Klute - Der Schnüffler und das Callgirl
Klute
Der Schnüffler und das Callgirl
Für seinen ersten Film „Pookie“, der 1969 in die Kinos kam, hatte Alan J. Pakula die Theateactrice Liza Minnelli engagiert, die hier erst ihre zweite Filmrolle spielte und dann innerhalb weniger Jahre (auch dank ihres Oscar-gekrönten Auftritts in „Cabaret“) zu einem veritablen Kinostar avancierte. Schon für Pakulas „Pookie“ hatte Minnelli eine Oscar-Nominierung erhalten, und die Hauptdarstellerin seines nächsten Films, „Klute“, führte Pakula dann direkt zum Oscar-Sieg: Jane Fonda. Auch in den folgenden Jahren sollte Alan J. Pakulas einfühlsame und präzise Inszenierung aus den Hauptdarstellern seiner Filme das Beste herausholen und einigen von ihnen den wichtigsten Filmpreis der Welt bescheren. Man denke nur an seinen Watergate-Thriller „Die Unbestechlichen“ (Oscar für Jason Robards jr.), das Holocaust-Drama „Sophies Entscheidung“ (Oscar für Meryl Strrep) oder weitere sehenswerte Werke wie „Zeuge einer Verschwörung“ mit Warren Beatty, die John-Grisham-Verfilmung „Die Akte“ oder seinen letzten Kinofilm, „Vertrauter Feind“, um einen I.R.A.-Terroristen. Pakula selbst erhielt im Laufe seiner Karriere die Gold-Statuette nie und brachte es nur auf drei Oscar-Nominierungen, wobei unverständlicherweise auch nur eine einzige auf eine Regie-Leistung fiel (für „Die Unbestechlichen“). Die anderen beiden bekam er als Produzent („Wer die Nachtigall stört“) bzw. als Drehbuchautor („Sophies Entscheidung“).
Ein Forschungsingenieur ist seit mehreren Monaten spurlos verschwunden. Da die Polizei ratlos ist, entschließt sich dessen Freund John Klute (Donald Sutherland), der ebenfalls mal bei der Polizei war, den Vermissten auf eigene Faust zu suchen. Als Privatdetektiv im Auftrag der Familie und der Firma des Verschwundenen begibt sich Klute nach New York, um das Callgirl Bree Daniels (Jane Fonda) aufzusuchen. Die hatte im letzten Jahr einige obszöne Briefe vom Vermissten erhalten, sowie vermutlich auch einige Drohanrufe. Bree ist mit allen Wassern gewaschen und scheint dem eher naiven Landei Klute in vielerlei Hinsicht überlegen. Sie macht ihn mit ihrem Zuhälter Frank Ligourin (Roy Scheider) bekannt, zu dessen Mädchen noch ein weiteres gehört, das in den letzten Monaten ums Leben kam. Klute taucht ein in die Halbwelt der US-Metropole, in der bald auch Bree Daniels ins Visier eines Unbekannten gerät. Ein Mann lauert auf dem Dach ihrer Wohnung, kurz danach sind ihre Habseligkeiten durchwühlt. Handelt es sich bei dem Täter um den vermissten Tom Gruneman, oder ist dieser am Ende selbst gar nicht mehr am Leben?
Man muss sich auf den langsamen Erzählfluss von „Klute“ einlassen können, der speziell nach unseren heutigen Sehgewohnheiten einige eher redundante und wenig ereignisreiche Momente enthält. Andererseits gelingt es Alan J. Pakula dank einer originellen Kameraführung und der unheimlichen Musikuntermalung von Michael Small, eine durchweg sehr unheilschwangere Atmosphäre zu erzeugen. Wie in den meisten seiner Filme wird auch „Klute“ durch die exzellenten Darsteller geadelt, die den Zuschauer zusätzlich mit in das Geschehen hineinziehen und trotz einiger eher zäher Sequenzen rund zwei Stunden bei der Stange zu halten verstehen. Die BluRay-Erstveröffentlichung im Plaion-Pictures-Mediabook bietet ein sehr gutes Bild (im Widescreen-Format 2,39:1), das angesichts des 55 Jahre alten Films kaum mehr Wünsche offenlässt. Der Ton (Deutsch und Englisch im Linear PCM 2.0 Stereo, optional mit deutschen und englischen Untertiteln) ist durchweg gut zu verstehen und dem Alter angemessen. Die etwas rauschige deutsche Synchronfassung (aus der BRD, die Alternativsynchronisation aus der DDR ist nicht mit aufgespielt) geht dabei ebenfalls in Ordnung. Als Extras gibt es zusätzlich eine DVD des Films sowie die überaus spannende Dokumentation „Alan J. Pakula: Going for Truth“ (105 Minuten) von Matthew Miele aus dem Jahr 2022, in der unzählige prominente Weggefährten Pakulas zu Wort kommen, das Making-Of-Featurette „Klute in New York“ (8 Minuten), den Super-8-Vorspann (2 Minuten, allerdings ohne zusätzliche Informationen), ein deutscher Teaser, ein englischer Trailer und eine große Bildergalerie mit über 80 internationalen Fotos und Werbematerialien zum Film. Das Booklet mit einem Text von Tobias Hohmann stand zu Rezensionszwecken nicht zur Verfügung.



