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Geheime Megastrukturen - »Moonfall«

MoonfallGeheime Megastrukturen
»Moonfall«

Roland Emmerich, der schwäbische Master of Desaster, hat es mal wieder getan: Mit „Moonfall“ hat er im Jahr 2022 an seine großen Erdzerstörungsszenarien wie „Independence Day“, „The Day After Tomorrow“ oder „2012 – Das Ende der Welt“ angeknüpft, für die er bereits seit mehreren Jahrzehnten in Hollywood berühmt ist.

Nun ist sein neuester Streich ab 27. 5.2022 auch fürs Heimkino zu haben.

MoonfallDabei hatte es „Moonfall“ bei weitem nicht so leicht wie einige der vorangegangenen Event-Movies des deutschstämmigen Filmemachers. Emmerichs vorangegangener Kinofilm, das Kriegs-Epos „Midway – Für die Freiheit“, spielte gerade mal so eben seine Produktionskosten wieder ein und gilt deswegen branchenintern als Flop. Da man in Hollywood immer gerade so viel wert ist, wie der letzte Film eingespielt hat, fiel es Emmerich schwer, für „Moonfall“ ein großes Studio zu begeistern. Stattdessen war er darauf angewiesen, sein Geld von den unterschiedlichsten Investoren zusammenzutragen, um schließlich ein Budget von rund 140 Millionen US-Dollar zu generieren. Neben Emmerichs eigenem Engagement als Produzent (mit seiner Firma Centropolis Entertainment) fungierten die chinesischen Huayi Brothers als wichtigste Unterstützer, aber auch aus Großbritannien und Kanada akquirierte er weitere Gelder. Angesichts der Tatsache, dass das Box-Office mit knapp 40 Millionen US-Dollar mehr als mager ausfiel, bleibt abzuwarten, ob es dem Stuttgarter jemals wieder gelingen wird, einen vergleichbaren Film in die Kinos zu bringen.

MoonfallDer Astro-Nerd KC Houseman (John Bradley) ist einer der ersten, die bemerken, dass der Mond nicht mehr in seiner üblichen Bahn um die Erde kreist. Stattdessen beschreibt er nun eine Ellipsenform, die über kurz oder lang dazu führen wird, dass er mit der Erde kollidiert. Houseman hat dafür auch eine waghalsige Theorie: Der Mond ist seiner Meinung nach in Wirklichkeit eine Megastruktur, ein Gebilde einer außerirdischen Spezies, die nun auf Konfrontationskurs mit der Erde gelenkt worden ist. Zunächst mag den Ausführungen des Sonderlings kaum jemand glauben, aber der ehemalige Astronaut Brian Harper (Patrick Wilson) hat vor rund 10 Jahren im All eine erstaunliche Entdeckung gemacht, von der damals ebenfalls niemand etwas hören wollte. Deswegen ist er der erste, der sich Housemans Theorie genauer erklären lässt. Seine Ex-NASA-Kollegin Jocinda Fowler (Halle Berry), auf die Harper seit den bewussten Ereignissen in der Vergangenheit nicht mehr gut zu sprechen ist, erhält von der Weltraumbehörde das Oberkommando, als sich die Entwicklungen nicht mehr leugnen lassen und versucht schließlich gemeinsam mit Harper und Houseman, eine weltweite Katastrophe ungeahnten Ausmaßes zu verhindern.

MoonfallRoland Emmerich bleibt sich auch in diesem Film wieder treu und zelebriert die Zerstörung der Erde mit dem für Katastrophenfilme dieser Art üblichen Bombast. Mit der stetigen Verbesserung der tricktechnischen Möglichkeiten hat man hier, insbesondere auch durch die Filme Michael Bays, einen Hang zur Übertreibung erreicht, der doch merklich an der Glaubwürdigkeit nagt. Storytechnisch bleibt „Moonfall“ leider ebenfalls hinter vergleichbaren Arbeiten Emmerichs zurück, da es einige eklatante Logiklöcher gibt und man sich visuell allzu sehr bei bekannten Vorbildern bedient – von „Alien“ bis hin zu „The Matrix Revolutions“. Da das Publikum hier aber sicherlich keinen intellektuellen Höhenflug erwarten dürfte, werden zumindest die grundlegenden Unterhaltungsbedürfnisse befriedigt, die man an ein Filmspektakel dieser Art stellen kann. Die BluRay-Erstveröffentlichung von Leonine Studios ist sowohl in Bezug auf das Bild (im Widescreen-Format 2,40:1) als auch den Ton (Deutsch und Englisch in Dolby Atmos mit Dolby-True HD 7.1-Kern, optional mit deutschen Untertiteln) einwandfrei gelungen und entspricht somit den aktuellen technischen Möglichkeiten. Als Extras bietet die Scheibe die Specials „Against Impossible Odds: Making Moonfall“ (dreiteilig, zusammen 59 Minuten), „Dr. KC Houseman Speaks the Truth!“ (vierteilig, zusammen 8 Minuten), „Sounds of the Moon“ (7 Minuten) und „Exploring the Moon – Past, Present and Future“ (26 Minuten) sowie den deutschen Kinotrailer zum Film.

(C) LEONINE Studios

Kommentare  

#1 Robert Martschinke 2022-05-23 19:26
Auf jeden Fall werden hier wieder mal - und das erstaunlich schlüssig - diverse Verschwörungstheorien höchst unterhaltsam verwurstet.
Und "Independence Day" oder "The Day After Tomorrow" waren im Grunde auch ziemlich albern. Roland Emmerichs Talent bestand lange darin, bombastisches (und teuer aussehendes) Unterhaltungskino zum kleinen Preis zu produzieren. Dank CGI kann das nun praktisch jeder. Und unser Mann aus Sindelfingen schreibt zwar originelle, aber leider nunmal nicht wirklich intelligente Drehbücher.
Der Mond sah aber selten so schön und beeindruckend aus wie hier. :-)
#2 Friedhelm 2022-05-23 20:09
Naja, letztendlich wiederholt sich der gute Emmerich einfach nur und liefert mit seinem "Aliens vs. Katastrophen-Bombast" (oder so..) einen weiteren haarsträubenden Plot. Diesmal hat er halt den Mond "im Visier" - ob das nun originell ist, bleibt dahingestellt.

Ähnliches kannte man bereits aus den 1970ern - ich erinnere an die Katastrophenwelle (u.a. "Flammendes Inferno" usw.) - ausgelöst durch den US-Filmproducer Irwin Allen. Andere taten es ihm gleich (u.a. Producer Jennings Lang mit "Erdbebeben..." )- und Allens legitimer "Erbe" scheint denn auch des "schwäbische Spielbergle" zu sein. :-*

Jedenfalls wird Roland Emmerich seinem Titel als "Master of Desaster" auch hier wieder gerecht. Aber, wie der Martschinke schon geschrieben hat: Zitat "Dank CGI kann das nun praktisch jeder" - genau, ist also keine große Kunst mehr.

Da war jemand wie Irwin Allen, in den 1970ern, dann schon eher ein "Meister..." ;-)
#3 Cartwing 2022-05-23 21:31
Ich erinnere mich noch an den Film "Der Tag, an dem die Welt unterging" mit Paul Newman.
Ich war damals im Kino begeistert und fand ihn spannend, mein Kumpel neben mir hat ständig gemeckert, wie schlecht das doch alles ist. Ein Lavafluss unter ner Holzbrücke usw. :lol:

Rückblickend hätte man sagen müssen: Schnauze, ich versuche gerade, ein paar schöne spannende Momente zu genießen. Über Fehler diskutieren kann ich danach noch... ;-)
#4 matthias 2022-05-26 16:33
Im Kino war ich nicht, aber wenn die Blu-Ray mal im Ebay preiswert zu haben sein wird, kaufe ich die für mein Archiv. Und ich denke, der Film wird gut rüber kommen, hat sicher einen hohen Unterhaltungswert.
Und ich freue mich auf ihn und suche beim Schauen sicherllich nicht nach Logikfehlern o.ä.
Aber die Geschmäcker ...

Dennoch musste ich schon mehrmals feststellen, dass Friedhelm mit seiner Einschätzung völlig recht hatte. Ich lese dessen Komentare daher ganz gerne und hätte ihn hier gerne als Verfasser gesehen.
In Sachen "Moonfall" hoffe ich aber, dass Friedhelms verhaltene Kritik nicht ganz so zutrifft ...
#5 Friedhelm 2022-05-26 22:08
Ja, was lese ich denn da? Da gibt es tatsächlich jemanden, der mein Geschreibsel gerne liest - ehrlich, ich bin von den Socken.

@Mathias: in dieser Hinsicht möchte ich dir eine ähnliche Antwort geben wie dem Konrad in seinem "Wrong Turn-Artikel" - auch, wenn es da um etwas anderes ging.

Nun gut, im Alter (63) bin ich irgendwie zu faul geworden - und hier gibt es bereits viele wirklich gute Autoren. Aus eben diesem Grunde reicht es mir bereits, ab und an etwas zu kommentieren.

Mag sein, dass sich daran demnächst mal wieder etwas ändert - aber im Augenblick sehe ich das nicht. Ich möchte dir allerdings doch noch mal für deine netten Worte danken - es könnte sein, dass die mich doch noch mal motivieren. ;-) :-*
#6 Cartwing 2022-05-26 23:14
Zitat:
Ja, was lese ich denn da? Da gibt es tatsächlich jemanden, der mein Geschreibsel gerne liest - ehrlich, ich bin von den Socken.
Das habe ich vor kurzem aber auch schon mal angedeutet. Also hau in die Tasten... ;-)
#7 Friedhelm 2022-05-27 16:48
Zitat:
In Sachen "Moonfall" hoffe ich aber, dass Friedhelms verhaltene Kritik nicht ganz so zutrifft ...
@mathias: wie wir hier ja schon des öfteren festgestellt haben, ist Kritik eigentlich auch eher eine subjektive Angelegenheit. Wenn ich also negativ kritisiere, muss sich das nicht zwangsläufig mit der Sichtweise anderer decken.

Kann daher durchaus sein, dass du bei Sichtgung des neuen Emmerich-Movies etwas "ganz anderes siehst" als ich. :-*

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