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Die seltsamen Abenteuer des geheimen Kanzleisekretärs Tusmann - Duell der Zauberer

Die seltsamen Abenteuer des geheimen Kanzleisekretärs Tusmann

Duell der Zauberer

 

Wie kaum ein anderer hat E.T.A. Hoffmann die deutsche Schauerliteratur geprägt und damit auch Schriftsteller in Frankreich, Russland und den USA beeinflusst, wo sich u.a. Edgar Allan Poe zu seinen Bewunderern zählte. Nun hat Pidax den Fernsehfilm „Die seltsamen Abenteuer des geheimen Kanzleisekretärs Tusmann“ wieder zugänglich gemacht, der auf einer Kurzgeschichte Hoffmanns basiert.

E.T.A. Hoffmann (1776-1822) war ein Zeitgenosse von Johann Wolfgang von Goethe und hat genau wie dieser einige Werke verfasst, die auch Jahrhunderte später noch relevant sind und weitere Künstler in ihren Arbeiten beeinflussen. Die von Hoffmann aufgegriffenen schaurigen Themen haben weitere Schriftsteller, wie eben Edgar Allan Poe, aber auch Guy de Maupassant oder Charles Beaudelaire, zu ihren Arbeiten ermuntert. Darüber hinaus haben Kunstschaffende anderer Disziplinen Hoffmanns Arbeiten als Inspiration genutzt. Besonders bekannt ist hier sicherlich die Oper „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach. Aber auch das komische Ballett „Coppélia“ von Léo Delibes geht auf Hoffmann zurück, da es auf dessen Erzählung „Der Sandmann“ basiert. Diese handelt von einer Schreckgestalt, die Kindern die Augen stiehlt. Zusammen mit „Nussknacker und Mäusekönig“ und „Die Elixiere des Teufels“ dürfte es sich bei „Der Sandmann“ um das bekannteste Werk Hoffmanns handeln. „Nussknacker und Mäusekönig“ ist Teil einer Sammlung von Erzählungen, die unter dem Titel „Die Serapionsbrüder“ am Ende von Hoffmanns Leben veröffentlicht wurde, genau wie die Vorlage zum Fernsehfilm „Die seltsamen Abenteuer des geheimen Kanzleisekretärs Tusmann“, die erstmals 1820 als „Die Brautwahl. Eine berlinische Geschichte, in der mehrere ganz unwahrscheinliche Abentheuer vorkommen“ erschien.

Der geheime Kanzleisekretär Tusmann (Klaus Schwarzkopf) ist mit 45 in den besten Jahren und denkt nun ernsthaft darüber nach, sich zu vermählen. Er hat ein Auge auf die aparte Albertine Vosswinkel (Ilse Pagé) geworfen, die Tochter seines Jugendfreundes Melchior (Heinz Theo Branding). Albertine weiß von alledem nichts, denn sie selbst hegt romantische Gefühle für den Maler Edmund Lehsen (Joachim Ansorge). Als Lehsen seinem väterlichen Gönner, dem Goldschmied Leonhard (Carl Heinz Schroth), von seinem unliebsamen Konkurrenten erzählt, hat dieser eine Idee, wie er Tusmann davon abbringen kann, sein Werben um Albertine Vosswinkel fortzusetzen. Denn dem Alchimisten Leonhard stehen einige Zauberkunststücke zur Verfügung, um seinen Standpunkt durchzusetzen. So hext er Tusmann kurzzeitig die Beine fort, damit dieser den Ernst der Lage erkennt. In einem Wirtshaus treffen die beiden auf den Münzmeister Lippold (Alfred Balthoff), und bald stellt sich heraus, dass er und Leonhard seit Jahrhunderten erbitterte Feinde sind. Auch Lippold ist Alchimist und liefert sich mit Leonhard vor Tusmanns Augen ein Duell der Zauberer. Völlig konsterniert erzählt er Melchior Vosswinkel von den Vorkommnissen des Vorabends, doch dieser schenkt den Erzählungen wenig Glauben, da er erfährt, dass der Abstinenzler Tusmann abends Wein zu sich genommen hat. Da erscheint Lippold bei Vosswinkel und berichtet diesem von seinem vermögenden Neffen Baron Benjamin Dümmerl (Peter Vogel), der ebenfalls um Albertine freien möchte…

Kein Geringerer als der bedeutende deutsche Nachkriegsregisseur Helmut Käutner („Der Hauptmann von Köpenick“ mit Heinz Rühmann) hat E.T.A. Hoffmanns Vorlage hier für das ZDF in Szene gesetzt. Er hat sich dabei für stilisierte Theaterkulissen entschieden, für exaltierte Darstellerleistungen und unheimliche Beleuchtungseffekte. Auf diese Weise wirkt der Fernsehfilm fast wie ein abgefilmtes Bühnenstück, wären da nicht einige Doppelbelichtungen und Spielereien mit dem Medium Film, die am Theater nicht möglich gewesen wären. Wer mit diesen Übertreibungen kein Problem hat, der wird an der märchenhaft-fantastischen Geschichte mit ihren originellen Wendungen sicherlich seine Freude haben. Der auf diabolisch geschminkte Carl Heinz Schroth („Jakob und Adele“) dominiert die meisten seiner Szenen, aber der Film weist auch in den weniger effektlastigen Momenten einen süffisanten Humor auf, der seinem Publikum auch heute noch amüsante Unterhaltung garantiert. Die DVD-Erstveröffentlichung in der Reihe „Pidax Arthouse“ hat ein gutes Bild (im Vollbildformat 1,33:1) und einen stets gut verständlichen deutschen Originalton (in Dolby Digital 2.0) zu bieten, woran man angesichts des über 50 Jahre alten Ausgangsmaterials nichts aussetzen kann. Auf die Beigabe von Extras hat man leider komplett verzichtet.

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