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Sub- und Miniserien in Terra und Utopia: Flaggschiffe, Flottenkadetten und Flops - Unter dem Licht der blutigen Sonne - DARKOVER

Mini- und Subserien bei Terra und UtopiaFlaggschiffe, Flottenkadetten und Flops
Folge 7:
Unter dem Licht der blutigen Sonne - DARKOVER

Von den Fünfzigern bis in die Achtziger hinein gab es SF auch in zahlreichen Reihen. Herausragend dabei die ›Marken‹ »Utopia« und »Terra«. Für viele der erste Kontakt mit der Science Fiction bzw. dem ›utopischen Roman‹. In diesen Reihen erschienen zahlreiche Sub- und Miniserien. Diese werden in den kommenden Wochen einmal etwas genauer betrachtet ...


Planet der GefahrenAuf dem fantasievollen Titelbild des Terra Nova-Heftes Nr. 167 aus dem Jahre 1971 mit dem spannungsgeladenen Titel „Planet der Gefahren“ sind zwei junge Männer abgebildet, von denen der eine den anderen stützt und die von einem riesigen blinden Vogel bedroht werden. Im Hintergrund scheut ein Pferd, dessen Reiter eine Lanze trägt. Tatsächlich handelt der Roman von einem Jugendlichen von der Erde mit Namen Larry Montray, der zum fernen Planeten Darkover reist, welcher von Abkömmlingen irdischer Kolonisten bewohnt wird. Nach gemeinsamen Abenteuern mit dem ungefähr gleich alten Kennard Alton, der aus einem einheimischen Adelshaus stammt, schließt Larry mit Kennard Freundschaft und erfährt am Ende des Bandes, dass er selbst zum Teil darkoveranischer Abstammung ist. Dieser spannende Jugendroman wurde von einem Jugendlichen gelesen, der etwa das gleiche Alter wie die beiden Hauptpersonen hatte, den Terraner Larry deswegen als Identifikationsfigur adoptierte und von da an jedes Abenteuer auf dem geheimnisvollen Planeten mit den vier Monden verschlang, nämlich durch mich!

Die blutige SonneDazu passte auch, dass der zweite Roman der Serie, der bald darauf mit der Nr. 171 herauskam, den Neugier erzeugenden Titel „Die blutige Sonne“ hatte. Allerdings war ich etwas irritiert, weil es mit Jeff Kerwin eine andere Hauptperson gab und Kennard wesentlich älter war. Mit Nr. 181 kam der nächste Roman der gleichen Autorin „Die Falken von Narabedla“, der mir eigenartig vorkam. Er handelte von einer Welt mit einer Doppelsonne, die mit ihren Türmen irgendwie Darkover-ähnlich wirkte und in die ein Erdmensch unfreiwillig mit seinem Geist reiste, einen Körpertausch wie John Gordon mit Zarth Arn in Edmond Hamiltons "Star Kings" machend, dies allerdings unfreiwillig. Außerdem wurden Namen wie Rhys, Aldones und Zandru verwendet, die auch in Darkover vorkamen. Na ja, gleiche Autorin, aber doch andere Welt. Dann kam mit Band 187 mit „Das Schwert des Aldones“ ein weiterer spannender Darkover-Roman, wobei mir bei diesem endgültig klar wurde, dass die Autorin bei dieser Serie in jedem Roman eine abgeschlossene Geschichte vom gleichen Planeten erzählte, allerdings in unterschiedlichen Perioden spielend und mit anderen Hauptpersonen. Dies brachte zwar einiges an Widersprüchen zwischen den Bänden mit sich, wirkte aber faszinierend, weil Handlungsträger eines Romans in einem anderen jünger oder älter auftauchten, Nebenfiguren zu Hauptfiguren, Handlung zu Geschichte oder gar Legende wurde und so einem Puzzle gleich nach und nach ein immer kompletteres Bild einer fremdartigen Welt entstand. „Aldones“ hinterließ bei mir zwar etwas gemischte Gefühle, weil die Geschichte um die Göttin Sharra, die aus einer Matrix zu reinkarnieren versuchte, schon fantasyartig wirkte und ich solche Elemente in einer sonst eindeutigen SF-Welt nicht schätze.

Das WeltraumtorNach Band 190 wurde Terra Nova durch die Nachfolgeserie Terra Astra abgelöst und startete gleich mit Band 1 mit dem nächsten Roman der beliebten Autorin „Das Weltraumtor“. Dieser Roman verwirrte mich komplett. Denn er spielte auf dem Planeten „Wolf“, allerdings gab es auf dieser Welt eine blutrote Riesensonne (wenngleich es sich um Phi Coronis handelte), Trockenstädte, Katzenmenschen, Ya-Männer, den Geisterwind sowie Frauen, die zur Kennzeichnung ihrer Bindung an einen Mann Kettchen um die Hände trugen. All dies hatte ich bereits in den bisherigen Darkover-Romanen kennengelernt. Darkover wurde außerdem als Planet eines anderen Sonnensystems erwähnt. Zu allem Überdruss spielte in der Handlung auch der Spielzeugmacher Evarin eine Rolle, den ich bereits in „Die Falken von Narabedla“ kennengelernt hatte, das ich aber eindeutig als nicht zum Darkover-Universum gehörend identifiziert hatte. In den nächsten Jahren erschienen in der Terra Astra-Reihe weitere Darkover-Romane, die nach dem mir schon bekannten Muster in verschiedenen Perioden der Geschichte Darkovers spielten. Darunter war der handlungschronologisch erste „Landung auf Darkover“, der von der Notlandung des Sternenschiffes und der Gründung der Kolonie handelt, sowie der damals letzte „Die Weltenzerstörer“, der von einem Anschlag eines Konzerns von der Erde auf die darkoveranische Zivilisation berichtet, um die Eigenständigkeit des Planeten zu zerstören und den Planeten komplett an die Föderation der Erde anzuschließen. Etliche der Bände erzählten von Begegnungen zwischen Menschen von der Erde mit den einheimischen Darkovanern, woraus sich auch Liebesgeschichten entwickelten. Das Bild war nun für mich klar, allerdings blieb das Rätsel mit den beiden Romanen, die nur teilweise dazu passten, vorläufig ungelöst.

Landung auf DarkoverDie Geschichte Darkovers beginnt also mit der Notlandung eines Aussiedler-Raumschiffes von der Erde und der Gründung einer Kolonie. Die Ex-Besatzung des Raumschiffes besteht großteils aus Leuten, die aus Nord- und Lateinamerika kommen, während die Siedler aus den Randgebieten der britischen Inseln abstammen. Deswegen entwickeln sich im Lauf der Zeit 2 einheimische Sprachen, Casta und Cahuenga, deren Herkunft aus dem Spanischen und dem Keltischen deutlich erkennbar ist. Die Kolonisten haben Begegnungen mit verschiedenen einheimischen Spezies, darunter die zweigeschlechtlichen Chieri, die menschenverwandt sind. Deswegen können nach Paarungen auch Mischlingskinder zwischen Chieri und Menschen entstehen. In den nächsten Jahrhunderten bauen die Menschen auf dem Planeten, der ein raues Klima aufweist, eine eigene nichttechnische Zivilisation auf, denn der Schiffskapitän hatte durch die Zerstörung des Bordcomputers dazu beitragen, dass das irdische Wissen schneller vergessen wird. Eine Anzahl von Menschen entwickelt verschiedene Formen von Psi-Kräften, die „Laran“ genannt werden und die bei unsachgemäßer Anwendung große Gefahren verursachen. Laran wird durch Matrizes, das sind einheimische Kristalle, gebündelt und verstärkt. Durch Unfälle mit unkontrolliertem Laran werden ganze Städte zerstört. Diese Periode wird später „Das Zeitalter des Chaos“ genannt. Die Gefahr kann dadurch gemildert werden, dass Laran-begabte Menschen in Türmen ausgebildet werden, in denen sie lernen, mit diesen Kräften richtig umzugehen. Ein Spannung erzeugendes Element ist dabei, dass sexuelle Aktivitäten und die Anwendung von Laran durch den selben Menschen gefährlich für die Gesundheit sind. Daher müssen die Bewahrerinnen der Laran-Kreise, in denen sich die telepathisch begabten Mitglieder versammeln, jungfräulich bleiben. Es entwickelt sich eine feudale Herrschaftsform, in der sieben adelige Familien den Planeten beherrschen, den sie in Domänen aufgeteilt haben. Nach ca. 2000 Jahren nach der Landung, so genau weiß das niemand, kommt es zur Wiederentdeckung der Kolonie durch die Menschen der Erde. Die Erdmenschen gründen einen Stützpunkt, Darkover erhält den Status einer „geschützten Welt“, eine Art Mischung zwischen Protektorat der Erde und Eingeborenenreservat. Vom Spannungsfeld der Begegnungen zwischen Erdmenschen und Darkovanern, dem Gegensatz zwischen moderner und mittelalterlicher Zivilisation, Demokratie und Feudalstaat, Strahlwaffe und Schwert, Technik und PSI-Kräften, lebt die weitere Serie. Dazu kommen noch einige weitere Themen, auf die wir gleich zurückkommen werden.

Dr. Allisons zweites IchDarkover wurde nicht erst mit dem oben erwähnten Terra Nova-Band, der mein Einstieg in die Serie war, im deutschen Sprachraum vorgestellt, sondern bereits Jahre vorher mit zwei Romanen in der Utopia-Heftreihe, beginnend 1960 mit „Dr. Allisons 2. Ich“ (The Planet Savers), später nachgedruckt als „Retter eines Planeten“, dann „Die Kräfte der Comyn“, identisch mit meinem geliebten „Planet der Gefahren“. Außerdem kam „Die blutige Sonne“ zuerst sogar als Utopia Zukunft-Taschenbuch heraus. Zur deutschen Übersetzung von "The Planet Savers" als Utopia-Heft gibt es eine amüsante Geschichte, die Bradley in ihrem Artikel "Eine Darkover-Retrospektive", erschienen in "Marion Zimmer Bradleys Darkover", schildert. Bradley bekam ein Belegexemplar aus Deutschland und entdeckte im Innern eine Illustration, die ihr nicht zum Roman passen zu schien. Sie zeigte die Helden Jason, Kyla und die anderen Expeditionsmitglieder, die in einem riesigen Netz gefangen waren. Nachdem sie nur mäßig Deutsch konnte und sich nicht mehr ganz sicher war, ob sie so etwas geschrieben hatte, schaute sie im amerikanischen Originalroman nach und konnte die illustrierte Szene tatsächlich nirgendwo finden. Sie führte dann einen eher unbefriedigenden Briefwechsel mit dem Übersetzer. Dieser erklärte ihr, dass der sehr kurze Originalroman sogar für den bescheidenen Umfang eines Utopia-Heftes zu kurz war und er deshalb schlichterhand ein Kapitel dazu erfunden habe. Sonst mussten sich deutsche Leser bei Heftausgaben oft mit Kürzungen der Originalromane abfinden, dieses Mal war es umgekehrt. Als "Rache" baute Bradley in ihrem Roman "Star of Danger" eine Szene ein, in der Larry und Kennard von den Waldläufern mit einem Netz gefangen werden, die damit dem dazuerfundenem Kapitel in "The Planet Savers" entspricht.

Nach den erwähnten Terra-Bänden, die mit „Die Amazonen von Darkover“ abgeschlossen wurden, welche bereits in der Terra Taschenbuch-Reihe herauskamen, kam ein Bruch, was die Publikationsform und Länge der Bände betrifft. Der Grund bestand in der allgemeinen Marktentwicklung einerseits und in der konkreten Tatsache andererseits, dass Bradley den Verleger gewechselt hatte. Donald A. Wollheim, der lange Jahre Herausgeber der Ace-Taschenbuchreihe (darunter der berühmten Ace-Doubles) gewesen war, hatte seinen eigenen Verlag gegründet und etliche Autoren und Autorinnen, darunter Bradley, mitgenommen. Er ermutigte sie, ihre Serie, die sie als abgeschlossen angesehen hatte, fortzusetzen, und stellte ihr auch frei, Manuskripte ohne Beschränkungen des Seitenumfanges einzureichen. Dies war ein Trend der Zeit. In der Nachkriegszeit hatten bei uns im deutschen Sprachraum Heftromane mit 48 oder 64 Textseiten einen Großteil des Marktes für Unterhaltungsliteratur inne. Die ersten Taschenbücher enthielten bei engem Satz oft nur 128, 144 oder 160 Seiten. Erst nach und nach wurden auch längere Werke herausgebracht. Beim Heyne-Verlag, der bald die Marktführung im SF-Bereich in Deutschland übernahm, behalf man sich dafür mit Doppelbänden. Der absolute Meilenstein war Frank Herberts „Wüstenplanet“, der in seiner ersten Auflage (obwohl als Doppelband) in Deutschland noch schlimm zusammengekürzt wurde, dann aber in der vollständigen Neuauflage um die 700 Seiten hatte.

Der verbotene TurmDurch die Freiheit, was den Umfang und den Inhalt der Bände betrifft, wandte sich Bradley anspruchsvolleren Themen im Gegensatz zu den früheren Bänden zu, bei denen das Abenteuer im Vordergrund stand und die (wenngleich gekürzt) auch in Heftumschläge passten. Der erste dieser in Deutschland erschienenen Bände war „Herrin der Stürme“, der vom damaligen Herausgeber der Knaur SF Hans Joachim Alpers zu Knaur gelotst worden war.

Der verbotene TurmAlpers übernahm dann allerdings die Herausgeberschaft der neuen Reihe Moewig SF, die einige Jahre Furore machen sollte, bevor sie als Nachdruck- und „Rupfbuchreihe“ ein beklagenswertes Ende nahm. Er brachte die neuen Darkover-Romane in dieser Reihe heraus, beginnend mit dem Schlüsselroman „Hasturs Erbe“, und veröffentliche die früher in Heftreihen erschienen kürzeren Romane ein weiteres Mal in ungekürzten Übersetzungen. Bradley hatte außerdem von den früheren Romanen, mit denen sie nicht mehr zufrieden war, „Die blutige Sonne“ überarbeitet und erweitert, sowie „Das Schwert des Aldones“ komplett neu geschrieben, das dann als „Sharras Exil“ neu auf den Markt kam. Mit diesen Bänden hatte der Sammler erstmals eine fast vollständige Ausgabe dieser Serie in einer Taschenbuchreihe. Negativ wurde allerdings von vielen Käufer(inne)n gesehen, dass eine ganze Anzahl der Titelbilder in sexistischer Weise mit barbusigen Damen geziert war, was eher eine Leserschaft anzog, die an ganz anderen Themen interessiert war als von der Autorin beabsichtigt. In späteren Neuauflagen der ganzen Darkover-Serie in der Moewig SF, die wegen des großen Erfolges notwendig wurden, wurden für alle Romane neue, unverfängliche Titelgrafiken mit weißem Umschlag und dem Reihenuntertitel „Frauen schreiben Science Fiction“ verwendet.

Die Amazonen von DarkoverBradley trat für die Gleichstellung der Geschlechter und für die Freiheit homo- und bisexueller Beziehungen ein und thematisierte dies auch in ihren Romanen. Sie entwickelte das Thema der „Freien Amazonen“ weiter, die bereits im ersten Darkover-Roman „The Planet Savers“ vorgekommen und in „Die Amazonen von Darkover“ erstmals zentrales Thema eines Romans waren. Den „Amazonen“ folgten dann mit „Gildenhaus Thendara“ und „Die schwarze Schwesternschaft“ zwei weitere Romane um die gleichen Protagonistinnen, sodass diese Amazonen-Trilogie eine Subserie innerhalb der ganzen Darkover-Serie bildet. Diese „Entsagenden“ bilden eine Gesellschaftsform, in der sich in der patriarchalischen Herrschaft unterdrückte Frauen in freien Lebens- gemeinschaften in eigenen Häusern zusammenschließen.

Der Eid der freien Amazonen
Von diesem Tage an weise ich das Recht zu heiraten zurück, es sei denn als Freie Gefährtin. Kein Mann soll mich je „di catenas“ binden, und ich werde auch in keines Mannes Haus je als Nebenfrau leben.
Ich schwöre hiermit, dass ich vorbereitet bin, mich selbst mit Gewalt zu verteidigen, wenn ich durch Gewalt angegriffen werden sollte, und dass ich keinen Mann je um seinen Schutz bitte.
Von diesem Tage an, so schwöre ich, werde ich nie mehr unter dem Namen eines Mannes bekannt sein, sei er Vater, Beschützer, Liebhaber oder Gatte, sondern nur noch einfach als Tochter meiner Mutter.
Von diesem Tage an, so schwöre ich, werde ich mich keinem Manne hingeben, es sei denn aus freiem Willen, zu meiner Zeit, zu meiner Lust; und ich werde niemals mein Brot verdienen als Objekt von irgend jemandes Begierden.

zitiert aus: Walter Breen: Der Eid der Freien Amazonen, in: Hans Joachim Alpers: Marion Zimmer Bradleys „Darkover; Corian-Verlag, Meitingen 1983

Die Freien Amazonen wurden so populär, dass sich in Amerika nach diesem Vorbild Frauen zu Lebensgemeinschaften zusammenschlossen und Amazonennamen wie in der Darkover-Welt geschildert annahmen. „Hasturs Erbe“, der als Schlüsselroman der Serie angesehen wird, war in der Science Fiction-Welt insoweit ein Tabubruch, als mit großem Einfühlungsvermögen homosexuelle Beziehungen zwischen den männlichen Hauptpersonen geschildert wurden.

Der Preis des BewahrersDie Beliebtheit des Darkover-Universums zeigte sich auch darin, dass viele Fan-Autorinnen und (wenige) -Autoren eigene Darkover-Erzählungen schrieben. Der Großteil davon hatte die Freien Amazonen zum Thema. Bradley gab eine Anzahl dieser Erzählungen in einer zwölfteiligen Anthologienreihe heraus, wobei sie geschickterweise in jedem Band mindestens eine eigene Kurzgeschichte mit publizierte und somit den Verkaufserfolg sicherte. Sie stellte die Reihe und die Zusammenarbeit mit der Fangruppe „Friends of Darkover“ allerdings ein, nachdem sie von einer Frau mit der Begründung verklagt wurde, Bradley habe ihr eine Idee gestohlen und für einen eigenen Roman verwendet.

MZBDie Amerikanerin Marion Zimmer Bradley (1930 – 1999) begeisterte sich bereits als Jugendliche für SF und Fantasy und war auch im amerikanischen Fandom aktiv, bevor sie selbst ins professionelle Schreiben einstieg. Sie schrieb den sehr umfangreichen Roman "The King and the Sword" um das Land Al-Merdin, der zwar nicht publikationsfähig war, aber bereits sehr viele Elemente und Handlungsstränge enthielt, die sie später in den Darkover-Erzählungen wiederverwendete. In den erwähnten Romanen „Das Weltraumtor“ und „Falken von Narabedla“ wurden teilweise die gleichen Motive von dort übernommen, deshalb ist klar, dass es sich um parallele evolutionäre Linien handelt, die ebenfalls von Al-Merdin abstammen. Das Rätsel ist somit gelöst. Die „Falken“ bezeichnete sie später in einem Interview auch als schamlose Kopie einer Kuttner-Story. Sie sei damals sehr jung gewesen und habe es nicht besser gewusst, sagte sie. Meiner Einschätzung nach könnte damit „The Dark World“ gemeint sein. Der Körpertausch von Mike Kenscott mit Lord Adric auf Narabedla passt tatsächlich besser zu dem von Edward Bond mit Lord Ganelon auf der Dunklen Welt als zum oben angeführten in "Star Kings", da die getauschte Erinnerung in beiden Fällen von der des ursprünglichen Besitzers des jeweiligen Körpers überlagert wird. Außerdem tauchen in beiden Romanen Zombiesoldaten und eine böse Hexe auf. Für diejenigen Komplettsammler, die das überprüfen wollen: Henry Kuttner: Lord der dunklen Welt, Pabel Terra Fantasy 6, 1975. Ich erinnere mich daran,  dass mir der Plot dieses Romans damals recht bekannt vorkam. Die „Falken“ hatte ich ja vorher gelesen.

Die Nebel von AvalonIhre erste Kurzgeschichte konnte Bradley bereits 1953 verkaufen. In den nächsten Jahren erschienen weitere serienunabhängige Romane und Erzählungen von ihr. Mit den Darkover-Romanen und-Erzählungen wurde sie international bereits sehr populär. Ihr größter Erfolg wurde allerdings das Buch „Die Nebel von Avalon“, das die Artus-Sage aus weiblicher Sicht nacherzählt und ein Weltbestseller wurde. Bemerkenswert ist auch „Tochter der Nacht", eine literarische Umsetzung der Handlung der „Zauberflöte“. Klar, das muss mich als Einwohner der Mozartstadt ja interessieren. Nachdem es in dieser Artikelreihe um Serien geht, sei auch noch der Zweiteiler um "Die Jäger/Die Flüchtlinge des roten Mondes" erwähnt. Dabei geht es um Menschen von der Erde und Außerirdische, die von anderen außerirdischen Sklavenjägern auf eine fremde Welt entführt und dort gejagt werden, bis sie sich befreien können. In den neunziger Jahren erlitt Bradley mehrere Schlaganfälle. Ihre letzten Romane wurden daher mit Hilfe von Co-Autorinnen fertiggestellt. Auch nach ihrem Tod 1999 erschienen weiterhin Bücher unter ihrem Namen, die in Wirklichkeit von anderen Autorinnen verfasst wurden. Angeblich hat sie an diesen Titeln noch selbst mitgearbeitet, dies ist aber wohl nur ein Vorwand, um die verkaufsträchtige Marke „Marion Zimmer Bradley“, die „Queen of Fantasy“, weiterhin auf der Titelseite zu haben.

Hasturs ErbeIn Deutschland wurden nach Einstellung der Moewig SF die Darkover-Bände und die anderen vorher bei Moewig erschienenen Romane Bradleys von Ullstein unter dem Reihentitel „Moewig bei Ullstein“ nachgedruckt. Die Anlehnung an die Moewig-Bände ging so weit, dass die Ullstein-Titel teilweise sogar die gleichen Reihennummern bekamen, nur mit einer 6 vorgestellt. Dann kam Knaur und brachte ebenfalls eine schöne Gesamtausgabe, die mit stimmungsvollen Titelbildern versehen war, wieder ergänzt um 3 weitere Romane, die bereits posthume Kollaborationen waren.

Zuletzt kam vor einigen Jahren die Trilogie „Die Feuer von Darkover“, die ebenfalls eine posthume angebliche Kollaboration war. Weitere vier Romane wurden nicht mehr auf Deutsch übersetzt. Neben einer Anzahl von Hardcovern bei Knaur und Hestia sowie Buchgemeinschaftsausgaben beim Deutschen Bücherbund und bei Bertelsmann gab es schließlich als ultimative Gesamtausgabe die Weltbild-Sammeledition, die von Michael Nagula editiert wurde. In dieser sind nicht nur alle Darkover-Romane und -Anthologien versammelt, sondern auch noch 5 Bände eines Darkover-Atlas. Und jetzt kommt noch der Hinweis für alle Komplettsammler: Bei Weltbild erschien „Schwert des Chaos“, die zweite Darkover-Anthologie, in einer ungekürzten Ausgabe mit allen Geschichten der amerikanischen Originalausgabe. In der Moewig-Ausgabe, die zu einem Zeitpunkt erschienen war, als bereits von Verlagsseite begonnen wurde, die Reihe totzusparen, war nämlich die Hälfte der Geschichten weggelassen worden und alle späteren Ausgaben mit Ausnahme des angeführten Weltbild-Bandes druckten diese unvollständige Ausgabe nach.

Der Untergang von NeskavaIn den letzten Jahren ist es ruhiger um das einst so rührige Darkover-Fandom geworden. Der Tod von Bradley liegt doch schon etliche Jahre zurück, und ihr Renomee hat leider stark dadurch gelitten, dass ihre eigene Tochter Moira sie posthum beschuldigte, sie als Kind sexuell missbraucht zu haben (Marion Zimmer Bradley wird des Kindesmissbrauchs bezichtigt - Reaktionen im Netz). Von ihrem Ex-Ehemann Walter Breen wusste man das schon, denn er war wegen Kindesmissbrauch bereits gerichtlich verurteilt worden. Aber die „Queen of Fantasy“? Wir sind keine Richter, dürfen aber nie vergessen, dass die Freiheit des oder der Anderen immer dort beginnt, wo die eigene aufhört, besonders wenn es sich um schutzbedürftige Kinder handelt.

Schwert des ChaosWahrscheinlich ist Ihnen aufgefallen, dass in diesem Artikel ziemlich wild zwischen Publikationsgeschichte und Handlung der Serie hin und her gesprungen wird. Das ist in diesem Fall Absicht, denn denn die Publikationsgeschichte dieser lang laufenden Serie spiegelt sowohl gesellschaftliche Entwicklungen wider als auch Entwicklungen auf dem amerikanischen und dem deutschen Buchmarkt und nicht zuletzt natürlich die Lebensgeschichte der Autorin. Die innere Chronologie der Handlung ist nur ein Schema, in das die Bücher eingebettet wurden, welche aber nicht in dieser Reihenfolge geschrieben wurden. Deshalb folgt möglicherweise einem für Jugendliche geeigneten Abenteuerroman ein Buch, in dem Bettgeschichten recht offen geschildert werden. Ich gestehe ehrlich, dass ich zu denen zähle, welchen die älteren, kürzeren Abenteuergeschichten in etlichen Aspekten mehr zusagen. Wahrscheinlich steckt in mir immer noch der sechzehnjährige Junge, der zusammen mit Larry und Ken am Pass dem Banshee-Todesvogel entkommen ist. Das gefiel mir einfach besser als die schwüle Schlafzimmeratmosphäre, in der zwei telepathische Paare miteinander im Bett sind, ein Szenario, in dem sich ein Teil der Handlung von "Der verbotene Turm" abspielt. Bradley selbst empfahl, die Bände in der Reihenfolge zu lesen, wie sie erschienen sind. Darkover ist und bleibt eine der faszinierendsten Science Fiction-Welten.

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Kommentare  

#1 AARN MUNRO 2016-09-29 11:51
ZB erafnd damals eine gute "romantsiche Serie, die zu den "Palenetengeschichten" gehört wie etwa Arrakis oder auch Pern von Mc Caffrey...hier wird über Jahrhunderte eine Kultur erzählt...spannend war der "Fantasy"-Zugang der Matrizen, der über Psi-Fähigkeiten erkannt wird...im Gegensatz zur harten Terra-Tech...auch die planetearen Konflikte waren meist recht gut...habe alle Bände gelesen...bei Moewig später war die Ü besser...
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#2 Hermes 2016-09-29 13:29
"Planet der Gefahren" war für mich einer der ersten SF-Bände überhaupt. Hat mich sehr beeindruckt. Jahre später habe ich dann auch "Landung auf Darkover" bei Terra Astra gelesen. Und noch später kamen ein paar der Moewig-Titel in meine Sammlung.

Damals gab es eine Zeitlang drei eingeschweißte Romane zum Sonderpreis. Terra Nova und Raumschiff Promet. Man konnte aber leider nur zwei der drei Bände sehen, der dritte war jeweils Glücksssache.
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#3 Yugoth 2016-09-29 20:23
Danke für den wieder einmal hervorragenden Artikel. Ich hatte zwar in meiner PR Jugend mitbekommen, dass bei Moewig die Taschenbuchausgabe herauskam, sie aber nie gelesen. Den Todesstoß zu einem möglichen späteren Lesen der Darkover Bände haben dann "Die Nebel von Avalon" ausgeführt. :-x Würdet ihr denn sagen, die Darkover Serie hat die Zeit gut überstanden, oder sollte ich lieber die Finger davon lassen?
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#4 Larandil 2016-09-30 09:26
zitiere Yugoth:
Würdet ihr denn sagen, die Darkover Serie hat die Zeit gut überstanden, oder sollte ich lieber die Finger davon lassen?

Persönlich denke ich, die Darkover-Geschichten lassen sich auch heute noch lesen. Die Technologie der Terraner ist nicht so hoch entwickelt, wie wir uns das für mehrere Jahrtausende in der Zukunft vorstellen mögen, aber es kann ja Rückschläge gegeben haben. Keine Cyborgs, keine KIs, keine Roboter, keine kriegerischen Arachnoiden von Klendathu ... keine Cyberspaceabstecher Implantate ... und die Comyn würden so was ja ohnehin nicht dulden.
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#5 Andreas Decker 2016-09-30 11:29
Ein schöner Artikel. Die Publikationsgeschichte von MZB ist eine der vielschichtigsten, das zu entwirren ist viel Arbeit. Ein toller Überblick´!

Zitat:
Negativ wurde allerdings von vielen Käufer(inne)n gesehen, dass eine ganze Anzahl der Titelbilder in sexistischer Weise mit barbusigen Damen geziert war, was eher eine Leserschaft anzog, die an ganz anderen Themen interessiert war als von der Autorin beabsichtigt.
Also in dem Punkt muss ich dann doch mal widersprechen. ;-) Auch wenn es gerade in Genrebewertungen mittlerweile schick ist, jeden nackten Busen auf dem Cover grundsätzlich als "sexistisch" abzustrafen, ist das letztlich ein weltanschauliches Urteil und damit wenig hilfreich.

Die Frage, ob der gelegentlich verwendete Vallejo-Pin-Up-Stil zum Inhalt passt oder nicht, ist aber interessant. Was hat Darkover mit dieser Art Fantasy zu tun? Nichts. Obwohl das Cover mit dem Einhorn auch nur purer Romantasy-Kitsch ist.

Interessanterweise sind die meisten DAW-Originale ebenfalls in dem Romantik-Stil. Der dürfte im Ursprungsland zur Entstehungszeit in den 70/80ern ganz klar signalisiert haben, worum es geht und jeden Space Opera-Fan abgeschreckt haben. Das war hierzulande zu der Zeit kaum anders. SF war verkaufstechnisch gesehen vorwiegend eine Männerdomäne. Da ist keiner auf die Idee gekommen, gerade SF im Marketing auf weibliche Kundschaft auszurichten. Das kam erst später, als MZB durch die Nebel zum Mainstream-Erfolg wurde.

Für sich genommen dürfte die frühe Covergestaltung von der Optik her aber bestimmt interessanter als die bemerkenswert hässliche "weiße Reihe" mit ihren völlig nichtssagenden Motiven. Aber das ist zugegebenermaßen Geschmacksache. :-)
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#6 Yugoth 2016-10-04 09:03
zitiere Larandil:
zitiere Yugoth:
Würdet ihr denn sagen, die Darkover Serie hat die Zeit gut überstanden, oder sollte ich lieber die Finger davon lassen?

Persönlich denke ich, die Darkover-Geschichten lassen sich auch heute noch lesen. Die Technologie der Terraner ist nicht so hoch entwickelt, wie wir uns das für mehrere Jahrtausende in der Zukunft vorstellen mögen, aber es kann ja Rückschläge gegeben haben. Keine Cyborgs, keine KIs, keine Roboter, keine kriegerischen Arachnoiden von Klendathu ... keine Cyberspaceabstecher Implantate ... und die Comyn würden so was ja ohnehin nicht dulden.
Ok, danke erstmal soweit. Bei Weltbild ist ja die handlungstechnisch chronologische Ausgabe erschienen. Mit welchem Band würdet ihr denn empfehlen, einzusteigen?
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#7 Elisabeth Müller 2018-10-31 16:00
Hallo, ich bin ein langjähriger Fan der Darkoverromame von MZB. Die nachfolgenden Versuche von Deborah Ross gefallen mir bis auf eine Ausnahme jedoch nicht sehr. Vielleicht gefällt Euch aber der Roman "Die Welt von Barzaha" von Antonia Cimiotti. Auch hier handelt es sich um eine kleine Welt die mit der unseren verbunden ist. Liebe Grüße Elisabeth
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