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Perry Rhodan 2500 - Feste Rituale

Perry Rhodan 2500 Feste Rituale
Perry Rhodan zum 2500.

So jetzt ist es also soweit. Der Erbe des Universums erreicht Band 2500. Drei oder vier Autorengenerationen haben die Serie sicher durch alle Klippen und Untiefen der vergangenen fast 48 Jahre geführt.

Haben Rhodan - auch die Figur selbst - immer wieder neu erfunden. Neben Jerry Cotton, John Sinclair und Professor Zamorra ist die Serie der Dauerbrenner in der deutschen Romanheftszene.

Es gibt im Leben jeden Menschens feste Rituale, die ihm das Gefühl von Sicherheit geben und ihm helfen, sich in der Welt zu orientieren. Jede Woche im Zeitschriftenhandel schauen, was der neue Perry bringt, ist so ein Ritual. Das ganze Leben ist ja eine Balance zwischen Sicherheit und Neugier, zwischen bekanntem und neuem. Und in den letzten Jahren und Jahrzehnten ist diese Gleichgewicht sehr stark in Richtung Wandel und Veränderung verschoben worden. Die Konstanten sind rar geworden. Schwarzweissfernseher, hat es so etwas mal gegeben? Sowjetunion, war das nicht mal ein Staat? Wer erinnert sich noch an die Illustrierte Quick? Wer kann noch etwas mit Automarken wie NSU und Simca anfangen? Wo ist Klementine geblieben? Kennt noch jemand die Felix-Comics? D-Mark, Horthen-Kaufhäuser, man kann die Liste beliebig fortsetzen. Lauter Dinge, die mal selbstverständlich waren, aber irgendwann verschwunden sind. Und doch gibt es sie, diese unverrückbaren Fixpunkte im Leben. Einer davon ist die Perry-Rhodan-Serie.

Ja, sie hat sich natürlich auch gewandelt, auf ihre Art und Weise dem Zeitgeist Tribut gezollt. Auf dem Höhepunkt der Studentenunruhen etwa gab es in der Serie die Verdummung durch den Schwarm und den Homo Superior, der eigentlich durch seine Unbelehrbarkeit herausstach. Zur Zeit der Friedensbewegung wurde auch Perry-Rhodan abgerüstet. Die zahlreichen Raumschlachten der Frühzeit verschwanden für eine ganze Weile in der Versenkung. Und trotz dieser Wandlungen und Anpassungen blieb die Serie doch, was sie war: ein Fels in der Brandung der Veränderung. Für eine vereinte Menschheit, in der alle Völker und Rassen gleichberechtigt lebten, war man von Anfang an. Und seit der Ägide William Voltz hat sich auch an einer weiteren grundsätzlichen Botschaft der Serie nichts mehr geändert. Bis heute ist Perry kein schlicht gestrickter Ledernacken, der einfach draufhaut und sich dem Bodycount hingibt. Immer wird das Moment der Verantwortung betont. Und wenn es sich dann trotz aller Bemühungen mal nicht vermeiden läßt, geht Perry mit Bauchschmerzen in die finale Raumschlacht und fragt sich bis zuletzt: "hätte ich das verhindern können?".   

Und natürlich war die Perry-Rhodan-Serie die Blaupause für alle anderen deutschen SF-Serien im Heftroman. Gewiss, die Konkurrenz hat einiges anders, manches sogar besser gemacht, aber Maßstab und Ausgangspunkt war immer der Erbe des Universums. Jeder wichtige Autor, der in Deutschland in den letzten 50 Jahren SF-Heftromane geschrieben hat, war früher oder später Teil des Rhodan-Teams (wenn auch manchmal nur für kurze Zeit). Alle wichtigen Themen der SF wurden schon bei Perry behandelt: Zeitreisen, Begegnungen mit Außerirdischen jeder Couleur, Roboter, Mutanten, genetische Manipulationen, Superintelligenzen und ... und ... und.

Meine erste Begegnung mit dem Rhodan-Universum war wohl 1976. In der ersten Auflage stand die Milchstraße unter der Herrschaft der Laren und des Konzils. Während Atlan den Untergrundkampf organisierte, initiierte Perry den 80-Jahresplan und beide zofften sich mächtig. Paralell dazu wuden die Ereignisse um die Terra-Patroullie geschildert. Der entvölkerte Planet befand sich weit ab der heimatlichen Milchstraße im Bereich der Superintelligenz BARDIOC.  Natürlich schnupperte ich dann auch in die zweite Auflage. Der Schwarm und die gelben Eroberer verdummten die Milchstraße und plünderten sie aus. Nur Rhodan und ein paar Immune versuchten zu retten, was zu retten war. Und wo ich gerade mal dabei war, schaute ich auch in die dritte Auflage. Hornschrecken überschwemmten die Galaxis und die Blues traten als das zweite Imperium in Erscheinung.  Als die vierte Auflage kam, wurden die ersten 20 Bände nachgeholt und zwischendurch die Lücken in der Sammlung geschlossen. Andromeda, die Bestien aus M87, das kosmische Schach usw.. Planetenromane wurden angelesen, die Atlan-Serie angetestet. Irgendwann gab es dann wichtigere Dinge im Leben und ich beobachtete die Serie meist nur noch aus der Ferne. Aber zwischendurch wurde immer wieder mal reingelesen.

Was macht die Serie eigentlich aus? Was fasziniert daran? Da ist einmal dieser grandiose Entwurf über tausende von Jahren eine Geschichte der Menschheit erzählen zu wollen. Das sind diese Figuren wie Gucky, Alaska Saedalaere und Icho Tolot. Und natürlich die Superintelligenz Es, die immer wieder für Überraschungen gut ist. Aber auch die Völker des Rhodan-Universums, die zunächst hochnäsigen Arkoniden, deren Riesenreich unaufhaltsam zerfällt, die noch arroganteren Akonen mit ihrer Transmittertechnik, die aggressiven Topsider, die scheinbar unüberwindlichen Kampfmaschienen der Haluter, die kleinwüchsigen Siganesen, die an Obelix erinnerndern Ertruser mit ihren Sichelfrisuren, die tellerköpfigen Blues, die methanatmenden Maaks usw.. Und dann die grandiosen Entwürfe von William Voltz, das Konzil der Sieben, die Superintelligenzen Bardioc und Kaiserin von Therm, die Burgen der sieben Mächtigen. Später die kosmische Hanse oder das Tiefenland und zuletzt die Retroversion.

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