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Keine große Lust auf eine zweite Staffel - The Man in the high castle

The Man In The High CastleKeine große Lust auf eine zweite Staffel
The Man In The High Castle

Wieder mal der Versuch eine Serie durchzuschauen und wieder kommt man zu dem erwartbaren Ergebnis. Zumindest was US-Serien heutzutage so betrifft.

Und waren sie damals anders? Nein, nicht wirklich. Man denke nur an Richard Kimbles Flucht oder an Waltons Mountain von den Wirtschaftskrise-Jahren bis hin zum Weltkrieg.


The Man In The High CastleApropos Weltkrieg.

Findet sich da nicht der Plot für eine Serienidee oder findet sich eine brauchbare Vorlage? Das Buch „Das Orakel vom Berge“ scheint wie geschaffen und bedient die Marketing-Strategie der Hollywood-Serienmaschinerie.

Und die scheint nicht sonderlich geheimnisvoll. Auch bei „The Man in the high castle“ ist es so. Darauf ausgelegt nicht zu enden, sondern so lange zu laufen, wie es erfolgreich ist. Sehr zu Ungunsten der Story. Aber das Buch ist genauso. Es liefert keine Lösung, nur Ansätze und bleibt geheimnisvoll. Was bleibt da von der Serie. Sicherlich ist die Idee nicht schlecht und das Setting allein schon ein Hingucker. Hinzu kommt die gruselige Vorstellung, dass Nazideutschland und Japan den Krieg gewonnen hätten. So unwahrscheinlich dies auch sein mochte – wenn nicht an den Allierten, wären die Nazi irgendwann an ihrem eigenen Größenwahn gescheitert – so bedrückend und echt wirkt das ganze in der Serie. Dabei ist die Landkarte im Jahre 1962 erschreckend aufgeteilt. Die japanischen Pazifikstaaten befinden sich im Westen der USA und das Nazireich dehnt sich im Osten aus. Dazwischen gibt es eine neutrale Zone. Wie genau diese neutrale Zone politisch einzuordnen ist, wird nicht ganz klar in der ersten Staffel.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen drei Menschen: Frank Frink und seine Liebe Juliana Crane. Sie leben in der japanischen Zone und gehören dort dem Widerstand an. Julianas Vater hingegen arbeitet für die Japaner und hört Telefonate ab. In der Zone der Deutschen lebt Joe Black. Ein Doppelagent, der einerseits Sympathien für den Widerstand hegt, aber auch für John Smith, einen ranghohen Nazi-Offizier arbeitet. Dieser Zwiespalt wird stark thematisiert. Joe trifft Juliana in der neutralen Zone. Er verliebt sich in sie. Sie schmuggelt einen Film in diese Zone.

The Man In The High CastleDer Film soll eine Welt zeigen, ohne die Nazis und zwar eine Welt, in der die Alliierten den Krieg gewannen. Also unsere wirkliche Welt. Dieser Film und weitere Filme spielen eine wichtige Rolle in der Serie. Das Merkwürdige ist, dass alle diese Filme haben wollen. Der japanische Geheimdienst und die Nazis ebenso wie die Widerständler. Angeblich soll ein Mann im hohen Schloss diese Filme produziert haben. Dieser Mann bleibt jedoch ein Mysterium. Und somit bleiben die Motive der Geheimdienste und die des Filmemachers nebulös. Juliana glaubt an einen Ausweg aus dieser schrecklichen Welt. Und die Filme haben ihrer Meinung nach, damit zu tun – sind sozusagen der Schlüssel.

Im zugrunde liegenden Roman gibt es auch keine Lösung, alles bleibt am Ende wie es war. Und doch gibt es mehrere Optionen. Die Möglichkeit eines Parallel-Universums, von mehreren Welten nebeneinander, in denen die Geschichte stets etwas anders verläuft tut sich auf. In der Vorlage geht der Autor von drei Welten aus. Doch wie das Mysterium entstand bleibt mysteriös. Vielleicht war diese Vorlage gerade deswegen wie geschaffen für eine kommerzielle Serie, die bitte erst dann zu enden hatte, wenn sie nicht mehr erfolgreich ist. Und eigentlich geht das ganz schnell. Die Zuschauer bekommen keine Lösung, kein Ziel wohin die Reise gehen soll und werden schnell unbefriedigt sein. So kann es sein – und das ist leider sehr wahrscheinlich – das die Serie mitten drin endet. Und nach 30 Folgen oder 40 ist man genau so schlau wie nach 3 Folgen oder 10.

Man will bei Amazon damit Bilder verkaufen, schöne Bilder, schöne Schauspieler vor utopischer Kulisse. Das einzig und allein scheint Beweggrund für solch ein Vorgehen zu sein. Und der Zuschauer macht mit. Und so lange das geschieht werden immer wieder Serien produziert, die ein hervorragendes Setting hervorbringen, gute Schauspieler präsentieren, die ausgefeilte Charaktere darstellen – aber es werden keine Geschichten mehr erzählt. Die Gänsehaut bleibt aus, das Gefühl gut unterhalten anstatt verarscht zu werden ist futsch.

The Man In The High CastleIn den 10 Folgen der ersten Staffel, die jeweils zwischen 45 und 65 Minuten lang sind, wird ein Häppchen einer Geschichte erzählt die nie voranschreitet, sondern immer in einer Sackgasse endet. Etwa mit der Verhaftung von Frank Frink, der Verhaftung von Juliana Crane und Joe Black oder der Entdeckung eines Geheimnisverrats.

In der darauf folgenden Folge fängt sie Geschichte quasi wieder bei Null an um am Ende eben wieder dort zu enden, wo sie vor 45 oder 65 Minuten schon einmal war. Auch der nette Vorspann täuscht nicht über die mangelnde Qualität des Inhalts hinweg. Quantität zählt.

Dr. Kimble findet wenisgtens einen versöhnlichen Abschluss, wenn auch einen erwartbaren. Und John-Boy Walton erzählt seine Geschichten vor einer nicht ganz so fiktiven Kulisse und lässt keine Fragen offen. Was mit dieser Serie am Ende geschieht bleibt abzuwarten. Ich jedenfalls habe keine große Lust auf eine zweite Staffel.

Kommentare  

#1 AARN MUNRO 2017-02-18 09:30
Meiner bescheidenen, persönlichen Meinung nach...wäre ein abendfüllnder Spielfilm besser gewesen, als diese gute PKD-Story in eine gefühlte Endlos-Serie zu zerhacken...
#2 G. Walt 2017-02-18 12:00
...oder eine Serie mit 10, 12 Folgen und dann ist Schluss. Dann hat man wenigstens das Gefühl angenehm unterhalten worden zu sein, anstatt verkohlt zu werden. In der jetzt dargelegten Form ist das reinste Zeitverschwendung, jedenfalls für mein Teil.
#3 Paul J Hauswald 2017-02-21 20:40
Aus diesem Meisterwerk ein Serial herauszuhauen... Spricht dass eigentlich nicht gegen Philip K. Dick's Konzept?...
Wie sie sagen: entweder eine abgeschlossene kurz Serie oder ein einzelner Film - alles andere kann nur Verschwendung sein (und nicht nur Zeitverschwendung)

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