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Projekt Taschenheft - Der 2. Planetenroman „Die Show der Sterne“ ist erschienen

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Der 2. Planetenroman „Die Show der Sterne“ ist erschienen

Man kann die Bezeichnung Planetenroman durchaus im übertragenen Sinne verstehen. So, wie ein Planet eine abgeschlossene Welt innerhalb eines großen Universums darstellt, ist auch ein Planetenroman eine abgeschlossene Welt, sprich: abgeschlossene Geschichte, innerhalb des großen Perryversums.

Und als solche bietet er einen ganz eigenen Lesegenuss und ist wichtiger Bestandteil der verschiedenen Erzählformen, mit denen die Perry Rhodan-Autoren uns regelmäßig unterhalten. Das gilt in besonderem Maße auch für den 2. Planetenroman „Die Show der Sterne“, der seit dem 21. August als Taschenheft in den Zeitschriftenregalen steht.

Das „Projekt Taschenheft“, das damit in die zweite Runde geht, nutzt die Chance, rare Romane solcher Autoren neu aufzulegen, die den heutigen Perry Rhodan-Lesern sehr gut bekannt sind. Mit Robert Feldhoff hat man für das zweite Heft einen besonders bedeutenden Autoren gewählt, der als langjähriger Exposé-Autor und als Verfasser etlicher beliebter Romane eine wichtige Rolle für den aktuellen Perry Rhodan spielt. Leider ist Robert Feldhoff am 17. August viel zu früh verstorben, ein großer Verlust für seine Familie, seine Mitmenschen und nicht zuletzt für alle Perry Rhodan-Fans.

Die Show der SterneRobert Feldhoffs „Show der Sterne“ demonstriert auf interessante Weise die Themenvielfalt der Planetenromane. Denn jeder Roman erzählt nicht nur seine eigene Geschichte, er erzählt sie auch auf seine Art. War der zwei Monate zuvor erschienene Planetenroman noch eine flotte Agentenstory, so wird dieser als melancholisches Roadmovie beworben. In der Tat geht es um eine Reise durchs All. Man könnte sogar sagen, es handelt sich um „Gullivers Reisen durchs All mit einer Strip-Show“. Denn wie der Gulliver-Roman von Jonathan Swift im Original ein Kommentar zur Gesellschaft des 18. Jahrhunderts war, kann man Feldhoffs Planetenroman durchaus als Kommentar zu geltenden moralischen Ansichten lesen.

Feldhoffs Gulliver heißt Gary. Gary Sporter, um genau zu sein. Gary Sporter lebt auf dem Planeten Cocomare, ist Buchhalter eines Rechtsanwalts und unzufrieden mit seiner Gesamtsituation. Sein Leben macht ihm zwar keinen Spaß mehr, gekündigt hat er auch schon, aber um endgültig auszubrechen fehlt ihm der Mut. Das ändert sich, als die „beste Strip-Show des bekannten Universums“ in seiner Stadt landet. Angezogen von einer überdimensionalen holografischen Werbe-Projektion in Gestalt einer nackten Frau besucht er eine Vorstellung der Strip-Show und wird in den Bann der Chefin der Showtruppe gezogen, Marcie Carmichigan. Er besucht die Show ein zweites und ein drittes Mal, bis ihm Marcie den Vorschlag macht, sich der Truppe anzuschließen. Seine beruflichen Fähigkeiten werden dringend benötigt, da die Truppe ständig rechtliche und geldliche Probleme hat. Gary verbucht schnelle Anfangserfolge, als er die Einnahmen um ein Viertel anheben kann und so dringende Reparaturen an Marcies Schiff ermöglicht. Als die Truppe aufbricht und den Planeten verlässt, hat er sich entschieden mitzureisen. In der Folge trifft die Strip-Show immer wieder auf Probleme wegen der angeblichen Verwerflichkeit der Show – ganz offensichtlich kennt man in dieser Zeit den Film „Showgirls“ nicht mehr. Gary hat währenddessen auch private Probleme. Er kann sich nicht entscheiden zwischen der erotischen Anziehungskraft, die Marcie auf ihn ausübt, und den zärtlichen Gefühlen, die sich zwischen ihm und der Tänzerin Angel entwickeln.

Gary Sporters Reise treibt schließlich unaufhaltsam ihrem Höhepunkt entgegen: Auf dem Planeten Joschdraw benutzt eine korrupte Politikerin die Show als Vorwand, um mit drastischen Gegenmaßnahmen Wählerstimmen zu gewinnen. Sie lässt Angel festnehmen und droht ihr mit dem Todesurteil. Gary kämpft nun gleichermaßen um Angel und um die Zukunft der Show, bis die Geschichte mit einem großen Knall endet.

Robert Feldhoffs Roman liest sich gewohnt flüssig und unterhaltsam. Es gelingt ihm schon auf den ersten Seiten, überzeugende Charaktere zu erschaffen. Während das erste Taschenheft, „Agent für Terra“ von Hubert Haensel, vom zügigen Vorantreiben der Handlung lebte, zählen bei der „Show der Sterne“ die Personen und ihre Beziehungen untereinander. Dabei gerät die Geschichte fast ein wenig größer, als es der Rahmen von 160 Seiten zulässt. Hier und da muss der Autor Platz gewinnen, indem er Szenen nicht im Detail erzählt, sondern durch Zusammenfassung verkürzt. Was jedoch letztendlich wiederum dem Lesefluss positiv zugutekommt.

Auch das Äußere des Taschenhefts ist wieder sehr gelungen. Es macht einfach Spaß, den Roman in die Hand zu nehmen. Auch wenn das Titelbild nicht wirklich in unmittelbarem Zusammenhang mit der Geschichte steht, vermittelt es doch eine große Wertigkeit. Und wenn die Redaktion die Heftreihe in dieser geschlossenen grafischen Gestaltung weiterführt, ergibt sich auf Dauer eine schöne einheitliche Sammlung.

Die Frage bleibt allerdings, ob die Reihe weitergeführt wird. Nach Aussagen der Redaktion ist das „Projekt Taschenheft“ ein Experiment. Mit der Wiederveröffentlichung alter Romane in diesem neuen Gewand testet man auf finanziell sicherer Basis, ob das Format beim Leser ankommt. Erst nach einer gelungenen Einführung wird man es wagen, für die Taschenhefte auch neue Geschichten schreiben zu lassen. Wer also an den Planetenromanen Interesse hat, sollte jetzt mit dem Sammeln beginnen. Auf diese Weise trägt er zum Gelingen des Projekts bei und nimmt gleichzeitig Abschied von einem großen Perry Rhodan-Autoren.

Das nächste Taschenheft erscheint am 23. Oktober unter dem Titel „Die Gottes-Maschine“. Autor ist Peter Terrid.

Wer ihn noch nicht kennt: Hier ist mein Artikel zum 1. Planetenroman „Agent für Terra“ nachzulesen.



Kommentare  

#1 Laurin 2009-08-26 18:04
Aber hallo,
natürlich habe ich mir auch dieses Taschenheft an Land gezogen ;-) !
#2 Hermes 2009-08-26 19:10
Zitat:
Wer also an den Planetenromanen Interesse hat, sollte jetzt mit dem Sammeln beginnen. Auf diese Weise trägt er zum Gelingen des Projekts bei und nimmt gleichzeitig Abschied von einem großen Perry Rhodan-Autoren.
Das nennt man wohl geschicktes Marketing oder?
#3 Laurin 2009-08-26 20:49
Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk, Hermes :lol:
#4 Andrew P. Wolz 2009-08-26 22:49
Wenn es denn Klappern ist, so klappere ich aus Überzeugung, da ich gerne mehr "neue" Planetenromane lesen würde. Aber danke für das Lob, Hermes. :D
#5 Hermes 2009-08-27 02:03
Gegen neue Planetenromane hätte ich auch nichts einzuwenden. :-)
#6 Larandil 2009-08-27 06:30
Da schließe ich mich meinen Vorrednern an. Allerdings möchte ich zwei Bedingungen stellen.
1. Einzelabenteuer sind mir viel, viel lieber als Trilogien oder ihre großen Brüder.
2. Laßt bitte schön Perry in Ruhe daheim seinen Residentenjob machen. Es muß doch irgendwo in der großen weiten Milchstraße Leute geben, die Probleme lösen können, ohne auf der Stelle den Panikknopf zu drücken und alle Unsterblichen im Umkeis von zigtausend Lichtjahren inklusive LFT-Geheimdienst und Neuer USO zu Hilfe zu rufen!

Immerhin klappt es hier ja auch. Und im ersten Taschenheft hat der große Allan D. gerade mal den Helden auf den Weg gebracht und sich am Ende Bericht erstatten lassen!

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