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Lesenswerter SF-Comic mit hohem Retro-Faktor

Luc OrientLesenswerter SF-Comic mit hohem Retro-Faktor
Luc Orient - Gesamtausgabe Band 1

Als der belgische Comic-Zeichner und Texter Michel Régnier (1931-1999), Mitte der 60er-Jahre die Chefredaktion des berühmten Comic-Magazins „Tintin“ übernimmt, will er ausgetretene Pfade verlassen. Junge, unverbrauchte Zeichner sollen nach dem Willen Régniers, der als „Greg“ berühmt wird, frische Comic-Erzählungen gestalten und dabei auch dem bislang auf „Funnies“, Western und Krimis  konzentrierten  „Tintin“ neue Genres erschließen. So entsteht unter anderem ab 1966 die Abenteuer-Serie „Bernard Prince“ (deutsch: „Andy Morgan“), getextet von „Greg“ und gezeichnet von Hermann (Huppen).

 

Luc Orient Gesamtausgabe 1Weil aber das Publikum sich zunehmend auch für Science Fiction interessiert, schickt „Greg“  1967 „Luc Orient“ auf den Markt, gezeichnet von Régniers langjährigen Vertrauten Eddy Paape (Jahrgang 1920). Das Duo Greg/Paape veröffentlicht sein neues Epos zunächst in Comic-Magazinen, später erscheinen die Abenteuer von Luc Orient in Albenform und bringen es bis 1994 auf 18 Ausgaben.

Jetzt bringt die Ehapa Comic Collection den Science-Fiction-Klassiker in einer Gesamtausgabe. In insgesamt fünf Bänden erscheinen seit Mai alle Geschichten um Luc Orient und seine Gefährten in ihrer originalen Aufmachung und bieten zudem einen editorischen Sonderteil. Der erste, in fester und bunt bedruckter Pappe gebundene Band, vereinigt die ersten vier Geschichten von Luc Orient, die 1967 bis 1969 veröffentlicht wurden.

Ich machte Anfang der 70er-Jahre Bekanntschaft mit Luc Orient, als seine Abenteuer in „MV Comix“, dem Mickyvision-Comicmagazin von Ehapa, in mehreren Folgen im Heft erschienen. Ab 1972 übernahm das unvergessene „Zack“-Comicmagazin (Koralle Verlag) neben dem Greg/Hermann-Werk „Andy Morgan“ auch den bereits bekannten „Luc Orient“.
Ich muss zugeben, dass die Geschichten um den ebenso smarten wie sportlichen Physiker Orient, seinen Professor Hugo Kala und dessen Assistentin Yvonne mich seinerzeit nicht allzu sehr vom Hocker rissen. Irgendwie gab es „nicht genug Weltraum“ – wie etwa in den SF-Comicstorys um „Valerian & Veronique“ von Mézières/Christin oder in „Perry – Unser Mann im All“. Zwar tauchen in den Orient-Geschichten auch Raumschiffe auf – sie sind in der klassischen Untertassenform aber eher langweilig. Die Aliens, die humanoiden, weißhäutigen, spitznasigen und wulstlippigen Terangoner, benötigen die Hilfe der Erdbewohner, um sich von einem fiesen Alleinherrscher mit markanten Kopfhaar-Koteletten zu befreien.
 
GregBeim jetzigen Wiederlesen fallen indes auch die Ähnlichkeiten der ersten Storys mit dem SF-Klassiker „Flash Gordon“ auf: Auf dem Planeten Terango existieren – wie auf Flash Gordons Planeten Mongo - neben den weltraumtüchtigen Terangonern noch eine Reihe weiterer Rassen, die entweder Drachen ähneln oder sich als fliegende Menschen bezeichnen. Alle zusammen mögen den Diktator Sectan nicht und kämpfen mit den Menschen von der Erde für ihre Befreiung.

Später erlebt Luc Orient noch weitaus irdischere Abenteuer; immerhin gibt es mit Dr. Argos auch auf der Erde einen bösartigen und machtbesessenen Gegenspieler. PSI-Phänomene und weitere Erlebnisse auf fremden Planeten beschäftigen den Helden in weiteren Folgen.

„Luc Orient“ hat inzwischen einen so großen Retro-Faktor, dass ich die Comics still lächelnd genießen kann. Dazu trägt auch die schöne, preiswürdige und aufwändige Ausstattung des ersten Bandes der Gesamtausgabe bei, die das Wiedersehen mit den 60er- und 70er-Jahren zu einer Art besonderer Familienfeier macht. Oder wie Dr. Hugo Kala gerne sagt: „Unglaublich!“
Luc Orient Gesamtausgabe 1
Daten zum Comic:
Luc Orient – Gesamtausgabe Band 1
von Eddy Paape/Greg
Ehapa Comic Collection
192 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-7704-3444-2, 29,99 Euro
Egmont Verlagsgesellschaften Köln 2011


Foto „Greg“:
Greg (1931-1999) ist Autor von Andy Morgan, Bruno Brazil, Luc Orient, Comanche und vielen anderen Comic-Helden.
Quelle: Comicradioshow.com

Kommentare  

#16 Friedhelm 2011-05-26 23:31
Jetzt, wo wir von Luc Orient zum Marvel-Universe gekommen sind....

Ich habe damals, in den frühen Siebzigern (schon wieder ich..grins.) die Neuauflage der alten Marvels (damals noch Williams-Verlag) erlebt.

Das hat echt Spass gemacht, vor allem, weil neben den Wiederveröffentlichungen, die ich auch gleich wiedererkannte, neue Serien wie "Das Monster von Frankenstein" und "Die Gruft von Graf Dracula" dabei waren. Später sollte auch "Planet der Affen" folgen.
Ich glaube, irgendwann Mitte der Siebziger, oder ab 1976..(weiss ich nicht mehr so genau..) wurde alles eingestellt. Da gabs dann nur noch "Fantastic Four" und "Spiderman"..

Alles, was dann im Condor-Verlag erschienen ist, habe ich einfach ignoriert. Das war nicht mehr das alte "Marvel-Fieber.."
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#17 Laurin 2011-05-27 00:26
Ob die Verklebung später besser wurde bei den ZACK TB's, weiß ich nicht Lefti. Und Schwermetall...weia, wer hat denn das mit der Altersfreigabe damals für Ernst genommen? Nicht mal die Verkäufer! :lol: Was Condor angeht, glaube ich, die versuchten die TB's mit ihrer eigenen Spucke zu kleben. Nach dem Williams-Verlag (trotz schlechter Papierqualität) war der Condor-Verlag jedenfalls die absolute Katastrophe was Veröffentlichungen von Marvel-Produkten anging. :-x
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#18 Carn 2011-05-27 12:16
So übel fand ich Schwermetall gar nicht, Lefti. John Difool war schön ironisch, die Margerin-Stories sind sowieso immer sehr charmant und manche Corben-Kurzstories waren sehr unterhaltsam (Den war Quark, auch wenn die Grafik nicht übel war).
Mit Druillet konnte ich ich gar nix anfangen und ein kleines Manko war, dass man sich ganz auf SF konzentrierte und andere Genres ausklammerte.
Ach ja, 'Die Heere des Eroberers' von Dionnet/Gal und 'Die Schiffbrüchigen der Zeit' von Paul Gillon waren auch cool und grafisch sehr interessant. Leider übernahm Raymond Martin (der damalige Herausgeber von Schwermetall) fast nur Stories aus dem französischen Schwestermagazin Metal Hurlant und klammerte die amerikanische Ausgabe 'Heavy Metal' fast komplett aus (ich glaube es erschienen nur einige Seiten von Paul Kirchners 'The Bus', die herrlich skurril waren).
Jaja, die schrecklich Condor-Ära... da gibts glaube ich keinen den die Umsetzung in Jubelstürme versetzt hätte. O.k. preislich war's natürlich günstig, aber die Textverstümmelungen waren schon grotesk zu nennen. Ich wartete eigentlich nur noch auf Passagen wie 'Kämpen!' 'Grunz' 'Urgg' 'Genug, Schädel tut weh'... Und dann hatten die auch noch die Frechheit Frank Millers Meisterwerk 'Daredevil - Reborn' als Zweitstorie in ein Taschenbuch zu quetschen...
Was die Verklebung der Zack-TBs angeht...Manche waren prima, vor allem die ersten, die späteren ab Nummer 20 waren dann wirklich schlecht (aber vielleicht war das auch sehr unterschiedlich).
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#19 Lefti 2011-05-27 23:14
Der Wechsel der Marvels von Williams zu Condor war natürlich ein Schock! - Obwohl die Qualität der Williams-Hefte zum Schluß auch nachließen: dieses komische Kunstpapier und die Farbabmischung. Spider-Man war nicht mehr rot-blau, sondern pink-blau. :cry:
Aber was der Condor Verlag fabrizierte ging auf keine Kuhhaut mehr! :eek:
Ich vermißte die typische rote Marvel-Ecke links oben auf dem Cover, und den (ich glaube) "handgelettert" genannten Schrifttyp.
Erst in späteren Jahren, zum Schluß hin, änderte Condor den Schrifttyp in den Sprechblasen. Aber da habe ich schon längst kein Spider-Man mehr gesammelt...

Nein, es war nicht mehr das alte Marvel-Fieber. :-?

Schwermetall war nix für mich. Wahrscheinlich war es zu anspruchsvoll für mich.:-* Ich kann mich nur noch an eine Geschichte erinnern. Die nannte sich Mike the Bike. Und das einzige, was mir von dieser Geschichte in Erinnerung geblieben war, ist, daß es dort nur ums fxxxxx ging. Natürlich waren die Bilder zensiert. :-|
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#20 Laurin 2011-05-28 18:32
So, heute ist Band 1. von Luc Orient eingetrudelt und beim durchblättern schlug mein Comic-Fan-Herz in ungeahnte höhen. Nix mit im Computer erstellte Farbspielereien, nix mit Versuchen, Picasso in's Comic quetschen zu wollen, wie es manche Zeichner heute bei Marvel und Co. versuchen, bzw. versucht hatten (erinnere mich da an wirklich grausam gezeichnete X-Men Hefte). Es geht doch nichts über die Künstler, die damals mit Ideen und viel Handarbeit ihre Projekte umsetzten. Und den Preis (da hatte ich etwas Magenschmerzen im Vorfeld) ist diese wirklich perfekte Umsetzung (Hardcover/Großformat/bestes Papier/Bindung) wert. Kann also nur sagen: Beide Daumen hoch! :-)
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#21 Larandil 2011-10-05 01:08
zitiere Michael Wuttke:
Von Luc Orient hab ich noch zwei ZACK-Alben im Original, dann nur noch die spätere Alben-Serie (ich glaube von Ehapa?). Hab ich das recht in Erinnerung, dass Assistentin Yvonne in einigen Übersetzungen auch anders heißt? Ich meine mich an den Namen Monique zu erinnern ... Gruß Micha


Ich habe gerade auf der Suche nach etwas ganz Anderem das "Zack-Album 15" wiedergefunden. Luc Orient: Der Tyrann von Terango, für DM 3,80.
Dort trägt Prof. Kalas Assistentin den Namen Lora.
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#22 Laurin 2011-10-05 13:05
Jepp, Larandil, ich habe hier gerade mal den dritten Band von der Gesamtausgabe in der Hand, und da heißt sie auch Lora. ;-)
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