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Wilde Zeiten - DIE MONSTERFILME DES BERT I. GORDON (2. Teil: RIESENTYPEN)

Wilde Zeiten - US-B-Movies der 50igerDIE MONSTERFILME DES BERT I. GORDON
2. Teil: RIESENTYPEN

 Als Gordon 1957 THE CYCLOPS veröffentlichte, stellte dieser Film einen Übergang von seinen Tiermonsterstreifen zu jenen mit riesigen Menschen dar. Es sollte nun die beste Phase seiner Arbeit als Monsterfilmer beginnen. Auch wenn später immer wieder nur gelächelt wurde, wenn es um seine Filme ging, so kann man oft über so viel Ignoranz nur den Kopf schütteln. Hey, das waren die 50'er. Kaum einer der Filmemacher, die unabhängig von den großen Studios arbeiteten, hatte wirklich Geld. Sie besaßen alle nur den Enthusiasmus, die (Film-)Welt aus den Angeln heben zu wollen.

Der Koloss Vielleicht sollte man mal grundlegend etwas dazu sagen. Zu jener Zeit gab es keine Computergrafiken. Monster wurden entweder auf mechanische Weise zum Leben erweckt (was extrem teuer war), per Stop-Motion-Animation bewegt (was extrem zeitaufwändig und teuer war), als reale Wesen meist per Rückprojektion riesenhaft ins Bild kopiert (eine vergleichsweise billige Alternative, derer sich viele – auch Gordon – bedienten), oder man steckte einen Typen in ein Kostüm und liess ihn durch Miniaturlandschaften laufen bzw. per Rückprojektion durch das Bild marschieren.

Gordon bediente sich sowohl aus Zeit- wie auch aus Kostengründen meist der Rückprojektion. Die Ergebnisse waren meist eher schwach, aber das sollte den Genuss dieser Filme nur bedingt stören. Bei genauerem Hinsehen waren die Kreaturen häufig durchscheinend oder das proportionale Verhältnis in jeder Bildeinstellung anders. Unter diesen Schwächen litten besonders seine Filme um die Riesenmenschen.

The Cyclops - Das PlakatTHE CYCLOPS handelt von einer Frau (Gloria Talbot), die im mexikanischen Urwald nach ihrem verschollenen Freund sucht und dabei von drei Männern (darunter Lon Chaney jr.) begleitet wird. Sie geraten in eine Gegend, die radioaktiv verseucht ist (Beinahe alle Monsterfilme der 50'er benutzten diese Erklärung für den Riesenwuchs – eine willkommene und billige Ausrede). In dieser Gegend sind alle Tiere zu Monstern mutiert. Sie finden den Verschollenen, doch jener ist ebenfalls gewaltig gewachsen und zu einem einäugigen Riesen geworden, der nun Jagd auf die Eindringlinge macht.

Inhaltlich war der Film deutlich abgekupfert von Stoffen wie THE LOST WORLD oder KING KONG. Die Tiere waren reale Viecher, die einkopiert wurden und so manches Mal liefen die Menschen sogar durch deren Beine. Es gab die übliche Story, in der sich die Frau immer wieder gegen die liebeshungrigen Kerle stellen musste. THE CYCLOPS war noch keine Offenbarung.

Es mag Zufall sein oder auch nicht, die Legenden sind da nicht eindeutig, doch im gleichen Jahr wie Jack Arnold's Klassiker THE INCREDIBLE SHRINKING MAN (Die unglaubliche Geschichte des Mr. C) entstand Gordons THE AMAZING COLOSSAL MAN (Der Koloss, 1957). Ging es bei Arnold um einen Mann, der infolge radioaktiver Verseuchung zu schrumpfen beginnt, so passiert bei Gordon genau das Gegenteil. Durch die Explosion einer Plutoniumbombe wird beinahe der ganze Körper des Lt. Glen Manning (Glenn Langan) verbrannt. Schon am nächsten Tag aber scheint er wieder ganz der Alte zu sein. Doch der Schein trügt, denn er beginnt zu wachsen. Er wird binnen Kurzem zu einem Riesen. Dabei verliert er mit zunehmender Größe seinen Verstand. Er terrorisiert Las Vegas und wird schließlich vom Militär gestellt und getötet.Zeitungsanzeige zu The Amazing Colossal Man (Der Koloss)

Das hört sich banal an, doch das ist es nicht. Fraglos ist THE AMAZING COLOSSAL MAN Gordons bester Monsterfilm, wenn nicht sogar sein bester Film überhaupt. Die Effekte sind oft eher schwach, der einkopierte Riesenmann meist durchscheinend. Aber hier muss man einfach mal darüber hinweg sehen. Der Aufbau der Geschichte ist größtenteils logisch und selbst die Tatsache, dass der Mann den Verstand verliert, ist glaubhaft erklärt. Interessant ist ohne Frage die emotionale Veränderung, die der Mann durchmacht und die überraschend gut von Langan dargestellt wird. Zudem gibt es einige beachtliche Szenen von hoher Dramatik. Unter Anderem die bemerkenswerte Sequenz, in der ein Arzt dem Riesen eine Injektion verabreicht (in den Zeh), worauf dieser die zu große Spritze ergreift und den Arzt damit regelrecht pfählt. Eine mutige Szene, technisch etwas unzulänglich, aber von erstaunlicher Spannung.

Plakat WAR OF THE COLOSSAL BEAST (Gigant des Grauens)Der Film war sehr erfolgreich, was natürlich zur Folge hatte, dass Gordon eine Fortsetzung inszenierte. Aber wie so oft, konnte jener Film nicht das halten, was der erste vorgegeben hatte. Was jedoch nicht heißen soll, dass der Film schlecht ist.

In WAR OF THE COLOSSAL BEAST (Gigant des Grauens, 1958) ist Lt. Manning inzwischen geistig wie auch körperlich verfallen. Nachdem er den Angriff des Militärs überlebte, schlug er sich irgendwie nach Mexiko durch. Er lebt in den Bergen. Seine Schwester, in Begleitung des Militärs, findet ihn schließlich. Er wird betäubt und nach Los Angeles gebracht, wo er jedoch ausbricht.

Die Story ist banal, die ganze Szenerie kaum nachvollziehbar. Dennoch gehört auch die Fortsetzung zu den besseren Monsterfilmen jenes Jahrzehnts. Das Maskendesign ist überraschend gut, die Effekte sind leicht verbessert. Und auch hier gibt es einige bemerkenswerte Szenen. Das erste Auftauchen des Riesen ist ein echter Schockmoment. Dramaturgisch interessant ist auch die letzte Einstellung des Films, die ebenfalls einem Schock gleichkommt, denn diese ist urplötzlich in Farbe. Oft wird der Film in Grund und Boden gestampft, doch wie so oft, gehen die Kritiker späterer Jahre unfair mit ihm um. Fraglos kann er gegen den ersten Film nicht bestehen, aber er ist eine recht konsequente Fortsetzung.

Plakat zu ATTACK OF THE PUPPET PEOPLEAber es geht auch anders herum. Bei American International Pictures, für die Gordon seine Filme drehte, war man beeindruckt von dem schon erwähnten INCREDIBLE SHRINKING MAN. So etwas wollte man auch haben. Also machte Gordon sich daran, die Menschen schrumpfen zu lassen und die 'normalen' Menschen und Tiere zu Monstern zu erklären. So entstand 1958 der Film ATTACK OF THE PUPPET PEOPLE. Darin geht es um einen einsamen, alternden Puppenmacher, der eine Maschine entwickelt, die Menschen schrumpfen lässt. Diese lässt er für sich Theater spielen, was den Puppenmenschen aber irgendwie nicht gefällt.

Gordon ließ sich deutlich mehr von dem Streifen DR. CYCLOPS (Dr. Zyklop, 1940) beeinflussen denn von Arnolds Film. Doch gegenüber Beiden verliert er schon ob seiner Effekte. Zudem waren mit John Hoyt und John Agar zwar versierte Akteure am Werk, doch die Darstellungen sind hölzern. Die Story ist wirr und zudem unnötig in die Länge gezogen. Es gibt einige unterhaltsame Sequenzen, wie etwa eine tatsächliche Theateraufführung der Puppenmenschen.

In Gordons Gesamtwerk nimmt diese Phase von 1957/58 eine Sonderstellung ein, da er trotz aller technischen Mängel nie wieder die Originalität und das menschliche Einfühlungsvermögen aufbrachte. Wie schon einmal erwähnt, er war kein Schauspielerregisseur. Die Vermutung liegt nahe, dass er diese Filme etwas eindringlicher gestalten konnte, weil ihm auch die Stoffe mehr am Herzen lagen. Das unterstreicht auch sein späteres Werk VILLAGE OF THE GIANTS (1965), in der durch eine essbare Substanz ein paar junge Leute zu Riesen mutieren und eine Kleinstadt terrorisieren. Auch hier waren die menschlichen Zeichnungen deutlich besser, die Effekte aber weiterhin mäßig.

 

Kommentare  

#1 Mainstream 2008-11-10 20:19
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Alles wunderbare Empfehlungen für kalte Winterabende.
Werde mich gleich mal auf die Suche machen,
denn der Winter steht ja schon vor der Tür.
Danke.
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#2 horror1966 2008-11-10 22:41
Ich sehe das auch so, vor allem haben diese Filme noch ihren ganz eigenen Charme und wirken auch teilweise herrlich trashig, ich mag so etwas.
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#3 Thomas Rippert 2008-11-11 13:04
Toller Artikel, vielen Dank. Bitte mehr in dieser Richtung. :-)
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