
www.randomhouse.de/book_new/edition.jsp?serviceAvailable=false&mid=1&showpdf=false&frm=false&fbm=false&edi=152800

www.amazon.de/Sturm-%C3%BCber-Windhaven-Blanvalet-Taschenb%C3%BCcher/dp/3442243041/

(Hat übrigens nix mit der Romantik-Südstaatenreihe gleichen Namens zu tun!)

Hast aber vollkommen Recht, Horst.
Zur Not schreibst du eben den ersten abgeschlossenen Fantasy-Roman seit langem. Vielleicht startest du ja einen Trend. :lol:
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#2 Harantor 2008-05-02 03:45
Nicht Horst, sondern Norbert hat den Artikel geschrieben. Ich vergaß nur einen Haken zu setzen. Und obwohl ich Zyklus-Fan bin, wünsche ich mir auch hin und wieder mal was Abgeschlossenes. Oder mal nur ne Duologie. Aber: Fluch und Segen der Serie. Eines dieser endlosen Themen...
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#3 Cartwing 2008-05-02 09:35
Ich kann nur zustimmen... habe gerade Tad Williams "Otherland" Band 3 beiseite gelegt. Nach 2000 Seiten hat man einfach keinen Bock mehr, auch wenn man eigentlich wissen will, wie es weitergeht. Aber man hat ja noch weitere 1600 Seiten vor sich :o
Lese jetzt wieder allgemeine Belletristik, einen knapp 500 Seiten dicken Roman von Irwin Shaw. "Der Wohltäter" Nomen est omen - das ist wirklich wohltuend... ;-)
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#4 Gabriel Adams 2008-05-04 00:28
Danke, Norbert, für diesen tollen Artikel!
Ok, genau genommen müsste ich dir eigentlich vehement widersprechen, denn ich bin ein Riesenfan von Zyklen und Serien. Aber andererseits kann ich dich voll und ganz verstehen, insbesondere dann, wenn ich mal wieder drei Viertel eines ellenlangen Zyklus gelesen habe und der Autor die Handlung auf einmal in eine Richtung lenkt, die mir so gar nicht gefällt. Da ärgert man sich dann schon über die vergeudeten Lesestunden...
Ganz und gar zustimmen muss ich dir bei der Sache mit den Drachenromanen: Irgendwie hat man tatsächlich das Gefühl, dass es auf dem Fantasymarkt kaum noch was zu lesen gibt ohne die geflügelten Echsen.
Aber ganz ehrlich: Super Artikel. Frisch aus dem Bauch heraus, und sogar für einen wie mich, der ja anderer Meinung ist, äußerst unterhaltsam zu lesen. Bitte mehr davon!
Und falls du mal wieder einen guten Fantasyroman lesen willst, ohne gleich in eine Reihe einsteigen zu müssen: Schnapp dir "Elantris" von Brandon Sanderson oder "Der Blumenkrieg" von Tad Williams. Hier bekommst du allerfeinste Fantasykost im Ein-Roman-Format.
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#5 Norbert 2008-05-04 16:43
Vielen Dank für Deine Hinweise, Gabriel. Ich habe mir die Titel aufgeschrieben und werde mal nachschauen. Ich darf also tatsächlich noch hoffen...
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#6 Holzi 2008-05-05 15:57
Wo gibts denn noch STAR WARS und STAR TREK Romane? Die renommierten deutschen Verlage haben die Lizenzen doch längst weitestgehend abgegeben? Die Zeiten in denen fast das gesamte Buchregal aus Lizenz-SF bestand sind doch lange vorbei. Ansonsten stimme ich mal im Großen und Ganzen zu, weise aber darauf hin, dass es in keinem Fall Genre-immanent ist, dass scheinbar nur noch Serien erscheinen, sondern dass die Verlage nur noch Serien übersetzen und herausbringen. Insbesondere in den beiden genannten Literatur-Bereichen (SF & Fantasy) bringt der US-amerikanische Markt auch Unmengen von Einzelromanen hervor, die aber nicht in den deutschen Markt gelangen. Ich vermute, man erhofft sich von den Serien einen kontinuierlichen Absatz...
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