M - Eine Stadt sucht einen Mörder

M - Eine Stadt sucht einen MörderM - Eine Stadt sucht einen Mörder
(M)

Berlin, 1930. Die Stadt wird in Folge einer Reihe von unaufgeklärten Kindermorden in ihren Grundfesten erschüttert. Gepackt von der zunehmend um sich greifenden Hysterie bezichtigen sich selbst langjährige Nachbarn und "Freunde", der Mörder zu sein. Panik erfasst auch die Unterwelt, die ihrerseits - durch die zunehmenden Razzien der im Dunkeln tappenden Polizei - ihre "Geschäftsgrundlage" als gefährdet erachtet. Die Jagd auf den Mörder beginnt.
 
Es dürfte sich wohl um eine unumstößliche Tatsache handeln, das Fritz Langs erster Tonfilm einer der größten deutschen Filmklassiker ist. Allein die Thematik des Filmes ist auch in der heutigen Zeit aktueller denn je, dreht sich die Geschichte doch um einen scheinbar kranken Kindermörder, der Berlin in Angst und Schrecken versetzt.

Maßgeblich beeinflusst wurde die Story vom realen Fall des Serienmörders Peter Kürten, der auch unter dem Namen "Vampir von Düsseldorf" in die deutsche Kriminalgeschichte eingegangen ist. Auch wenn sich der Film gerade bei der ersten Sichtung eventuell als stinknormaler Kriminalfilm darstellt, der in einigen Passagen noch nicht einmal wirkliche Spannung aufkommen lässt, so entpuppt sich das Werk doch bei genauerer Betrachtung als wahres Meisterwerk. Hier steht nicht wie so oft die Identität des Mörders im Vordergrund, denn diese lüftet sich für den Zuschauer schon recht schnell. Vielmehr ist es die vorherrschende Hysterie in der Großstadt und die sich darus ergebenden Handlungsweisen der Bewohner, die von Lang hervorragend in Szene gesetzt wurden. Durch die offensichtliche Hilflosigkeit der Polizei ergreifen die Bürger die Initiative, so das es letztendlich den Ganoven und Bettlern der Stadt zu verdanken ist, das der Mörder gefasst werden kann. Besonders hervorzuheben ist hier die absolut grandiose Kameraarbeit, die selbst unscheinbar wirkenden Momenten eine unglaubliche Intensität verleiht. Einige Szenen wirken dabei schon wie Standbilder und hinterlassen eine unglaublich starke Wirkung beim Zuschauer, der sich der vom Geschehen ausgehenden Faszination auf keinen Fall entziehen kann.

Doch auch wenn die in der Stadt herrschende Stimmung im Focus der Ereignisse steht, so nimmt auch die Person des Killers eine immer stärker in den Vordergrund rückende Rolle ein. Beim ersten Erscheinen noch als Schatten an einer Häuserwand dargestellt, bekommt die Figur mit dem bis dahin eher unbekannten Peter Lorre auch schnell ein Gesicht. Und gerade dieses Gesicht mit den überdimensional erscheinenden Glubschaugen jagt einem eine wahre Gänsehaut über den Rücken. Das kommt besonders in der letzten Phase der Geschichte äusserst gut zum Ausdruck, als Lorre vor einer Art Tribunal der Berliner Unterwelt für seine Taten zur Rechenschaft gezogen werden soll. Die dabei entstehende Mimik kann man lediglich als grandios bezeichnen, spiegelst sich doch in seinem Gesicht eine Mischung aus Wahnsinn und Verzweiflung wieder. Die Inbrunst, mit der er dann seinen innerlichen Zwang zu töten beschreibt, ist an Klasse kaum zu überbieten und brennt sich nachhaltig im Gedächtnis des Betrachters ein.

Das kann man allerdings auf den gesamten Film beziehen, der ansonsten seine größte Stärke sicherlich in der äusserst düsteren-und bedrohlichen Grundstimmung hat, die sich von der ersten Minute an verbreitet. Wunderbar in Szene gesetzte Schattenspiele steigern dabei die Intensität des Szenarios fast ins Unermessliche. Hinzu kommt die spannende Jagd auf den Kindesmörder und auch die sehr aufwendige Ermittlungsarbeit der Polizei, die sowohl verbal wie auch im Bild extrem gut dargestellt wird. So wird man zum Beispiel Zeuge eines Telefonats zwischen dem Polizeipräsidenten und einem Minister, in dem die Arbeit der Behörden akribisch dargelegt wird. Gerade in der damaligen Zeit und den zu der Zeit möglichen Ermittlungsmethoden kann man erahnen, welch ein immenser Aufwand betrieben wurde, um dem Täter auf die Spur zu kommen. Doch letztendlich ist es doch der sogenannten Bürgerwehr zu verdanken, das man durch einen eher glücklichen Zufall auf den Täter stößt, der dann vor dem schon erwähnten Tribunal für seine Greueltaten einstehen muss. Dabei bekommt man dann auch den ganzen Hass des Mobs zu spüren der sich gegenseitig anstachelt und das Urteil schon längst gefällt hat. Lediglich der sogenannte Verteidiger des Killers wirft dann den Aspekt ein, das man einen kranken Menschen nicht für seine Taten bestrafen kann, sondern ihm sogar helfen müsste. Man sieht also, das auch schon vor über 80 Jahren die gleichen Dinge zu verschiedenen Sichtweisen führten, die auch in der heutigen Zeit die Meinungen spalten.

Die Rolle des Mobs nimmt allerdings die ganze Laufzeit über den stärksten Anteil ein, wobei die Angst und die teilweise schon blinde Wut über die Hilflosigkeit der Polizei überhaupt erst dazu führt, das die Menschen selbst aktiv werden. Äusserst gut hat Fritz Lang hier den Aspekt des totalen Misstrauens herausgearbeitet, der sowohl in Wort und Bild äusserst gut zur Geltung kommt. So wird einfach jeder verdächtigt, der sich auch nur irgendwie in die Nähe eines Kindes begibt und selbst die Verbrecher wissen nicht, wem sie überhaupt trauen können. So entseht eine bedrohliche Atmosphäre, die sich wie ein roter Faden durch das ganze Szenario zieht und sich wie ein bleerner Mantel über die Schultern des Zuschauers legt. Das dabei entstehende - und sehr beklemmende Gefühl kriecht einem regelrecht unter die Haut und lässt einen nicht mehr los.

Schlußendlich ist "M" ein Film mit einer immer aktuellen Thematik, die schon damals brillant umgesetzt wurde. Der Film wirft dabei Fragen auf, die auch heute immer wieder zu Diskussionen führen und wohl niemals eine einheitliche Antwort bekommen. Fritz Lang hat hier eine echte Sternstunde des deutschen Filmes geschaffen, die auch nach 8 Jahrzehnten nichts von ihrem Reiz und ihrer Faszination eingebüßt hat. Die Neuauflage zum 80-Jährigen Jubiläum präsentiert sich in erstklassiger Qualität, so das man wirklich von einem echten Filmgenuss sprechen kann, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.

Fazit: "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" ist eine der ersten deutschen Tonproduktionen überhaupt und ist nun endlich auch in einer würdigen Veröffentlichung erschienen, die dieser Klassiker schon längst verdient hatte. Trotz seines Alters aktueller denn je offenbart sich eine Geschichte, die den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Einstellung in ihren Bann zieht. Hervorragende Schauspieler und eine erstklassige Kameraarbeit sorgen für Unterhaltung auf allerhöchstem Niveau, so das dieser Film in keiner gut sortierten Sammlung fehlen sollte.

 
Informationen zum Film
 
Darsteller: Peter Lorre, Ellen Widmann, Inge Landgut, Otto Wernicke, Theodor Loos, Gustav Gründgens, Friedrich Gnaß, Fritz Odemar, Paul Kemp, Theo Lingen, Rudolf Blümner, Georg John, Franz Stein, Ernst Stahl-Nachbaur, Gerhard Bienert
Regie: Fritz Lang
Drehbuch: Thea von Harbou / Fritz Lang
Kamera: Fritz Arno Wagner
Musik: Keine Information
FSK 12
Deutschland / 1931
 

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