Der König von Narnia (1978) - Krieg mit der Weißen Hexe
Der König von Narnia (1978)
Krieg mit der Weißen Hexe
Der erstmals 1950 erschienene Roman „The Lion, the Witch and the Wardrobe“ von C.S. Lewis, der in Deutschland unter dem Titel „Der König von Narnia“ herausgegeben wurde, bildete den Auftakt zu einer monumentalen Fantasyreihe, die in ihrer sprachlichen Schönheit und ihrer Originalität höchstens noch von J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ getoppt werden konnte. Bis 1956 schrieb Lewis noch sechs weitere Teile, die bis auf einen alle chronologisch nach dem ersten Buch angesiedelt sind. Dennoch ist Teil 1 der bis heute am häufigsten verfilmte Teil der Buchreihe. Eine erste zehnteilige Fernsehadaption entstand in Großbritannien bereits 1967 als Realserie, aber leider haben davon offensichtlich nur noch zwei Folgen die Jahrzehnte überlebt. Die zweite Verfilmung von „Der König von Narnia“ entstand dann im Jahr 1978 unter der Regie von Bill Melendez (1916-2008), der im Laufe der Jahrzehnte rund 100 „Peanuts“-Cartoons inszenierte und produzierte. Wie man dem Bonusmaterial dieser DVD-Neuveröffentlichung entnehmen kann, waren die Produktionsbedingungen für diesen anderthalbstündigen Fernsehfilm (der ursprünglich in zwei Teilen ausgestrahlt und erfolgreich zu pädagogischen Zwecken herangezogen wurde) alles andere als ideal. Trotzdem kann sich das Ergebnis sehen lassen, wenn es auch nicht an die Qualitäten der BBC-Neuverfilmung als Realserie aus dem Jahr 1988 oder die sicherlich bekannteste Adaption, den Disney-Film aus dem Jahr 2005, in dem Tilda Swinton die Weiße Hexe spielte, heranreicht.
Die Geschwister Lucy, Susan, Peter und Edmund Pevensie sind in einem alten Landhaus beim schrulligen Professor Digory Kirke untergekommen (diese Verfilmung schweigt die Hintergründe der Luftangriffe auf London während des Zweiten Weltkriegs aus!). Dort entdeckt zunächst die Jüngste, Lucy, dass ein Kleiderschrank das Portal in die magische Welt Narnia darstellt. Nachdem sie dort die Bekanntschaft mit dem sympathischen Faun Tumnus gemacht hat und von diesem vor der bösen Weißen Hexe Jadis gewarnt worden ist, kann sie schließlich ihre Geschwister überzeugen, ebenfalls die Reise nach Narnia anzutreten. Edmund hat dies unterdessen bereits selbständig getan und ist auf Jadis getroffen, die ihn mit ihren Lügen und Geschenken in ihren Bann gezogen hat. Als die vier Pevensies erstmals gemeinsam durch den Wandschrank reisen, finden sie die Höhle von Herrn Tumnus verwüstet vor, er selbst wurde wegen Hochverrats verhaftet. Herr und Frau Biber nehmen sich nun der vier Menschenkinder an, über die im Reiche Narnia eine alte Prophezeiung existiert. Genau zu diesem Zeitpunkt macht auch das Gerücht die Runde, dass der mächtige Aslan, der wahre König von Narnia, wieder zurückgekehrt ist und die Tage der Weißen Hexe gezählt sind. Diese will sich aber keinesfalls in ihr Schicksal fügen und schart die größten Unholde, Strolche und Monster um sich, um gegen Aslan und seine getreuen Freunde in den Krieg zu ziehen.
Diese Verfilmung des C.S. Lewis-Buches (zunächst als „Der Löwe und die Hexe“ auf Video veröffentlicht) bewegt sich sehr dicht an der literarischen Vorlage und ist dabei auch bemüht, die kriegerischen Szenen auf eine möglichst kindgerechte Weise umzusetzen. Man merkt dem Fernsehfilm zwar an, dass das Budget überschaubar bleiben musste und deswegen die Ausgestaltung der Hintergründe und Figuren eher mittelprächtig ausgefallen ist. Auch die Charakteranimationen wirken stellenweise etwas plump und unausgegoren. Dennoch ist das Gesamtergebnis unterhaltsam und durchaus familientauglich, da die Grausamkeiten im Bild nicht zu sehen sind und die positiven Aspekte der Geschichte hervorgehoben werden. Die DVD-Wiederveröffentlichung bei Pidax bietet ein ganz gutes Bild (im Widescreen-Format 16:9), das noch einige Verschmutzungen aufweist, und einen guten Ton (Deutsch in der Erstsynchronisation für die Videofassung und Englisch in Dolby Digital 2.0, optional mit deutschen Untertiteln). Als Extra hat man einen Audiokommentar von Regisseur Bill Melendez, Produzent Steve Melendez und dem Sequenzregisseur Bob Balser aufgespielt. Das weitere Bonusmaterial besteht aus einem Kurzinterview mit Steve Melendez (12 Minuten), einer entfallenen Szene in Standbildern (2 Minuten) sowie dem deutschen Trailer zum Film.



