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Der fünfte Aufguß - Larry Brent - Hörspiele

Das Grauen schleicht durch Bonnards HausDer fünfte Aufguß
(Wieder einmal) Larry Brent - Hörspiele

Es ist geschehen. Winterzeit-Studios, der kleine Audio-Verlag aus Remscheid bringt neue Dan Shocker-Hörspiele heraus. Am 27. Februar 2015 startete man "Das Grauen schleicht durch Bornards Haus". Deklariert hat man die Vertonung des allerersten Brent-Romans mit "inszenierte Lesung".

Eine etwas fragwürdige Bezeichnung für eine Hörproduktion, die fast 30 Sprecher aufweist.


Das Grauen schleicht durch Bonnards HausÜberhaupt kann man so reichlich ins Grübeln kommen, wenn man sich die Vertonungen der einst so erfolgreichen Shocker-Romane und ihrer fragwürdigen, neumodischen Fortsetzungen so anschaut.

Im Mai geht es gleich weiter mit Macabros und auch die nächsten Brent-Titel sind angekündigt. Der erste Versuch, die Larry Brent-Serie in chronologischer Reihenfolge zu vertonen.

1983 startete das Label EUROPA eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Und die Vertonung von 15 Larry Brent und etwa 10 Macabros-Romanen fand großen Anklang. Doch das waren die 80er Jahre und Larry Brent passte sehr gut in die 80er Jahre. Atomkraftwerke, kalter Krieg und Verbrechersyndikate waren gern aufzugreifende Themen. Verrückte Wissenschaftler im Stile eines Frankensteins oder wenigstens eines dämonischen Arztes ala Mabuse interessierten Leser und Hörer. Ärzte schienen dabei ein besonderes Spielgebiet des Autoren Dan Shocker alias Jürgen Grasmück zu sein. Dr.X, Dr. Satanas, Dr. Tschang Fu....

Als 2003 neue Folgen der EUROPA-Serie erschienen war der Saft schon längst raus. Man wollte mit den Themen der 70er und 80er im neuen Jahrtausend punkten und ging schrecklich nass baden.
Der zweite Aufguss erfolgte 2007 mit einigen Hörbüchern. EUROPA ließ von Lausch einige Titel der Romanserie als Lesung produzieren. Keine so schlechte Idee - auf den ersten Blick. Denn man wollte die Romane im Original belassen. Das war die wichtigste und richtigste Voraussetzung. Denn die Stoffe ins neue Jahrtausend zu verlegen war ein Fehler wie EUROPA bereits 4 Jahre zuvor erfahren musste. Gelesen wurden die Geschichten von Rainer Schmitt, dem einstigen Sprecher der Figur Larry Brent in den Hörspielen. Falsch war hier das Marketing und die etwas schnöde Lesungsvariante. Hier wären mehr Effekte und mehr Inszenierung wünschenwert gewesen. Leider kam also dieser gut gemeinte Versuch ebenfalls nicht an und es gab am Ende nur vier Hörbücher. Man machte auch den Fehler und verzichtete auf eine Vertonung der bereits als Hörspiel erschienen Romane "Im Kabinett des Grauens" und "Der Dämon mit den Totenaugen". Lediglich bei "Die Angst erwacht im Todesschloß" machte man eine Ausnahme. Dies mochten die Hörer nicht, denn man hätte einer chronologischen Vertonung mehr abgewonnen.

Vor einigen Jahren startete R&B Company den dritten Aufguß. Die Larry Brent-Serie kam als Hörspiel wieder, nachdem die Rechte frei wurden. Neu produziert mit neuen Sprechern und einem leicht veränderten Konzept. Man hat hier vieles richtig gemacht. Um Larry Brent in unsere Zeit zu katapultieren wurde eine kleine Handlung gestrickt, die Larrys Beweggründe für den Kampf gegen das Böse genauer beschreibt. Auch die Effekte und der Splatter-Horror gewann eine größere Aufmerksamkeit. Dabei ließ man den Charme einzelner Romane unangetastet. Das betraf vor allem "ruhigere" Romanhandlungen wie "Der Sarg des Vampirs" oder der Dracula-Zweiteiler. Einige Veränderungen gingen jedoch zu weit. Larry als Ich-Erzähler und der PSA-Chef als Erzähler sowie die teilweise neue Identität des Dr. Satanas. Dennoch hat die neue Serie Anklang gefunden und läuft beim kleinen Label R&B nach deren eigenen Bekunden erfolgreich. Was auch immer das heißen mag. Es gibt ja auch negativen Erfolg. Ich gehe mal von einem positiven Erfolg aus und wünsche dies auch.

Der vierte Aufguss war die Hörbuch-Reihe des Winterzeit-Verlages, die sich den neuen Larry Brent-Romanen annahm, die im BLITZ-Verlag erschienen sind. Jetzt muss man sich diese Romanreihe mal vor Augen halten. Larry Brent erlebt da 20- 30 Jahre nach seinem eigentlichen Ende als Romanheld neue Abenteuer. In den achtziger Jahren besaß er einen PSA-Ring, mit dem er Kontakt zu Kollegen und seinem Chef aufnehmen konnte. Ein satelittengesteuertes Kommunikationsmittel. In den 70er und 80er Jahren reine Zukunfsmusik. Er hat den Ring im neuen Jahrtausend noch immer. Er hat aber auch ein iPad und ein Handy. Bei dieser Technik sieht der Ring reichlich alt aus, auch wenn man mit ihm geheime Kommunikation betreiben kann (solange niemand mithört). Larry ist trotz veränderter Technik in den 30 Jahren nicht gealtert. Auch der Sprecher Rainer Schmitt spricht seine Figur als wäre seit der letzten Aufnahme 1985 nur ein Tag vergangen. Und doch merkt der Hörer, wenn dieser nicht ganz dumm und nicht fast taub ist, dass auch der Hauptsprecher älter geworden ist. In den James Bond-Filmen war man nicht blind und nicht dumm und hat die Darsteller alle paar Jahre ausgetauscht. Warum wohl?

Jetzt sind wir beim nächsten Punkt der mich grübeln lässt. Die Sprecher in den Hörbüchern sind zahlreich und eine inszenierte Lesung ist dies bei weitem nicht mehr. Für wie dumm lassen sich die Hörspielhörer eigentlich verkaufen? Das sind lupenreine Hörspiele. Ob man will oder nicht. Auch wenn der Anteil des Erzählers dabei sehr hoch ist. Und dann kommt man an und sagt "aus rechtlichen Gründen, muss man es inszenierte Lesung nennen". Dummes Zeug. Die neuen Romane haben mit der alten Serie, die R&B vertont nicht viel zutun. Mag sein, das einige rechtliche Bedenken gibt, weil der Markenname der gleiche ist, aber man wird sich wohl vorher sowieso darauf verständigt haben eine zweite Serie nebenbei laufen zu lassen. Also hätte man diese Umschreibung gar nicht nötig gehabt. Was diese Umschreibung als "Hörbücher" also soll, obwohl es sich bei den Winterzeit-Produktionen um Hörspiele handelt und um nichts anderes, weiß ich nicht. Vielleicht ist es auch Ansichtssache. Für mich sind es Hörspiele.

Und so kommt es zum fünften Aufguss, der Vertonung der Originalromane der Serie aus den 70er und 80er Jahren als inszenierte Lesung von Winterzeit. Als Grundlage der Vertonung gelten wohl die Neuauflagen aus dem Blitz-Verlag. Jedes Kind weiß, dass diese zum Teil stark gekürzt sind und nicht viel mit den Originalromanen zu tun haben, die damals die Leser begeistert haben. Also, der nächste Fehler? Wer weiß? Ich werde mir das ganze anhören und dann darüber berichten. Ich weiß auch nicht wieviel Hörer so eine Hörbuchserie haben muss um erfolgreich laufen zu können. 100?, 200?, 300? Dann wäre es machbar, denn die Bücher beim Blitz-Verlag haben in etwa diese Auflagenhöhe.

Wer nun also glaubt, die originellen Dan Shocker-Texte endlich vertont zu wissen, und das chronologisch wird enttäuscht. Denn er erhält auch mit den neuen Hörspielen nur die Linder/Kaegelmann-Version, die grausam entstellt ist und gekürzt.

Kommentare  

#1 Remis Blanchard 2015-03-06 07:15
Auch Macabros wird ähnlich wie Larry Brent neu vertont. Auch hier wird es sich wahrscheinlich um die Kaegelman Version handeln.
Jörg Kaegelmann erklärte den Misserfolg der Lausch Hörbücher damals so, dass die Leser anscheinend kein Interesse an den alten Texten hätten. Er hätte Europa damals angeboten die neuen überarbeiteten Texte zu nehmen aber die hätten abgelehnt, weil die Fans unbedingt die alte Version haben wollte.
www.zauberspiegel-online.de/index.php/phantastisches/gedrucktes-mainmenu-147/7084-larry-brent-die-neuen-romane-die-davinci-loge#comment-10716
Bei Macabros hätte ich gerne Hörspiele im Stile der Larry Brent R & B Version. Die gefällt mir nämlich sehr gut.
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#2 Günther 2015-03-07 01:01
Das Winterzeit-Projekt ist so überflüssig wie ein Kropf ...
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