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Ein Griff nach den Sternen oder ins Leere? – Der 4. Planetenroman

Griff nach den Sternen...Ein Griff nach den Sternen oder ins Leere?
"Griff nach der Basis" von Arndt Ellmer –
der 4. Planetenroman

Bisher war es die große Stärke der neuen Planetenromane, komplett eigenständige Geschichten zu sein, deren Verständnis so gut wie kein Vorwissen benötigen. Somit konnten Perry-Unerfahrene ebenso wie Fans bedenkenlos zugreifen und lesen. Die Romane waren quasi für alle da. Doch Band 4 macht  auf diesem Gebiet leider Probleme. Ein Griff ins Leere also? 

 

Arndt EllmerDer neue Planetenroman von Arndt Ellmer erschien erstmals vor 12 Jahren im Januar 1998 unter dem Titel „Raumschiff zu verkaufen“. So war er auch am Ende von Band 3 angekündigt worden, nun aber findet man ihn unter dem Titel „Griff nach der BASIS“ in den Kiosk-Regalen. Die Umbenennung ist für den Fan zweifelsohne aussagekräftiger, lässt aber Perry-Neulinge ein wenig ratlos stehen. Klang für diese der ursprüngliche Titel wie eine Kleinanzeige der NASA in einer Tageszeitung, ähnelt der „Griff nach der BASIS“ mehr einer Überschrift auf Spiegel.de zum Parteitag der SPD. Auf jeden Fall erweckt der jetzige Titel keine Bilder in den Köpfen der Neulinge.

Man kann argumentieren, dass der Roman die Neulinge, die ihn sich zugelegt haben, an der Hand nimmt und das zum Verständnis nötige BASIS-Wissen nebenbei nachliefert. Dies ist an sich auch der Fall. Allein, es wird zu viel über einen zu großen Bereich des Romans mitgeliefert. So bekommt der Leser viel Wissen, das nicht wirklich notwendig ist und den Lesegenuss eher behindert. Denn der konstante Informationsfluss wirkt zu oft wie ein zitierter Lexikon-Eintrag der Perrypedia und schüchtert den Neu-Leser durch seine schiere Fülle ein. Er wird sich denken: „Wenn ich für einen 160-Seiten-Roman schon so viel wissen muss, wie kann ich dann je alles aufholen, um der Serie folgen zu können?“

Zudem leidet auch die Handlung anfangs darunter, da sie auf den ersten 30 bis 40 Seiten immer wieder ausgebremst wird. Die Charaktere stehen herum, reden miteinander, Fachwissen wird geliefert, man redet weiter miteinander. Der frisch gewonnene Leser muss dabei den Eindruck gewinnen, dass Perry-Rhodan-Romane nicht gerade schnell zu Potte kommen. Darüber hinaus wird ihn trotz oder gerade wegen all der Informationen das zentrale Thema kaum berühren.

Für den Fan hingegen ist eben dieses Thema ein wichtiger Baustein in der Rhodan-Historie, geht es doch um nichts Geringeres als das Schicksal der BASIS, eines legendären Schiffes, das einst eine wichtige Rolle gespielt hat. Der Roman beginnt wie bereits die ersten drei Taschenhefte mit einem Auszug aus Hoschpians Chroniken. Diese wurden übrigens extra für die Taschenhefte neu geschrieben und bieten eine geschickte Einführung in den größeren Zusammenhang, innerhalb dessen die Handlung des jeweiligen Planetenromans spielt.

Griff nach der BasisWir befinden uns diesmal im Jahr 1229 Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Die Zellaktivatorträger haben sich auf dem Mond zu einer Konferenz getroffen. Zum ersten Mal bei den neuen Planetenromanen haben wir derart viel Perry-Prominenz an einem Ort versammelt. Der Mond stellt für die Konferenz einen symbolträchtigen Ort dar, da hier vor vielen Jahren die BASIS gebaut wurde. Die BASIS ist mit einer Gesamtlänge von 14 Kilometern das größte Fernerkundungs- und Trägerschiff der Terraner. Sie hat unter ihren vielen Einsätzen stark gelitten und soll daher nach dem Willen des Ersten Terraners Buddcio Grigor verkauft werden.

Der Erste Terraner und die Unsterblichen sind sich, gelinde gesagt, nicht grün. Es sind gerade keine guten Zeiten für die Aktivatorträger. Sie überlegen, ob sie das Schiff selbst kaufen sollen, hätten aber nicht die Finanzen für die erforderliche Überholung. Mal abgesehen davon, dass gar nicht sicher ist, ob die LFT an sie verkaufen würde. Um wenigstens das Abwracken zu verhindern, erklärt sich Homer G. Adams, der ehemalige Hanse-Chef, bereit, den Verkauf zu organisieren.

An dieser Stelle spaltet sich die Handlung in parallele Stränge auf: Eine Gruppe von BASIS-Veteranen, verärgert von den Verkaufsabsichten, schleicht sich an Bord der BASIS. Der Privatsekretär des Ersten Terraners, Dennison, wird von einem Unbekannten für eine zwielichtige Operation angeheuert. Homer G. Adams reist gemeinsam mit Julian Tifflor zu Verkaufsverhandlungen nach Archetz und gerät dort gleich nach der Ankunft unter Beschuss, während auf der BASIS eine Delegation der Gataser-Blues von Perry & Co. durchs Schiff geführt wird. Mysteriöse Energieortungen an Bord sorgen für zusätzliche Aufregung.

Stichwort Aufregung: Es dauert, bis der Roman so richtig aufregend wird. Erst nach einem Drittel kommt Schwung in die Handlung, dann allerdings beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Homer G. Adams und Julian Tifflor werden wegen Mordes verhaftet, vor Gericht gestellt und bereits nach weiteren 3 Seiten ein wenig zu plötzlich freigelassen. Derweil sorgen die BASIS-Veteranen für Unruhe an Bord, Morde geschehen, ein Anschlag wird geplant. Jede Menge zu tun für Perry und seine Freunde, ab diesem Punkt eine abwechslungsreiche Geschichte für den treuen Fan und ganz schön viel Tobak für den Neu-Leser. Als alles verloren scheint, tritt ein mysteriöser Bote auf Homer G. Adams zu und legt ein neues Angebot vor.

Das Ende des Romans, so viel sei verraten, ist nicht das Ende der Geschichte der BASIS. Die wahren Hintergründe des mysteriösen Angebots werden an anderer Stelle erzählt.

Wie lautet also das Fazit nach 161 teils langatmigen, teil turbulenten Seiten? Wenn der Roman auch nicht die höchsten Höhen erreicht, so ist er beileibe kein Griff ins Leere. Treue Fans sollten zugreifen, da die Geschichte einen nicht unwesentlichen Baustein in der Rhodan-Historie darstellt und sie die vielen Fakten zu Beginn unbeeindruckt lassen werden. Neue Leser sollten es sich allerdings gut überlegen, ob sie gerade mit diesem Roman anfangen wollen.

Bei den an sich sehr gelungenen Titelbildern beginnt sich zu meinem Bedauern langsam ein Problem abzuzeichnen: Setzten sich die Cover anfangs noch farblich gut voneinander ab, wiederholen sich mit der Zeit die Farben und man verliert etwas den Überblick, wenn man sich mit den Schiffstypen nicht so gut auskennt. Da weiß man dann nicht mehr, ob man ein bestimmtes Taschenheft schon mal in der Hand hatte oder nicht. Für den Verkaufserfolg am Kiosk ist es eventuell hilfreich zu überlegen, wie man vor allem dem unbedarften Kunden optisch verdeutlichen kann, dass hier ein neuer Roman vor ihm im Regal steht.

Zur Gewinnung von neuen Lesern ist es sicher auch besser, wieder eigenständigere Romane auszuwählen. Das scheint bereits bei Heft Nummer 5 der Fall zu sein. Denn mit Uwe Antons Roman „Eisige Zukunft“ wartet am 19. März am Kiosk ein Taschenheft auf Käufer, dessen Vorschau auf der letzten Seite von Band 4 schon viel Lesevergnügen verspricht.

Hier sind meine Artikel zum 1. Planetenroman, zum 2. Planetenroman und zum 3. Planetenroman nachzulesen.

 

Kommentare  

#1 Laurin 2010-01-22 16:02
An sich finde ich die Aufmachung der Titelseite auch nicht schlecht, aber immer nur Raumschiffe, daß nervt irgendwann doch :sad: .
So gefallen mir auch Heute noch die alten Titelcover der PR-Planetenromane um längen besser!
Aber ich will nicht zuviel meckern, denn wenn ich mir die Titelbilder der Hardcover-Edition zu älteren Planetenromanen von Weltbild ansehe, packt mich das nackte Grauen (oder anders gesagt, genauso daneben wie die Titelbilder der Heyne-Taschenbücher zum PR-Kosmos).
#2 Andrew P. Wolz 2010-01-23 03:26
Ich will gar nicht sagen, dass mich die Cover nerven. Sie sind schön gemacht und verwenden geschickt vorhandene Illustrationen. Sicher will man auch hier nichts Neues produzieren lassen, weil es von den Kosten her nicht machbar wäre.

Ich denke da eher an eine andere Lösung. Beispielsweise an einen Aufkleber wie z.B. "NEU - Januar/Februar 2010". Der verdeutlicht, dass das Taschenheft in diesen zwei Monaten am Kiosk erhältlich ist. Und man könnte ihn zu Hause ablösen. Ob so ein Aufkleber allerdings nicht auch zu viel kostet oder technische Gründe dagegen sprechen, weiß ich nicht.
#3 Laurin 2010-01-23 16:31
Ich wollte auch nicht sagen, das mich die Cover an sich nerven, es könnte aber durchaus mal ein "hübsch-hässlicher" Alien abgebildet werden :-)

Als wirklich unterirdisch empfand ich eben nur die Cover der Weltbild-Edition und die der Heyne-Taschenbücher.
#4 Andrew P. Wolz 2010-01-24 01:05
Das würde mich jetzt interessieren:
Wer wünscht sich mehr Abwechslung auf den Cover und wer ist zufrieden?
#5 Laurin 2010-01-24 13:01
Das ist mal eine gute Frage, Andrew P. Wolz,
also Leute, ran an die Tasten (mich interessiert das auch brennend).
#6 Kyr 2010-01-25 16:01
Ich bin ja kein Planetenroman-Leser, aber wenn ich lese, dass sich die Riege der Unsterblichen die Überholung der BASIS nicht leisten kann, dann komme ich ins Staunen.
Das liegt wohl daran, dass sich das Team nie sonderlich viele Gedanken über die Folgen der Unsterblichkeit/Langlebigkeit gemacht hat.
Ich erinnere an das Thunderbolt-Team, dass nach fast 1000 Jahren nicht befördert wurde ...

Arndt Elmer hat hier wohl schon damals nicht wirklich aufgepasst. Nehmen wir 1000 Solar/Galax/Wurschteltaler als Startkapital und einen Zinssatz von 0,5% (extra niedrig, wer macht schon Geschäft mit Unsterblichen?).

Also, der gute Bully legt im Jahre 2000 1000 Solar zu 0,5% an. Dann hätte er im Jahre 3586, das Jahr der Indienststellung der Basis, lächerliche 27.250.046 Solar.

Die Handlung des Romans spielt im Jahre 1229 NGZ. Hier hätten wir also seit 2000 n. Christus eine Zeitspanne von 2816 Jahren. In dieser Zeit wären aus den 1000 Solar (bei 0,5%) 1.257.853.048 Solar geworden.
Naja, diese Unsterblichen machen das ja alles ehrenamtlich und sind mit einem Bungalow am Goshun-See zufrieden. :roll:
#7 Andrew P. Wolz 2010-01-26 00:23
Tja, Kyr, da wären wir dann beim Thema des Romans "Eine Billion Dollar" von Andreas Eschbach. Und Eschbach lohnt sich auch immer, aber das ist ein anderes Thema. Wenn auch nicht ganz anders, schließlich hat er schon drei sehr schöne PR-Romane geschrieben.
#8 Larandil 2010-01-26 05:20
@Kyr: auch Unsterbliche erleben ab und zu Wirtschaftskrisen, Währungsreformen und so weiter. Spätestens das Regime der Aphilie hätte wohl auch die Privatvermögen der Unsterblichen einfach beschlagnahmt/verstaatlicht. Und wenn man erst einmal für tot erklärt wurde, wie es den meisten der Unsterblichen während ihrer 700jährigen Auszeit im Stasisfeld zwischen PR 1399 und 1400 widerfahren sein dürfte ... wie lange danach kann man noch wiederauftauchen, Einspruch erheben und mit Aussicht auf Erfolg die Wiederherstellung seiner Konten verlangen? ;)

Wenn die Bank, bei der Reginald Bull im Jahr 2000 sein Sparbuch angelegt hat, im Lauf dieser Jahrtausende insolvent wird, weil man sich verspekuliert hat, dann ist auch ein Unsterblicher seine Einlagen los. Ganz bestimmt sogar, wenn er gerade irgendwo weit weg wieder einen kosmischen Waldbrand austreten muß und sich nicht um so was kümmern kann.
#9 Laurin 2010-01-26 16:08
Gebt es doch zu, ihr wollt nur an die Konten der Unsterblichen ran..... :lol:
#10 Kyr 2010-01-27 11:19
@Larandil: Jojo, ist ja recht, stimmt ja alles. Was ich eigentlich damit ausdrücken wollte: Ich halte es für extrem unwahrscheinlich, dass die Unsterblichen nicht (wieder) über ein massives Vermögen verfügen. Aber die Redaktion macht sich über die Auswirkungen der Langlebigkeit keine ausreichenden Gedanken.

@Andrew P. Wolz: Die Billion Dollar ist ein ausgezeichneter Roman, der Spaß macht. Da gibt es auch eine Kurzgeschichte von, äh, Heinlein?, keine Ahnung, habe ich vergessen, die heßt auf deutsch "Mit Zins und Zinseszins". Ein lustige Zeitreisegeschichte, bei der der Protagonist in der Vergangenheit Geld anlegt, um am Ende das riesige Vermögen in seine Zeitmaschine zu investieren, um in die Vergangeheit reisen zu können, um das Geld anzulegen ...
#11 Andrew P. Wolz 2010-01-27 14:37
Danke für den Hinweis, Kyr.

Die Kurzgeschichte "Zins und Zinseszins" (Compounded interests, 1956) stammt übrigens von Mack Reynolds.

Auf deutsch ist sie 1985 im Heyne-Verlag in der lesenswerten Zeitreise-Anthologie "Zielzeit", herausgegeben von Karl Michael Armer und Wolfgang Jeschke, erschienen. Zu einer Zeit also, als der Heyne-Verlag noch eine umfangreiche und vorzügliche Kollektion von SF-Büchern vorweisen konnte.
#12 Kyr 2010-01-29 11:26
Exakt das ist die gemeinte Kurzgeschichte. Diese Sammelbände bei Heyne waren damals eher Offenbarungen als eine Sammlung von Kurzgeschichten. :-)
#13 Andrew P. Wolz 2010-01-30 01:16
Tja, die goldenen SF-Zeiten bei Heyne. Aber es gibt auch heute noch schöne SF-Anthologien: Zum Beispiel die "NOVA"-Buchreihe von Ronald M. Hahn.

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