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»Schön war die Jugend?« - Ausflüge in die Romanheftvergangenheit: Der Teufel zwischen Wolkenkratzern - Geister-Krimi Nr. 365 von Andrew Hathaway

Schön war die Jugendzeit? -  Ausflüge in die RomanheftvergangenheitAusflüge in die Romanheftvergangenheit:
»Der Teufel zwischen Wolkenkratzern«
Geister-Krimi Nr. 365 von Andrew Hathaway

Okay, ab sofort heißt es: runter mit den Erwartungen! Da war doch mein erster Geister-Krimi noch rund und gut zu lesender Reiseabenteuerbericht mit Thrillerelementen – und einer Prise Übernatürliches- gewesen und hatte mich in guter Hoffnung in Richtung auf die größte Subserie des Geister-Krimis zusteuern lassen.


Richard Wunderers „Rick Masters“, der zwischen 1972 und 1984 hochaktiv in fast 90 verschiedenen Romanabenteuern das Böse bekämpfte.

Der 2009 leider viel zu früh verstorbene Wunderer war ein unglaublicher Vielschreiber, der in praktisch jedem Genre daheim war, von der SF über den Horror bis zum Arzt- und Adelsroman. Hunderte Romanhefte gehen, unter vielen verschiedenen Pseudonymen, auf sein Konto, bei „Geister-Krimi“ schrieb er Masters zumeist als Andrew Hathaway, während er bspw im „Gespenster-Krimi“ als Frederic Collins, Frank DeLorca oder Brian Elliot unterwegs war. „Monstrula“ schrieb er – mit leichter Unterstützung durch Co-Autoren – fast ganz alleine als „M.R.Richards“.

Worum es mir ging, war der Reiz, den Rick Masters offenbar auf die Leserschaft ausgeübt haben muss, denn wer sich über 10 Jahre in drei Anthologieserien hält, der kann ja wohl nicht so vieles falsch gemacht haben. Ich ging also blank an den mir noch neuen Helden heran, der sich mir durch einen Zweitauflageroman präsentierte: „Der Teufel zwischen Wolkenkratzern“ war bereits als GK171 schon einmal erschienen, doch mangels frischer Romanware entschied man sich bei Kelter, eine ursprünglich angesetzte 2.Auflage später der Einfachheit halber in die 1.Auflage zu integrieren – mit fortlaufenden Nummern. Was zunächst wohl noch ein Notnagel war, wurde im letzten Jahr der Serie zum Standard, gut die Hälfte der letzten 50 Romane (bei Nr.405 war Schluß) sind interne Neuauflagen.

Das musste aber jetzt nicht zwingend einen Abgrund an Qualität bedeuten, auch wenn ich vermute, dass man sich nicht unbedingt die besten Romane noch einmal rausgesucht hatte, sondern einfach verbriet, was noch da war. Es ist übrigens der 35. „Rick-Masters-Roman“, insofern kann ich den Autoren dann leider nicht mit Geburtswehen entschuldigen.


Der Teufel zwischen WolkenkratzernZum Inhalt:
Wenn schon Wolkenkratzer, dann natürlich die Echten aus New York. Dort herrscht aber erstmal Ruhe, stattdessen raubt jemand eher auf Straßenniveau Tresore aus, auf eine sehr perfide Weise: Tresortüren und sonstige Hindernisse werden einfach pulverisiert! Verantwortlich dafür ist ein Dutzend schemenhafter Gestalten, die einen Wachmann prompt in die Schockstarre versetzen. Für den ermittelnden Beamten Lieutenant Harding ist der Fall akut zu schräg, weswegen er auch blitzschnell auf den Plan verfällt, den Detektiv des Übernatürlichen, Rick Masters (bekannt offenbar aus diversen Zeitungen) zu kontaktieren, damit er sich darauf einen Reim macht. Doch die Gegenseite schläft nicht, denn der Zirkel der 12 Schemenräuber (folgend immer etwas albern „Schemen-Bande“ genannt) hat sich bereits unter Vorsitz einer vermummten und recht diabolischen Gestalt versammelt und hat den Detektiv als DEN zu bekämpfenden Erzfeind ausgemacht. So böse ist der große Meister, dass er angesichts einer mittelmäßigen Zwischenfrage gleich mal einem Mitglied was Fieses in die Haut brennt.

Derweil ist Rick noch in London und streitet zwischen Tee und Hundeausführen mit seinem Schnuckelchen Hazel Kent, der reichen wie hübschen Erbin eines gesegneten Industrievermögens. Doch angesichts des Briefs (das muss damals alles ewig gedauert haben, gab es 1977 kein Telefon?) packt Masters sofort die Koffer. Hazel ist geknickt, hat jedoch einen genialen Kniff im Ärmel: sie bucht einfach den Platz in der Maschine neben ihm (weil sie ja sowieso noch Geschäftsfreunde dort hat und jaja…).

In New York wird man sogleich verfolgt, doch bei der anschließenden Verfolgung setzt der Wagen einfach mal aus. Also liefert man Hazel im Hotel ab und geht eine Runde recherchieren, was die Schemen sofort dazu nutzen, die Schöne ganz „schematisch“ zu sondieren. Rick erlöst derweil in der Nervenklinik den Wachmann von seinem Trauma, der beim Einbruch einen Blick in eine Parallelwelt geworfen hat, wo eine Satansfratze turmhoch zwischen Wolkenkratzern schwebte. (Damit haben sich auch Titelbild und Romantitel dann komplett erledigt…)

Masters legt sich messerscharf fest, die Überfälle dienen nur dazu, die Machtübernahme des Bösen zu…ja…finanzieren vermutlich. Weil Hazel ihre Sondierung nicht eben prima gefällt, schlägt sie Alarm, doch auf dem Weg zu ihr werden Masters und Harding selbst Zeugen eines Anschlags der Bande und sehen die Schemen mit eigenen Augen. Mittels finalem Tritt aufs Gaspedal können die beiden entkommen, doch der „Meister“ ist nun so fuchsteufelswild, dass er einen der Seinen grillt.

Derweil hat Rick eine prima Idee und sieht sich andere mysteriöse Fälle an und gerät an die Entführung des reichen Erben in spe Harold Wardwell, der am hellichten Tag in New York entführt wurde. Von den Eltern ist nichts zu erfahren, das damalige Kindermädchen ist nicht auffindbar. Und weil derweil ja ein Platz im Zwölferrat frei geworden ist, könnte den die sowieso schon mal beeinflusste Hazel einnehmen…

Eindrücke ...
… zu schildern, hieße ja beeindruckt zu sein, das kann ich aber angesichts des vorliegenden Romans leider nicht bieten. Natürlich ist durch und durch erkennbar, dass Wunderer ein kompetenter Autor war, der ungeheure Mengen von Handlung solide zu Papier bringen konnte, aber sonst ist das Ergebnis nicht eben preisverdächtig. Ganz im Gegenteil, der Fall ist lahm. Das Thema ist öde und die Umsetzung phantasielos.

Als Krimiminiatur hätte ich ja noch den Stil gelobt, aber der bankraubende Satanszirkel ist wirklich ein ganz übler Käse, der wirklich minimum 30 Jahre zu spät kommt (kam!). Der tonangebende Kuttenträger tut alles Klischeetypische, um nun auch wirklich als derjenige mit dem heißen Draht zu Satan rüber zu kommen, bestraft wirr, brüllt die ganze Zeit rum und bringt es irgendwie doch nicht, denn Masters sollen immer nur die glorreichen Zwölf umbringen, deren Angriffe aber immer sehr „durchsichtig“ erscheinen (muharhar…).

Dass Schönchen Hazel als „junge Frau zum Mitreisen“ ein Opfer der Safeknackersekte wird, steht von Seite 8 an ungefähr fest, wird dann aber bis zum Unfallen ungeschickt breit getreten. Erst ist sie harmlos und unbrauchbar, dann doch brauchbar, dann wird sie entführt, kann fliehen oder wird freigelassen, während Rick ermittelt und ermittelt und ermittelt. Das geht soweit, dass die Suche nach dem geheimnisvollen Kindermädchen wesentlich interessanter wird, die Auflösung aber auch leider immer offensichtlicher, denn da die Entführung des reichen Erben offenbar sonst keine Folgen hatte – außer die Verwüstung von Wohnungen und Ermordung von Zeugen, sobald Masters ermittelt – kann der Entführte ja nur der Typ mit der Kutte sein.

Ein-, zweimal hatte ich ja Hoffnung, dass Satan himself seinen Huf ins Spiel bringt oder wir mal die Dimensionsebene wechseln, aber stattdessen wiederholt sich nur stetig ödes Trulala rund um „Sehen sie nur…dort…die Schemen!“. Dann wird stets von gedanklicher Beeinflussung gesabbelt und anschließend rekapituliert Wunderer für alle sanft Entschlafenen noch mal den gesamten Fall und die bisherigen Ermittlungsergebnisse.

Weil Masters aber auch keine besonderen Waffen oder Kräfte hat, sondern nur ganz normale Detektivfähigkeiten (*leisegähn*), gerät der Fall erst zum Whodunit und dann zur banalen Suche nach dem Versteck, das dank der Übernahme Hazels durch die Bande überhaupt nur betreten werden kann.

Besonders enttäuschend (oder überhastig) nach dem endlosen Blabla ist der Showdown, der tatsächlich nicht mal anderthalb Seiten einnimmt und noch dazu vollkommen an den Haaren herbei gezogen ist. The Big Bad fixiert nämlich mal wieder die Kräfte des Guten zur Tatenlosigkeit und braut dann flugs ein Pottpüree des Bösen, als Hazel in Schementrance zur Tür (bzw. durch die Tür) herein marschiert, die schlimme Schale greift und sie dem üblichen Gesell ins Gesicht schleudert, woraufhin der pflichtschuldigst dahin schmilzt. Wieso, weshalb, warum, alles sehr nebulös, die Kräfte der Liebe oder so – Lt. Harding will jedenfalls kein Protokoll und keine Zeugen, er nimmt die restlichen 11 Helfershelfer fest und Rick nimmt derweil mit Hazel sofort die nächste Maschine.

Fazit:
Alles wahnsinnig unspektakulär und leider nach Schema F in die Maschine getackert, wobei sich Masters zwar nicht enorm blöd anstellt (sowas hatten wir ja auch schon), aber eigentlich nichts aufweist, was seinen Ruf wie Donnerhall bei den Satansjüngern nun rechtfertigen würde.

Waffenlos und auch nicht eben kenntnisreich, fordert er genau einmal das fremde Wesen auf, sich zu zeigen (was auch nur halbgar funktioniert) und macht sonst nur einen guten Eindruck – allerdings auch in einem Fall, der schon in den Zeiten Edgar Wallace (und damit meine ich die 1920er) als ziemlich betulich gewirkt hätte.

Ich nehme dann mal Erklärungsversuche entgegen, was für Andere den Reiz von Mr.Masters ausgemacht hat (außer dem coolen Namen, den sich der Held aber noch mit einem Kollegen einer Comicserie teilt), mir bleibt es nach diesem Roman ein Rätsel.

Aber schauen wir mal nach Versuch Nr.3, wo wir in einem kleinen Dorf mit Fluch und Friedhof einkehren…das wird hoffentlich etwas klasis…klaschisch…das wird bestimmt besser!

Kommentare  

#1 Harantor 2016-01-31 20:14
Nun, der ursprünglich als 171 des Geisterkrimis erschienene Roman ist einer der schwächeren Romane um Rick Masters. Ich empfehle unter anderem mal einen Blick auf Blutwahn ((Nr. 49 des Geister-Krimi) zu werfen.
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