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Eine »unheimliche« Mischung - Dämonenkiller – Die Taschenbücher: Die Insel der lebenden Statuen

Eine »unheimliche« Mischung: Dämonenkiller – Die TaschenbücherDie Insel der lebenden Statuen

Der kommerzielle Erfolg der Marke "Dämonenkiller" muss in der Tat beträchtlich gewesen sein. Nicht nur wurde die Serie bereits nach 17 Heften aus dem Vampir-Horror-Roman ausgekoppelt, um sich fortan allein auf dem Markt zu behaupten.

Innerhalb kürzester Zeit wurde die Serie auch auf wöchentliche Erscheinungsweise umgestellt. Zeitgleich brachte man im März 1975 eine Taschenbuchreihe auf den Markt.


Die Insel der lebenden StatuenDie Insel der lebenden Statuen
von John Wyman
Dämonenkiller Taschenbuch Nr. 39
Februr 1978

Der Roman:
Bei einer Seance trifft der deutsche Archäologe Chris Keller auf den Geist einer Frau. Sie nennt sich Jarlit von Magur und bezeichnet ihn als den Träger von Charrus Ring. Tatsächlich trägt Keller einen alten Kristall, den er irgendwo ausgebuddelt hat. Der schöne Geist verspricht Keller, dass sie sich wiedersehen.

Kurz darauf findet Keller bei einer Grabung auf Kreta eine Insel mit mysteriösen Statuen. Jarlit ist eine davon.  Eine andere hält ein Buch, das Buch der Verbotenen Riten. Jarlit erscheint Keller und fleht ihn um Hilfe an. Der dunkle Priester kommt. Keller soll das Buch in der Vergangenheit suchen, damit sich sein Fluch nicht erfüllt.

Jarlits Geist führt Keller zu einem magischen Tor, und plötzlich ist er in Atlantis. Die Insel wird gerade von dem bösen Priester Satu Gor bedroht, der sie mit den alten Dämonengöttern beherrschen will. Keller landet erst einmal im Kerker und soll hingerichtet werden, aber als Träger von Charrus Stein ist er unantastbar.

Während Keller dem edlen König Charru vorgestellt wird, beschwört der fiese Satu Gor einen Dämon. Der soll ihn ins Land der Maguren bringen, um den dortigen Zauber zu brechen und das Buch in die Hände zu bekommen. Charru erklärt mittlerweile Keller, dass das Buch von dem verrückten Bahran von Magur gehütet wird, der es aus Machtgier nicht hergeben oder vernichten will. Jarlit ist Bahrans Tochter.

Auf dem Weg nach Magur läuft Keller dem Priester über den Weg, der ihn gleich hypnotisiert und zu seinem Sklaven macht. Beeinflusst reist Keller weiter und lernt endlich die schöne Jarlit und ihre Schwester Katali kennen. Die beiden wollen ihrem Vater das Buch stehlen und von Keller vernichten lassen, damit die Welt sicher ist.

Aber Keller ist ja beeinflusst und übergibt das geklaute Buch an Satu Gor, der sich dämonisch freut. Keller soll jetzt von Bahran hingerichtet werden, kann fliehen und mit Jarlit nach Atlantis zurückkehren. Dort lassen alle resigniert Satu Gor gewähren, der erst mal Katali opfert.

Die Dämonen kommen. Keller kann Charru davon überzeugen, dass Atlantis untergehen muss - er kommt ja aus der Zukunft und muss es wissen -, damit sich die Dämonen nicht über die ganze Welt ausbreiten. Jarlit zaubert eine magische Barriere um Atlantis, um die manifestierten Dämonen einzusperren, dann zündet Charru die evakuierte Stadt an.

Satu Gor gibt sich nicht geschlagen und zerstört den Damm um Atlantis, damit das Meer das Feuer löscht. Charru opfert sich und löst einen Vulkan aus, um die Dämonen doch noch zu vernichten, während Keller und seine Traumfrau Jarlit als glückliches Paar in die Gegenwart zurückkehren.

Bewertung:
Die Ära der deutschen Horrorromane in Serie im Dämonenkillertaschenbuch beginnt, wie es sich gehört: mit eine Qualitätsoffensive. Oder auch nicht.
   
Als Autorin des Romans zeichnet die 1991 verstorbene Susanne Wiemer, die auch mit ihrem Mann Udo Wiemer zusammenarbeitete. Über sie ist leider wenig bekannt. Sie gehörte zu einer Autorengeneration, die in allen Genres unterwegs waren und für jedes Thema schrieben. Heute Herzschmerz und der Baron, der das Waisenmädel heiratet, morgen Krimis, die sich mehr an einschlägigen Filmen und weniger an der zeitgenössischen Literatur orientierten. Wiemers Haupttätigkeitsfeld war Jerry Cotton, zu dem sie viele Romane beisteuerte. Aber sie schrieb auch Gruselromane für den Gespenster-Krimi und natürlich den ersten Professor Zamorra.

Für Pabel war sie ebenfalls tätig. Zuerst namenslos bei Kommissar X und Fledermaus, später dann als Kelly Kevin bei so unterschiedlichen Projekten wie den Seewölfen oder der Plutonium Police. Oder eben als John Wyman oder andere für die Gruselschiene.

Ein Horrorroman ist das allerdings beim besten Willen nicht. Das ist Fantasy, und die ist in diesem Fall nicht gerade originell. Eigentlich ist es sogar nur eine Aneinanderreihung der schlichtesten Klischees des Genres. Wir haben den kernigen Held, das Magische Tor, Männer in Röckchen, Atlantis™, einen eindimensionalen Dämonenpriester™ mit albernem Namen, Atlantis™, einen edlen König, Atlantis™, eine edle Prinzessin, melodramatische Dialoge, eine Handlung aus einem Sandalenfilm und Atlantis™.

Das Ganze ist familienfreundlich erzählt; wenn der Dämonenpriester seine Blutopfer durchzieht, wird vorher im Sinne der FSK abgeblendet, und bei den Schwertduellen muss auch keiner bluten.

Der Zeitreiseplot macht wie üblich nicht viel Sinn. Schwer zu glauben, dass Jarlit Tausende Jahre in der Zukunft nach ihrem Champion suchen muss, und hätten alle den verrückten Bahran gewähren und das Buch behalten lassen, stünde Atlantis heute noch immer da, wo auch immer es stand. Aber so schlicht und blutarm die Geschichte auch ist, stilistisch kann man nicht meckern. Susanne Wiemer zieht hier alle Register und kniet sich in den gelegentlich fast schon märchenhaften Ton rein. Erzählt ist das tadellos, und der Roman wäre überall besser aufgehoben gewesen als beim Dämonenkiller, wo er nach einem Monat mit anderen Remittenden eingestampft wurde. 1978 wäre das kein übles Jugendbuch gewesen, wären Jugendbuchverlage derartigem Material gegenüber offener gewesen.

Kompetent produziert, aber als Horrorroman ein echter Reinfall, und das in jeder Hinsicht.

Interessant ist allerdings ein Detail. Offenbar gefiel der Autorin der Name Charru so gut, dass sie ihn kurz darauf erneut für ihre 26-teilige SF-Serie "Söhne der Erde" benutzte. Der Held Charru von Mornag hat schon große Ähnlichkeit mit Charru von Atlantis.


Life on Mars
Im Gegensatz zu ihren angloamerikanischen Kollegen hielten sich die deutschen Kollegen meistens auffallend zurück, wenn es um Zeitkolorit oder alltägliche Dinge ging. Das ist auch hier der Fall

Das Titelbild
Das Motiv passt zum Inhalt. Mal ein recht stimmungsvoller Lutohin, der auf den Titel zurückgreift. Oder das Bild diente wie so oft als Vorlage zum Text.

Copyright © by Andreas Decker

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Kommentare  

#1 Heiko Langhans 2016-08-15 10:43
Eine Wiemer-Werksübersicht wäre doch mal etwas Feines. Die Cottons sind schon mal im Bastei-Forum gelistet ... 8)
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#2 Toni 2016-08-15 18:17
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es in diesem Roman um "Atlantis" ging. :D :-?
Das Thema fand ich bei Sinclair schon stark öde.
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