Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Celebrity – Schön. Reich. Berühmt. - Die Marotten der Prominenten

Celebrity – Schön. Reich. Berühmt.

Die Marotten der Prominenten

 

Woody Allen hat sich in seinem Œuvre immer wieder mit den verschiedenen Künsten und Medien auseinandergesetzt, besonders gerne auch mit der Filmbranche selbst und deren Absurditäten. 1998 inszenierte er mit großer Starriege in Schwarz-Weiß seine bitterböse Abrechnung mit der Welt der Stars. „Celebrity – Schön. Reich. Berühmt.“ ist nun erstmals als Single-Disc auf BluRay erschienen.

Mitte der 1990er Jahre war Woody Allen enorm produktiv, in der Branche anerkannt, und die Stars standen Schlange, um in einem seiner Filme mitwirken zu können. Auf die grandiose Theaterhommage „Bullets over Broadway“ folgten Schlag auf Schlag die Sozialkomödie „Geliebte Aphrodite“, das Musical „Everyone Says: I Love You“ und das Drama eines Autors mit Schreibblockade, „Harry außer sich“. Bis zum Ende der 1990er Jahren folgten dann noch das Prominenten-Bashing „Celebrity – Schön. Reich. Berühmt.“ und das fiktionale Musikerporträt „Sweet and Lowdown“. In „Celebrity“ beschäftigte sich Allen nicht nur mit der absurden Welt der Leinwandstars und Prominenten, er konnte dafür auch etliche von ihnen für (Kurz-) Auftritte gewinnen. Wie 2019 bei „A Rainy Day in New York“, in dem Allen den gerade populär gewordenen Timothée Chalamet für die Hauptrolle besetzte, griff er auch schon 1998 in „Celebrity“ auf aktuelle Shootingstars zurück: Leonardo DiCaprio hatte erst im Jahr zuvor seinen Meilenstein „Titanic“ gedreht, und die künftige Oscar-Preisträgerin Charlize Theron hatte ebenfalls im Jahr davor in „Im Auftrag des Teufels“ an der Seite von Al Pacino ihre erste große Rolle gespielt. Etliche weitere, teils schon seit Jahren und Jahrzehnten populäre Mimen sind in diesem Film auch mit von der Partie.

Lee Simon (Sir Kenneth Branagh) ist derzeit als Reisejournalist tätig, würde aber viel lieber Romane schreiben. Ab und zu übernimmt er auch Drehberichte und Interviews an Filmsets, wo er die Bekanntschaft mit der Statistin und Möchtegern-Schauspielerin Nola (Winona Ryder) macht. Als ihm auch Hauptdarstellerin Nicole Oliver (Melanie Griffith) Avancen macht, überdenkt er die Ehe mit seiner Frau Robin (Judy Davis) und gesteht dieser, dass er sich von ihr scheiden lassen will. Für Robin kommt die Trennung geradezu aus heiterem Himmel, weswegen es ihr schwerfällt, rational zu bleiben, wenn sie ihrem Ex künftig bei sozialen Anlässen zufällig wieder über den Weg läuft. Andererseits findet Robin in dem charmanten TV-Produzenten Tony Gardella (Joe Mantegna) schnell einen neuen Verehrer, der auch mit ihren Marotten problemlos klarzukommen scheint. Er ermöglicht ihr sogar, nach einem Jobwechsel für ihn als Fernsehmoderatorin tätig zu sein und sorgt nebenbei dafür, dass Robin mehr aus sich macht und vom grauen Mäuschen zur strahlenden Schönheit wird. Lee hat unterdessen in Bonnie (Famke Janssen) eine gleichermaßen hübsche wie treue neue Partnerin gefunden, als ihm plötzlich in einer Kneipe Nola wieder über den Weg läuft. Während sich das ganze Gefühlschaos zu entfalten beginnt, verfolgt Lee auch seine Ambitionen als Schriftsteller weiter und trifft sich mit Filmstars wie Brandon Darrow (Leonardo DiCaprio), um seinen ersten Drehbuchentwurf an den Mann zu bringen.

Zwischen all den Highlights der späten 1990er in Woody Allens Karriere bleibt „Celebrity“ ein bisschen unbefriedigend, zu belanglos und nichtssagend sind viele der Episoden, die hier angeschnitten werden, zu viel wird mal wieder durcheinander gesprochen, ohne dass dabei allzu viel gesagt wird. Andererseits enthält auch dieser Film wieder ein paar Highlights, beispielsweise die Episode mit dem koksenden Schwerenöter Leonardo DiCaprio, der Hotelzimmer verwüstet, oder die Sequenz bei einem Schönheitschirurgen, (Michael Lerner) dessen Praxis von einem Reality-TV-Team gestürmt wird. Wenn die Nutte Nina (Bebe Neuwirth) der prüden Robin Oralverkehr mit Hilfe einer Banane beibringen will, schießt allerdings auch Allen ein wenig über das Ziel hinaus. Fans seiner Arbeiten dürften sich auch hier wieder ganz passabel unterhalten, und etliche Stars in teilweise sekundenkurzen Auftritten zu entdecken (Donald Trump ist einer von ihnen, damals war er lediglich prominent, aber noch nicht US-Präsident), hat durchaus auch seinen Reiz. Nun ist „Celebrity – Schön. Reich. Berühmt.“ erstmals als Einzel-BluRay bei One Gate erschienen. Das Bild (im Widescreen-Format 1,78:1) geht soweit in Ordnung, das Filmkorn ist mitunter noch zu erkennen. Der Ton (Deutsch und Englisch im DTS HD Master Audio 2.0 Mono) ist – wie bei Allen üblich – sehr unspektakulär, etwas irritierend ist allerdings, dass der Film im PAL-Speed-Up (25 FPS) auf die Scheibe gepresst wurde und deswegen rund 4 Minuten schneller abläuft als die BluRay aus der „Woody Allen Collection“ von Arthaus aus dem Jahr 2013, die zusätzlich auch noch ein bisschen Bonusmaterial zu bieten hatte, was hier nun leider komplett fehlt.

Der Gästezugang für Kommentare wird vorerst wieder geschlossen. Bis zu 500 Spam-Kommentare waren zuviel.

Bitte registriert Euch.

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.