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Hexenhammer - Hunters jugendfreier Bruder - Bd. 265/1 Geburt des Bösen

Hexenhammer - Hunters jugendfreier BruderBand 1 (Vampir Horror Roman 265)
Die Geburt des Bösen
von Paul Wolf (Ernst Vlcek)

Auf Schloss Pooka Manor in Irland wird zu Halloween eine Séance abgehalten. Endlich soll der Durchbruch ins Jenseits stattfinden. Lady Croker ist nicht mehr so begeistert von der Idee. Benutzen die Okkultisten schließlich ihren fünfjährigen Sohn Joey als Medium. Und tatsächlich nimmt Joey Kontakt zum Jenseits auf.


Hexenhammer - Hunters jugendfreier BruderDer Dämon Lemuron meldet sich und verspricht den Séanceteilnehmern große Macht, wenn sie ihn nur ins Diesseits herüberholen. Die Teilnehmer lehnen ab. Bis auf einen, der die Macht will. Lemuron tötet seine Gegner, trotzdem geht alles schief. Der kleine Joey unterbricht den Kontakt und verschwindet spurlos; Lemuron bleibt vorerst im Jenseits.

Zwanzig Jahre später. Derek Hammer, ein Mann Mitte zwanzig, arbeitet in München für das Para-Institut, wo man Grenzwissenschaften erforscht. Der Gründer Ernest Goddard hat den Waisen großgezogen und ausgebildet. Derek ist gerade mit der Probandin Vesta Banshee beschäftigt, sehr zum Missmut seiner Freundin Elvira. Die junge Irin mit dem roten Wuschelkopf ist angeblich ein latentes PSI-Talent. Und sie hat sich in Hammer verliebt, der davon gar nicht begeistert ist. Da gerät Hammers Leben aus den Fugen. Plötzlich erlebt er einen Wachtraum, in dem ihm ein Mann namens Mega Diabolo vor dem Magus warnt. Hammer ist verblüfft.

Dann schickt ihn die Institutsleitung, die aus den Doktoren Goddard, Raikow und Gulda besteht, nach Irland. Auf Schloss Pooka Manor findet zu Halloween ein Okkultistentreffen statt, wo sich solche schillernden Personen wie Mega Diabolo und Mascara Snake versammeln. Hammer soll dort inkognito für das Institut ermitteln.

Vesta warnt ihn vor dem Schloss, wo vor zwanzig Jahren ein nie geklärtes Massaker stattfand. Hammer hält das alles für Unsinn. Aber etwas Seltsames geht hier vor. Magus, der Überlebende der damaligen Séance, will den Dämon Lemuron endgültig beschwören und sucht Mitstreiter. Vesta schleicht sich ein und rettet Hammer vor der unheimlichen Mascara Snake, die Macht über Schlangen hat. Aber dann wird sie gefangen genommen und soll Lemuron geopfert werden.

Hammer kann gegen die Okkultisten nicht bestehen. Da schleicht sich sein Adoptivvater Goddard ins Schloss und enthüllt ihm, dass er Joey ist, der verschwundene Sohn der Schlossbesitzerin, der alles verdrängt hat und über starke parapsychologische Kräfte verfügt. Goddard war ein Freund der Familie und zog ihn nach der Devise groß, dass man Gewalt nie mit Gewalt bekämpfen sollte. Gleichzeitig schulte er Hammers unbewusste Kräfte, ohne dass dieser es mitbekam, damit er irgendwann Magus in die Schranken weisen kann. Nun ist Hammer aber unfähig, sich gegen Magus zu wehren. Um ihn aufzurütteln, stürzt sich Goddard in die Höhle des Löwen und kommt prompt um. Aber plötzlich taucht ein gesichtsloser, brennender, tätowierter Mann auf, stört die Séance und rettet Vesta. (Es bleibt offen, ob Lemuron den Übergang geschafft hat.) Die findet den fast besinnungslosen Hammer und flieht mit ihm aus dem Schloss. Sie überredet ihn, sich erst einmal in ihrem Heimatdorf zu verstecken.

DIE MEINUNG
Der Hexenhammer. Mit dieser Serie versuchte Pabel, an vergangene Erfolge anzuknüpfen und die Lücke zu füllen, die der eingestellte Dämonenkiller hinterließ. Über die Entwicklung der Serie ist relativ wenig bekannt. Interessant ist der Hinweis im Impressum der Hefte, dass die Serie (oder das Logo?) ein Copyright von 1976 aufweist, während die Romane erst 1978 erschienen. Das lädt zum Spekulieren ein. Haben Verlag und Vlcek die Serie schon ein Jahr vor dem Ende des Dämonenkillers konzipiert? Oder sich zumindest den Titel als potenzielles Objekt gesichert? Wäre der Hexenhammer auf jeden Fall erschienen, auch wenn der Dämonenkiller nicht zwangseingestellt worden wäre?

Alle vierzehn Tage ein Roman als Unterserie des VHR mit eigenem Logo. Das Autorenduo Vlcek und Luif war immerhin ein Garant für gute Horrorunterhaltung, also durfte der Leser gespannt sein. Und Hexenhammer ist ein knackiger Titel, der durchaus Erwartungen weckt. Sicherlich dürfte den Machern klar gewesen sein, dass es die ersten Romane schwer haben würden, zumal man als Otto Normalleser nichts über die Hintergründe der Einstellung des Dämonenkillers wusste. Und selbstverständlich hat man die Romane an der Vorserie gemessen.

Fünfunddreißig Jahre später, in der Rückschau, erscheinen so manche Heftromane anders, als man sie in Erinnerung hat, manchmal sogar besser. Und ein Funken Objektivität kann nicht schaden.

Doch Konzept und Roman sind genau das, was sie wohl auch sein sollten: ein gewaltfreier Softgruseler, der nie mit dem Jugendschutz in Konflikt kommen würde. Insofern funktioniert er allerdings prächtig.

Dabei ist die Idee auf den ersten Blick betrachtet nicht einmal übel. Ein übersinnlich begabter Junge wird zur Waffe gegen das Böse gemacht, ohne dass er etwas davon ahnt, um später einen Dämon zu bekämpfen und nebenher den Mörder seiner Eltern in die Schranken zu weisen.

Ernst Vlcek hat viele gute Romane geschrieben. Und dass er hier das Rad nicht neu erfinden würde, ist kein Thema. Insofern kann man darüber hinwegsehen, dass der Plot zu großen Teilen eine wenig kaschierte Aufarbeitung des ersten Dämonenkillerromans ist. Junger Bursche mit den Initialen DH – wohl ein kleiner in-joke - wird in ein unheimliches Schloss gelockt, wo das Böse in Gestalt einer Menge schräger Typen lauert und sich sein magisches Erbe meldet. Die geheimnisvolle Hexe Vesta ist eine Neuauflage der Hexe Coco. Nur um des Kontrastes willen eben zierlich, mit kleinen Brüsten und nervig. Der magische Tätowierte, in den sich Hammer bei Stress verwandelt, ist eine Neuauflage von Dorian Hunters magischer Gesichtstätowierung, das die Autoren so gern als Deus Ex Machina benutzten. Das mag alles wenig originell sein, aber es ist lesbar.

Zweifellos ist der Roman selbst routiniert erzählt, doch streckenweise plätschert die Handlung vor sich hin. Das ist alles so betont harmlos. Spätestens im Schloss sind die Charaktere aber dann selbst für einen Heftroman unterentwickelt und bleiben eine gesichtslose Schurkenhorde. Figuren wie Mascara Snake, Mega Diabolo oder der Hypnotiseur Graf Cagliostro erscheinen eher albern als bedrohlich. Als Held ist Hammer weder besonders interessant oder kompetent. Alles das, was den Dämonenkiller ausmachte, die Ecken und Kanten, das Abgründige, das ist hier nicht in Sicht.

Die Idee, sich hier vorgeblich auf Parapsychologie zu konzentrieren statt auf Schwarze Magie und Dämonen, hat durchaus Potenzial, aber trotz aller Szenen im Institut, wo verkabelte Testpersonen Karten erraten sollen, dient dieses Milieu eigentlich bloß dazu, die nie näher beschriebenen Gruselelemente etwas netter und pflegeleichter zu machen.

Trotzdem ist das als Einstieg in eine neue Serie nicht schlecht gemacht. Nur eben nicht besonders interessant.

DAS TITELBILD
Die Zeiten von Thole waren 1978 schon lange vorbei. Aber man muss der Redaktion zugestehen, dass sie hier ein durchaus dramatisches Titelbild beigesteuert hat. Eine Abkehr von den quietschbunten Luthohins, die die Reihe zu der Zeit sonst dominierten. Das Logo Hexenhammer ist zwar grafisch schlicht, aber durchaus auffallend.

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Kommentare  

#1 Harantor 2014-01-06 00:11
Und damit ist das Geheimnis gelüftet ...
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#2 Thomas Mühlbauer 2014-01-06 07:13
Zu diesem Zeitpunkt war ich natürlich bis unter die Haarwurzeln mit Freude erfüllt, zumal sich die Handlung da noch in alle Richtung entwickeln konnte. Tja, wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß...
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#3 Schnabel 2014-01-06 11:27
Ich wußte seit meinen Besuch im Juni 1977 bei Kurt Luif von der geplanten neuen Hexenhammer-Subserie, aber es dauerte bis März 1978, bis das erste Heft erschien.
Ich war enttäuscht, was ich da zu lesen bekam, erst die Hefte 4 + 5 gefielen mir besser.
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#4 Thomas Mühlbauer 2014-01-14 18:56
Und wer wäre nach der Ankündigung im VHR 264 nicht mit den höchsten Erwartungen und wässrigem Mund an die neue Serie herangegangen:

Hexen, Vampire, Werwölfe, Dämonen, Aberglauben, Geisterbeschwörungen, dunkle Riten und schwärzeste Magie, Nächte, die erfüllt sind vom Atem des Übernatürlichen - das sind die Elemente der neuen Serie.

All das gab es natürlich, aber die meisten der Themen wurden bereits in den ersten Bänden abgehandelt oder besser "erwähnt", und in der Art, wie das geschehen ist, hatte das nichts mit einem Gruselroman zu tun wie man das gerade vom Haus Pabel gewohnt war.
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#5 Schnabel 2014-01-14 22:04
Leider ist Werbung nicht alles, man muß die Serie auch mit Leben füllen und jeder Gestalt war nur ein schwacher Abklatsch der Vorbilder aus der Dämonenkiller-Serie.
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