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Der Killer-Clown metzelt wieder an der Grenze des guten Geschmacks - »Terrifier 2«

Terrifier 2Der Killer-Clown metzelt wieder an der Grenze des guten Geschmacks
»Terrifier 2«

Michael Myers kann nach „Halloween Ends“ in Rente gehen – mit Art the Clown gibt es eine neue Slasher-Ikone.

Art the Clown is back: Der Killer-Clown kehrt in die immer noch von seinem letzten Besuch verängstigte Stadt zurück und fängt wieder an Teenager zu jagen und grausam zu ermorden.

Terrifier 2Selten schlug ein kleiner Indie-Film, der zunächst nur in einigen wenigen US-Kinos einen Release bekam, derart hohe Wellen wie Damien Leones Schnetzel-Orgie „Terrifier 2“. Über soziale Netzwerke machten Videos und Meldungen von kollabierenden und sich angesichts der expliziten Gewaltdarstellung übergebenden Menschen die Runde, an manchen Kinostandorten musste augenscheinlich sogar der Krankenwagen vorfahren. Solche Meldungen sind in der Horror-Fangemeinde besser als jedes Marketing, von daher überrascht es nicht, dass sich der Film zu einem echten Überraschungshit mauserte, die Top Ten der US-Kinocharts erklomm und nun auch außerhalb der Vereinigten Staaten den Weg ins Kino findet. Leider noch nicht nach Deutschland und Österreich, hier muss man sich vorerst mit dem Import der UK-DVD begnügen. Doch solche Umwege lohen sich angesichts der zahlreichen Qualitäten von „Terrifier 2“ definitiv.

Damien Leone merzt nämlich die Schwächen des Vorgängers „Terrifier“ (2016) weitestgehend aus und entwickelt die Figur von Art the Clown konsequent weiter. Während „Terrifier“ zwar bereits durch die gekonnten Splatter-Effekte und der sinisteren Präsenz von Art the Clown überzeugen konnte, litt die Atmosphäre des Films unter dem limitierten und eintönigen Setting eines alten Lagerhauses sowie der teilweise beliebigen Aneinanderreihung von plakativen Schockeffekten und den eindimensional geschriebenen Charakteren. Damien Leone nutzt das größere Budget, welches ihm für „Terrifier 2“ zur Verfügung stand, für deutlich mehr Varianz in den Handlungsorten und ausgefallenere Settings. Zudem schafft es „Terrifier 2“ im Unterschied zum Vorgänger auch tatsächlich ein Halloween-Feeling zu erzeugen, durch innovative Kostümierungen der Charaktere, geschmückte Häuser und eine ausschweifende Halloween-Party. Auch die Charaktere sind deutlich interessanter geschrieben und vermögen beim Publikum echte Anteilnahme an ihrem Schicksal hervorzurufen.

Terrifier 2Besonders die beiden Jungschauspieler Lauren LaVera und Elliott Fullam liefern eine tolle Performance ab und empfehlen sich auch für größere Aufgaben außerhalb des Indie-Film-Bereichs. David Howard Thornton als Art the Clown war bereits in „Terrifier“ eine furchteinflößende Präsenz, doch in „Terrifier 2“ übertrifft sich der Schauspieler noch einmal selbst, in dem er den Metzel-Clown mit viel Inbrunst und sichtlichem Spaß am Wahnsinn verkörpert. Zudem kommt ihm zugute, dass Regisseur Damien Leone den schwarzen Humor des Vorgängers deutlich stärker betont und mit einigen geradezu geschmacklos-irrwitzigen Einfällen aufwarten kann, in denen Art the Clown komplett freidrehen kann – etwa wenn er Kindern auf Trick or Treat Tour Süßigkeiten aus dem Schädel einer gerade zuvor grausam ermordeten Frau anbietet und diese Szene im wahrsten Sinne des Wortes genüsslich auskostet. Natürlich kann aber auch das Herzstück eines derartigen Slasher-Films überzeugen, nämlich die dargebotenen Kills.

Terrifier 2Diese überzeugen durch fabelhafte handgemachte Effektarbeit mit Splatter- und Gore-Einlagen, welche durch Mark und Bein gehen und sich nachhaltig ins Gehirn brennen – diese Sequenzen sind definitiv nichts für zarte Gemüter und erfordern teilweise tatsächlich einen starken Magen. Zwar sind viele dieser ausufernden Gewalteskapaden reiner Selbstzweck, angesichts der enorm hohen Qualität des dargebotenen Blutbades fällt dies allerdings nicht weiter ins Gewicht. Ebenso positiv anzumerken ist die Tatsache, dass der Film trotz einer geradezu epischen Laufzeit von beinahe zweieinhalb Stunden stets die Spannung hochhält und zu keinem Zeitpunkt langweilt – nur der finale Kampf zwischen Art und seinen Opfern ist einen Tick zu lang und repetitiv ausgefallen.

Fazit:
„Terrifier 2“ kann mit Fug und Recht von sich behaupten, der beste Slasher der letzten Jahre zu sein: grandiose handgemachte Splatter-Effekte, exzessive Gore-Einlagen, die an die Nieren gehen, eine packende Atmosphäre, unerwartet gelungener schwarzer Humor und ein schön eingefangenes Halloween-Feeling lassen den geneigten Horror-Fan wunschlos glücklich zurück.

Kommentare  

#1 Friedhelm 2022-11-21 14:01
Nun gut, Michael Myers Geschichte war für mein Empfinden bereits nach seinem vierten Auftritt, in den 1980ern, auszerzählt.

Und auch, wenn "Halloween Ends" mit einem ( nicht mehr ganz neuen) narrativen Twist aufwartet, hätte zumindest meiner einer auf David Greens "Trilogie-Nachklapp", sehr gut verzichten können. Ich befürchte allerdings, dass der gute Michael in ein paar Jahren wiederkommen wird - dann bricht er wahrscheinlich ins Altenheim ein, um Jamie Lee Curtis endlich killen zu können. Oder es gibt ein Reboot - aber, das wollen wir uns erst gar nicht wünschen, gelle.

Okay, was jetzt diesen garstigen Killer-Clown betrifft - da habe ich Teil 1 zusammen mit meinen Spezis, an einem unserer losen Filmabende, gesehen. Sozusagen zwangsweise - konnte mich halt nicht dagegen wehren :oops: , weil die Burschen meinen Nostalgie-Fimmel bei solchen "Events" ja auch ertragen müssen. :o

Jetzt war das Ding natürlich nicht uncut - hinterliess in dieser Hinsicht trotz der entfernten "Gewaltspitzen"aber immer noch einen mulmigen Eindruck. Ansonsten blieb plotmäßig bei mir nur einen faden Nachgeschmack, man muss dennoch zugeben, dass die Erscheinung des Clowns schon "etwas hatte".

Wie inzwischen bekannt sein dürfte, soll (oder sollte) Teil 2 ja auch ein deutsches Release, in ausgewählten Kinos, bekommen. Es entzieht sich gerade meiner Kenntnis, ob das schon geschehen ist, oder ob der Termin demnächst ansteht. Dann geht es angeblich sogar uncut zur Sache - na, prost Mahlzeit.

Sollte ein deutscher Kinostart aber doch ausfallen, kann ich allen, die jetzt bereits ungeduldig ausuferndes Gekröse auf der Silberscheibe erwarten, schon mal die Hoffnung darauf nehmen. Denn, wenn bereits Teil 1 für eine Heimkino-Asuwertung gekürzt wurde, dann wird bei der Fortsetzung wohl erstrecht die Schere angesetzt.

Und ganz ehrlich, mir ist das völlig egal...
#2 Laurin 2022-11-21 16:26
Was natürlich mal wieder eine ausufernde Zensur in Deutschland betrifft, so kann ich hier eigentlich nur wieder darauf hinweisen, eine synchronisierte Fassung direkt über Österreich an Land zu ziehen, sobald dort TERIFIER 2 erhältlich ist.

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