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Eine Legende wird vierzig Jahre alt - Die Dämonenkiller-Chronik 3

Dämonenkiller zum 40.Eine Legende wird 40 Jahre alt
Die Dämonenkiller-Chronik (3. Teil)

Aus Anlass des vierzigjährigen Jubiläums der Dämonenkiller-Serie habe ich eine Chronik erstellt, die sich mit der Geschichte der Serie beschäftigt.

Nachdem wir im zweiten Teil der Dämonenkiller-Chronik das komplette Exposé für den 2. Band der Vampir-Horror-Roman-Subserie „DER GROSSINQUISITOR“ gebracht haben, beschäftigen wir uns im dritten Teil der DK-Chronik ein wenig mit den Exposés drei und vier.


Im November 1972 schrieb Ernst Vlcek diese beiden Exposés.

In Exposé Nr. 3 kann man Folgendes lesen:

3PUPPEN DES TEUFELS
3. Roman der Vampir-Serie DER GROSSINQUISITOR
Schauplatz: London und Umgebung
Zeit: Dezember (Gegenwart)

Dorian Hunter hat als Reporter viele gute Beziehungen zu einflußrei­chen Persönlichkeiten. Im Augenblick ist er ohne Beschäftigung und denkt auch gar nicht daran, einen Job anzunehmen. Finanziell kann er es sich leisten. Er will den Kampf gegen das Dämonenunwesen verstärkt fortführen; deshalb will er ungebunden sein. Seine Frau Lilian, die während der Geschehnisse auf der HEXENBURG den Verstand verloren hat, wurde inzwischen in ein privates Sanatorium nach London überstellt. Dorian lebt mit der bekehrten Hexe Coco Zamis (Exposé 2) zusammen.

Dorian schwebt vor, die Regierung für sein "Projekt Inquisition" zu gewinnen und eine mit staatlichen Mitteln subventionierte Organisation zur Bekämpfung der Dämonen zu gründen. Aber um seine Pläne zu verwirklichen müßte er erst einmal die verantwortlichen Stellen von der Existenz der Dämonen überzeugen.

Dorian hat diesbezüglich schon oft bei seinem Freund Donald Chapman vorgesprochen, der für ihn jedoch immer nur ein mitleidiges Lächeln übrig­gehabt hat.

Chapman ist vom Secret Service, 53 Jahre alt, groß, stattlich, hat schwarzes Haar mit Silberfäden darin, schient und kämpft a la James Bond; auch in puncto Frauen steht er dem Super-Agenten kaum nach. Chapman ist durch und durch Realist und tut Dorians Erzählungen als Hirngespinste ab.

Eines Tages jedoch kommt der Secret-Service-Mann mit einer seltsamen Geschichte zu Dorian. Chapman bittet ihn zu einem Besuch bei einer angesehenen Familie, die in einem Londoner Vorort eine Villa bewohnt. Der Herr des Hauses, Lord Elmer Scott Hayward, 67 Jahre alt und mit einer um 28 Jahre jüngeren Asiatin verheiratet, glaubt, daß sein Sohn Phillip von Dämonen besessen ist. Chapman lächelt darüber, aber da Lord Hayward, Diplomat im Ruhestand, immer noch großen Einfluß zu Regierungskreisen hat, versprach Chapman, einen "Fachmann" hinzu zuziehen - eben Dorian.

Dieser ist sofort Feuer und Flamme, er fährt mit Chapman zur Villa hinaus. In einem ersten Gespräch mit Lord Hayward erfährt Dorian, daß der ohnehin schwächliche und sensible Phillip Hayward, in den letzten Tagen zusehends verfallen ist, schwächer und lethargischer wurde, als er es sowieso schon war. Phillip phantasiert, er spricht über seltsame und unheimliche Dinge, auf die sich niemand einen Reim machen kann, so etwa kommen ständig Begriffe wie "Black Sabbat", "Alina" und "Todesmal" über seine Lippen. Aber auf Fragen antwortet er nicht sinnvoll.

Dorian verlangt, Phillip zu sehen. Er wird zu ihm vorgelassen.

Phillip Hayward ist 23 Jahre alt, 1,87 Meter groß, schlank, ja, geradezu grazil, hat eine blasse Haut, wirkt albinoid, hat aber golden schillernde Augen. Er wirkt mehr wie ein Mädchen, besitzt das schöne, glatte, vollkommene Gesicht eines Engels aus dem Katechismus — wenngleich es jetzt vom Tode ge­zeichnet ist.

Autoreninformation: Phillip Hayward ist ein Zwitterwesen. Dorian nennt ihn später einen "Hermaphroditen"; dieser Begriff stammt aus der griechischen Mythologie und meint ein Zwittergeschöpf, das aus einer Verbindung zwischen Hermes und Aphrodite hervorgegangen ist. In der GROSSINQUSITOR-Serie bekommt er eine eigene, besondere Definition. Unser Hermaphrodit hat hellseherische Fähig­keiten. Durch seine seltsame Psyche kann er aber nicht klar in Worten ausdrücken, was er mit seiner Seherfähigkeit sieht, sondern drückt sich in der Art eines Orakels mystisch und umschreibend und in Gleichnissen aus. Das soll sich im Zuge der Handlung langsam herauskristallisieren. Dorian erkennt Phillips Ver­anlagung nach und nach. Der Leser soll zusammen mit Dorian diese Erkenntnis gewinnen.

Donald Chapman ist nach dem Tod des Puppenmachers normal geworden, aber nur psychisch, denn physisch bleibt er ein etwa 30 cm großer Zwerg. Er soll durch seine Winzigkeit in späteren Romanen Spezialeinsätze zugeteilt bekommen. Coco hat sich ebenfalls von ihrem Schrecken erholt. Der Hermaphrodit Phillip (sein Vater ist durch den Vampirbiß ebenfalls zum Blutsauger geworden und wurde mit den anderen vom Licht getötet) ist Dorian als Vormund zugeteilt worden, so daß auch er später als "Inquisitor" zur Verfügung steht.

Allgemeines: Im GROSSINQUISIT0R sind Vampire echten Geblüts untertags von normalen Menschen nicht zu unterscheiden. Nur wenn sie der Drang nach Menschenblut über­kommt, werden sie zu Vampiren, die mit den hinlänglich bekannten Mitteln zu bekämpfen sind. In der Gestalt von Menschen kann ihnen das Tageslicht nichts anhaben - im Gegensatz zu ihren Opfern, die sterben und als Vampire ausgelöscht werden.

In Exposé Nr. 4 kann man Folgendes lesen:

4DAS WACHSFIGURENKABINETT DER MADAME PICARD
4. Roman der Vampir-Serie DER GR0SSINQUISITOR (DER DÄMONENKILLER)
Autor: Kurt Luif (Neal Davenport/ oder James R. Burcette)
Schauplatz: London und Umgebung
Zeit: Januar (Gegenwart)

Situation:
Die folgenden Daten sollen als Information für den Leser in die Handlung eingebaut werden, ohne jedoch den Handlungsfluß zu stören. Esbleibt dem Autor überlassen, wann und wie er den Leser mit den Gegebenheiten vertraut macht.

Dorian Hunter konnte endlich die Regierungsstellen von der Existenz der Dämonen überzeugen. Esexistiert jedoch nur ein kleiner Kreis von Eingeweihten. Ein leitender Beamter des Secret Service hat eine Abteilung gegründet, die Hunter leitet. Der (bisher namenlose Beamte) soll als Graue Eminenz im Hintergrund stehen. Das allein deshalb, weil wir nicht ins Agenten-Milieu abgleiten wollen. Der Secret-Service-Chef wird bei uns Observator Inquisitor genannt was als "Beobach­tender Richter" zu übersetzen wäre.

Dorian heißt innerhalb der "Inquisitions-Abteilung" Großinquisitor - aber wenn wir den Serien-Titel DER DÄMONEN-KILLER wählen, dann soll er dem Leser hauptsächlich als solcher genannt werden.

Die Agenten, die Dorian zur Seite stehen, heißen Exekutor Inquisitor, also Vollstrecker.

4Nach dem Tod von Lord und Lady Hayward hat Phillip Hayward die Jugendstil-Villa am Ende der Baring Road geerbt. Der Observator Inquisitor hat es so eingerichtet, daß Dorian zu Phillips (der Herm­aphrodit) Vormund wurde. In der Villa hat die "Inquisitions-Abteilung" ihren Sitz.

Außer Coco Zamis, Phillip und dem nur noch 30 cm großen Donald Chapman, stehen Dorian noch fünf ehemalige Secret-Service-Agenten zur Seite.

Vier von ihnen kann der Autor frei erfinden. Der fünfte heißt Daniel Shorter, 47 Jahre alt, verschlossen, verbitterter Zug um den Mund, groß, kräftig, im Ernstfall knallhart bis brutal. Dorian soll erfahren, daß Shorter erst vor kurzer Zeit seine Frau und seine 7jährige Tochter verloren hat (vor etwa vier Monaten).

Diese Dinge, so trocken sie sich ausnehmen, müssen dem Leser einleitend klargemacht werden. Er soll sehen, daß Dorian nun von ganz anderen Voraussetzungen ausgehen und operieren kann.

Der gesamte Secret-Service-Apparat steht der "Inquisitions-Abteilung" als Informationsquelle zur Verfügung.

In Band 3 hat Dorian erfahren, daß es in London einige Vampir-Familien gibt (Lady Hurst, Pamela Bancroft). Aber nach den Ereignissen in Haywards Villa sind diese Familien untergetaucht. Der Secret-Service hat Lady Hursts Bekanntenkreis unter die Lupe genommen und daran, wer davon untergetaucht ist, ersehen, wer voraussichtlich zu den Vampiren gehört. Zum Zeitpunkt des Handlungsbeginns stehen etwa vierzig Personen auf der Verdächtigenliste.
Diese Vampire sollen in diesem Roman jedoch nicht das Haupt­gewicht darstellen!!!

Bis März 1973 lagen die ersten vier Manuskripte in der Pabel-Verlag-Redaktion vor und wurden als Vampir-Horror-Roman-Hefte 23, 27, 31 und 35 eingeplant. Als Sub-Serientitel wurde „Dämonenkiller“ gewählt.

Die Vorlage für diesen Serientitel lieferte die Heyne-TB-Subserie „Der Mafiakiller“ von Don Pendleton, die von 1972 – 1974 im Heyne-Verlag lief.

  • 4TB Nr. 1469 Der Mafia-Killer – Auftakt zum Totentanz
    (OT: War Against the Mafia - 01)
  • TB Nr. 1478 Der Mafia-Killer – Die Todesmannschaft
    (OT: Death Squad - 02)
  • TB Nr. 1488 Der Mafia-Killer - Das Girl vom Boss
    (OT: Battle Mask - 03)
  • TB Nr. 1501 Der Mafia-Killer – Massaker in Miami
    (OT: Miami Massacre – 04)
  • TB Nr. 1512 Der Mafia-Killer - Todesspiel mit leichten Mädchen
    (OT: Continental Contract- 05)
  • TB Nr. 1531 Der Mafia-Killer – Die Todesfalle in der Folterkammer
    (OT: Assault on Soho - 06)
  • TB Nr. 1545 Der Mafia-Killer – Todesschatten über New York
    (OT: Nightmare in New York - 07)
  • TB Nr. 1561 Der Mafia-Killer – Todesgrüße aus der Hölle
    (OT: Chicago Wipeout - 08)
  • TB Nr. 1575 Der Mafia-Killer – Todesurlaub in Las Vegas
    (OT: Vegas Vendetta - 09)
  • TB Nr. 1591 Der Mafia-Killer – Todeskarussell unter Palmen
    (OT: Caribbean Kill - 10)
  • TB Nr. 1604 Der Mafia-Killer – Todeshit in Kalifornien
    (OT: California Hit - 11)
  • TB Nr. 1619 Der Mafia-Killer – Todesschatten über Boston
    (OT: Boston Blitz - 12)
  • TB Nr. 1632 Der Mafia-Killer – Todesabenteuer in Washington
    (OT: Washington I.O.U. - 13)
  • TB Nr. 1646 Der Mafia-Killer – Todeskommando in San Diego
    (OT: San Diego Siege - 14)
  • TB Nr. 1657 Der Mafia-Killer – Todespanik in Philadelphia
    (OT: Panic in Philly - 15)

Der erste RomanDer Originaltitel der amerikanischen Taschenbuchserie ist „The Executioner“. Die Serie läuft seit 1969 in den USA und der Held ist Mack Bolan und bis heute sind 417 Titel erschienen. Vergleiche auch den Artikel von Andreas Decker THE EXECUTIONER - 40 Jahre Paperback Originals.

Zu einem Rechtstreit kam es zwischen Don Pendleton und dem amerikanischen Verlag Pinnacle Books um die Urheberrechte nach dem 15. Titel. Während der Verfahrensdauer ließ der Verlag von einem Ghostwriter ein weiteres Mack-Bolan-Abenteuer schreiben.

Nachdem der Rechtsstreit beendet war, und Don Pendleton weiterhin die Rechte am Bolan-Charakter hatte, wechselte er zum Verlag New American Library, für den er weitere 22 Romane schrieb.

Danach verkaufte er seine Rechte an die Harlequin publishing group und diese veröffentlicht bis heute weitere Romane um den Executioner, die - bis auf einen Roman - allesamt aus der Feder anderer Autoren stammten. Don Pendleton gab seinen Namen her und die Serie wurde von Co-Autoren unter dem Pseudonym Don Pendleton fortgesetzt. Der Heyne-Verlag kaufte die fünfzehn ersten Executioner-Titel an. Die weiteren Bände von Don Pendleton und seinen Co-Autoren gefielen wohl der Heyne-Redaktion nicht.

So weit die Infos über den Namenspaten für die Dämonenkiller-Serie.

© by Uwe Schnabel 2013

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2013-07-31 10:49
Interessante Frage, ob sich die Serie als "Der Grossinquisitor" wohl so gut verkauft hätte :D Ich glaube eher nicht. Hat viel zu viele negative Assoziationen.
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#2 Schnabel 2013-07-31 19:18
Ich auch nicht. Als Titel für die Vampir-Subserie wäre es noch gegangen aber als Titel für die eigenständige Serie. Ne das wäre nicht gut gewesen.
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#3 Feldese 2016-09-26 09:10
Sehr interessanter Artikel - mit schöner zusätzlicher "Mafia-Killer"-Information!
Nur schade, dass die Suchfunktion des sonst so hervorragenden zauberspiegels so suboptimal ist!
Aber durch einen Hinweis (Danke nochmal!) konnte ich den Artikel dann finden.
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#4 Harantor 2016-09-26 09:15
Die in Joomla! integrierte Suchfunktion ist in der Tat seit der Gründung des Zauberspiegel vor mehr als 9 Jahren ein Ärgernis und wird es wohl auch bleiben. Wir nehmen das hin, weil Joomla! ansonsten ein guten Job macht und viel wichtiger wir uns darin auskennen und es ansonsten sehr gut arbeitet.
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#5 Das kleine Gespenst 2016-09-27 17:46
Es wäre schön, wenn es einmal eine ungekürzte "Dämonenkiller"-Edition gäbe. Vermutlich wird das aber an der Bundesprüfstelle scheitern. Oder sind alle Romane mittlerweile herunter vom Index? :-?
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