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Vom Ex-Planeten zum Exoplaneten (Teil 8)

1Vom Ex-Planeten zum Exoplaneten
(Teil 8)

Es sind schon viele Überlegungen angestellt worden, ob wohl jenseits der Erde noch Leben möglich sei. Natürlich stand das Sonnensystem selbst dabei besonders im Fokus, sind die einzelnen Objekte hier doch relativ gut beobachtbar, und im Notfall auch mit der uns jetzt schon zur Verfügung stehenden Technik zu erreichen. Gut, von Personenflügen zum Neptun sollten wir vorerst noch die Finger lassen.


Wie anders sieht es da bei dem nächsten Stern aus! Bei der Wundertüte Tau Ceti, etwa 11,9 Lichtjahre entfernt im Sternbild Walfisch gelegen! Er hat etwa die Größe von Epsilon Indi (circa 77% von Masse und Durchmesser der Sonne), erreicht jedoch mit einer Oberflächentemperatur von 5344 +/- 50 K fast das Niveau der Sonne. Die verhältnismäßig geringe Größe beschert dem Stern eine Lebensdauer von 12 Milliarden Jahren, bevor er sich zum Roten Riesen aufbläht.

Tau Ceti hat nur einen geringen Anteil an Elementen, die schwerer sind als Helium. Bei Eisen beispielsweise liegt der Anteil bei ungefähr ⅓ im Vergleich zu demjenigen der Sonne. Im Allgemeinen gilt dies als Indiz für ein hohes Alter. Das von Tau Ceti wird daher auf 10 Milliarden Jahre geschätzt; er wäre praktisch noch zwei Jahrmilliarden von der Aufblähung zum Roten Riesen entfernt. Sollte die Sonne ein solch hohes Alter erreicht haben, wäre die Erde längst schon nicht mehr bewohnbar.

Derzeit (d. h. mit einer Verzögerung von 11,9 Jahren) weist die Chromosphäre des Sterns wenig magnetische Aktivität auf, ähnlich der Sonne während der sogenannten „Kleinen Eiszeit“.

Ein kleines Mysterium stellt die Staubscheibe um den Stern dar, die mit einer Ausdehnung von 55 AE groß genug ist, daß sie inzwischen sogar per Teleskop nachgewiesen werden konnte. Normalerweise gelten derlei Felsbrocken- Zonen als Überbleibsel der „Urwolke“ und Vorstufen der Planetenbildung, deuten also auf ein noch recht junges Alter des Systems hin. Dies haben wir bei Epsilon Eridani gesehen, und es wird auch für unser eigenes Sonnensystem angenommen. Tau Ceti aber hat 10 Milliarden Jahre auf dem Buckel!

Die Beobachtung an unserem eigenen System zeigt, daß viele kleine Körper vom Sonnenwind in die äußeren Bereiche gedrängt werden, wo der Strahlungsdruck schließlich nachläßt (der Kuyper- Gürtel und die Oortsche Wolke). Eine Ausnahme bildet der Asteroidengürtel. Jupiter (und mit geringerem Anteil auch Saturn, Uranus und Neptun) bildet in gewissem Maße ein Bollwerk gegen von außen eindringende Himmelskörper, indem er sie durch seine hohe Gravitation auf sich selbst zu lenkt. Sein Einfluß hat es auch verhindert, daß sich auf der Bahn des Asteroidengürtels ein größerer Planet bilden konnte. Durch seine Masse und Rotation mag er dazu noch eine stabilisierende Funktion haben, die dem Sonnenwind entgegen wirkt.

Tau Ceti hat keinen Gasriesen, allerhöchstens einen stellaren Gefährten (den Roten Zwerg YZ Ceti), der aber zu weit (1,2 Lichtjahre) entfernt ist, um das System als Doppelgestirn zu klassifizieren. Aber dafür hat er etwas anderes: erdähnliche Planeten! Und gleich fünf Stück an der Zahl! Ihre Umlaufbahnen liegen bei 13,9, 35,4, 94, 168 und 640 Tagen, ihre Größe bei 2,0, 3,1, 3,6, 4,3 und 6,6 Erdmassen. Der vierte Planet würde sich sogar innerhalb einer habitablen Zone befinden.

Freilich haben diese fünf Planeten noch nicht einmal zusammen die Masse des Jupiter. Was die Asteroiden in der Nähe des Sterns hält, ist damit nicht ganz klar. Eventuell wird der Gehalt an Meteoren immer wieder durch „Absplitterungen“ von größeren Körpern aufgefüllt. Dies können aber nur die Planeten selbst sein: Es wird geschätzt, daß auf ihnen etwa zehnmal so oft schwere Impaktereignisse stattfinden, als wir es von der Erde her gewohnt sind. Angesichts der Tatsache, daß schon das Aussterben der Dinosaurier immer wieder gern mit so einem Vorfall in Verbindung gebracht wird, läßt es Böses vermuten, was die Entwicklung von höherem Leben anbelangt.

Andererseits ist Tau Ceti mehr als doppelt so alt wie die Sonne, und so, wie bei uns das Leben immer wieder einen Weg gefunden hat, sämtliche Meteoriteneinschläge, Eiszeiten und Ausbrüche von Supervulkanen zu überstehen, mögen fern im All ganz ähnliche Dinge passiert sein. Schließlich gibt es in Staubscheiben oft auch viele Kometen, und wo die niedergehen, bringen sie Wasser mit... und Aminosäuren, die chemischen Bausteine des Lebens.

SETI hat sich Tau Ceti (wie auch Epsilon Eridani) speziell vorgenommen, jedoch keine Radiosignale empfangen, die auf intelligentes Leben hindeuten. Andererseits: Wer sagt, daß es eine Zivilisation, die bis zu 10 Jahrmilliarden Zeit hatte, sich zu entwickeln, überhaupt noch nötig hat, über Radiowellen zu kommunizieren?

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