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Eine »unheimliche« Mischung - Dämonenkiller – Die Taschenbücher: Heimkehr ins Reich der Toten

Eine »unheimliche« Mischung: Dämonenkiller – Die TaschenbücherHeimkehr ins Reich der Toten

Der kommerzielle Erfolg der Marke "Dämonenkiller" muss in der Tat beträchtlich gewesen sein. Nicht nur wurde die Serie bereits nach 17 Heften aus dem Vampir-Horror-Roman ausgekoppelt, um sich fortan allein auf dem Markt zu behaupten.

Innerhalb kürzester Zeit wurde die Serie auch auf wöchentliche Erscheinungsweise umgestellt. Zeitgleich brachte man im März 1975 eine Taschenbuchreihe auf den Markt.


Heimkehr ins Reich der TotenHeimkehr ins Reich der Toten
von Thomas Jago
Dämonenkiller Taschenbuch Nr. 47
Oktober 1978

Der Roman:
England. Devon. In der Vergangenheit sieht der junge Martin Slocombe heimlich zu, wie sich Graf William in seinem Schloss über Martins Schwester Elisabeth hermacht. Das tut der Graf mit allen Jungfrauen der Umgebung, aber bis jetzt hat der alte Sack die Finger von der Tochter seines Gutsverwalters gelassen. Doch jetzt ist sie fällig. Martin kann ihr nicht helfen, aber auch der Schlossgeistliche, der junge Robin Gillies, den es in das Schloss im Moor verschlagen hat und der in Elisabeth verliebt ist, tut nichts, außer dem Jungen Trost zu spenden und zuzusehen. Martin alarmiert seinen Vater. Als die beiden in die Schlosshalle kommen, liegt Elisabeth mit einem Dolch im Hals nackt und tot auf dem Tisch. Der Vater stürzt sich auf den Grafen und wird von dem enthauptet. Robin verhilft dem Jungen zur Flucht.

120 Jahre später. Der wandernde Scherenschleifer Martin Gillies kommt nach Devon in das kleine Dorf Stockland. Die offensichtlich von Inzucht geprägten Dörfler empfangen ihn mit Misstrauen; in der Dorfkneipe wird er sofort von dem schwachsinnigen Bert angegriffen. Aber Martin ist ein harter Knochen, weiß mit dem Messer umzugehen und kann sich wehren.

Das Dorf im Moor ist winzig und von der Außenwelt abgeschlossen. In der Nähe steht eine Schlossruine. Martin, der irgendwo in England einen Sohn hat und dessen Vater wie er Scherenschleifer war, hat das ungute Gefühl, den Ort zu kennen.

Seine Werkstatt schlägt er im Schuppen der schönen Witwe Mary auf, die ebenfalls eine Zugereiste ist. Ihr Mann war Landentwickler und wurde tot im Moor aufgefunden. Man erklärte es zu einem Unfall, aber Mary glaubt, dass man ihn ermordet hat. Weil er etwas Fortschritt in die Gegend bringen wollte.

Irgendjemand bringt Martin ein kostbares Schwert zum schleifen. Er erfährt, dass es im Dorf schon lange keine Priester mehr gibt, weil sie alle tot im Moor gefunden wurden. Um das Schloss ranken sich Gespenstergeschichten. Vor allem die von Graf William.

Bei einem Abendspaziergang stolpert Martin über ein totes Schaf. Man hat ihm den Kopf abgeschlagen. Sofort verdächtigt er den schwachsinnigen Bert, da das Schwert verschwunden ist. Kurz darauf begegnet er einem Greis, der behauptet, Graf William zu sein und nur auf ihn gewartet zu haben. Der Graf nennt Martin bei seinem zweiten Vornamen Slocombe. Martin Slocombe Gillies.

Bei Martin drängen sich seltsame Erinnerung an die Oberfläche, erst recht, als ihm der Graf versichert, dass er zwar Martins Vater getötet hat, aber am Tod der Schwester unschuldig sein will. Er will, dass Martin nun ihn tötet und damit erlöst. Martin kann das alles nicht glauben. Was hat eine vor mehreren Generationen geschehene Geschichte mit ihm zu tun, und wie kann der Graf noch leben? Er hält alles für einen Albtraum.

Ein Blick in die Familienbibel, in der es eine Seite mit Hieroglyphen gibt, belehrt ihn Besseres. Plötzlich scheinen sie Sinn zu ergeben. Wieder steigen in ihm Erinnerungen an die Mordnacht auf. Da ist der Geistliche Robin, der seine Schwester Elisabeth liebte, da ist der mörderische Graf William. Sollte der Scherenschleifer tatsächlich der wiedergeborene Martin sein, der an den Ort des Verbrechens zurückgekehrt ist, um es zu sühnen?

Er erzählt alles Mary. Die glaubt ihm sogar. Aber dann gibt es Ärger mit den Dörflern. Denn man findet den enthaupteten Bert, und die Mordwaffe befindet sich bei Martin. Die aufgebrachten Dörfler denken nicht daran, die Polizei zu rufen, sondern wollen den Scherenschleifer kurzerhand aufhängen. Martin und Mary fliehen ins Moor.

Am Ende landen sie in der Burg, wo sich noch mehr Schwachsinnige aufhalten, die teilweise schon vor Jahren verschwanden. Anscheinend sind sie wie auch Bert alle Sklaven des Grafen. Und der wartet schon auf Martin und Mary.

Graf William erklärt Martin, dass ihn Robin Gillies mit einem Fluch belegt hat, der seinen Tod verhindert. Seit damals haust er als Untoter in dem verfallenden Schloss. Erlösung kann er nur finden, wenn Martin ihn mit dem Schwert umbringt. In Wirklichkeit war Robin ein Satanspriester, die Familienbibel der Slocombes ist ein Satansbuch, die ganze Familie ist ebenfalls an den Fluch gebunden. Außerdem hat Robin die Schwester umgebracht, weil er sie nicht mehr haben konnte. Martin erkennt, dass das die Wahrheit ist – schließlich hat sein früheres Ich nur die Vergewaltigung beobachtet, nicht den Mord –, aber er will den Grafen nicht töten. Andererseits wird ihm klar, dass der Fluch an seinen Sohn übergehen wird.

Der Graf führt Martin und Mary in die Gruft, wo Elisabeth und Martins damaliger Vater ruhen. Dort liegt auch Robin Gillies begraben, der irgendwann zum Schloss zurückkehrte. Aber das Grab ist leer. Plötzlich kehrt Robins Geist zurück. Er beeinflusst die Schwachsinnigen, Martin und die anderen in der Gruft einzusperren. Martin findet einen Ausweg; dabei gerät aber das Schloss in Brand.

Dem Scherenschleifer wird klar, dass Robins Geist einen neuen Körper sucht und ihn als Träger auserwählt hat. Da er sich mit Marys Hilfe gegen den Geist erwehren kann, will der nun den untoten Grafen von einem der Schwachsinnigen töten lassen. So würde der Fluch weiter bestehen bleiben. Nach einem harten Kampf im brennenden Schloss kommt Martin ihm aber zuvor und erlöst den Grafen, was den Fluch bricht.

Auf der Flucht aus der Flammenhölle treffen die beiden auf die Polizei, die mittlerweile vor Ort ist. Die Behörden beschützen das Paar vor dem Mob und erklären Berts Tod zu Selbstverteidigung. Martin und Mary brechen in eine hoffentlich bessere Zukunft auf, weit weg vom Moor.

Bewertung:
Uwe Erichsen, Jahrgang 1936, arbeitete seit 1974 als hauptberuflicher Autor und ist hauptsächlich für seine Krimis bekannt. Er schrieb unter anderem für Jerry Cotton, Kommissar X (als Steve McCoy), Franco Solo und Bastei Spionage. Dazu kamen viele Western wie Basteis Kung Fu-Western oder Pabels Marshall Western (als Jim Sheridan). Und ein paar Horrorromane. Er gehört zu den wenigen Autoren, die den Sprung von der anonymen Heftschreiberei ins Fernsehgeschäft schafften. Dort verfasste er diverse Drehbücher für "Der Fahnder", "Ein Fall für Zwei", "Schimanski" und auch den renommierten Tatort.

Sein Beitrag zum Dämonenkiller-Tb lässt in der Machart deutlich sein Talent erkennen. Vielleicht weniger bei dem manchmal etwas wirren Plot als in der Schaffung von Atmosphäre und glaubwürdigen Charakteren.

Der Roman lebt von der Schilderung des rückständigen Dorfes und seiner wenig sympathischen Einwohnern. Das ist recht stimmungsvoll erzählt. Selbst die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Martin und Mary ist glaubwürdig in Szene gesetzt, für dieses Genre eher eine seltene Errungenschaft. Da merkt man, dass der Autor vom Krimi kommt – und damit meine ich jetzt nicht den typischen Cotton oder Actionheuler wie Franco Solo, sondern Erichsens unter eigenem Namen veröffentliche deutsche Krimis -, in denen es um glaubwürdige Figuren und ihre Psychologie geht.

Die Geschichte selbst bietet wenige Überraschungen, es ist eine typische Inkarnations/Fluch-Story. Immerhin wird sie in Ruhe entwickelt, und die zweite Hälfte, die im Schloss spielt, erinnert in ihren besten Szenen an einen schönen Gothic-Film. Aber mit der Auflösung tut sich der Autor etwas schwer. Irgendwann bleibt die innere Logik auf der Strecke, und man merkt dem Roman an, dass Erichsen mit dem Genre nicht wirklich warm wurde.

Zweifellos ein Roman, der von der Machart über dem häufigen Heftniveau der letzten Zeit liegt. Von der Story ist er jedoch eher nur okay und wenig spektakulär. Aber das waren in dieser Phase des Dämonenkiller-Taschenbuchs nur wenige Beiträge.


Life on Mars
Der Autor hält die Geschichte bewusst (?) zeitlos, das könnte auch in den 50ern spielen.

Das Titelbild
Das Bild ist von JAD, dem Mann mit dem schönen Namen José Antonio Domingo Bernabéu, der einen ausgeprägten Stil hat und zu der Zeit durchaus international vertreten war. Das Motiv des grimmigen Kriegers mit Wikingeranflügen ist ganz nett. Thematisch aber völlig deplatziert.

Copyright © by Andreas Decker

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Kommentare  

#1 Toni 2016-12-05 17:00
Interessant, was Uwe Erichson so alles geschrieben hat. Die Summen die man für Drehbücher deutscher Krimiserien gezahlt hat, dürften um einiges höher gewesen sein, als die für Heftroman Manuskripte. Ich schätze mal das 10-fache.

Das Walhalla-Titelbild leuchtet bestimmt auch im Dunkeln. :-)
#2 Estrangain 2016-12-06 05:05
Mich würde überhaupt interessieren, wieviel ein Autor damals für einen Heftroman bekommen hat.
#3 Toni 2016-12-06 18:13
Habe mal gehört, dass Pabel mehr für einen Gruselroman gezahlt hat als andere Verlage. Vampir Horror dürfte am Anfang bei 1000-1500 DM gelegen haben. Zu dieser Zeit keine schlechte Einnahmequelle. Für die Taschenbücher gabs bestimmt noch einen Ticken mehr.
#4 Schnabel 2016-12-06 19:21
@ Toni: Deine Quelle mit der Mehrbezahlung stimmt, die Summe ist nur ein wenig gering. Der Bastei-Verlag hat Gespenster-Krimi pro Manuskript 1.600 DM gezahlt. Pabel war großzügiger. Pro Dämonenkiller- und Vampir-Heft gab es 1.900 DM und pro Taschenbuch 3.000 DM (Quelle Kurt Luif).
#5 Toni 2016-12-06 19:32
Mit so viel mehr für ein TB hätte ich nicht gerechnet. "Arme Schreiberlinge" waren die gefragten Autoren wohl nicht. Gute alte Zeit.
#6 Schnabel 2016-12-06 19:53
Noch besser bezahlt wurden die Kurzgeschichten für die Zeitungen wie Neue Revue usw. Da gab es für zehn Manuskriptseiten, das gleiche Geld wie für einen Heftromanmanuskript. (Quelle Kurt Luif)
#7 Schnabel 2016-12-08 18:11
Bei der Dämonenkiller-Zweitausgabe - spricht die neuen Romane ab Band 131 gab es nur noch 1.400 DM pro Roman. Bei Pabel-Verlag fingt das Sparen an... Später in den Neunziger gab es bei manchen Reihen nur noch 1.000 DM pro Roman.
#8 Estrangain 2016-12-08 18:46
Interessant. Ist auch bekannt ob und wie die Expose-Tätigkeiten, sowie die Betreuung der Leserseiten honoriert wurden?
#9 Harantor 2016-12-09 09:58
Exposés und Leserbriefbetreuung wurden/werden bei Pabel honoriert. Dietmar Kuegler sagt, bei Ronco war das auch so.

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